Studien über FSC

FSC-Zertifizierung in der Wissenschaft
Unabhängige wissenschaftliche Studien untersuchen Unterschiede zwischen FSC-zertifizierten und nicht-zertifizierten Wäldern. Einige Ergebnisse unabhängiger Forschungen haben wir hier für Sie zusammengefasst. Mehr als 50 vergleichenden Studien stellt FSC International im Impact Dashboard anschaulich zur Verfügung.
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Zusammenfassungen wissenschaftlicher Studien

Einige Ergebnisse unabhängiger Forschungen haben wir hier für Sie zusammengefasst.

Biodiversität und Ökosystemleistungen in Tropenwäldern: Rolle der Waldutzungsformen im Dja-Gebiet - Kamerun (2020)

Autor: Simon Lhoest
Jahr: 2020
Veröffentlichung: Universität Lüttich, Fakultät Gembloux Agro-Bio Tech

In dieser Dissertationsarbeit von Simon Lhoest, Universität Lüttich, Belgien wird in Kamerun der Erhaltungswert der tropischen Wälder, die Versorgung mit Ökosystemleitungen und deren Nutzung durch die lokale Bevölkerung untersucht. Die Studie vergleicht dabei zwischen drei verschiedenen Waldnutzungsformen: Schutzgebiet, FSC-zertifiziertem Konzessionswald und Gemeindewald (engl. Community forest).

Kernergebnisse
Der Fokus zur Evaluierung des Erhaltungswertes liegt auf dem Vorkommen der seltensten, regionalen Arten einiger Säugetiere und Mistkäfer. Die Ergebnisse zeigen, dass beide Gruppen besonders durch die Nähe zu menschlichen Siedlungen und Aktivitäten beeinflusst werden. Das Schutzgebiet hat dadurch den größten Erhaltungswert. Darüber hinaus kann allerdings eine Einschlagskonzession wichtige Pufferfunktionen übernehmen. In den Peripherien der Schutzgebiete können angrenzende bewirtschaftete Konzessionswälder eine Ausweitung einiger zentraler Funktionen des Schutzgebietes bedeuten, wenn diese verantwortungsvoll bewirtschaftet werden. So zeigte das FSC-zertifizierte Waldgebiet in seinen naturbelassenen Bereichen ein höheres Vorkommen der bedrohten Arten. Deshalb legen die Ergebnisse der Studie nahe, neben der Ausweisung großer Schutzgebiete auch weitergehende integrierte Schutzkonzepte, wie z.B. die FSC-Zertifizierung angrenzender Konzessionswäldern, als Naturschutzinitiative zu fördern.
Um die Versorgung mit Ökosystemleistungen zu untersuchen wurde zwischen deren wahrgenommener Bedeutung und wahrgenommener Häufigkeit unterschieden. Die durchgeführten Interviews zeigen, dass die lokale Bevölkerung die tierischen und pflanzlichen Nahrungsmittel als die wichtigste (93%) Ökosystemleistungen wahrnehmen. Deutlich wird außerdem, dass die kulturellen Ökosystemleistungen wie das kulturelle Erbe und die spirituellen Erfahrungen für die lokale Bevölkerung in den Wäldern Kameruns eine hohe Bedeutung (68%) haben. Alle bedeutsamen Ökosystemleistungen gelten gleichzeitig auch als ausreichend vorhanden mit der Ausnahme des Buschfleischs.

Die Betrachtung der der unterschiedlichen Waldgebiete wurde mit einem ausgeglichenen Potential für die Bereitstellung von Ökosystemleistungen eingeschätzt. Diverse Studien beschreiben eine vergleichbare Waldbedeckung als Haupteinflussfaktor für bereitstellende Leistungen wie Nahrungsmittel und regulierende Leistungen wie Klima, Luft- und Wasserqualität. Die Ergebnisse der Studie zeigen somit, dass durch eine FSC-zertifizierte Konzession in den tropischen Wäldern Kameruns keine Beeinträchtigung für die Versorgung mit regulierenden und bereitstellenden Ökosystemleistungen besteht.
Demgegenüber stellt die Betrachtung der Waldgebiete in dieser Arbeit klar, dass die Nutzung der Ökosystemleistungen durch die lokale Bevölkerung beeinträchtigt ist. Dies gilt besonders für das ausgewiesene Schutzgebiet, aber auch für die FSC-zertifizierte Konzession, da hier Zugangsbeschränkungen gelten, die sowohl die Jagd als auch die Begehung der Wälder für kulturelle und spirituelle Zwecke betreffen. Während spirituelle Zwecke durch eine subjektive Wahrnehmung gelenkt werden, wird für Buschfleisch eine nachhaltige Nutzung häufig Überschritten. Hierbei erklärt die Studie den unmittelbaren Zusammenhang zwischen der Bevölkerungsstruktur, der Waldbestockung und der Zugänglichkeit durch die Waldzuweisungen als korrelierende Faktoren. Dies zeigt, dass allein eine FSC-Zertifizierung keinen verringerten Nutzen von Ökosystemleistungen für die Bevölkerung bedeutet, sondern dass andere lokale Gegebenheiten ebenfalls relevant sind.

Schlussfolgerungen des Autors
In Anbetracht dieser Erkenntnisse schlussfolgert der Autor, dass eine Integration der lokalen Gemeinschaft und eine verbesserte politische Legitimität zu einer nachhaltigeren Managementstrategie der tropischen Wälder Kameruns beitragen. Auch wenn eine Zertifizierung nach FSC Richtlinien, die Zugangsrechte und Nutzung einiger speziellen Ökosystemleistungen wie Buschfleisch und Spiritualität einschränkt, so sieht die Studie besonders in einer partizipatorischen Verwaltung und Kooperation mit NGOs wie dem FSC eine langfristige Strategie, um durch solche Multi-Stakeholder-Modelle die Bedeutung der tropischen Wälder nachhaltig abzusichern.
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Wie wirkt sich die FSC-Wald-Zertifizierung auf die akustisch aktive Fauna in Madre de Dios aus? - Peru (2019)

AutorInnen: DMarconi Campos-Cerqueira, Jose Luis Mena, Vania Tejeda-Gomez Naikoa Aguilar-Amuchastegui, Nelson Gutierrez & T. Mitchell Aide
Jahr: 2019
Veröffentlichung: Remote Sensing in Ecology and Conservation

Verschiedene Studien hatten das Ziel, die Wirkungen von forstlicher Zertifizierung zu quantifizieren. Laut Autoren gibt es nur wenige Studien die belegen, dass zertifizierte Waldwirtschaft im Vergleich zu konventioneller Waldwirtschaft einen effektiven Beitrag zum Schutz der Fauna leistet.

Um die Auswirkungen der Forstzertifizierung auf die Fauna zu bewerten, haben die Wissenschaftler die Biodiversität bestimmter Waldflächen, die auf einer der folgenden drei Arten bewirtschaftet werden, während der Trockenzeit im Jahr 2017 in der peruanischen Region Tahuamanu verglichen:
1. Naturwaldflächen, die als Referenzstandorte herangezogen werden (n = 23)
2. Forest Stewardship Council- (FSC-) zertifizierte Managementstandorte (n = 24), die nach RIL Management (Reduced Impact Logging) bewirtschaftet werden
3. Nicht-FSC-Managementstandorte (n = 20).

Für die Messung wurden Tonaufnahmegeräte an bestimmten Punkten in drei verschiedenen Waldgebieten aufgestellt.
Nach der Analyse der gesammelten Daten schlussfolgerten die Wissenschaftler, dass der Vogelreichtum sich in allen Waldgebieten nicht signifikant unterscheidet Jedoch variierte der verwendete akustische Raum (acoustic space used – ASU) zwischen den drei Managementtypen signifikant. Der ASU beschreibt die Häufigkeit und Lautstärke der gemessenen akustischen Signale im Bezug zum Beobachtungsraum. Die Ergebnisse zeigten eine Variation des ASU, die auf die unterschiedliche Art des Managements zurückgeführt werden kann. Der ASU in den FSC-Standorten war deutlich größer als der innerhalb Referenz- und Nicht-FSC-zertifizierten Standorten, was auf einen größeren Reichtum an akustisch aktiven Arten hindeutet.

