Waldbesitzende und -Bewirtschafter

Die Ökosystemleistungen des Waldes sind derzeit in aller Munde und auch forstpolitisch das Thema der Stunde. Angesichts trockener Sommer, einschlägiger Waldschäden und niedrigen Holzpreisen stellt sich die Frage, welche Zukunft das Geschäftsmodell Forstwirtschaft hat. Wir glauben, dass eine Finanzierung über den Holzverkauf alleine nicht mehr trägt und sind davon überzeugt, dass auch der gesellschaftliche Druck auf die Forstwirtschaft weiter steigen wird. Vor allem im öffentlichen Wald wird zunehmend die Frage gestellt werden, welche Leistungen der Wald erbringt, an wen sich diese richten und wie die gesamten Ökosystemleistungen sichergestellt werden können. Beim Thema Ökosystemleistungen im Wald konzentrieren wir uns vorerst auf vier Themen: Erholung, Kohlenstoffspeicherung, Biodiversität und Wasserschutz. International spielt auch der Bodenschutz eine zentrale Rolle. Mit den Überlegungen zur Förderung von Ökosystemleistungen durch den Bund oder durch die Länder hat die FSC-Systematik nichts zu tun.

Messen und kommunizieren – das sind Ihre Vorteile

  • Mit dem Nachweis von Ökosystemleistungen durch die FSC-Zertifizierung wird zusätzlicher Aufwand für Forstbetriebe entstehen. Dieser Aufwand rechtfertigt sich nur, wenn entstehende Vorteile höher wiegen – das wird vor allem ein Sponsoring durch Partnerunternehmen sein. Wie hoch dieses Sponsoring ist, ist abhängig von den Wünschen und Leistungen der Akteure und grundsätzlich frei verhandelbar.

  • Für öffentliche Forstbetriebe bieten die Nachweise von FSC-Ökosystemleistungen aber auch unabhängig von direkten Einnahmen zusätzliche Glaubwürdigkeit in der Kommunikation gegenüber den Bürgerinnen und Bürgern. Mit weiteren Logos und der damit einhergehenden Möglichkeit, geförderte Ökosystemleistungen im Wald zu betonen, wird deutlich, dass die Holznutzung nicht die alleinige Rolle spielt, sondern Waldmanagement zum Wohle Aller im Zentrum der Aktivitäten steht.

Warum Ökosystemleistungen?

Warum und seit wann beschäftigt sich der FSC mit „Ökosystemleistungen“?
FSC hat bereits 2011 im Rahmen eines vom Umweltprogramm der Vereinten Nationen finanzierten Projektes begonnen, sich mit Ökosystemleistungen auseinanderzusetzen. Im Ergebnis ist ein normatives Regelwerk (Ecosystem Services Procedure: Impact Demonstration and Market Tools) entstanden, das seit 2018 den Nachweis von Ökosystemleistungen in FSC-zertifizierten Wäldern regelt. Diese Regeln gelten weltweit, ähnlich den Prinzipien und Kriterien für die FSC-konforme Waldbewirtschaftung, können aber auf nationaler Ebene ergänzt und konkretisiert werden. Das ist in Deutschland nötig, weil viele Regelungen und vorgeschlagene Monitoring-Instrumente nicht optimal zu unseren Gegebenheiten passen.

Ökosystemleistungen – wie funktionert es?

Waldbesitzende können FSC-Aussagen (Verwendung von eigenen Logos) zu von ihnen gewählten Ökosystemleistungen treffen. Das ist dann möglich, wenn sie zu ihrer „normalen“ FSC-Zertifizierung zusätzliche Anforderungen erfüllen. Weil die FSC-zertifizierte Waldbewirtschaftung bereits automatisch positiv zu verschiedenen Ökosystemleistungen beiträgt, beziehen sich diese Anforderungen vor allem auf die Messung bestimmter Wirkungen.

Grundlage ist immer eine sog. Theorie der Veränderung (engl. Theory of Change). Hier stellen die Betriebe den Status Quo und ihre Vorstellungen zu einer Anpassung ihrer Bewirtschaftung dar, die positiv auf die jeweiligen Ökosystemleistungen Einfluss nehmen sollen. Die „Theory of Change“ wird zentraler Gegenstand einer erweiterten Prüfung durch den FSC-Auditor. Jeder Waldbesitzende, der sich mit dem Thema FSC-Ökosystemleistungen auseinandersetzen möchte, aber noch kein FSC-Zertifikat hat, sollte also grundsätzlich zuerst die Frage stellen, ob diese für seinen Wald gewünscht sind und er die entsprechenden Anforderungen erfüllen möchte.

