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FSC Business Encounter Vienna: Europas Märkte vernetzen
Wie können Angebot und Nachfrage von FSC-zertifizierten Produkten in Europa besser zusammengeführt werden? Der erste FSC Business Encounter in Wien brachte Marktakteure aus ganz Europa zusammen: Internationale Experten und Expertinnen, Unternehmen und FSC-Vertretungen diskutierten Lösungsansätze, um nachhaltige Waldprodukte künftig besser verfügbar zu machen, Lieferketten und Partnerschaften zu stärken und neue Geschäftspotenziale zu erschließen.
Am 22. Januar 2025 wurde Wien zum Treffpunkt für internationale Entscheidungsträger:innen der Forst- und Holzwirtschaft. Der erste FSC Business Encounter Vienna brachte 78 Teilnehmende aus 16 Ländern zusammen – 37 vor Ort und 41 online – mit einem klaren Ziel: Angebot und Nachfrage von FSC-zertifizierten Produkten entlang der gesamten Wertschöpfungskette stärker zu vernetzen und verantwortungsvolle Lieferketten in Europa nachhaltig zu stärken und gemeinsam tragfähige Lösungen für die aktuellen Marktanforderungen zu entwickeln. Gastgeber der hybriden Veranstaltung war FSC in Österreich in enger Zusammenarbeit mit europäischen Netzwerkpartnern.
Dialog entlang der gesamten Wertschöpfungskette im Fokus
Im Mittelpunkt stand der direkte Dialog zwischen Waldbesitzenden, Zertifikatsinhabenden, Industrie, Handel und FSC-Expert:innen. FSC International gab Einblicke in die strategische Weiterentwicklung des FSC-Systems, aktuelle Integritäts- und Assurance-Initiativen, das Werteversprechen von FSC sowie Lösungen für regulatorische Anforderungen. Dabei wurde deutlich: Der Ausbau zertifizierter Waldflächen in Europa bietet nicht nur wirtschaftliche Chancen, sondern ist insbesondere aufgrund der positiven Effekte auf die Waldbewirtschaftung und die ökologische Stabilität der Wälder in jedem Fall sinnvoll. Entscheidend ist jedoch, dass auch die Marktteilnehmer Verantwortung übernehmen und durch stabile, langfristige Nachfrage sowie passende Marktanreize die Aufnahme zusätzlicher Mengen sichern.
Ergänzend wurden zentrale Trends, Lieferengpässe und internationale Best Practices im Bereich Value Chain Development beleuchtet und aufgezeigt, wie Kooperationen entlang der Lieferkette gezielt gestärkt werden können.
Praxisnahe Perspektiven lieferte das Best-Practice-Beispiel der , das verdeutlichte, wie klare Nachhaltigkeitsziele, langfristige Lieferantenpartnerschaften und konsequente Nachfrageimpulse die Transformation ganzer Wertschöpfungsketten beschleunigen können. Weitere fachliche Inputs befassten sich mit der zukünftigen Relevanz von Zertifizierung im Spannungsfeld von Marktanforderungen, Regulierung und Klimaanpassung sowie mit der Entwicklung von Holzpreisen, regionalen Unterschieden und der Rolle von Zertifizierung für Marktstabilität, Resilienz und Transparenz. Michal Rezek von Preferred by Nature (PbN) präsentierte mögliche Lösungsansätze für die Erhöhung von FSC Waldfläche, wie etwa Adaptionen der Standards an Close to Nature Anforderungen der EU, verstärkte Lösungen für Biodiversität und Klima sowie bereits laufende Projekte, bei denen PbN bereits mit FSC kooperiert – wie beispielsweise Kreislaufwirtschaft und Monetarisierung von Waldflächen durch die FSC Verified Impact Lösungen.
Daniel Paul Dima von Porini Log konzentrierte sich in seinem Vortrag auf das wichtige Thema Pricing und gab einen Überblick über Preistrends und -indizes, Preiseinflussfaktoren, regionale Unterschiede und die Rolle von Zertifizierung auf Preise. Schließlich betonte er auch den politischen Einfluss auf Zertifizierung und gab zu bedenken, dass Zertifizierungssysteme die Balance zwischen Top-down-Politikvorgaben und einer sinnvollen Einbindung von Waldbesitzenden und lokalen Forstbetrieben verbessern müssen.
Ansätze zur Steigerung des Angebots an FSC-zertifiziertem Holz
In der interaktiven Gruppenarbeit wurden mehrere zentrale Herausforderungen deutlich: In vielen Regionen besteht weiterhin ein strukturelles Ungleichgewicht zwischen steigender Nachfrage und begrenztem Angebot an FSC-zertifiziertem Holz, insbesondere in Zentraleuropa. Potential wird in einfacheren Zugängen zur Zertifizierung und mehr Anreizen, vereinfachten Prozessen und geringeren Kosten vor allem für kleine Waldbesitzer gesehen. Auch stärkere Sichtbarkeit des Mehrwerts von FSC und bessere Vernetzungsmöglichkeiten werden als mögliche Lösungsansätze genannt. Besonders hervorgehoben wurde die Bedeutung vertrauensvoller Austauschformate, um Marktpotenziale gemeinsam zu erschließen und Investitionssicherheit zu stärken.
Als weitere Potentiale wurden unter anderem einfachere Zugänge zur Zertifizierung, eine intensivere Ansprache und Unterstützung von Waldbesitzern, der Ausbau von Beratungsangeboten, eine stärkere Kommunikation des wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Mehrwerts von FSC-Zertifizierung sowie der gezielte Ausbau digitaler Plattformen für Matchmaking und Marktzugang identifiziert. Auch die Vereinfachung und Harmonisierung von Standards, zusätzliche regionale Netzwerkformate sowie eine stärkere Einbindung von Industrie, Handel und Verbänden wurden als wichtige Hebel benannt, um Nachfrage und Angebot langfristig besser zusammenzuführen.
Der FSC Business Encounter Vienna zeigte eindrucksvoll, wie wertvoll vertrauensvolle Dialogformate und gezielte Marktimpulse für die Weiterentwicklung nachhaltiger Lieferketten sind. Die hohe Beteiligung und das positive Feedback der Teilnehmenden unterstreichen den Bedarf an kontinuierlichem Austausch und gemeinsamer Marktgestaltung. FSC wird die Ergebnisse in die weitere Arbeit einfließen lassen und den Dialog mit Marktpartnern fortsetzen, um resiliente, transparente und verantwortungsvolle Wertschöpfungsketten für nachhaltige Waldprodukte in Europa weiter zu stärken.
Text: Julia Köberl (FSC in Österreich)