Eine Ordinationsanalyse der Klanglandschaften ergab einen signifikanten Unterschied zwischen den drei Forstmanagementtypen. Es gab größere Unterschiede in der Klanglandschaft zwischen den FSC- und Nicht-FSC-Standorten im Vergleich zum Referenzstandort und größere Überschneidungen zwischen FSC- und Referenzstandort im Vergleich zu Nicht-FSC und Referenzstandort.
Die Vogelkennzeichnung führte zu 11.300 Erkennungen von insgesamt 226 Vogelarten. Da der Reichtum an Vogelarten und ihre Zusammensetzung bei den Managementtypen nicht signifikant unterschiedlich waren, deutet dies darauf hin, dass Vogelarten in diesem Zusammenhang nicht die geeignetsten Indikatoren für den Einfluss verschiedener Managementstrategien sind. Die Unterschiede des „akustisch genutzten Raumes“ zwischen den Managementtypen sind höchstwahrscheinlich auf Unterschiede bei akustisch aktiven Insekten zurückzuführen. Insekten sind empfänglicher für Störungen im Mikro-Klima, wodurch die Effekte unterschiedlicher Forstpraxis früher messbar sind als bei der Vogelpopulation. Daher könnte die Messung von Insektengeräuschen ein besserer Indikator sein als die Messung von Vogelgeräuschen.
Darüber hinaus konnten die Forscher einen enormen und wertvollen Datensatz über die akustische Umgebung dieser hochdiversen Amazonas-Waldregion generieren. Die Analysen dieser Aufzeichnungen liefern beispielsweise eine der detailliertesten Untersuchungen einer Amazonas-Vogelgruppe (>200 Arten) hinsichtlich der Verteilung und der Stimmaktivität. Die Erfassung dieses Datensatzes war durch den Einsatz von akustischer Fernerkundung (z.B. PAM) möglich. Diese Methode ermöglicht es, viele Standorte gleichzeitig über einen großen räumlichen Maßstab zu erfassen und so viele logistische Einschränkungen im Zusammenhang mit den traditionellen Probenahme-Techniken zu überwinden.

Diese Studie bietet eine Momentaufnahme der Reaktionen der Fauna auf verschiedene Forstbewirtschaftungspraktiken, allerdings ist eine kontinuierliche oder häufige Überwachung erforderlich, um die langfristigen Auswirkungen auf die Fauna zu ermitteln.
Unsere Ergebnisse entsprechen den Schlussfolgerungen anderer Studien, dass FSC-zertifizierte Wälder, ähnlich wie ungestörte Primärwälder im Amazonasgebiet, Biodiversität und Fauna erhalten können.
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Öko-Zertifizierungsprotokolle als Mechanismen zur Förderung nachhaltiger Umweltpraktiken in telecoupled systems - (2019)

AutorInnen: Ramon Felipe Bicudo da Silva, Mateus Batistella, Roberto Palmieric, Yue Dou und James D.A. Millington
Jahr: 2019
Veröffentlichung: Forest Policy and Economics; Vol. 105 Pag. 52-63

In dieser Studie wird anhand der FSC-Zertifizierung in Brasilien untersucht, wie globale, sozioökonomische Systeme durch Ströme von zertifizierten Forstprodukten verbunden sind. Die Studie analysiert auch, ob und wie diese Verbindungen die Einhaltung von Umweltrecht in ländlichen Gegenden fördern. Die Studie fokussiert dabei Eukalyptus-Plantagen in Paraíba Valley, São Paulo State, Brazil, von wo aus Zellulose exportiert wird. Die empfangenden Regionen sind China und Europa als größte Importeure der letzten zehn Jahre.

Die Studie untersucht Interaktionen zwischen FSC-zertifizierten Unternehmen und brasilianischen Waldgesetzen, speziell den Brasilianischen Forest Code (FC). Die Regeneration von natürlichen Waldelementen wird durch die Analyse von Waldbedeckung über eine Zeitachse in verschiedenen Arten von ländlichen Grundstücken, mit und ohne Eukalyptusplantagen, untersucht. Laut der Studie leistet die FSC-Zertifizierung einen positiven Beitrag zur Regeneration von natürlichen Waldelementen und bei der Einhaltung von gesetzlichen Regelungen durch den FSC. Der Forest Code schreibt vor, dass mindestens 20% der Waldfläche aus heimischen Baumarten bestehen müssen. Diese Regel gilt entsprechend auch für Plantagenbewirtschaftung. Die Voraussetzung von FSC, die Waldbesitzer müssen den Forest Code einhalten, führt dazu, dass die FSC-zertifizierten Regionen die höchste Konformität mit dem Forest Code erreichen. Viele FSC-zertifizierte Grundstücke gehen über die 20% rechtlich geforderten heimischen Waldanteile hinaus. Wichtig für die Bewertung ist, dass die Auswirkungen der Zertifizierung, die durch die Analyse der einheimischen Waldbedeckung beobachtet werden (also dem Potenzial des FSC zur Verbesserung der Erhaltung der biologischen Vielfalt), nicht durch die Anwendung neuer Schutzregeln, sondern einfach durch die Stärkung der Rolle der staatlichen Normen erfolgt.
Darüber hinaus zeigt die Studie, durch Anwendung des sogenannten ´telecoupling framework´, dass die FSC-zertifizierten Plantagen möglicherweise auch eine positive Wirkung auf den umliegenden atlantischen Regenwald haben. Dies ist selbst für die Autoren eine überraschende Beobachtung, weil diese Wälder nicht direkt an die beobachteten Plantagen grenzen. Die Autoren vermuten, dass durch die zertifizierten Plantagen eine verbesserte Verbindung von Schutzgebieten in der Landschaft entsteht. Die Biodiversität von angrenzenden Wäldern kann davon profitieren. Die Autoren beschreiben dies als ´spill-over´-Effekt der FSC-Zertifizierung von Plantagen.

Die Studie veranschaulicht, wie private und staatliche Anstrengungen sich nicht gegenseitig ausschließen, sondern ergänzen, indem sie die Durchsetzung bestehender Regeln (z.B. Forest Code) verbessern, wenn dies durch staatliches Handeln nicht ausreichend erreicht werden kann. Außerdem wird gezeigt, dass sowohl durch das Angebot als auch durch die Nachfrage nach nachhaltigen Produkten die Relevanz von Zertifizierung generell gesteigert wird. Der Marktzugang, der durch Lieferkettenvereinbarungen gewährt wird, motiviert Landbesitzer und ländliche Erzeuger stark, höhere Standards für die Einhaltung der Gesetze anzustreben. Insbesondere die Vereinbarungen und Überprüfung durch Dritte sind Schlüsselfaktoren, um bestehende staatliche Lücken bei der systematischen Überwachung gesetzlicher Anforderungen in bestimmten Länderkontexten wie in Brasilien zu schließen.
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Investitionen von Forstplantagen in soziale Dienstleistungen und lokale Infrastruktur - Tansania (2018)

Investitionen von Forstplantagen in soziale Dienstleistungen und lokale Infrastruktur: eine Analyse von privaten, FSC-zertifizierten und staatlichen, nicht-zertifizierten Plantagen im ländlichen Tansania

AutorInnen: Mohammed B. Degneta, Edwin van der Werf, Verina Ingram, Justus Wesseler
Jahr: 2018
Veröffentlichung: Land Use Policy, Volume 79, Pages 68-83

Diese Studie untersucht die Wahrnehmungen lokaler Haushalte, inwieweit Betreiberunternehmen von Forstplantagen in soziale Dienstleistungen und lokale Infrastruktur im ländlichen Tansania investieren. Betrachtet werden Haushalte, die in Dörfern leben, die an private, FSC-zertifizierte Forstplantagen angrenzen und Haushalte in Dörfern, die an eine staatliche, nicht-zertifizierte Plantage angrenzen.

Die Bedeutung von Forstplantagen bei der Bereitstellung von Forstprodukten wie z.B. Zellstoff und Holz nimmt stetig weiter zu. Der weltweite Rückgang des Holzangebots aus natürlichen Wäldern wurde in den letzten drei Jahrzehnten von einem Anstieg des Holzangebots aus gepflanzten Wäldern begleitet. Es wird erwartet, dass sich dieser Trend in den kommenden Jahren fortsetzen wird.

