Aufbruch zur FSC-Exkursion nach Reinhausen bei Göttingen.
Der FSC-Vorstand mit Geschäftsführer Alfred Schumm (zweiter von links): Prof. Dr. Peter Poschen (Sozialkammer), Nina Griesshammer (Umweltkammer), Axel Freude (Sozialkammer),Dietmar Hellmann (Wirtschaftskammer), Miriam Arndt (Wirtschaftskammer). Es fehlt: Sven Selbert (Umweltkammer)
© FSC Deutschland
FSC Vollversammlung 2025
Aufbruch und Geschlossenheit
Bei der jährlichen Mitgliedervollversammlung von FSC Deutschland vom 3. – 4. Juni 2025 in Göttingen wurde die Vorstandschaft neu gewählt.
Mit einer Auftaktveranstaltung für die Mitglieder startete die turnusmäßige Revision des Deutschen FSC-Waldstandards.
Vertreterinnen und Vertreter von Unternehmen und Organisationen diskutierten auf dem öffentlichen Fachforum engagiert über die Wirkung und den Nutzen der Marke FSC.
Wald steht im Zentrum der Arbeit von FSC Deutschland. So begann am 3. Juni 2025 die 34. FSC-Vollversammlung mit rund 60 Mitgliedern, Vertreterinnen und Vertreter von Unternehmen, Sozial- und Umweltorganisationen auch mit einer Exkursion in den Wald. In Reinhausen bei Göttingen diskutierten die Gäste mit den Försterinnen und Förstern der Niedersächsischen Landesforsten über die Chancen einer möglichen FSC-Zertifizierung für den Landeswald in Niedersachsen. Die FSC Mitglieder sahen darin klare Entwicklungspotenziale für den Forstbetrieb.
FSC als Marke
Im anschließenden FSC Fachforum Marke in Göttingen gaben Jens Vossmann (Ipsos) und Judith Barbolini (rheingold Institut) zentrale Impulse aus Marktforschungssicht zur Wahrnehmung und Bedeutung von FSC in Deutschland.Vossmann betonte in seinem Vortrag, dass die aktuelle „Polykrise“ – geprägt von Inflation, Unsicherheiten und Klimawandel – das Konsumverhalten stark beeinflusse: „Trotz steigender Preise bleibt Nachhaltigkeit relevant, doch Konsumenten wägen Kosten und Nutzen stärker ab.“ Besonders hob er das hohe Vertrauen in Marken hervor, die als glaubwürdig und nachhaltig wahrgenommen werden: 71 % der deutschen Verbraucherinnen und Verbraucher erkennen das FSC-Logo, was deutlich über dem internationalen Durchschnitt liegt. Gemäß der Analyse motiviert das FSC-Siegel viele zum Kauf und stärkt die Markenloyalität zu Produkten, sofern Unternehmen ihr Nachhaltigkeitsversprechen glaubhaft einlösen.
Judith Barbolini stellte Ergebnisse einer Grundlagenstudie zur gesellschaftlichen Verbundenheit vor. Sie zeigte, dass in einer Zeit gesellschaftlicher Spannungen und Individualisierung das Bedürfnis nach Gemeinschaft und Zugehörigkeit wächst: „Das FSC-Kennzeichen kann hier als Verbundenheitsinsel wirken. Es stiftet Vertrauen, schafft ein Gefühl von Gemeinschaft und fördert das Bewusstsein für nachhaltiges Handeln. Besonders für jüngere Zielgruppen ist das Bedürfnis nach sozialer und ökologischer Zugehörigkeit ein wichtiger Treiber für die Markenwahrnehmung und Kaufentscheidung“, so Barbolini.
Fabian Farkas, FSC International, Acting Chief Markets Officer (CMO), gab Einblicke in die künftige strategische Ausrichtung der Marke FSC.
Fazit des Forums war, dass die FSC-Marke in Deutschland außergewöhnlich bekannt ist und großes Vertrauen genießt. Für Unternehmen bietet sie einen klaren Mehrwert: FSC-zertifizierte Produkte stärken das Markenimage, fördern Kundenbindung und ermöglichen es, sich im Wettbewerb als verantwortungsbewusst und zukunftsorientiert zu positionieren. In einer Zeit, in der Nachhaltigkeit und gesellschaftlicher Zusammenhalt immer wichtiger werden, ist das FSC-Kennzeichen ein entscheidender Faktor für unternehmerischen Erfolg.
