© FSC Deutschland
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Wie verantwortungsvolle Waldwirtschaft nach FSC funktioniert
Exkursion in Untergruppenbach/Landkreis Heilbronn bringt COC-zertifizierten Unternehmen die Praxis näher
Am 19. Mai 2025 folgten rund 20 interessierte Teilnehmende ohne forstlichen Hintergrund der Einladung von FSC Deutschland und dem Forstamt des Landkreises Heilbronn zu einer Waldexkursion in Untergruppenbach. Ziel war es, Mitarbeitenden von FSC-zertifizierten Betrieben in der Produktkette anschaulich zu vermitteln, was verantwortungsvolle Waldwirtschaft bedeutet – insbesondere angesichts der wachsenden Herausforderungen durch den Klimawandel – und welche Rolle FSC dabei spielt.
Elmar Seizinger, Leiter Wald bei FSC Deutschland, eröffnete die Veranstaltung mit einer kurzen Einführung in die Grundlagen und Prinzipien von FSC. Er erklärte, wie das Zertifizierungssystem funktioniert und aufgebaut ist. Armin Jacob, Amtsleiter des Kreisforstamts Heilbronn, betonte in seiner Begrüßung: „Auch wenn die Einführung der FSC-Zertifizierung bei den Waldbesitzenden Kommunen im Landkreis Heilbronn anfangs umstritten war, muss man feststellen, dass die Bekanntheit und die Glaubwürdigkeit von FSC in der Bevölkerung und bei den Naturschutzverbänden sehr hoch ist. Das erleichtert uns die Arbeit im Betriebsalltag ungemein.“
Stationen beleuchten verschiedene Aspekte der Waldwirtschaft
In den folgenden drei Stunden wurden die Teilnehmenden zu sieben exemplarischen Stationen im Wald geführt. Dort erläuterten Dominik Musch und Leonard Kloos, Forstanwärter des Forstamts, gemeinsam mit Amtsleiter Armin Jacob und der stellvertretenden Amtsleiterin Sarah Niekrenz, wie die FSC-Grundsätze im zertifizierten Wald konkret umgesetzt werden.
Die erste Station war eine Eichen-Naturverjüngungsfläche, auf der die Lichtbedürfnisse von jungen Eichen veranschaulicht wurden. Es wurde deutlich, wie viele Eichen pro Quadratmeter benötigt werden, damit sich einzelne Bäume durchsetzen können – denn Eichen sind auf viel Licht angewiesen. In sich wandelnden Waldgesellschaften spielen sie eine zentrale Rolle, da sie unter ausreichender Lichtversorgung konkurrenzfähig bleiben, sich gegen Raupenfraß behaupten können und besser an die Einflüsse des Klimawandels angepasst sind als viele andere heimische Baumarten.
Aktuelle Herausforderungen: Klima- und demografischer Wandel
Neben der Praxis wurden auch aktuelle Herausforderungen thematisiert, mit denen die Forstverwaltung im Landkreis konfrontiert ist. Dazu zählt nicht nur der Klimawandel, der in der Region Heilbronn mit einem Temperaturanstieg von rund zwei Grad Celsius in den letzten 50 Jahren bereits spürbar ist. Auch der demografische Wandel wirkt sich aus: Ein Drittel der Mitarbeitenden ist über 60 Jahre alt, was eine gezielte Weitergabe von Wissen und Erfahrung vor dem Renteneintritt notwendig macht, um Know-How-Verlust zu vermeiden. Gleichzeitig gewinnt die Digitalisierung an Bedeutung – etwa im Rückegassenmanagement, bei der Habitatbaumkartierung oder bei Sicherheitsabfragen. Mit Tablets und digitalen Lösungen gestaltet das Forstamt Heilbronn seine Arbeit effizient und zeitgemäß.
An einer weiteren Station – einer Pflanzfläche zur Erprobung neuer Baumarten wie der Elsbeere – erklärte Armin Jacob: „Der Klimawandel stellt unsere Wälder und Forstbetriebe vor enorme Herausforderungen. Es ist wichtig, dass wir gerade im Weinbauklima sowohl auf natürliche Prozesse setzen als auch mit einer Anreicherung mit klimaanpassungsfähigeren europäischen oder bewährten nicht-heimischen Baumarten arbeiten können. FSC bietet hier mit seiner 20%-Regel die richtige Balance zum Austesten neuer Baumarten einerseits sowie zur Vermeidung noch unbekannter Risiken andererseits.“
Im Folgenden lernten die Teilnehmenden, dass sogenannte Habitatbäume bewusst im Wald belassen werden, um sich natürlich zu entwickeln und so als Lebensraum für Arten wie Spechte, Insekten und Fledermäuse zu dienen. Solche Bäume werden markiert, kartiert und dauerhaft geschützt – sie gelten als Zeichen eines naturnahen Waldes. Auch ein Tümpel am Wegesrand kann zur Artenvielfalt beitragen, indem er zahlreichen Pflanzen und Tieren einen wichtigen Lebensraum bietet.
Umfassendes Audit prüft auch soziale Indikatoren
Im Tagesverlauf wurde deutlich, dass der FSC-Standard gerade in Zeiten multipler Krisen – wie Klimawandel, Biodiversitätsverlust und gesellschaftlicher Wandel – eine wertvolle Orientierung bietet. Das breit angelegte (Re)Zertifizierungsaudit, dass durch unabhängige Zertifizierungsgesellschaften durchgeführt wird, , bei dem auch Waldarbeiterinnen und Waldarbeiter zu Sicherheitsstandards befragt werden, zeigt, dass FSC auch Fokus auf soziale Aspekte legt. Zudem bietet FSC Kommunen einen Kommunikations- und Vermarktungsvorteil. So sei es laut Forstamt hilfreich, bei Rückfragen aus der Bevölkerung sagen zu können: „Unser Wald ist FSC-zertifiziert.“
Die letzte Station widmete sich der Frage, warum Jagd wichtig ist. Dabei ging es neben der Regulation des Wildbestandes auch um die nachhaltige Verwertung des Fleischs. Der Tag endete mit inhaltlichen Diskussionen über die vielen Eindrücke an der Lutz-Sigel-Hütte gemeinsam ausklingen.
Autorin: Emma Becher