Tansania ist eines der Länder, die eine rasante Ausdehnung von Forstplantagen erlebt haben. Die gepflanzte Waldfläche des Landes hat sich in den letzten drei Jahrzehnten fast verdoppelt. Sie stieg von 150.000 ha im Jahr 1990 auf 290.000 ha im Jahr 2015. Tansania gehört außerdem zu den Ländern mit der am schnellsten wachsenden Fläche was die FSC-zertifizierten Wälder in Afrika betrifft.

Die Studie wurde in vier Dörfern im Distrikt Mufindi, in der Iringa-Region, durchgeführt, nämlich in Idete, Kihanga, Mapanda und Nzivi. Die Haushalte in allen Dörfern berichten im Durchschnitt über positiv wahrgenommene Veränderungen der sozialen Dienstleistungen und der lokalen Infrastruktur im Zusammenhang mit den Investitionen der Plantagenunternehmen. Dennoch zeigen sich Unterschiede. Haushalte in Dörfern, die an die FSC-zertifizierten Plantagen angrenzen, empfinden im Durchschnitt mit einer um 25,2% höheren Wahrscheinlichkeit, dass die Plantagenbetreiber Anzahl und Qualität von Gesundheitszentren verbessert haben. Dies im Vergleich zu Haushalten in Dörfern, die an die staatlichen, nicht-zertifizierten Plantagen angrenzen. Zudem geben Haushalte in Dörfern in der Nähe von FSC zertifizierten Plantagen mit einer um 26,4% höheren Wahrscheinlichkeit an, dass es durch die Plantagen eine Verbesserung der Bildung in ihren Dörfern gab. Wiederum im Vergleich zu Haushalten in Dörfern, die an die unzertifizierte Plantage angrenzen. Haushalte in der Umgebung von FSC-Plantagen geben zudem mit einer 15% höheren Wahrscheinlichkeit an, dass durch die Plantagen die Anzahl an zur Schule gehenden Kindern gestiegen ist. Es besteht außerdem ein positiver Zusammenhang zwischen den FSC-zertifizierten Plantagen und der wahrgenommenen Verbesserung der Länge und Qualität von Straßen und Brücken in den angrenzenden Dörfern. Hier, in Dörfern angrenzend an FSC-zertifizierte Plantagenbetriebe, geben durchschnittlich 22,9% mehr Haushalte an, dass die Plantagen die Länge und Qualität von Straßen und Brücken verbessert haben. Dorfbewohner, die in der Nähe der FSC-zertifizierten Forstplantagen leben, berichten zudem häufiger davon, dass die Plantagengesellschaften den Bau und die Verbesserung von Schulgebäuden, Straßen und Brücken sowie Krankenstationen und ähnlichen Einrichtungen finanzierten oder sich daran beteiligten.

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Soziale und ökologische Auswirkungen der Forstmanagement-Zertifizierung - Indonesien (2018)

AutorInnen: Daniela A. Miteva, Colby J. Loucks, Subhrendu K. Pattanayak
Jahr: 2015
Veröffentlichung: PLoS ONE 10(7)

In dieser Studie werden mit Fokus auf die Region Kalimantan in Indonesien die sozialen und ökologischen Leistungen der FSC-zertifizierten Holzkonzessionen im Vergleich zu nicht- zertifizierten Holzkonzessionen bewertet.

Die Wälder in Teilen Südostasiens beherbergen eine hohe biologische Vielfalt und zählen zu den am stärksten gefährdeten Ökosystemen der Erde. Vielerorts sind sie nur unzureichend geschützt und weisen ein hohes Maß an Verlust und Degradierung auf. Die Holzproduktion stellt eine erhebliche Bedrohung für die Waldökosysteme in tropischen Regionen und insbesondere in Indonesien dar.
In dieser Studie werden die Auswirkungen einer FSC-Zertifizierung anhand der drei Indikatoren Umwelt, Wohlstand der Haushalte und Dorfentwicklung bewertet.
Durch einen Vergleich von Daten aus mehreren Zeiträumen (2000, 2006 und 2008) ist es möglich, sowohl absolute Veränderungen als auch die Veränderungsraten vor und nach der Zertifizierung zu vergleichen.

Im Vergleich zu Dörfern in nicht-zertifizierten Abholzungskonzessionen befinden sich die FSC-Dörfer in isolierten Gebieten mit geringerer Bevölkerungsdichte und höheren Armutsraten. Außerdem haben sie tendenziell kürzere Flussnetzwerke und damit weniger Möglichkeiten, um illegale Ernten zu transportieren. Die FSC-Zertifizierung in Kalimantan erhöhte zudem die Waldbedeckung um etwa 5 Prozentpunkte in zertifizierten Dörfern.

Die Studie zeigt ebenso, dass die FSC-Zertifizierung auch den Wohlstand der Haushalte beeinflusst. Im Vergleich zu den Dörfern in nicht-zertifizierten Konzessionen reduzierte FSC die Abhängigkeit von Brennholz (um 33%), Atemwegsinfektionen (um 32%) und Unterernährung (um 1 Person) bei der Dorfbevölkerung.
Im Vergleich zu den Dörfern in nicht-zertifizierten Konzessionen erhöhte FSC außerdem die Dorffinanzierung durch private Geldgeber und Geschäftstätigkeiten.

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Umweltauswirkungen von Wald-Zertifizierung (2018)

AutorInnen: Erica di Girolami & Bas Arts
Jahr: 2018
Veröffentlichung: Wageningen University and Research

In dieser Studie der Universität Wageningen werden die Wirkungen von FSC auf die Umwelt untersucht. Die Studie ist eine Metaanalyse, in der mehrere bestehende Studien nach FSC und PEFC im Wald in borealen, gemäßigten und tropischen Regionen der Welt evaluiert werden. Der Fokus der Forscher liegt auf Artenvielfalt (Flora und Fauna) und Ökosystemdiensten im Wald. Für die Autoren war es nicht möglich, eine gesamte Aussage über die Effekte von zertifizierten Wäldern zu treffen. Dafür gibt es zu viele wissenschaftliche Begrenzungen. Allerdings war es den Autoren möglich, einige allgemeine Muster herauszuarbeiten. FSC- und PEFC-Zertifizierung hat in den meisten Studien eine positive Wirkung auf den Schutz der Artenvielfalt. Hierfür müssen einige Bedingungen erfüllt sein: Der Holzeinschlag muss gering sein, der Jagddruck darf nicht zu hoch sein und die Wälder müssen von einer nicht fragmentierten Landschaft umgeben sein. Dadurch kann laut der Studie die Wichtigkeit von Umgebungsfaktoren bei der Zertifizierung von Wäldern belegt werden.

Wichtig ist, dass es viele Trade-Offs zwischen Flora, Fauna und Ökosystemdiensten gibt. Gute Bedingungen für die Fauna haben möglicherweise einen negativen Einfluss auf bestimmte Pflanzen oder etwa die CO2-Senke (Ökosystemdienstleistung).
Die Effekte der FSC-Zertifizierung in borealen Biomen auf die Flora sind generell sehr positiv, allerdings muss dabei beachtet werden, dass es sich hier um Ökosysteme handelt, die von FSC geforderten Stilllegungsflächen profitieren. Die Autoren beschreiben zudem die Schwierigkeit, einen Unterscheid zwischen den direkten Effekten der FSC-Zertifizierung und anderen Maßnahmen, die in den jeweiligen Gebieten einen positiven Beitrag leisten, zu generieren.
In den temporalen Biomen, z.B. in Portugal, zeigen Studien, dass FSC durch die Forderung von Korkeichenwäldern einen positiven Beitrag leistet. Die wahrgenommenen Auswirkungen auf Flora, Fauna und Ökosysteme waren durchgehend positiv.

In den tropischen Biomen wurden die stärksten Folgen beobachtet. Die FSC-Zertifizierung leistet hier einen positiven Beitrag zur Reduzierung und Beendigung von Entwaldungsprozessen. Durch die Anwendung von extensiven Bewirtschaftungsverfahren (reduced impact logging – RIL) ist eine intensiv geplante und sorgfältig kontrollierte Durchführung von Holzernte-Maßnahmen zur Minimierung von Umweltbelastung gegeben. Dadurch ergeben sich durchgehend positive Auswirkungen auf Flora und Ökosystemdienstleistungen.

