15 Mai, 2025

Wachsen durch Austausch

FSC Cross-Country Workshop bringt Europas Waldakteure zusammen

Vom 8. bis 10. April 2025 fand in Wandlitz, Brandenburg, der FSC Cross-Country Workshop für Waldmanagement und Gruppenzertifizierung statt – veranstaltet von FSC Deutschland gemeinsam mit FSC International. Rund 50 Forstleute aus ganz Europa, unter anderem aus Deutschland, Finnland, Litauen, Kroatien und Rumänien trafen sich, um gemeinsame Herausforderungen zu diskutieren, Erfahrungen zu teilen und neue Ansätze für verantwortungsvolles Waldmanagement zu entwickeln. Ein junges Eichenbäumchen aus Litauen wurde als besonderes Symbol für Zusammenarbeit und Nachhaltigkeit am Ende der Veranstaltung an die Gastgeber überreicht.

Im Mittelpunkt stand die Frage, wie die FSC-Zertifizierung – insbesondere über Gruppenzertifizierungen – für private Waldbesitzende noch zugänglicher, attraktiver und praxistauglicher gestaltet werden kann. Besonders beschäftigte die Teilnehmenden konkrete Möglichkeiten, nachhaltige Forstwirtschaft umzusetzen und Wälder im Angesicht des Klimawandels zukunftsfähig zu gestalten. Besonders gefragt waren dabei Praxisbeispiele und Erfahrungen aus Deutschland und anderen Ländern mit vergleichbaren Herausforderungen.

Zum Einstieg gab es Einblicke in aktuelle Entwicklungen bei FSC International sowie konkrete Anwendungsbeispiele aus der Praxis. Laura Paulus stellte die „Community and Family Forest Toolbox“ von FSC International vor, ein praktisches Werkzeugpaket zur Unterstützung unterschiedlichster Waldbesitzender weltweit. Elmar Seizinger von FSC Deutschland präsentierte das Waldmanagement in Deutschland und Ralf Schmidl (Forstverwaltungsleiter Gemeinde Eußenheim; Gruppenleiter FSC-Gruppe Main-Spessart-Würzburg) berichtete über Erfahrungen mit der FSC-Gruppenzertifizierung in der Gemeinde Eußenheim. Ein hochaktueller Beitrag zur EU-Entwaldungsverordnung (EUDR) von Diana Cortes (FSC International) und Wolfram Kotzurek (FSC Deutschland) bot wertvolle Orientierung und beantwortete viele Fragen aus dem Publikum.

Ein Schwerpunkt lag auf dem Austausch über bestehende Gruppenzertifizierungsmodelle. Gruppenmanager aus Litauen (Deivis Pranckūnas), Tschechien (Milan Hron) und Deutschland (Michael Duhr) stellten ihre jeweiligen Ansätze vor – mit Gruppenstrukturen, die von wenigen Dutzend bis hin zu mehreren hundert Mitgliedern reichen. Sie berichteten von sehr unterschiedlichen Finanzierungsrahmen wie externer Finanzierung, Eigenmittel, Holzverkauf oder alternativen Einkommensquellen wie zertifiziertem Honig aus dem Wald. Die Diskussion machte deutlich, wie flexibel Gruppenzertifizierungen aufgebaut sein können – und wie wichtig der regionale Kontext dabei ist.

Erleben, was verantwortungsvolles Waldmanagement bedeutet

Bei einer Exkursion in FSC-zertifizierte Wälder mit Lorenz von Schintling-Horny, Leiter der FSC-Waldmanagementgruppe Waldzertifizierung Uckermark, rund um Templin konnten sich die Teilnehmenden konkrete Lösungen zu aktuellen Herausforderungen anschauen: Wie lassen sich Maßnahmen finanzieren und wie gelingt der schonende Waldumbau gemäß FSC? Eine besonders wertvolle Erfahrung war für die Teilnehmenden, dass es möglich ist, reine Kiefernwälder in Mischwälder umzubauen, ohne Kahlschlag betreiben zu müssen und dabei trotzdem wirtschaftlich arbeiten zu können. Vorgestellt wurde auch das erfolgreiche Wildtiermanagement, das Naturverjüngung ermöglicht. Ein weiteres Highlight war der Besuch des UNESCO-Weltnaturerbes Buchenwald Grumsin am letzten Workshoptag – einer der letzten naturnahen Buchenwälder Europas und eindrucksvolles Beispiel für den Wert von langfristigem Schutzstatus.

Was braucht es für mehr FSC im Wald?

Am zweiten Workshoptag drehte sich alles um Anreize der FSC-Zertifizierung für Waldbesitzende. Zwei Podiumsdiskussionen beleuchteten aus unterschiedlichen Perspektiven, wie FSC noch besser wirken kann – wirtschaftlich, ökologisch und gesellschaftlich.

