20 Aug., 2025

Zertifizierte Wälder zahlen sich aus

Neue Studie zeigt, wie Zertifizierungen die Wirtschaftlichkeit steigern und Nachhaltigkeitsziele unterstützen

Im Rahmen einer aktuellen Studie untersuchte ein Team rund um Sofia Corticeiro von der University of Aveiro/Portugal, wie sich Zertifizierungen wirtschaftlich auf europäische Wälder auswirken und welchen Beitrag sie zu einer nachhaltigen Entwicklung leisten. Ausgehend von der zunehmenden Nachfrage nach zertifizierten Holzprodukten und dem globalen Ziel der Dekarbonisierung, analysierten sie öffentlich zugängliche Forst-, Wirtschafts- und Umweltdaten aus 28 europäischen Ländern.

Ziel: einen Zusammenhang zwischen dem Ausmaß der Waldzertifizierung und wirtschaftlichen Kennzahlen im Forstsektor herstellen. Ihre Ergebnisse veröffentlichten sie unter dem Titel „Forest certification and economic insights: a European perspective“ in der Fachzeitschrift Frontiers in Forests and Global Change (Volume 7 – 2024).

Die wichtigsten Ergebnisse

Die Ergebnisse zeigen: In Europa steigert die Waldzertifizierung die Einnahmen im Forstsektor. Zwar steigen mit zunehmender Waldfläche auch die Zertifizierungskosten, doch stabilisieren sie sich ab einer gewissen Größe – insbesondere bei Gruppenzertifizierungen. Besonders hohe wirtschaftliche Nettoerträge durch Zertifizierung wurden für Tschechien und die Niederlande festgestellt, was dort auf eine besonders effektive wirtschaftliche Nutzung der Waldressourcen hindeutet.

Strategische Empfehlungen für Waldbesitzende – über den wirtschaftlichen Nutzen hinaus

Die Forschenden raten Waldbesitzenden und Forstbetrieben, ihre Bewirtschaftungsstrategien stärker an übergreifenden ökonomischen Entwicklungen auszurichten, um wirtschaftliche Chancen zu optimieren und Risiken abzufedern. Neben den wirtschaftlichen Vorteilen reduziert die Zertifizierung auch Umwelt-, Sozial- und Reputationsrisiken: Durch die Zusammenarbeit mit Auditor:innen und Interessenvertreter:innen können Waldbewirtschaftende potenzielle ökologische und soziale Probleme erkennen und so dazu beitragen, das Reputationsrisiko für das Unternehmen zu verringern. Dies ist unter anderem für Investoren wichtig, die Wert auf verantwortungsvolle und sozial wie ökologisch positive Investments legen.

Zusatznutzen: Zugang zu nachhaltigen Märkten

Weiter fanden die Wissenschaftler Hinweise darauf, dass Zertifizierung Waldunternehmen den Zugang zu globalen, nachhaltigkeitsorientierten Märkten eröffnet und die Nachfrage nach verantwortungsbewusst erzeugten Produkten besser erfüllen lässt. Darüber hinaus passt sich die Waldzertifizierung an zentrale Strategien und Gesetze der EU – etwa die LULUCF-Verordnung und das Nature Restoration Law – an, die auf Biodiversitätsschutz und Klimaziele abzielen.

Methodik

Das Forschendenteam verwendete aufgrund der Datenverfügbarkeit das Jahr 2020 als Referenzjahr. Sie griffen auf öffentlich zugängliche Datenbanken zurück, um Informationen über die gesamte und zertifizierte Waldfläche sowie über wichtige Wirtschaftsindikatoren wie Vorleistungen, Abschreibungen, Bruttowertschöpfung und Erträge aus forstwirtschaftlichen Tätigkeiten zu erhalten. Sie berücksichtigten auch Umweltkennzahlen wie Indikatoren für den Schutz der biologischen Vielfalt und der Lebensräume, langfristige Waldbewirtschaftungspläne und SDG 15-Ziele. Die Studie umfasste nur die Zertifizierung der Waldbewirtschaftung, nicht die Chain-of-Custody-Zertifizierung. Die Forschenden verwendeten eine Korrelationsanalyse, um Trends zu ermitteln und den wirtschaftlichen Nutzen zertifizierter Waldbewirtschaftungspraktiken zu bewerten.

Lesen Sie die Studie hier.

Den Artikel von FSC International zur Studie finden Sie hier.

Franziska Becker