Weitere Ergebnisse der Meta-Studie sind, dass FSC-Zertifizierung in 38 von 51 Punkten in der Analyse positive Auswirkungen hat. Bei 15 Punkten der Analyse zeigt eine FSC-Zertifizierung keinen Effekt und nur bei 2 Punkten zeigt die FSC-Zertifizierung negative Auswirkungen. Diese beiden negativen Auswirkungen ergeben sich jedoch aus einem Vergleich mit nicht bewirtschafteten, relativ ungestörten Wäldern. Hier bestehen – durch Unterlassung von Bewirtschaftung – positivere Effekte auf die Ökologie als nach Bewirtschaftungseingriffen (unabhängig von der Zertifizierungsfrage).
Über die Effekte der PEFC-Zertifizierung sind relativ wenig Studien bekannt, allerdings lassen sich auch bei der PEFC-Zertifizierung in vier von sieben Studien positive Auswirkungen auf Flora, Fauna und Ökosystemdienstleistungen beobachten. Drei Studien zeigen hierbei keine statistisch signifikanten Ergebnisse.
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Kanonen, Keime und Bäume bestimmen die Anzahl und Verteilung von Gorillas und Schimpansen - Westäquatorialafrika (2018)

AutorInnen: Samantha Strindberg et al.
Jahr: 2018
Veröffentlichung: Science Advances Vol. 4, no. 4, eaar2964

Um Menschenaffen effektiv zu erhalten/bewahren/schützen, benötigen wir zuverlässige Schätzungen ihrer Verbreitung, Dichte und der Häufigkeit ihres Vorkommens sowie ein Verständnis der Faktoren, die ihre Populationsökologie räumlich und zeitlich bestimmen. Alle Menschenaffen sind durch nationale Gesetze und internationale Abkommen geschützt, aber Wilderei in Kombination mit Krankheiten wie z.B. Ebola hat katastrophale Auswirkungen für die Populationen von Menschaffen.
Die meisten Gorillas wurden im Rahmen der Untersuchung in Schutzgebieten und in umliegenden FSC-Konzessionen im Nord-Kongo gefunden. Durch den Einsatz von Wildhütern unterscheiden sich die FSC-Konzessionen von umliegenden Gebieten deutlich. In diesen nicht zertifizierten Schutzgebieten werden nur auf 3,7% der Fläche Wildhüter eingesetzt. 21,4% der gesamten Gorillapopulationen leben in FSC-zertifizierten Konzessionen.
Im Unterschied zu Gorillas haben Schimpansen andere Lebensräume. Häufig leben sie in Sumpfwäldern und in den Bergen von Äquatorialguinea, vom zentralen Gabun bis zum Süd-Kongo. Im Rahmen der Studie konnten 19,3% der Schimpansen in Schutzgebieten nachgewiesen werden und 14,1% in FSC-zertifizierten Konzessionen.
Interessanterweise korreliert die Gorilladichte positiv mit der Anwesenheit von Wildhütern. Bei Abwesenheit von Wildhütern sind Gorillas deutlich weiter von den Straßen entfernt, während die Dichte deutlich ansteigt, sobald sich Wildhüter in diesem Gebiet befinden. Wenn Wildhüter aktiv sind, ist die Gorilladichte am Straßenrand hoch, was die Vorliebe der Gorillas für die reichlich vorhandenen Kräuter widerspiegelt, die in leichten Lücken wachsen. Die Kräuterwiesen entstehen durch das Entfernen oder die Störung des Vordachs entlang der Straßen und für die Lagerung von Straßenholz. Eine entsprechend signifikante Veränderung konnte bei Schimpansen Populationen vermerkt werden. Dies könnte auf die Fähigkeit zurückzuführen sein, dass Schimpansen sich erfolgreicher vor Wilderern verbergen.
Die Autoren zeigen, dass Menschenaffen von der Anwesenheit der Wildhüter profitieren, wobei die positiven Auswirkungen auf Gorillas größer sind als auf Schimpansen. Der Einsatz von Wildhütern in FSC-zertifizierten Konzessionen leistet damit einen positiven Beitrag. Gleichzeitig üben die Autoren auch generelle Kritik an der Art der Holznutzung in Westäquatorialafrika. Insbesondere die Entwaldungsraten sind in den Naturschutzlandschaften, vor allem in den Schutzgebieten, niedriger als außerhalb. Dennoch befindet sich der größte Lebensraum von Menschenaffen in Konzessionsgebieten, die wiederholt abgeholzt werden, mit vergleichsweise kurzen Rotationszeiten von oft nur 30 bis 40 Jahren. Mit diesen Rotationszeiten ist die Regeneration von Baumarten, auf welche die Menschenaffen angewiesen sind, erschwert. Bereits in der der dritten Rotation wurde die Waldstruktur und -zusammensetzung radikal verändert. Empirische Daten haben gezeigt, dass Schimpansen in Wäldern, in denen abgeholzt aber nicht gejagt wird, viel seltener vorkommen als in Wäldern, in denen weder abgeholzt noch gejagt wird.
Häufig werden die Bedingungen, unter denen Menschenaffen sich entwickeln können, nur in gut verwalteten Schutzgebieten und in FSC-zertifizierten Konzessionen erfüllt, in denen nur wenige oder gar keine Menschen leben. Etwa drei Viertel von der gesamten Population von Gorillas und Schimpansen fallen in keine dieser Kategorien, und obwohl Äquatorialguinea, Zentralafrikanische Republik und Angola Schutzgebiete haben, gibt es derzeit keine FSC-zertifizierten Konzessionen mit speziellen Maßnahmen bezogen auf die Menschenaffen.
Die Autoren empfehlen daher eine artangepasste Waldnutzung in Konzessionen mit Blick auf Menschenaffen. Negative Effekte von Holzeinschlag könnten auf diese Weise vermieden werden (z.B. durch die konsequente Anwendung eines differenzierten Ansatzes der Bewertung von besonders schützenswerten Waldgebieten (High Conservation Value). Dies ist in FSC-zertifizierten Wäldern bereits eine praktizierte Methode zur Herleitung von Managementplänen. Dieser Ansatz fördert beispielsweise die Aufforstung entlang zeitlicher Gassen, die für den Holzeinschlag genutzt werden. Wenn die Forstbetriebe beim Aufforsten (Baum-) Arten verwenden, die für den Menschenaffen wichtig sind, dann trägt dies wesentlich zum Schutz dieser Schlüsselarten in Westäquatorialafrika bei.
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Ein kritischer Vergleich von konventionellem, zertifiziertem und gemeinde-basierten Management tropischer Wälder für Holz in Bezug auf ökologische, ökonomische und soziale Variablen (2018)

AutorInnen: Burivalova, Hua, Koh, Garcia, Putz 
Jahr: 2018
Veröffentlichung: A journal of the Society for Conservation Biology