Im ersten Panel diskutierten Vertreterinnen und Vertreter von Stora Enso, IKEA und UPM über die Rolle von FSC auf dem Holzmarkt. Janne Yrjöla (Stora Enso) betonte die Bedeutung eines glaubwürdigen, weltweit gültigen Standards: „Ohne FSC müsste jedes Unternehmen seinen eigenen Standard entwickeln – und niemand würde ihm vertrauen.“ Auch Maciej Zdzieborski (IKEA) unterstrich die Bedeutung von FSC als vorbildliches System für gesunde Wälder weltweit und hob den Partizipationsgedanken von FSC hervor. Gleichzeitig forderte er mehr Zugänglichkeit, insbesondere für kleine Waldbesitzende, und verwies auf die zunehmende Komplexität von Lieferketten und neuen Vorschriften wie die EUDR: „FSC ist ein System, das alle Interessengruppen beteiligt, einen nachhaltigen Konsens erzielt und dadurch hohes Vertrauen genießt. FSC kann uns andererseits auch helfen, die Komplexität von nationalen und EU-weiten Gesetzen zu bewältigen. Dafür muss er aber einfach, nachvollziehbar und bezahlbar bleiben.“ Noora Simola (UPM) bekräftigte: „Das FSC-System muss wirtschaftlich tragfähig bleiben. Daher ist es wichtig, den Zugang zur Gruppenzertifizierung flächendeckend zu erleichtern.“Die Referierenden waren sich einig, dass die Verbindung zwischen Angebot und Nachfrage gestärkt werden muss, insbesondere dadurch, dass kleinen Waldbesitzenden geholfen wird, ihre Produkte auf den Markt zu bringen. Offen blieb die Frage, ob es zunächst einen ausreichenden Bestand an FSC-zertifizierten Waldflächen braucht, um ein ausreichendes Angebot zu schaffen, oder ob es vielmehr einer verstärkten Nachfrage nach FSC-zertifizierten Holzprodukten durch die Endkunden bedarf.

Mehrwert für die Gesellschaft jenseits des Holzpreises

Das zweite Panel, moderiert von Aidas Pivoriūnas (FSC International), fokussierte auf die Vorteile der FSC-Zertifizierung jenseits des Holzpreises. Sven Selbert (NABU Deutschland und Vorstandsmitglied FSC Deutschland) wies darauf hin: „Bei FSC geht es nicht nur um Holz – es geht um gesellschaftlichen Mehrwert, Umweltschutz und Zukunftsfähigkeit. Bürokratie ist in einem System wie FSC immer ein Faktor und hat auch einen gewissen Wert. Ganz ohne Bürokratie gäbe es FSC nicht mehr!“ Elmar Seizinger, Leiter des Waldbereiches bei FSC Deutschland, erklärte in der Diskussion: „Unsere Analysen zeigen, dass eine FSC-Zertifizierung in Deutschland nicht durch den Marktpreis motiviert ist. Wir brauchen also verbindliche alternative Finanzierungssysteme, um Waldbesitzende, die von ihrem Wald leben müssen, zur FSC-Zertifizierung zu motivieren. Es ist von großer Bedeutung, dass wir weiterhin gute Beziehungen zu Regierungen pflegen, um FSC als Möglichkeit für verantwortungsvolles Waldmanagement stark zu positionieren und staatliche Förderprogramme auf eine FSC-Zertifizierung zuzuschneiden.“ Dr. Sebastian Brackhane (ZUG / BMUV) ergänzte in diesem Zusammenhang, dass die Förderung von Ökosystemleistungen des Waldes besonders wichtig ist, um den Wald zu stärken und damit die Gesellschaft langfristig von den Leistungen des Waldes profitieren kann. Dirk Riestenpatt (Berliner Forsten) bekräftigte, dass die FSC-Zertifizierung von Ökosystemleistungen dabei einen guten Ansatz biete, um die Maßnahmen von Forstbetrieben zum Erhalt und zur Verbesserung von Ökosystemleistungen nachzuweisen und in Wert zu setzen. Der Markt müsse hier aber noch ausgebaut werden.

Ein starkes Zeichen für Vernetzung und gemeinsame Verantwortung

Zum Abschluss wurde es feierlich. Die litauische FSC-Gruppe Darnūs miškai rund um Deivis Pranckūnas überreichte den Gastgebern von FSC Deutschland ein Eichenbäumchen – gezogen aus einem Steckling der berühmten Saravai-Eiche, die 600 Jahre alt wurde und einst als Versammlungsort für Freiheitskämpfer diente. Das Gastgeschenk wächst nun an einer Wegkreuzung im Garlitzer Wald bei Michael Duhr, Gruppenleiter FSC-Gruppe Mittelbrandenburg – und soll, wie sein Vorbild, ein Ort für Gespräche, Begegnung und Austausch werden.

Der FSC Cross-Country Workshop hat gezeigt, dass der grenzüberschreitende Austausch neue Ideen bringt, Partnerschaften stärkt und hilft, FSC-Zertifizierung gemeinsam weiterzuentwickeln. Die nächsten Schritte sind nun, Erfahrungen zu vertiefen, Praxismodelle zu teilen und das Netzwerk weiter wachsen zu lassen. Genau wie die junge Eiche im Brandenburger Wald.

Text: Julia Bouwer