© Annika Heisig
Wenn Papier Haltung zeigt
Drei Fragen an Lars Hansen, Geschäftsführer von Westermann Druck
In unserem Format „Drei Fragen an“ sprechen wir mit Menschen, die sich tagtäglich für Waldschutz und verantwortungsvolle FSC-Waldwirtschaft engagieren. Dieses Mal mit Lars Hansen, Geschäftsführer von Westermann Druck. Die Druckerei gehört zur Westermann Gruppe, einem der großen Anbieter für Schulbücher und andere Bildungsmedien im deutschsprachigen Raum.
Seit 2006 ist die Westermann Druck GmbH FSC-zertifiziert. Was hat Sie zu diesem Schritt bewogen? Gab es Herausforderungen, die damit verbunden waren?
Mit einem hohen Anteil an Zellstoffverbrauch und den damit verbundenen Nutzungen der Wälder war die Druckindustrie bereits früh im Fokus der Nachhaltigkeitsbewegung. FSC stand schon 2006 für eine glaubhaft nachhaltige Rückverfolgbarkeit der Ressource Papier. Mit einem globalen Ansatz war FSC damals der richtige Partner für uns und unsere Kunden. Gemeinsam haben wir über die Zeit unser Verständnis und Handeln für nachhaltige Produktionsprozesse beständig erweitert und neue Themenbereiche sind mit in den Zertifizierungsprozess aufgenommen worden. Anders als heute waren die verfügbaren Materialien am Anfang noch recht überschaubar und manches kreative Projekt scheiterte an der fehlenden Zertifizierung. Diese Probleme gehören heute zum Glück der Vergangenheit an. Ein breites Netzwerk aus Partnern für Material und Dienstleistungen ist wie wir FSC-zertifiziert und garantiert eine große Auswahl mit hoher Verfügbarkeit.
Denken Sie, dass Nachhaltigkeit mittlerweile ein Faktor für Kaufentscheidungen im Buchmarkt ist? Beobachten Sie eine steigende Nachfrage nach umweltfreundlich produzierten Büchern?
Wir setzen gerne mit unseren Kunden nachhaltige Produktion um, doch diese stehen vor der Herausforderung, ob sie die damit verbundenen Kosten am Markt durchsetzen können. Ein Seitenblick auf Bio-Lebensmittelprodukte zeigt, dass in wirtschaftlich schwierigen Situationen das Gewissen der Endkunden gegenüber dem Geldbeutel den Kürzeren zieht. Von daher wird sich noch herausstellen, ob die Verlage und Hersteller, die konsequent auf eine nachhaltige Produktion mit kurzen Wegen setzen auf dem Markt bestehen können und die Anstrengungen von den Verbrauchern honoriert werden.
Welche Trends und Entwicklungen sehen Sie für die Zukunft nachhaltiger Produktion von Druckerzeugnissen?
Für uns bleiben Recyclingpapiere einer der Treiber für nachhaltige Produktion. Wir haben ein funktionierendes Kreislaufsystem in Deutschland. Dieses Upcycling in Verbindung mit bedarfsgerechten Auflagen und Produktionsverfahren reduziert den Bedarf an Frischfasern am nachhaltigsten. Kurze Wege helfen, den Co2-Fußabdruck klein zu halten. Als spannende Ergänzung beobachten wir die Produkte, die aus alternativen Zellstoffmaterialien wie Gras hergestellt werden. Das sind Materialien, die ohne aufwendige Lackierungen spannende Oberflächen erzeugen können.