Tropische Wälder sind essentiell für die weltweite Artenvielfalt. Gleichzeitig bietet der Wald Lebensgrundlage für viele Menschen, die abhängig von Wäldern sind. In dieser Studie werden Umweltwirkungen sowie die sozialen und ökonomischen Effekte der FSC-Zertifizierung und gemeindebasierter Forstwirtschaft (community-based forest management) thematisiert. Die Studie ist eine Synthese von mehreren Studien (Meta-Studie). In Bezug auf soziale Indikatoren zeigt das Management nach FSC-Regeln bei 53% der Variablen Verbesserungen im Vergleich zu konventionellem Management. Mit der Zertifizierung sind oft bessere Lebens- und Arbeitsbedingungen der Mitarbeiter verbunden, einschließlich besserer Wohn- und Gesundheitsversorgung, besserer Arbeitsverträge und Krankenversicherungen sowie einer wahrgenommenen höheren Kaufkraft der Arbeitnehmer. Darüber hinaus kann ein größeres Wohlbefinden der Nachbargemeinden durch verbesserte Infrastruktur, Schulen und Gesundheitseinrichtungen durch Zertifizierung beobachtet werden. Eine Zertifizierung führt allerdings nicht zu direkten ökonomischen Vorteilen der lokalen Bevölkerung.
Bei 76% der Umweltindikatoren schneiden das FSC-System oder das RIL Management (RIL = reduced impact logging – Verringerung der Auswirkungen des Holzeinschlags) besser ab als konventionelles Management. Zertifizierte Managementpraktiken wie RIL führten deutlich zu weniger Bodenstörungen und einer geringeren Dichte an Rückegassen. Dieser Vorteil ergibt sich hauptsächlich aus einer besseren Planung, wird aber manchmal auch durch niedrigere Holzernteintensitäten beeinflusst. Vergleiche auf der Grundlage der Intensität zeigten, dass RIL nicht immer zusätzliche Vorteile in Form von reduzierten Kollateralschäden oder kurzfristigen Kohlenstoffemissionen bietet.
Im Vergleich zu konventionell geschlagenen Wäldern behalten die RIL-Flächen angeblich mehr Pflanzen- und Tierarten und einen höherer Artenreichtum, auch wenn die Holzintensität berücksichtigt wird. Dieser Effekt tritt zusätzlich zu der Feststellung auf, dass zertifizierte Wälder weniger Entwaldung erleiden als konventionell geschlagene Wälder. Auf diese Weise ergeben sich positive Auswirkungen auch beim Holzeinschlag auf die Biodiversität.
Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass die Zertifizierung wahrscheinlich mit sozialen und ökologischen Vorteilen verbunden ist, wodurch sich eine Förderung von Waldzertifizierung rechtfertigen lässt, obwohl diese Art der Bewirtschaftung oft weniger profitabel ist als konventionelles Management. Am wichtigsten ist, dass die Entwaldungsraten in zertifizierten Gebieten reduziert werden. Durch den Einsatz von RIL-Praktiken und generell geringeren Extraktionsintensitäten ist die Zertifizierung auch mit weniger schädlichen Auswirkungen auf die Biodiversität verbunden. Die Zertifizierung scheint auch mit einem verbesserten Wohlbefinden der zertifizierten Gemeinschaften und der Gemeinden in der Nähe von zertifizierten Industriekonzessionen verbunden zu sein.
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Funktioniert Waldzertifizierung wirklich? (2017)

AutorInnen: Zuzuna Burivalova, Shreya Dasgupta
Jahr: 2017
Veröffentlichung: Mongabay Series: Conservation Letters

Für diese Studie wurden 40, teilweise methodisch voneinander abweichende, wissenschaftliche Studien analysiert. Zwischen 2012 und 2017 wurden ca. 50 Mio. Hektar durch den FSC zertifiziert. Der größte Anteil der FSC-zertifizierten Wälder befinden sich in Europa und Nordamerika, der übrige Teil in den Tropen. In der Studie wird die Frage aufgeworfen, ob ein Rückgang der Entwaldungsrate durch die Zertifizierung ausgelöst, oder ob der Rückgang durch andere Faktoren verursacht wird. Diese wären beispielsweise eine Änderung der Durchführung der Holzentnahme durch die Zertifizierung, durch eine ohnehin schon abgelegene Lage des Waldes oder durch schon bereits vorhandene nachhaltigere Holzentnahmeverfahren. Herausforderungen dieser Studie ist die Diversität der schon vorhandenen Studien und deren unterschiedliche methodische Vorgehensweise. Außerdem charakterisieren sich die Untersuchungsgebiete durch große Unterschiede und fehlende Langzeitstudien zu diesem Thema.

Es wurden Studien analysiert, die zwei unterschiedliche Typen des Waldmanagements in den Tropen untersuchen: Auf der einen Seite zertifizierte und auf der anderen Seite nicht-zertifizierte, konventionell bewirtschaftete Wälder. Zusätzlich wurden Studien miteinbezogen, die Effekte beim Management von Wäldern durch „reduced impact logging (RIL)“ mit dem konventionellen Management vergleichen. Durch die Studien wurde versucht heraus zu finden, ob die Zertifizierung oder RIL besser, gleich gut oder schlechter ist als konventionelles Waldmanagement.
In Bezug auf den Einfluss des Waldmanagement auf die Umwelt konnte festgestellt werden, dass sich in den meisten Fällen FSC-Zertifizierung bzw. RIL auf diese positiver als konventionelle Bewirtschaftung auswirkt. Holzentnahme kann den Kronenschlussgrad verändern, durch neue Infrastruktur und Holzentnahme können umliegende Bereiche geschädigt und somit illegales Jagen und Fällen erleichtert und das Ökosystem Wald gestört werden. Wird die Störungsrate niedriger, so kann auch der Biodiversitätsverlust verlangsamt werden. Die positiven Auswirkungen von nicht-konventionell bewirtschafteten Wäldern kann auch daher stammen, dass Holzerntetechniken unter FSC verbessert wurden, der Waldzustand bereits zuvor nicht schlecht war oder aber weil verantwortungsvolle Waldverwalter eher eine FSC-Zertifizierung anstreben. Einige Studien haben schwache bis keine Unterschiede entdeckt. Zum Thema der illegalen Jagd oder anderen Straftaten wurden nur wenige bis keine Studien gefunden.
In Bezug auf den sozialen Aspekt konnte nicht festgestellt werden, ob sich eine Zertifizierung positiv auf den Wald auswirkt. Das liegt jedoch hauptsächlich an der geringen Menge gefundener Studien. Zertifizierte Konzessionen haben jedoch besseren Zugang zu Wasser, Elektrizität und Unterkunft sowie zu medizinischer Versorgung. Sowohl in zertifizierten wie auch in nicht zertifizierten Wäldern, werden Männer als Arbeitskräfte Frauen vorgezogen. Auch der Umgang mit Wanderfeldbau, der Jagd und dem Sammeln von Nicht-Holz-Produkten weist kaum einen Unterschied zwischen den Waldbewirtschaftungsmethoden auf. In zertifizierten Wäldern ist die Kommunikation zwischen den Gemeinschaften besser, doch ob die die Probleme letztendlich auch gelöst werden, konnte keine Studie aufzeigen. Eine Zertifizierung kann auch Konflikte auslösen, da Regeln und Gesetze strikter verfolgt werden.
In Bezug auf die Profitabilität für Holzernteunternehmen wurde herausgefunden, dass Zertifizierungen bis dato noch keinen erhöhten Profit vorweisen konnten. Der Preis zertifizierter und nicht-zertifizierter Produkten schwankt je nach Produkttyp, -art und Zeitpunkt. Auch ist die Lukrativität von der Menge des zu exportierenden Rohstoffes abhängig, was sich jedoch längerfristig positiv verändern kann. Die Überschwemmung von billigem, illegal geschlagenem Holz steht in Konkurrenz mit dem teureren zertifizierten Holz. Gleichzeitig muss beachtet werden, dass der Besitz eines FSC-Zertifikats teuer ist, was den Profit ebenfalls mindert. Darunter fällt u.a. der Erwerb von neuem Equipment, das Training von Arbeitskräften und das Einrichten eines neuen Monitoringsystems.
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Mehrere Muster von Waldstörungen und Holzeinschlag formen Waldlandschaften in Paragominas - Brasilien (2016)

AutorInnen: Isabelle Tritsch, Plinio Sist, Igor da Silva Narvaes, Lucas Mazzezi, Lilian Blanc, Clément Bourgoin, Guillaume Cornu und Valery Gond
Jahr: 2016
Veröffentlichung: Forests 7(12): 315

