19 Aug., 2025

FSC-Arbeitsplan für die Integrität Eurasiens

Aktuelle Fortschritte

Im März 2024 startete FSC den Arbeitsplan für die Integrität Eurasiens (Eurasia Integrity Workplan (EIW)). Ziel ist es, sämtliche Integritätsrisiken in FSC-zertifizierten Lieferketten der eurasischen Region umfassend zu adressieren. Durch eine Kombination aus Untersuchungen, technologischen Innovationen, normativen Anpassungen und der Zusammenarbeit mit Interessengruppen legt der EIW den Grundstein für ein widerstandsfähigeres Zertifizierungssystem – in Eurasien und weltweit. Erste Fortschritte sind bereits sichtbar.

Ein Schwerpunkt liegt auf der Identifizierung und Minderung des Risikos, dass russisches Holz in FSC-zertifizierte Lieferketten gelangt. Anstatt sich auf ein einzelnes Land oder Problem zu konzentrieren, verfolgt der EIW einen systemischen Ansatz, um die Integrität des FSC-Systems regional und global zu stärken. Dazu kombiniert FSC Transaktionsüberprüfungen, Landschaftsanalysen und technologiebasierte Lösungen.

Darüber hinaus umfasst der EIW die Weiterentwicklung normativer Bestimmungen, um die Gesamtintegrität des Systems zu stärken. Parallel verbessert FSC die Unterstützung für Zertifizierungsstellen, damit diese die Konformität von Zertifikatsinhabern effektiver bewerten und auf neue Risiken reagieren können. Zudem treibt der EIW systemische Reformen voran, um zweifelhafte Praktiken einzudämmen und Betrugsversuche zu verhindern.

Wichtige Maßnahmen und Fortschritte

Transaktionsüberprüfungsschleifen (Transaction Verification (TV) loop):
Die vorläufigen Ergebnisse zu Birkensperrholz und Birkenholzplatten zeigen bestimmte Integritätsrisiken in den Lieferketten. FSC-Partner Assurance Services International (ASI) hat daher:

  • den Umfang der TV loop für Birkenholzplatten erweitert, um auch FSC-zertifizierte Lieferungen aus der Ukraine einzubeziehen,
  • zertifizierte Händler und Broker von Birkenholzplatten in den Geltungsbereich aufgenommen.

Maßnahmen gegen potenziell betrügerische Aktivitäten:
Im Rahmen der TV-Schleifen ermitteln FSC und ASI gegen Zertifikatsinhaber, die möglicherweise falsche FSC-Angaben machen. In einigen Fällen konnte FSC eindeutige Beweise sammeln, die zum Ausschluss aus dem FSC-System führen können.

  • Seit dem Start des EIW wurden mehr als 179 Zertifikatsinhaber mit Birkenprodukten im Zertifikatsumfang wegen Verstößen gegen FSC-Anforderungen gekündigt oder suspendiert.
  • Zwei Zertifikatsinhaber in Kasachstan und der Türkei wurden wegen falscher Angaben oder anderer betrügerischer Handlungen gesperrt; sieben weitere Fälle sind in Bearbeitung.

Markenrechtsverstöße:
Untersuchungen führten zur Identifizierung von über 3.200 Angeboten auf Online-Marktplätzen, darunter Alibaba, die unrechtmäßig FSC-Kennzeichen verwendeten. Teilweise wurden auch abgelaufene Zertifikate präsentiert. FSC forderte die Entfernung dieser Seiten.

Risiko von russischem Holz in Lieferketten:
Direkte Beweise für die Einfuhr russischen Holzes in FSC-zertifizierte Birken-Lieferketten wurden bislang nicht gefunden. Viele Zertifikatsinhaber sind jedoch in Ländern tätig, die nicht von Sanktionen betroffen sind. Sie können deswegen Produkte aus russischem Holz kaufen, produzieren und verkaufen, solange dies über nicht FSC-zertifizierte Lieferketten geschieht. Von 78 geprüften Zertifikatsinhabern behinderten zwei den Bewertungsprozess durch ASI, was zum Entzug ihrer Zertifikate durch die Zertifizierungsstellen führte.

Technologiebasierte Lösungen:
2024 führte ASI 17 Bewertungen von Zertifizierungsstellen und deren Zertifikatsinhabern durch und entnahm Holzproben an 11 Standorten in China, Estland und Lettland. Diese Proben werden In Zusammenarbeit mit dem FSC-Partner World Forest ID (WFID) mit der globalen Referenzbibliothek von WFID für gefährdete und bedrohte Holzarten abgeglichen. Ein zentrales Instrument ist FSC Trace, das aktuell als freiwilliges Instrument eingeführt wird. Langfristig soll die Entscheidung des Vorstands umgesetzt werden, es als verpflichtendes Instrument für die Rückverfolgbarkeit in risikoreichen Lieferketten einzusetzen, auch im Rahmen der FSC-Arbeit in der Region Eurasien.

