Minister Peter Hauk MdL, Felix Reining (Vorstand ForstBW), Dr. Mathias Steckel (Forstbezirksleiter Odenwald), Elmar Seizinger (Leiter Waldbereich FSC Deutschland) und Dietmar Hellmann (Vorstandasmitglied FSC Deutschland) (v.l.)
© FSC Deutschland
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Minister Peter Hauk informiert sich über FSC-Zertifizierung
Praxisaustausch im Odenwald mit ForstBW und FSC Deutschland – „Dank FSC Vorteile in der Holzvermarktung einiger Sortimente“
Nebelschwaden liegen im Tal, während auf den Hügeln des Odenwaldes die Sonne scheint: Die zweite Januarwoche zeigt sich von ihrer überraschend sonnigen Seite. Im Staatswald bei Binau wird gearbeitet. Orangefarbene Warnkleidung leuchtet zwischen braunen Ästen und Stämmen, eine Motorsäge surrt, „Achtung, Baum fällt“ hallt es durch den Wald.
Es ist 15 Uhr, als sich am Waldrand eine Gruppe trifft – nicht für einen Spaziergang, sondern für einen intensiven fachlichen und politischen Austausch über die Zukunft der Waldbewirtschaftung in Baden-Württemberg.
Peter Hauk MdL (CDU), Minister für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz, besucht an diesem Nachmittag den Forstbezirk Odenwald von ForstBW um sich über die FSC-Zertifizierung von ForstBW zu informieren.
Mit dabei sind die Forstbezirks- und Revierleitung, Försterinnen und Förster, Forstwirt-Auszubildende sowie Vertreterinnen und Vertreter von FSC Deutschland: Elmar Seizinger, Leiter Waldbereich, Margarete Wacker, Leiterin Marktservices, sowie Vorstandsmitglied Dietmar Hellmann, der selbst viele Jahre Forstbezirksleiter war.
Für die mehr als 300.000 Hektar Staatswald – und für die Menschen, die ihn bewirtschaften – ist FSC mehr als eine formale Auszeichnung. Die Zertifizierung ist mit jährlichen unabhängigen Audits, umfangreicher Dokumentation und klaren Vorgaben verbunden. Entsprechend wichtig ist dieser Termin: ein Praxischeck direkt im Wald.
„Dank FSC Vorteile in der Holzvermarktung einiger Sortimente“
Die Gruppe nähert sich einer laufenden Holzernte. „Als ich noch als Revierleiter im Wald gearbeitet habe, haben sich mir die Vorteile der FSC-Zertifizierung nicht vollumfänglich erschlossen“, berichtet Jonas Petermann als Geschäftsbereichsleiter Technische Produktion zuständig für die Holzvermarktung im Forstbezirk Odenwald. „Heute, im Holzverkauf, sehe ich, dass wir dank FSC Vorteile in der Holzvermarktung einiger Sortimente haben. Dies äußert sich einerseits durch die Möglichkeit bei weniger nachgefragten Sortimenten ausreichende Absatzmengen zu sichern und andererseits, wie beispielsweise beim Buchenstammholz, etwas höhere Verkaufspreise zu erzielen.“
ForstBW bewirtschaftet seit dem 16. Mai 2014 seine 313.240 Hektar nach FSC-Standards – eine Fläche größer als das Saarland. Im Angesicht der Klimawandels stehen die Verantwortlichen vor großen Herausforderungen, wie Felix Reining, Vorstand von ForstBW, erläutert: Rund 70.000 Hektar klimalabiler, von Fichten dominierter Waldbestände müssen umgebaut werden, Buchenaltbestände leiden unter zunehmender Trockenheit, wuchsschwache Mischbaumarten benötigen gezielte Förderung.
Klimawandel erfordert aktiven Waldumbau
Minister Peter Hauk MdL, selbst früher Leiter eines Forstamts im Neckar-Odenwald-Kreis, hört aufmerksam zu und fragt nach. „Wenn wir unseren Wald im Klimawandel erhalten wollen müssen wir ihn aktiv bewirtschaften, ihn pflegen und klimaresiliente Mischwälder aufbauen. Natur- und Artenschutz sind heute Teil des modernen Waldmanagements. Dass die Waldbewirtschaftung in Baden-Württemberg auf einem guten Weg ist, wird uns regelmäßig wieder bestätigt“, so der Minister.