Am Holzeinschlag im brasilianischen Amazonasgebiet sind verschiedene Akteure und Interessenten beteiligt. Anwendung von extensiven Bewirtschaftungsverfahren (Reduced Impact Log-ging – RIL) ist eine der am weitesten verbreiteten Landnutzungsaktivitäten in den Tropen und findet auf mehr als 400 Millionen Hektar statt. In manchen Jahren übertrifft die Fläche, auf der RIL stattfindet, die Fläche, die komplett entwaldet wird. Häufig ist es aufwendig festzustellen, welche Holzeinschläge legal und welche illegal sind. Um diese Vorgänge besser überwachen zu können, wurde eine Remote Sening Methode entwickelt, mit der anhand Satellitendaten Baumkronenfällungen detektiert werden können. Die Studie zeigt, dass die im FSC-Standard vorgeschriebene Art des Holzeinschlags, die Anwendung von extensiven Bewirtschaftungsverfahren, positive Effekte auf die Erhaltung von Waldflächen hat.
Zur besseren Überwachung werden die betroffenen Waldgebiete nach fünf Mustern eingeteilt, von nachhaltig bewirtschafteten Wäldern bis zu stark überlasteten Wäldern. Die entwickelten Indikatoren verschaffen die Möglichkeit, einen Unterschied zwischen legalen und illegalen Holzeinschlägen festzustellen. Diese kostengünstige und effiziente Fernerkundungsmethode basiert auf der Grundlage von Landsat-Bildern. Die Landsat-Satelliten sind eine Serie von zivilen Erdbeobachtungssatelliten der NASA zur Fernerkundung der kontinentalen Erdoberfläche sowie der Küstenregionen. In Kooperation mit dem FSC wird diese Technik zur Verringerung der Auswirkungen des Holzeinschlags angewendet.
Die Überwachung des Waldes ist notwendig, um illegalen Holzeinschlag zu unterbinden und dadurch die Wälder zu erhalten und die Nachhaltigkeit zu gewähren. Der entwickelte Indikatoren-Satz ist ausreichend, um Waldstörungen im Laufe der Zeit zu überwachen und um den politischen Entscheidungsträgern Leitlinien für eine bessere Bewirtschaftung der Waldressourcen an die Hand zu geben.
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Die Interaktion zwischen der FSC-Zertifizierung und der Umsetzung der EU-Holzverordnung - Rumänien (2016)

AutorInnen: Inus Gavrilut, Aureliu-Florin Halalisan, Alexandru Giurca und Metodi Sotirov
Jahr: 2016
Veröffentlichung: Forests 7(1)

In dem Artikel wird die Interaktion zwischen der EU Timber Regulation (EUTR) und der FSC-Zertifizierung in Rumänien untersucht. Es wird die Frage gestellt, ob eine FSC-Zertifizierung Unternehmen bei der Einhaltung von EUTR-Standards helfen kann. Es wird festgestellt, dass die Anzahl von FSC-COC-Zertifikaten seit Inkrafttreten der EUTR in Rumänien deutlich gestiegen ist. Im FSC-Standard selbst wurden im Zuge der EUTR- Richtlinie Anforderungen gestellt, die Unternehmen dabei helfen können der EUTR gerecht zu werden.
Die Autoren stellen dar, dass, auch aufgrund der langsamen Implementierung von spezifischen EUTR-Vorgaben in Rumänien, FSC-Regelungen eine gute Hilfe sein können, EUTR-Anforderungen zu erfüllen. Die Zertifizierungsanforderungen können Unternehmen auf einen besseren Umgang mit Verwaltungsroutinen vorbereiten. Als marktbasierte Initiative fördert die Zertifizierung außerdem Beziehungen zwischen Unternehmen zu internationalen Handelspartnern. Daher hat die EUTR keine negativen Auswirkungen auf Lieferanten, Exporte oder Kunden der zertifizierten Unternehmen. Diese Feststellung stimmt mit vorherigen Feststellungen in Finnland überein: Implementierung der EUTR ist für Unternehmen mit bestehendem Wald- und CoC-Zertifikat nur eine geringfügige Hürde.
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Der soziale Einfluss der FSC-Zertifizierung - Kongobecken (2014)

AutorInnen: Cerutti, P.O.; Lescuyer, G.; Tsanga, R.; Kassa, S.N.; Mapangou, P.R.; Mendoula, E.E.; Missamba-Lola, A.P.; Nasi, R.; Eckebil, P.P.T.; Yembe, R.Y.
Jahr: 2014
Veröffentlichung: CIFOR 

Die Studie untersucht die sozialen Auswirkungen der FSC-Zertifizierung unter besonderer Berücksichtigung der Beteiligung der lokalen Bevölkerung in Kamerun, der Republik Kongo und Gabun. Die Autoren bewerten die Beziehungen zwischen Eigentümern der FSC-zertifizierten Konzessionen in Kamerun und den lokalen Gemeinschaften. Seit Beginn der 90er Jahre wird Forstzertifizierung als Mittel zur Bekämpfung der globalen Entwaldung und Waldschädigung gefördert. Unter den bestehenden Initiativen ist das vom Forest Stewardship Council (FSC) angebotene freiwillige, marktbasierte Zertifizierungssystem am erfolgreichsten.
Eine klare positive Wirkung der FSC-Zertifizierung ergibt sich aus der Förderung von Multi-Stakeholder-Plattformen für eine bessere Kommunikation zur Konfliktlösung. Ein gerechteres Kräfteverhältnis bei der Kommunikation zwischen Stakeholdern muss allerdings noch verbessert und umgesetzt werden.
Im Detail bewertet diese Studie zahlreiche soziale Aspekte einer Reihe von FSC-zertifizierten Konzessionen und vergleicht sie mit der Leistung ähnlicher nicht zertifizierter FMUs in Kamerun, in der Republik Kongo und in Gabun (den einzigen drei Ländern im Kongobecken, in denen FSC-zertifizierte Konzessionen arbeiten). Insgesamt wurden Flächen im Umfang von 5,3 Millionen ha bewertet.
Die Ergebnisse der Studie belegen, dass je länger ein Unternehmen an einem Ort verblieb, desto intensiver wurden die sozialen Beziehungen zur benachbarten Bevölkerung. Es kann belegt werden, dass mit der FSC-Zertifizierung die Anzahl von Konflikten zwischen der lokalen Bevölkerung und den Holzunternehmen abnimmt.

  • bessere Arbeits- und Lebensbedingungen für Arbeitnehmer und ihre Familien

Indikatoren für signifikante Unterschiede zwischen zertifizierten und nicht zertifizierten Konzessionen sind z.B. individuelle Duschen und Toilettensysteme, Krankenversicherung für Mitarbeiter, Sicherungsmaßnahmen auf dem Arbeitsplatz, lokale Hospitale und aktive soziale Gewerkschaften.

  • integrativere und besser geregelte Institutionen für Verhandlungen zwischen der lokalen Bevölkerung und Holzfällerunternehmen

Indikatoren für signifikante Unterschiede zwischen zertifizierten und nicht zertifizierten Konzessionen sind z.B. Anwesenheit von Institutionen, aktive Institutionen initiiert durch Holzunternehmen, demokratische Wahl von Vertretern, Mechanismen für den Schadensausgleich für die Landbevölkerung.

  • besser verwaltete und effektivere Mechanismen zur Aufteilung der Vorteile; und innovative Methoden zur Bewältigung von Problemen im Zusammenhang mit der Verletzung von Nutzungsrechten

Indikatoren für signifikante Unterschiede zwischen zertifizierten und nicht zertifizierten Konzessionen sind z.B. private Vorteilsaufteilmechanismen, jährliche neu Aufteilung von Ressourcen an alle Dörfer
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Hat Waldzertifizierung in Entwicklungsländern Vorteile für die Umwelt? Erkenntnisse aus mexikanischen Anträgen auf Korrekturmaßnahmen - Mexiko (2014)

AutorInnen: Blackmen, Raimondi und Cubbage
Jahr: 2014
Veröffentlichung: Resources for the Future

Die Studie analysiert Korrekturmaßnahmen (Corrective Action Requests = (CARs)), die im Rahmen der Waldprüfung durch Auditoren von zertifizierten Unternehmen in Mexiko gefördert wurden. Der Gedanke hinter der Analyse von Korrekturmaßnahmen ist, dass die Effekte von Zertifizierung besonders dann deutlich wahrnehmbar sind, wenn zertifizierte Unternehmen aktiv die bestehende Bewirtschaftung ändern müssen, nachdem eine Zertifizierungsstelle eine Korrekturmaßnahme fordert.
Die Studie zeigt, dass die zertifizierten Unternehmen weniger CARs erhalten, je länger sie zertifiziert sind. Die meisten der analysierten Korrekturmaßnahmen in Mexiko beziehen sich auf soziale und legale Aspekte (44%) der Zertifizierung. 26% der Korrekturmaßnahmen beziehen sich auf weitere Fragen der Waldbewirtschaftung.
Die spezifischen Korrekturmaßnahmen sind in der Kategorie Kommunikation und Konfliktlösung angesiedelt (333, 29%), gefolgt von Aufforstung und Regenerierung (181, 16%) und in besonders geschützten Waldbereichen (115, 10%).
Insgesamt wurden weniger Korrekturmaßnahmen zu Belangen von Umweltfragen oder des Waldmanagements gefunden (42%), im Vergleich zu sozialen Korrekturmaßnahmen (57%). Tabelle 5 in den Studien gibt einen guten Überblick.
Weil dies ein eher unerwartetes Ergebnis ist, formulieren die Autoren die folgende Hypothese:

Forstbetriebe im Mexico haben in den Jahren vor der FSC-Zertifizierung bereits viel in ihrer Bewirtschaftungspraxis geändert. Darum beziehen die meiste Korrekturmaßnahmen sich auf den sozialen Aspekt der Zertifizierung.