Grundsätzliche Informationen zur FSC-Waldzertifizierung finden Sie hier.

Die FSC-Ökosystemleistungen im Detail

Durch das Einhalten des Deutschen FSC-Standards tragen Waldbesitzende wesentlich zu den Ökosystemleistungen bei. Die folgende Übersicht zeigt, wie die als besonders relevant erachteten Regelungen aus dem Deutschen FSC-Standard, die über eine Reihe von konkreten Indikatoren präzisiert sind, verschiedene Ökosystemleistungen positiv beeinflussen.

Kohlenstoff

Vor dem Hintergrund des Klimawandels spielt die Bindung von Kohlenstoff sowohl im Wald als auch in langlebigen Holzprodukten eine große Rolle. Als FSC konzentrieren wir uns v.a. auf den Waldspeicher und auf die Möglichkeiten, wie Waldbesitzende auf die Speicherleistungen Einfluss nehmen können. Zwei Maßnahmen zeigen hier unmittelbare und deutliche Effekte auf den Waldspeicher: die Ausweisung von Teilflächen, die nicht bewirtschaftet werden (sog. Naturwaldentwicklungsflächen) sowie der schrittweise Aufbau von Holzvorräten. Der Kohlenstoff, der durch diese Maßnahmen zusätzlich gebunden wird, kann ermittelt und kommuniziert werden. Die Anpassung von Waldökosystemen an den Klimawandel durch eine entsprechend angepasste Waldbewirtschaftung wird durch die FSC-Zertifizierung grundsätzlich bereits befördert.

Biotop- und Artenschutz

Durch die Art und Weise des Waldmanagements können Biotop- und Artenschutzaspekte maßgeblich beeinflusst werden. Entsprechende Vorgaben sind im Deutschen FSC-Standard bereits sehr ausführlich enthalten und der Waldbewirtschaftende ist dementsprechend mit vielen Einschränkungen konfrontiert. So muss die Bewirtschaftung angepasst werden, um mögliche negative Beeinträchtigung von gefährdeten Arten oder lokalen Populationen besonders geschützter Arten zu vermeiden. FSC-Waldbesitzende setzen Pflanzenschutzmittel wenn überhaupt nur auf Grundlage gesetzlicher Verpflichtung und unter Beteiligung der Öffentlichkeit ein. Außerdem ist der Einsatz nicht-heimischer Baumarten beschränkt, ebenso die Befahrung und Bearbeitung des Waldbodens oder die Möglichkeit, Kahlschläge durchzuführen.

Wasserschutz

Beim Thema Wasserschutz geht es um Wassereinzugsgebiete, den Wasserrückhalt im Wald und die Wasserqualität. Durch die Art der Bestockung kann der Waldbewirtschaftende Einfluss auf den Wasserschutz nehmen. So steigt z.B. das Sickerwasservolumen bei hohen Laubbaumanteilen. Die Waldbewirtschaftung, genauer, das Verbot von schematischen Hiebsverfahren wie Kahlschlägen und die Orientierung an Dynamik und Struktur natürlicher Waldgesellschaften, verhindern das starke, aktive Auflichten FSC-zertifizierter Wälder. Verdunstung wird damit eingeschränkt und Grundwasserneubildung unterstützt. Extensive Befahrung, die Verwendung von biologisch schnell abbaubaren Ölen und die stark eingeschränkten Möglichkeiten des Pflanzenschutzmitteleinsatzes begünstigen außerdem die Qualität des Trinkwassers und tragen damit nachweisbar zum Wasserschutz bei.

Erholung

Unmittelbare Anforderungen an den FSC-Waldbewirtschaftenden mit Bezug auf die Erholungsleistung von Wäldern finden sich bisher kaum bei FSC. Mittelbar allerdings gibt es eine Reihe von engen Beziehungen zwischen dem Deutschen FSC-Standard und dem Thema Erholung. Am augenscheinlichsten und von Experten am wertvollsten bewertet ist die Verpflichtung, Bürger oder sogenannte Stakeholder eng in die Bewirtschaftungsplanung einzubeziehen. Maßnahmen, welche die Bürger im Beteiligungsverfahren negativ bewerten, die also z.B. den Erholungswert einschränken würden, müssen angepasst werden. Weil nicht immer klar ist, von welchen forstlichen Maßnahmen sich Bürgerinnen und Bürger besonders betroffen fühlen, ist es für den Waldbesitzenden wichtig, diese Perspektive zu kennen. Durch Befragungen und intensiven Austausch können die Waldbewirtschaftenden die Belange miteinbeziehen und Rücksicht nehmen.

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