12 Dez., 2023

EUDR-Geolokalisierung in der Republik Srpska

Eine neue Technologie macht das staatliche Forstunternehmen zum Vorreiter in der Geolokalisierung

Im Juli 2023 besuchte FSC International einen öffentlichen FSC-zertifizierten Wald nahe der Stadt Gradiška im Norden der Republik Srpska, Bosnien und Herzegowina. Er wird durch das staatliche Unternehmen Šume Republike Srpske verwaltet, das für alle öffentlichen Wälder im Gebiet zuständig ist. Förster demonstrierten den Besucherinnen und Besuchern das Pilotprogramm zur Geolokalisierung am Beispiel der örtlichen Holzernte.

Schritt 1 – Auswahl der Bäume: Erfahrene Forstingenieure identifizieren erntereife Bäume. Jeder ausgewählte Baum wird auf Brusthöhe gekennzeichnet, sodass die Waldarbeiter:innen die zu fällenden Bäume leicht erkennen können. Dabei wird jeder markierte Baum auch mit präzisen GPS-Koordinaten geolokalisiert. Diese werden mittels QR-Code am unteren Ende des Baumstamms gespeichert.

Schritt 2 – Holzernte: Sobald die Markierung abgeschlossen ist, werden die gekennzeichneten Bäume gefällt.

Schritt 3 – Geolokalisierung: Bevor das unbehandelte Holz eingesammelt wird, kategorisieren Forstingenieure es in verschiedene Klassen, die entsprechend farblich markiert und mit GPS-Koordinaten versehen werden. Der QR-Code des Baumstumpfes wird mit dem QR-Code des Holzanhängers verknüpft.

Schritt 4 – Abschließende Kontrolle: Das gefällte, kategorisierte und geolokalisierte Holz wird an den Straßenrand transportiert. Dort scannen Forstingenieur:innen die QR-Codes jedes einzelnen Holzstücks und bestätigen damit, dass jedes Holzstück mit den GPS-Koordinaten des Ursprungsortes versehen ist. Anschließend wird das Holz erneut markiert, um den Abschluss der Endkontrolle zu signalisieren. Es kann nun zur Weiterverarbeitung auf einen Lkw verladen werden.

Geolokalisierung in Zukunft wichtiger

Das Geolokalisierungssystem ermöglicht es, das Holz anhand präziser GPS-Koordinaten entlang der gesamten Lieferkette zu verfolgen. Käufer:innen und Verkäufer:innen erhalten dadurch einen möglichst genauen Einblick in die Herkunft des Materials. Außerdem liefert es die notwendigen Informationen über die Produkte, die gemäß der EU-Verordnung über entwaldungsfreie Produkte (EUDR) auf dem EU-Markt in Verkehr gebracht werden sollen.
Das Pilotprojekt in Bosnien-Herzegowina ist ein Beispiel für eine besonders zukunftsweisende Initiative. Es ermöglicht der Republik Srpske, die von der EUDR geforderten Geolokalisierungsdaten zu liefern und dadurch wettbewerbsfähig zu bleiben. Aufgrund der Beliebtheit bosnischer Möbel ist es besonders wichtig, dass diese weiterhin auf dem EU-Markt verfügbar bleiben.

Hintergrund

Seit 1990 wurden weltweit rund 420 Millionen Hektar Wald zerstört, eine Fläche, die größer als die gesamte Europäische Union ist. Der größte Teil der Entwaldung fand zwar außerhalb der EU statt, aber die Nachfrage nach Holz und anderen Rohstoffen aus der EU hat eindeutig zu diesem Verlust beigetragen. Als Reaktion darauf einigte sich die EU auf eine neue Verordnung über entwaldungsfreie Produkte (EUDR), um die Herstellung und Einfuhr bestimmter Produkte, darunter Holz und Möbel, zu kontrollieren.

Bevor Holz und andere Waldprodukte auf den EU-Markt gebracht oder aus der EU exportiert werden können, müssen diese einen Herkunftsnachweis erbringen. Diese Informationen sollen dazu beitragen, dass bei der Herstellung der Produkte keine Flächen entwaldet werden. Darüber hinaus soll die Geolokalisierung verantwortungsvolles Waldmanagement stärken, indem die Baumernte modernisiert und die Umweltauswirkungen minimiert werden.

Der Forest Stewardship Council (FSC) und die Europäische Union teilen die Vision, die Wälder weltweit zu schützen. Als glaubwürdigste Lösung für verantwortungsvolles Waldmanagement erfüllt FSC bereits zahlreiche Anforderungen der EU-Verordnung über entwaldungsfreie Produkte (EUDR) und übertrifft die Vorgaben in vielerlei Hinsicht.

FSC baut sein System weiter aus, damit die Akteure entlang der Lieferkette die EUDR und alle anderen Rechtsvorschriften erfüllen können. Dazu entwickelt FSC fortlaufend neue Technologien. Ab Juni 2024 werden FSC-zertifizierten Unternehmen eine Reihe von Instrumenten zur Verfügung stehen, die zur Erfüllung der Legalitäts-, Nachhaltigkeits- und Sorgfaltspflichten der EUDR eingesetzt werden können. FSC unterstützt die Unternehmen gezielt dabei, diese Instrumente vor Inkrafttreten der EUDR im Dezember 2024 einsetzen zu können.

Dieser Artikel basiert auf einer Meldung von FSC International. Hier können Sie auf den Original-Text auf Englisch zugreifen.

Julia Springmann