Außerdem ist es wohl so, dass Forstbetriebe, die sich zertifizieren lassen, tendenziell schon zu den nachhaltigeren Betrieben gehören. Dadurch hat diese CAR-Analyse eine logische Limitierung, Korrekturmaßnahmen werden immer erst im Nachgang ermittelt.
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Menschenaffen und FSC: Umsetzung von 'affenfreundlichen' Praktiken in Zentralafrikas Holzwirtschaft (2013)

AutorInnen: David Morgan, Crickette Sanz, David Greer, Fiona Maisels & Elizabeth Willamson
Jahr: 2013
Veröffentlichung: IUCN

In diesem Paper von IUCN wird beschrieben, wie FSC-zertifizierte Unternehmen Vorreiter zum Schutz der Affen in Zentralafrika sein können. In dieser Studie werden die Prinzipien 6, 7, 8, und 9 des FSC-Regelwerks als Basis für affenfreundliche Waldbewirtschaftung untersucht und Lösungen für eine erfolgreichere Anwendung in diesem Gebiet vorgeschlagen. ‚High Conservation Value Forests‘, also besonders schützenswerte Waldgebiete, sind ein wichtiger Betrachtungsgegenstand der Studie. Der Begriff ‚High Conservation Value‘ (HCV) wurde von FSC entwickelt und bezieht sich darauf, dass in den betroffenen Gebieten wichtige soziale, kulturelle oder ökologische Aspekte identifiziert und entsprechend in den Bewirtschaftungsplänen FSC-zertifizierter Konzessionen berücksichtigt werden.
Um Gorillas, Schimpansen und Bonobos in einem Forstbetrieb zu schützen, sind Elemente von HCV ein wichtiger Teil der Evaluierung und des Monitorings. Sowohl Holzproduktion als auch Affenschutz kann im gleichen Gebiet umgesetzt werden. Dennoch ist es sehr wichtig, die Bevölkerungszahl der Affen über mehrere Jahre hinweg zu kontrollieren. Es wird eine enge Zusammenarbeit von Holzunternehmen und Umweltschützern vorgeschlagen. Die aufgenommenen Daten des Monitorings von Holzarten in Waldbeständen durch FSC-Forstbetriebe können mit Umweltverbänden und Umweltschützern geteilt werden, um einen besseren Schutz für Affen zu gewährleisten. In der Praxis bietet der FSC eine gute Plattform für diese Zusammenarbeit.
Mit Bezug auf die FSC-Prinzipien schlagen die Autoren viele Maßnahmen vor, wie Forstbetriebe ihr Monitoring und die Datensammlung im Rahmender FSC-Zertifizierung auf die Menschenaffen anpassen können. Damit können FSC-zertifizierte Forstbetriebe eine Schlüsselrolle beim Schutz von Menschenaffen. Die Studieträgt damit dazu bei, Druck auf Regierungen aufzubauen, den Wald zu schützenund eine Umwandlung von Wald in Landnutzungsfläche zu stoppen. Menschenaffen und FSC: Die Implementierung von ‚affenfreundlichen‘ Praktiken in Zentral-Afrikanische Holzkonzessionen.
Mit Bezug auf die FSC-Prinzipien schlagen die Autoren viele Maßnahmen vor, wie Forstbetriebe ihr Monitoring und die Datensammlung im Rahmen der FSC-Zertifizierung auf die Menschenaffen anpassen können. Damit spielen FSC-zertifizierte Forstbetriebe eine Schlüsselrolle beim Schutz von Menschenaffen. Die Studie trägt dazu bei, Druck auf Regierungen aufzubauen, den Wald zu schützen und eine Umwandlung von Wald in Landnutzungsfläche zu stoppen. Menschenaffen und FSC: Die Implementierung von ‚affenfreundlichen‘ Praktiken in Zentralafrikanischen Holzkonzessionen.
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Armut und Waldzertifizierung (2011)

AutorInnen: H.J. van Hensbergen, K. Bengtsson, M-I. Miranda, I. Dumas
Jahr: 2011
Veröffentlichung: H.J. van Hensbergen, K. Bengtsson, M-I. Miranda, I. Dumas

Die Autoren beschreiben, wie durch die Verbesserung von Management und Governance die Sicherstellung einer gerechteren Verteilung der Vorteile der Wälder gelingt. Forstzertifizierung ist potenziell ein wichtiges Instrument, um viele Millionen Menschen aus der Armut zu befreien.
Dieses Papier untersucht, wie die Forstzertifizierung, insbesondere nach den Prinzipien und Kriterien des Forest Stewardship Council (FSC), zur Armutsbekämpfung beigetragen hat, und diskutiert, was getan werden kann, um ihre Wirkung zu erhöhen. Was die Autoren unter Armut verstehen, basiert zunächst fast ausschließlich auf monetären Erwägungen. In Entwicklungsländern gelten die Ärmsten als diejenigen, die von weniger als einem Dollar pro Tag leben; in den entwickelten Ländern sind die Armen diejenigen, die von weniger als 50% des Medianeinkommens leben. Das Denken über Armut umfasst jedoch zunehmend Ideen, die sich auf die Erfüllung menschlicher Bedürfnisse und Wünsche beziehen. Die Autoren verwenden eine mehrdimensionale Definition von Armut.
Sie haben den Umgang des FSC mit den verschiedenen Elementen der Armut analysiert, und welche Auswirkungen sie wahrscheinlich haben:

