© FSC Ukraine
„Die einzige Option ist, weiter zu arbeiten“
FSC Ukraine und Deutschland stärken Zusammenarbeit
Trotz Krieg, Reformen und enormen Herausforderungen hält die Waldwirtschaft in der Ukraine ihren Kurs in Sachen FSC-Zertifizierung und Vorbereitungen auf die EUDR. Die Arbeit fortzusetzen, sei die einzige Option, so ukrainische Unternehmensvertreter beim jüngsten digitalen Austausch mit FSC Deutschland. Betont wurde die Rolle nachhaltiger Waldwirtschaft als Grundlage für Wiederaufbau und internationale Partnerschaften. Im Fokus: FSC als Brücke für Handel, Transparenz und regionale Möbelproduktion. Die Zusammenarbeit mit Deutschland soll weiter ausgebaut werden.
Im Rahmen des digitalen Fachdialogs „FSC im Gespräch“ diskutierten am 8. Juli Vertreterinnen und Vertreter von FSC Ukraine, FSC Deutschland sowie Unternehmensakteure aktuelle Herausforderungen und Perspektiven der ukrainischen Forstwirtschaft. „Für Möbel- und Holzverarbeitungsunternehmen ist es schwierig, ihren Betrieb aufrechtzuerhalten, da der Krieg die Mobilisierung von Arbeitskräften für die Armee erfordert. Dennoch gibt es Erfolgsgeschichten in der Branche, darunter auch in den westlichen Regionen, wo große Fabriken fertiggestellt wurden. Daher müssen Unternehmen mutig sein und verstehen, dass es keine andere Option gibt, als weiterzuarbeiten“, so Yuriy Dyug, Koordinator des Branchenverbandes Wood Industry UA. Der Sektor entwickle sich trotz allem stetig weiter. Man sei bestrebt, EU-Handelsanforderungen zu erfüllen, zudem werde die FSC-Zertifizierung als Qualitätsmerkmal immer wichtiger.
Auch die staatliche Forstverwaltung Forests of Ukraine (SFE), bekräftigte, trotz massiver Herausforderungen – darunter besetzte sowie verminte Wälder, zerstörte Infrastruktur und erhebliche Personalengpässe – an ihrem Reformkurs festzuhalten. „Wir bewirtschaften 6,6 Millionen Hektar Wald, davon sind 69 % FSC-zertifiziert. Das FSC-System ist die Philosophie hinter der Entwicklung unseres Unternehmens, die auf einer nachhaltigen Waldbewirtschaftung basiert“, so der Geschäftsführer Igor Litsur. Seit Kriegsbeginn sei das Einschlagsvolumen um ein Drittel zurückgegangen. Man versuche dennoch, allen laufenden Verträgen gerecht zu werden. Betont wurden dabei auch die laufenden Vorbereitungen auf die kommende EU-Verordnung gegen Entwaldung (EUDR).
FSC-Zertifizierung als Schlüssel zur Marktintegration
Ein zentrales Thema des Treffens war die Bedeutung der FSC-Zertifizierung für den Zugang zu europäischen Märkten, insbesondere in Deutschland. Obwohl die Holzeinschlagsmengen kriegsbedingt zurückgegangen sind, wächst das Interesse an intensivierten Partnerschaften, vor allem im Bereich der Möbelproduktion für FSC-zertifizierte Holzlieferketten. Unterstützt werde dieser Kurs durch den nationalen FSC-Standard, wie Pavlo Kravets, Geschäftsführer von FSC Ukraine aufzeigte. Er stellte Maßnahmen zur Umsetzung der EUDR vor – darunter ein satellitengestütztes System zur Rückverfolgbarkeit und neue risikobasierte Auditverfahren. Ein begleitendes FSC-Advisory Committee fördere den Dialog mit lokalen Stakeholdern nicht nur aus der Wirtschaft, sondern auch aus Umweltorganisationen und Gewerkschaften bzw. sozialen Interessenvertretern und internationalen Partnern. „Trotz der Invasion bauen wir die FSC-Zertifizierung in der Ukraine weiter aus. Derzeit umfasst sie 4,6 Millionen Hektar“, so Kravets. Auch die Wachstumsrate bei der Produktketten-Zertifizierung (COC) liege über dem europäischen Durchschnitt, „derzeit verfügen wir über 450 COC-Zertifikate.“
Signal der Solidarität und Dankbarkeit
Das Meeting endete mit einem klaren Signal zur Stärkung der deutsch-ukrainischen Zusammenarbeit im Bereich nachhaltiger Wald- und Holzwirtschaft. Ewa Hermanowicz, leitende Kommunikationsmanagerin für die Region Europa bei FSC International verabschiedete sich mit dem ukrainischen Nationalgruß „Slava Ukraini“ (Ehre der Ukraine) und dankte allen ukrainischen FSC Zertifikatshaltern: „Vielen Dank für euer Engagement und, dass ihr uns an euren Schwierigkeiten teilhaben lasst. Ihr leistet großartige Arbeit.“ Auch Alfred Schumm, Geschäftsführer von FSC Deutschland zog ein positives Resümee: „Ich bin beeindruckt von der Agilität und Anpassungsfähigkeit des Ukrainischen FSC Marktes und der Nachfrage aus Deutschland nach FSC-zertifiziertem Holz und Produkten. Ich werte das auch als wichtiges Zeichen der Unterstützung in schweren Zeiten.“
Weitere Information über die Arbeit von FSC Ukraine: www.ua.fsc.org/ua-en
