16 Dez., 2025

Revision des deutschen FSC-Waldstandards

Anpassung für die Zukunft des Waldes / Internetseite hält Updates bereit

Seit Juni 2025 befindet sich der deutsche FSC-Waldstandard in der Revisionsphase. Dieser Schritt gehört zum festen Turnus des FSC-Systems: Alle fünf Jahre wird das bestehende Regelwerk überprüft und gegebenenfalls aktualisiert. Ziel ist es, den Standard an neue wissenschaftliche Erkenntnisse, veränderte gesellschaftliche Erwartungen und praktische Erfahrungen der Forstbetriebe anzupassen. Damit soll die Anwendung in der Praxis erleichtert und die Effektivität des FSC-Systems insgesamt gestärkt werden. Die Internetseite zur Revision hält alle Interessierten auf dem Laufenden inklusive eines exklusiven Bereichs für FSC-Mitglieder.

Warum eine Revision notwendig ist

Wälder stehen vor tiefgreifenden Herausforderungen. Klimawandel, Artensterben, steigende Nachfrage nach Holzprodukten und gesellschaftliche Erwartungen an ökologische Verantwortung verlangen nach stetiger Weiterentwicklung. Der FSC-Waldstandard ist in Deutschland seit vielen Jahren die Grundlage für glaubwürdige Zertifizierung und nachhaltiges Waldmanagement. Damit er diese Rolle weiterhin erfüllen kann, braucht es regelmäßige Anpassungen.

Ziel ist, dass der Standard für alle Forstbetriebe leichter umsetzbar wird. Das bezieht vor allem den Nachweis von Anforderungen mit ein, aber auch die Schärfung differenzierter Regelungen für unterschiedliche Besitzarten und Betriebsgrößen, wie aktuell z.B. schon bei Naturwaldentwicklungsflächen.

 „Der Revisionsprozess ist nicht nur Pflichtübung, sondern eine echte Chance, innovativ zu bleiben. Das bedeutet, aktuelle Themen aufzunehmen und unseren zertifizierten Forstbetrieben, aber auch gegenüber engagierten Menschen aus Umwelt- und Sozialorganisationen gegenüber, glaubwürdig zu bleiben“, beschreibt Elmar Seizinger, Leiter FSC-Waldbereich, den Prozess.

Wer arbeitet an der Revision?

Die Verantwortung für die Revision liegt beim FSC-Richtlinienausschuss (RLA). Dieses Gremium setzt sich aus Vertretern der drei FSC-Kammern – Umwelt, Wirtschaft und Soziales – zusammen. Dadurch wird sichergestellt, dass unterschiedliche Perspektiven in die Erarbeitung einfließen. „Die Herausforderung wird im Wesentlichen darin bestehen, dass ein abschließendes Gesamtgefüge vereinbart werden muss. Hierfür ist der FSC sehr gut eingerichtet, weil jede Kammer zu gleichen Anteilen seine Vertreter im Ausschuss hat. Der RLA wird sich zunächst bei den entscheidenden Themen einer sachlichen und fachlichen Übereinkunft bemühen, was im Einzelfall nicht immer gelingen wird. Aber mit der Vorgabe in allen Punkten einig zu werden, wird es abschließend Zugeständnisse geben müssen. Dazu sind die Richtlinienmitglieder beauftrag oder sogar verpflichtet“, beschreibt Elmar Stertenbrink, RLA-Vertreter der Sozialkammer, die Arbeit des Gremiums.

Der Ausschuss arbeitet eng mit Experten aus Wissenschaft und Praxis zusammen. Eine externe Prozessbegleitung findet durch die International School of Governance (ISOG) statt.

Partizipativer Ansatz

Charakteristisch für FSC ist der partizipative Prozess. Zertifikatsinhaber:innen, NGOs und weitere Stakeholder können während zweier Konsultationsphasen Rückmeldungen geben und Vorschläge einbringen. Mitglieder werden enger eingebunden und können sich regelmäßig zu inhaltlichen Fragen austauschen, ihre Sichtweisen einbringen und schlussendlich über den finalen Standardentwurf abstimmen. So wird ein neuer Standard nicht von oben herab beschlossen, sondern gemeinsam erarbeitet. Diese Beteiligung erhöht die Legitimität des Standards und sorgt dafür, dass die Ergebnisse in der Praxis auf breite Akzeptanz stoßen.

Verantwortung und Innovation verbinden

Der FSC-Standard steht seit jeher für das Zusammenspiel von ökologischer Verantwortung und innovativen Ansätzen im Waldmanagement. Er gibt klare Leitplanken für den Schutz der Biodiversität, den Umgang mit nicht-heimischen Baumarten oder die Wahrung von Arbeitnehmendenrechten, lässt gleichzeitig aber auch Raum für flexible, standortangepasste Lösungen. Genau diese Balance soll durch die Revision weiter gestärkt werden. „Die Zertifizierung nach FSC ist in Deutschland immer noch ein Beleg für die Vereinbarung von Ökologie, Sozialem und Ökonomie bei der Waldbewirtschaftung. Wir wollen, dass das auch in Zukunft so bleibt. Bei der Revision schauen wir, wo es ggf. Anpassungen an neue Rahmenbedingungen wie den Klimawandel braucht“, beschreibt Umweltkammer-Vertreter Johannes Enssle die Ziele der Revision. Stertenbrink ergänzt: „Die Idee einer Waldbewirtschaftung auf Grundlage der natürlichen Prozesse des Waldes muss in der Revision als Perspektive für die Zukunft unbedingt herausstechen“.

Nächste Schritte

Der Revisionsprozess ist mehrstufig angelegt. Nach der Kick-off-Veranstaltung im Juni werden derzeit priorisierte Themen durch Richtlinienausschuss und Mitgliedschaft diskutiert. Die erste und zweite Konsultation ist für Anfang und Ende 2026 geplant. Während der Revision wird der bestehende Standard damit einer umfassenden Analyse unterzogen: Welche Regelungen sind bewährt? Wo gibt es Unklarheiten oder Widersprüche? Welche neuen Anforderungen ergeben sich durch internationale FSC-Vorgaben, nationale Gesetze oder gesellschaftliche Entwicklungen? Entwürfe werden erarbeitet, Fragen und Kommentare, die in öffentlichen Konsultationen genannt wurden, dann wieder diskutiert und gegebenenfalls eingearbeitet.

Bedeutung für Waldbesitzende und Gesellschaft

Für Waldbesitzende bedeutet die Revision eine Optimierung der Vorgaben, die das Waldmanagement gemäß FSC-Standard klarer, effizienter und zukunftsfähiger gestalten. Für die Gesellschaft ist der überarbeitete Standard ein Signal: FSC-zertifizierte Wälder in Deutschland erfüllen weiterhin aktuelle, höchste Anforderungen an ökologische, ökonomische und soziale Nachhaltigkeit.

Internetseite mit aktuellen Informationen

Auf der entsprechenden Internetseite hält FSC Deutschland aktuelle Informationen zur Revision bereit, inklusive Fahrplan mit wichtigen Meilensteinen sowie technischen Hintergrundinformationen und einem exklusiven Mitgliederbereich.

Annika Burger