„Hüter, Beschützer und Bewahrer der Wälder Deutschlands“
Während des Abendempfangs begrüßte Ehrengast Dr. Subhra Bhattacharjee, die neue Generaldirektorin von FSC International, die Gäste herzlich. Sie betonte die zentrale Rolle der Mitglieder als „Hüter, Beschützer und Bewahrer der Wälder Deutschlands, die ein nationaler Schatz sind“. Ein zentrales Anliegen sei es, den ökonomischen Wert von Ökosystemleistungen sichtbar zu machen, um Waldbesitzenden eine angemessene Kompensation zu ermöglichen. Die FSC-Generalsekretärin rief dazu auf, sich aktiv an der Weiterentwicklung der Organisation zu beteiligen, insbesondere mit Blick auf die anstehenden globalen Strategien zu Klima und Biodiversität. Sie schloss mit dem Appell: „Wir sind FSC, gemeinsam sind wir FSC“.
Auch Dr. Ehsan Kangarani, ehrenamtlicher Bürgermeister der Stadt Göttingen, hieß das Auditorium willkommen und freute sich gemeinsam mit Forstamtsleiterin Lena Dzeia über die Auszeichnung der Stadt für das Erreichen von 25 Jahren FSC-zertifizierter Waldwirtschaft. Kangarani hob hervor, dass Göttingen 1998 zu den allerersten kommunalen Waldbesitzenden in Deutschland gehörte, die ihren Wald nach den FSC-Standards zertifizieren ließen.
Henning Schmidtke, Referatsleiter multifunktionaler Waldwirtschaft und Waldforschung des Niedersächsischen Ministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz sprach als Vertreter der niedersächsischen Landesregierung und nahm Bezug auf die Entschließung des Landtags, „der die Landesregierung bittet, die Ausweisung von FSC Pilotflächen im Landeswald zu unterstützen“.
Wahlen des Vorstandes
Bei den turnusmäßigen Vorstandsneuwahlen, wurde Miriam Arndt von Otto Group für die Wirtschaftskammer in den Vorstand von FSC Deutschland aufgenommen. Dietmar Hellmann wurde als zweiter Vertreter für die Wirtschaftskammer im Amt bestätigt. Ebenfalls bestätigt wurden die Vorstände für die Sozialkammer, Axel Freude und Prof. Dr. Peter Poschen sowie die Umweltkammervorstände Nina Grießhammer und Sven Selbert. Dr. Katharina Gamillscheg, die bisherige Vorständin der Wirtschaftskammer, hatte nicht mehr kandidiert. Der Vorstand dankte Dr. Gamillscheg für ihr Engagement. Nina Grießhammer sprach stellvertretend für das Gremium die Laudatio und hob dabei die große Expertise Gamillschegs hervor, mit der sie in den letzten drei Jahren eine starke Stimme für den Holzhandel und die Holzverarbeitung in Deutschland gewesen war.
Die Wahlen der Vorstände erfolgten jeweils einstimmig. Damit unterstrichen die Mitglieder aller FSC-Kammern ihre wiedergewonnene Einigkeit. Getragen von einer positiven Stimmung an den zwei Tagen, betonte die neu gewählte Vorstandschaft, dass man sich auf die weitere Zusammenarbeit freue. Neben der nun beginnenden Revision des Waldstandards, stehe die Sichtbarmachung von positiven Wirkungen von Zertifizierung im Wald und die Ausweitung der FSC-zertifizierten Waldfläche weiter im Zentrum der Vorstandsarbeit.
Auftakt Revision Deutscher FSC-Waldstandard
Der Auftakt zur Revision des Deutschen FSC-Waldstandards schloss sich direkt an die Mitgliedervollversammlung an. In einem Workshop formulierten die Mitglieder wichtige Grundlagen für diesen zentralen FSC-Prozess. Letzte Fragen zum Verfahren der Revision wurden erörtert und der Zeitplan sowie Methoden für die Arbeit des Richtlinienausschusses, als zuständiges Gremium, durch Elmar Seizinger, Leiter Waldbereich, vorgestellt. Die Mitgliedschaft hatte die Möglichkeit, sich dazu zu äußern. Geplant ist, dass die Revision in circa zwei Jahren mit einer Beschlussfassung der FSC Vollversammlung abgeschlossen wird. Im Rahmen von Konsultationen wird es während der Revision auch für die breite interessierte Öffentlichkeit Möglichkeiten geben, sich zu äußern.
Außerdem bekanntgegeben wurden die aktuellen, von den Kammern ernannten, Mitglieder im Richtlinienausschuss: Umweltkammer: Prof. Erwin Hussendörfer, Johannes Enssle; Wirtschaftskammer: Fritz Speer, Berno Menzinger; Sozialkammer: Norbert Bösken und Elmar Stertenbrink.