Der Existenzbedarf (z.B. Nahrungsmittelmenge und -qualität) ist der wichtigste Schwerpunkt des FSC. Der Schwerpunkt liegt jedoch auf der Beschaffung von Informationen durch soziale Folgenabschätzungen; es gibt keine spezifische Anforderung an die Manager, auf diese Informationen zu reagieren. Die Kriterien umfassen auch das Recht auf Zugang zu Land und traditionellen Ressourcen, den Schutz der Ressourcenbasis, das Recht der Arbeitnehmer, sich zu organisieren und über Löhne und Bedingungen zu verhandeln, sowie eine angemessene Entschädigung für die Nutzung des Wissens der indigenen Völker.
Der Bedarf an Selbstverwirklichung (z.B. Bildung, Medien) wird relativ wenig beachtet, obwohl auf Bildung und Landrechte Bezug genommen wird. Der Zugang zu Medien, Straßen und Verkehr sowie zu Märkten wird nicht erwähnt, obwohl es sich hierbei um entscheidende Fragen zur Armutsbekämpfung handelt.
In Bezug auf die Risikoexposition (z.B. Ernteausfall und Ernährungssicherheit, Verlust von Arbeitsplätzen) geht der FSC gut mit dem Risiko des Verlustes von Arbeitsplätzen und arbeitsbedingten Gefahren um. Kulturversagen und Ernährungssicherheit werden zögerlich angegangen, während Korruption, ein allgegenwärtiges Problem im Forstsektor der Entwicklungsländer, nur aus rechtlicher Sicht behandelt wird.
Die soziale Eingliederung (z.B. Beteiligung an der Entscheidungsfindung, Kulturgut, Geschlechtergerechtigkeit) ist ein Bereich, in dem erwartet werden kann, dass die FSC-Regeln einen großen positiven Einfluss haben. Mehrere Kriterien umfassen das Recht auf Konsultation, Beteiligung an der Entscheidungsfindung, und die Gerechtigkeit wird gefördert. Die Landnutzungszuweisung wird allerdings nur im Falle der indigenen Bevölkerung angemessen behandelt.
Zertifizierte Forstunternehmen sind verpflichtet, mit Mitarbeitern und lokalen Gemeinschaften zusammenzuarbeiten, um ihre Anliegen und Bedürfnisse zu ermitteln und konkrete Ziele für einen Sozialmanagementplan zu vereinbaren. Theoretisch könnte dies alle Armutsbedürfnisse abdecken. Die Autoren dieser Studie haben allerdings eine Umfrage gemacht, um diese Hypothese zu testen.
Die Auswirkungen der Armutsbekämpfung deuten darauf hin, dass sich die Forstzertifizierung positiv auf die Armut ausgewirkt hat. Fehlende Ausgangs- und Vergleichsdaten erschweren es jedoch, einerseits das Ausmaß dieser Auswirkungen zu bestimmen sowie andererseits genau die Folgen zu benennen, welche direkt auf die Forstzertifizierung zurückzuführen sind. Die Existenz der Forstzertifizierung hat die Forstwirtschaft in den letzten 15 Jahren verändert, und viele der Auswirkungen sind in den Wäldern spürbar.
36 Forstleute aus Entwicklungsländern wurden in einer Studie nach den Konsequenzen von Änderungen der Forstpraktiken aufgrund des Drucks der Forstzertifizierung in ihren Ländern, Unternehmen oder Organisationen befragt. Sie wurden gefragt, ob die Forstzertifizierung zu einer Verbesserung der Lebensgrundlagen und Beschäftigungsmöglichkeiten für arme Menschen und Arbeitnehmer sowie zur Achtung der lokalen Gemeinschaften und indigenen Völker beigetragen habe. Die meisten Menschen waren sich einig: Von 180 Wiederholungen waren nur vier negativ.
Die Autoren schreiben, dass eine Reihe von Studien belegen, wie Forstzertifizierung Menschen, die unter Armut leiden, Vorteile gebracht hat. Beobachte Verbesserungen sind z.B.:

  • Marktzugang
  • Gesundheit und Sicherheit
  • Einkommen und wirtschaftliche Möglichkeiten
  • Infrastrukturentwicklung
  • Konsultation

Empfehlungen aus dieser Studie:
Armutsbekämpfung ist kein explizites Ziel bei der FSC-Zertifizierung, von daher sind die Ergebnisse bei jedem Forstbetrieb anders und schwer zu bewerten. Die Autoren stimmen dem FSC zu, dass der Fokus zurzeit auf der Erschaffung von Rahmenbedingen für ein günstiges Umfeld liegt, statt direkte Unterstützung an z.B. Bildung oder Strom zu bieten. Ein Rahmenregelwerk für jedes Land würde allerdings dazu beitragen, dass die Maßnahmen angemessen und wirksam sind. Das Armutsbekämpfung effektiv sein kann, sollten diese fünf Indikatoren vorhanden sein:

  • Ein Rechtsrahmen, der forstabhängigen Menschen den Zugang zu den erforderlichen Waldressourcen ermöglicht.
  • Ein Forstmanagementsystem, das dafür Sorge trägt, dass wertvolle Waldressourcen auch bei forstabhängigen Menschen ankommen.
  • Ein effektives Ernte- und Verarbeitungssystem, das den Wert der Ressourcen maximiert und gleichzeitig die Wertverluste minimiert.
  • Ein Marktsystem, das für Produkte aller Art von Waldbesitzern zugänglich ist und einen Informationsfluss von Markt in den Wald ermöglicht, damit die Produzenten den Wert ihrer Produkte optimieren können.
  • Ein Marktsystem, das einen fairen Preis für die Forstprodukte auf der Grundlage der tatsächlichen Kosten einer nachhaltigen Produktion bezahlt.

Die Unterstützung bei der Umsetzung einer nachhaltigen Waldbewirtschaftung und -zertifizierung sollte mit der Unterstützung aller Aspekte des Forstbetriebs einhergehen. Viele Projekte, bei denen die Zertifizierung im Mittelpunkt stand, sind aufgrund von Marktzugangsversagen gescheitert. Wo Unterstützung geleistet wird, muss sie lange genug andauern, um den Erfolg zu sichern, basierend auf einem tragfähigen Geschäftsplan mit definierten Leistungszielen.
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FSC-Zertifizierung im Kanadischen Borealwald: Eine Studie zu Partnerschaften zwischen Forstunternehmen und der indigenen Bevölkerung (2009)

AutorInnen: Sara Teitelbaum
Jahr: 2009
Veröffentlichung: Rainforest Alliance

Im Juni 2009 machten die kanadischen Wälder mehr als ein Fünftel der zertifizierten Wälder auf der Welt aus, die den Standards des Forest Stewardship Council (FSC) entsprechen. Kanadas boreale Wälder sind sehr groß und bedecken fast vier Millionen Quadratkilometer. Sie erstrecken sich vom Yukon im Nordwesten bis nach Neufundland im Osten und sind überwiegend in öffentlichem Besitz. Die Wälder sind dominiert von Nadelbäumen (verschiedene Arten von Fichte, Tanne, Lärche und Kiefer) und Laubhölzern (verschiedene Erlen-, Birken- und Pappenarten). Die kurzen Vegetationsperioden (kalte Temperaturen) und die nährstoffarmen Böden, die die dortigen Ökosysteme ausmachen, führen zu langsam wachsenden, aber qualitativ hochwertigen Bäumen.
FSC gilt weiterhin als der vielversprechendste Zertifizierungsstandard zur Förderung der Interessen der indigenen Bevölkerungen. Schätzungen zufolge leben etwa 2,5 Millionen Menschen im borealen Wald Kanadas, von denen fast 1 Million zur indigenen Bevölkerung zählt. Die indigene Bevölkerung hat oft eine besonders starke Verbindung zum Wald. Die Studie beschreibt ein Projekt der Rainforest Alliance, das sich mit der Rolle des FSC bei der Förderung von Partnerschaften zwischen Forstunternehmen und der indigenen Bevölkerung befasst.
Die Studie kommt zum Ergebnis, dass FSC ein auf Kriterien und Indikatoren basierendes Prinzip verfolgt, das die Rechte von Indigenen berücksichtigt. Diese Kriterien und Indikatoren verlangen von den Unternehmen den Nachweis, die Interessen der indigenen Bevölkerung an den Wäldern zu respektieren. Im Falle des kanadischen Waldstandards beinhaltet dies zudem Beratung, wirtschaftliche Entwicklung, Kapazitätsaufbau und Schutz der indigenen Werte.
Die Analyse von drei Forstunternehmen ergab, dass der FSC-Zertifizierungsprozess einen konkreten positiven Einfluss auf ihre Unternehmenspraxis gegenüber der indigenen Bevölkerung hat. Während sich alle drei Unternehmen zuvor für die Zusammenarbeit mit der indigenen Bevölkerung eingesetzt hatten, gab es bestimmte Bereiche, in denen der Zertifizierungsprozess in der Lage war, die Unternehmenspraxis zu verbessern und weitere Maßnahmen einzuleiten. Als Beispiele führen die Autoren auf, dass der FSC dazu beigetragen hat, finanzielle Ressourcen für die Gemeinschaften der Aborigines zu mobilisieren und zudem zu formalen Verträgen zwischen Forstunternehmen und Aborigines geführt hat. Darüber hinaus hat die FSC-Zertifizierung bestehende Konsultationsprozesse verbessert. Die jährlich wiederkehrenden Überwachungssaudits haben ermöglicht, Probleme zwischen Forstunternehmen zu erkennen und jährlich zu monitoren. Insgesamt hat FSC dazu beigetragen, ein stärkeres Bewusstsein für die Rechte von Indigenen in entsprechenden Forstunternehmen zu schaffen.
Zudem ergibt die Studie, dass Forstunternehmen anerkennen, wie sehr sie von der Zusammenarbeit mit indigenen Bevölkerungsgruppen profitieren können.
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