Stärkung des normativen Rahmens:
Um Integritätsrisiken zu begegnen, veröffentlichte FSC die Anweisung (FSC-ADVICE-20-011-21), der Zertifikatsinhabern in China untersagt, Audits mit der Begründung „keine FSC-Verkäufe“ auszusetzen, sofern folgende Produkte im Zertifizierungsumfang enthalten sind: Bambus, Massivholz, Furnier oder Holzplatten. Im Zusammenhang mit dem EIW wird dadurch sichergestellt, dass Zertifikatsinhaber mit Produkten auf Birkenbasis in dem Land jährlich auditiert werden. Zusätzliche Auditanforderungen für risikoreiche Lieferketten sind in der überarbeiteten Akkreditierungsnorm für Zertifizierungsstellen (FSC-STD-20-001 V5-0) enthalten. FSC wird diese Anweisung FSC-ADVICE-20-011-21 anpassen, um eine öffentliche Bekanntgabe von Informationen über alle Zertifikatsinhaber, die „keine FSC-Verkäufe“ deklarieren, zu ermöglichen. Diese Informationen werden auf FSC Search abrufbar sein, der Plattform zur Überprüfung der Zertifizierungsdaten aller Zertifikatsinhaber. Auf diese Weise können Zertifikatsinhaber in risikoreichen Lieferketten ihre Sorgfaltspflicht verstärken. FSC wird das Datum des Inkrafttretens bekannt geben, sobald der Entwicklungsprozess abgeschlossen ist.

ASI-Verhaltenskodex:
ASI entwickelt einen Verhaltenskodex zur Stärkung der Auditorenqualität, abgestimmt auf die neue Version des FSC-Standards für akkreditierte Zertifizierungsstellen (FSC-STD-20-001 V5-0). Auditoren, die die Anforderungen nicht erfüllen, werden ausgeschlossen.

Analyse der Zertifizierungslandschaft:
FSC und ASI untersuchten das Zertifizierungssystem in China und stellten eine problematische Rolle von Beratern fest, die die Zertifikatsinhaber an verschiedenen Punkten des Zertifizierungsprozesses unterstützen. Ihre Tätigkeit ist jedoch nicht reguliert und kann zu mangelhaften Dienstleistungen und folglich zu einer Schlechtleistung der Zertifikatsinhaber führen. Daraufhin organisierte FSC Workshops mit Zertifizierungsstellen, um Lösungen für eine Stärkung der Zertifizierungslandschaft zu finden. Im April 2025 startete ASI zudem eine unabhängige Untersuchung zur Auditqualität in der Türkei. Als Fortsetzung der in China durchgeführten Evaluierung soll so besser verstanden werden, wie gut Integritätsrisiken durch FSC-Audits angegangen werden.

Überwachung und Überprüfung

FSC und ASI reagieren aktiv auf Meldungen über betrügerisches Verhalten von Interessengruppen. Diese Hinweise tragen maßgeblich zur Stärkung der Integrität bei.
Um Hochrisikounternehmen vom FSC-System fernzuhalten, werden alle Antragsteller mit einer Datenbank nicht assoziierter und gesperrter Organisationen abgeglichen. Bei Übereinstimmungen werden die Informationen an die zuständige Zertifizierungsstelle weitergegeben.

Aktuell beobachten FSC und ASI die Entwicklungen auf den Holz- und Forstmärkten – insbesondere im Hinblick auf die EU-Entwaldungsverordnung (EUDR), die im Dezember 2025 in Kraft tritt und erhebliche Auswirkungen auf FSC-zertifizierte Lieferketten haben könnte.

Ausblick

Bis Ende 2025 sollen zahlreiche Maßnahmen des EIW abgeschlossen sein, die dazu beitragen, Integritätsrisiken gezielt zu erkennen und zu adressieren. Damit wird FSC nicht nur in Eurasien, sondern weltweit entschiedener gegen nicht konforme Akteure vorgehen können. Auch die FSC-Generalversammlung im Oktober 2025 könnte künftige Integritätsmaßnahmen beeinflussen.

FSC bleibt entschlossen, die Transparenz zu erhöhen und sicherzustellen, dass zertifizierte Lieferketten frei von illegal geschlagenem Holz bleiben.

Weitere Informationen finden Sie im englischsprachigen >>Factsheet.

Dieser Text basiert auf einer Übersetzung eines Beitrags von FSC International. Das Original finden Sie >> hier

Annika Burger