FSC Risikobewertung für Österreich
Update zum Prozess
Vom 25. November bis zum 31. Dezember 2024 fand entsprechend den Anforderungen des FSC Regelwerks (unter Part II Clauses 5.1–5.9 der Procedure FSC-PRO-60-006b) eine gezielte Anhörung des ersten Entwurfs der FSC-Risikobewertung für Österreich statt. Derzeit findet die Erarbeitung des zweiten bzw. finalen Entwurfs (bis 28.2.2025) statt.
Die gezielte Anhörung für den ersten Entwurf bedeutete, dass direkt angeschriebene Personen der interessierten Kreise von den Prozessleitern in Zusammenarbeit mit FSC in Österreich ausgewählt wurden (86 Personen aus den drei Perspektiven Soziales, Umwelt und Wirtschaft sowie Übergeordnet). Die Anhörung wurde öffentlich über einen Newsletter/Website-Eintrag bei www.fsc-deutschland.de angekündigt und zur Teilnahme eingeladen. Auf der Website von FSC International ist öffentlich nachlesbar, welche Schritte mit welchen Zeitläufen für die Erarbeitung der Risikobewertung vorgesehen sind: https://connect.fsc.org/contribute-standards/fsc-country-requirements-schedule
Erarbeitung des zweiten Entwurfs
Derzeit findet die Erarbeitung des zweiten bzw. finalen Entwurfs (bis 28.2.2025) statt. Es ist keine weitere öffentliche Anhörung vorgesehen bzw. vor dem Hintergrund der erfolgreichen Beteiligung nötig (38 schriftliche Eingaben, 14 Teilnehmer bei der Stakeholder-Veranstaltung am 29.11.24 in Wien, sowie Annahme von Eingaben per E-Mail und Telefon). Bei der Beteiligung im Rahmen der Anhörung waren Eingaben aus allen drei relevanten Perspektiven Umwelt, Soziales und Wirtschaft vorhanden. Zusätzlich tragen die beiden verantwortlichen erfahrenen externen Berater dafür Sorge, dass die bestmöglichen und verfügbaren wissenschaftlichen Daten und Experteninformationen eingearbeitet wurden, um eine robuste Begründung und Untermauerung der Risikoeinstufung zu gewährleisten (entsprechend Clause 11.7). Neben inhaltlichen Konkretisierungen und Verbesserungen wurden insbesondere die folgenden Indikatoren von den interessierten Kreisen kommentiert:
Sektion Rechtsvorschriften zu Management activities and environmental protection
- Indikator 15. Development and maintenance of infrastructure associated with management activities is done in a way that minimises adverse impacts on environmental values.
Sektion Conversion and forest degradation
- Indikator 55. There is no conversion from natural forest to agriculture since 31 December 2020.
Sektion High Conservation Values
- Indikator 58. Concentrations of biological diversity including endemic species, and rare, threatened, or endangered species that are significant at global, regional or national levels are identified and protected, maintained or enhanced (HCV1).
- Indikator 59. Intact forest landscapes and large landscape-level ecosystems and ecosystem mosaics that are significant at global, regional, or national levels, and which contain viable populations of the great majority of the naturally-occurring species in natural patterns of distribution and abundance, are identified and protected, maintained or enhanced (HCV2).
- Indikator 60. Rare, threatened, or endangered ecosystems, habitats or refugia are identified and protected, maintained, or enhanced (HCV3).
Weitgehend unterstützt wurden die “Source Types”, die beschreiben, von welchen Arten von Produktionsgegebenheiten Holz aus Österreich stammen kann. Im Entwurf wurde neben Holz aus Wald auch Holz von außerhalb von Wald wie aus der Landwirtschaft, dem Grünschnitt oder Ähnlichem aufgenommen.
Derzeit erarbeiten die zwei beauftragten Experten Ulrich Malessa (Rolle: Process Lead) und Dr. Bernhard Wolfslehner (Rolle: Country Expert) mit Rückmeldungen von FSC International den finalen Entwurf der Risikobewertung. Der finale Entwurf dient dann zur Genehmigungsentscheidung seitens des FSC. Es ist geplant, dass die Genehmigungsentscheidung im Mai sowie die Veröffentlichung der Risikobewertung im Juli diesen Jahres stattfindet.
Hintergrund: Worum geht es bei der FSC-Risikobewertung?
Um die Mischung von FSC-zertifiziertem mit nicht-zertifizierten Holz im Rahmen der FSC-Zertifizierung und -Kennzeichung zuzulassen (FSC Mix), müssen zertifizierte Unternehmen nachweisen, dass sie kein Holz aus kontroversen Quellen dafür verwenden. Hierfür müssen Sie nachweisen, dass Material aus Herkunftsgebieten mit vernachlässigbarem Risiko für inakzeptable Praktiken stammt. Andernfalls, sollte es dafür ein Risiko geben, dann sind Vermeidungsmaßnahmen dafür umzusetzen. Nach der neuen EU-Verordnung zu entwaldungsfreien Produkten müssen Marktteilnehmer vor dem ersten Inverkehrbringen von Holz, dessen Herkunft auf Risiken in Bezug auf Legalität und Entwaldung prüfen. Dafür können sie die FSC Systematik nutzen. In der Bewertung wird das Risiko als entweder “vernachlässigbar” oder “nicht-vernachlässigbar” im Rahmen eines standardisierten Verfahrens über 64 Indikatoren festgelegt. Dabei geht es um die folgenden Themenbereiche: Landnutzung und -bewirtschaftung, Steuern und Gebühren, Korruption und/oder Dokumenten- und Datenfälschung, Managementaktivitäten und Umweltschutz, Gesundheit und Sicherheit, Menschen- und Arbeitsrechte, Rechte Dritter, Handel und Transport, Sorgfaltspflicht zur Verhinderung von Waldumwandlung und Waldschädigung, Hohe Schutzwerte (HCVs), Gentechnisch veränderte Organismen (GMOs).
Welche Rollenverteilung gibt es bei dem hier vorliegenden zentralisierten Prozess?
Beim zentralisierten Verfahren steht der FSC International an vorderster Front und leitet den Prozess, unterstützt von einem Expertenteam. Die finale Genehmigung der Risikobewertung wird von der FSC-Abteilung „Performance & Standards“ erteilt, auf Basis des von den externen Prozessleitern erstellten Entwurf. Als Prozessleiter fungieren erfahrene Experten in Österreich: der Experte und Berater Dipl.-FW Ulrich Malessa und Univ. Dr Bernhard Wolfslehner.