Besonders intensiv diskutiert die Gruppe den Waldumbau mit nicht-heimischen Baumarten. Felix Reining erklärt: „Wir würden unsere Bestände gern mit Esskastanie und Walnuss anreichern, die seit Tausenden von Jahren in Deutschland etabliert sind. Nach dem FSC-Standard gelten diese aber als nicht heimische Baumarten, wie etwa auch Douglasien oder Roteichen. Für diese gilt insgesamt eine Obergrenze von 20% Baumartenanteil. Hier sehen wir eine vertane Chance.“
Elmar Seizinger, Leiter Waldbereich von FSC Deutschland, greift diese Kritik auf: „Diese Frage wird regelmäßig diskutiert. Bislang hatten die meisten Betriebe mit der Obergrenze keine praktischen Probleme. Bei der anstehenden Revision des deutschen FSC-Waldstandards werden die Mitglieder diesen Punkt jedoch erneut beraten und gegebenenfalls neu definieren.“
Der Nachmittag ist geprägt von genau solchen Fachgesprächen aus der Praxis: über die einzel- und horstweise Einbringung von Baumarten, über Verjüngungsverfahren für Lichtbaumarten wie die Eiche sowie über Dokumentations- und Anzeigepflichten, wie sie im FSC-System vorgesehen sind.
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Parallel dazu demonstrieren die Forstwirt-Auszubildenden weitere zentrale Anforderungen der FSC-Zertifizierung, insbesondere im Bereich Arbeitsschutz. „Im Bereich Arbeitssicherheit werden bei FSC-Audits in Deutschland die meisten Korrekturmaßnahmen angemahnt“, erläutert Elmar Seizinger. „Das zeigt, wie wichtig und wirksam diese Kontrollen sind.“
Dietmar Hellmann, Vorstandsmitglied von FSC Deutschland, ordnet den Termin über den konkreten Waldbestand hinaus ein: „ForstBW ist gesetzlich verpflichtet, den Staatswald vorbildlich zu bewirtschaften. Er dient in besonderem Maße dem Allgemeinwohl und soll ökologisch vorbildlich, sozial ausgewogen und ökonomisch erfolgreich geführt werden. Das ist ein klarer gesetzlicher Auftrag, den ForstBW vorbildlich umsetzt.“ FSC sei ein geeignetes Instrument, um diese Anforderungen transparent und glaubwürdig zu überprüfen. Grundlage dafür sei das Dreikammersystem, das ökologische, soziale und ökonomische Interessen gleichberechtigt berücksichtige und durch jährliche Audits abgesichert werde.
FSC stärkt regionale Wertschöpfung
Auch die Marktperspektive spielt eine wichtige Rolle. Margarete Wacker, Leiterin Marktservices von FSC Deutschland, betont: „In Baden-Württemberg gibt es rund 600 FSC-zertifizierte Unternehmen. Viele von ihnen sind auf Holz aus der Region angewiesen. FSC stärkt die regionale Wertschöpfung, und FSC-Holz ist am Markt gefragt. Über 70 Prozent der Verbraucherinnen und Verbraucher kennen das FSC-Logo.“
„FSC hilft uns auch in der öffentlichen Auseinandersetzung mit Bürgerinnen und Bürgern“, ergänzt Dr. Mathias Steckel, Forstbezirksleiter Odenwald. „Gerade beim aktiven Waldumbau ist Vertrauen entscheidend. Die Zertifizierung unterstützt uns dabei, unsere Maßnahmen nachvollziehbar zu erklären.“
Als die Gruppe den Wald verlässt, senkt sich die Sonne langsam hinter den Nebel. Der Minister verabschiedet sich. Die Botschaft der ForstBW-Mitarbeitenden ist an diesem Nachmittag deutlich geworden: FSC ist für sie gelebte Praxis – im Wald, im Betrieb und am Markt. Der Austausch im Odenwald hat gezeigt, dass FSC und ForstBW in der täglichen Arbeit eng miteinander verbunden sind – getragen von den Menschen vor Ort, von den Auszubildenden bis zur Betriebsleitung.
