Simon Horstmann bei seiner Bewerbungsrede auf der Mitgliedervollversammlung in Leipzig 2026. © FSC Deutschland
„Die Herausforderungen im Wald lassen sich nur bewältigen, wenn wir die Menschen stärker in den Mittelpunkt stellen“
Neues Gesicht im Vorstand von FSC Deutschland: Drei Fragen an Simon Horstmann
Bei der jüngsten Mitgliedervollversammlung des Vereins für verantwortungsvolle Waldwirtschaft e.V. gab es einen Wechsel im FSC-Vorstand: Prof. Peter Poschen, einer der bisherigen Vertreter der Sozialkammer, legte sein Amt aus persönlichen Gründen nieder. Zu seinem Nachfolger wurde Simon Horstmann gewählt – Kampagnenleiter WALD KLIMA SCHUTZ bei der IG BAU.
Herr Horstmann, Sie sind Gewerkschafter und Vorstandsmitglied bei FSC Deutschland; einem Zertifizierungssystem, das die meisten Menschen vor allem als grünes Kennzeichen auf Holzprodukten kennen. Wie erklären Sie jemandem, welche Rolle die IG BAU in diesem System spielt? Warum haben Sie sich für diesen Posten beworben?
FSC ist vielen als Umweltlabel bekannt – aber das System lebt davon, ökologische, ökonomische und soziale Interessen zusammenzubringen. Genau hier sehen wir unsere Rolle: Die IG BAU bringt als Gründungsmitglied die Perspektive der Beschäftigten ein, also derjenigen, die nachhaltige Waldbewirtschaftung täglich in der Praxis umsetzen. Wir wollen ihre Position stärken und sicherstellen, dass gute Arbeitsbedingungen ein integraler Bestandteil von verantwortungsvoller Forstwirtschaft sind.
Ich selbst habe Forstwirt gelernt und im Landeswald gearbeitet. Diese Erfahrung prägt meinen Blick bis heute. In meiner jetzigen Arbeit für die IG BAU beschäftige ich mich intensiv mit den strukturellen Herausforderungen der Branche, von Fachkräftemangel bis hin zu Arbeitsbedingungen.
Für den Vorstand der Sozialkammer habe ich mich beworben, weil ich überzeugt bin: Die großen Herausforderungen im Wald – etwa Klimawandel und Waldumbau – lassen sich nur bewältigen, wenn wir die Menschen stärker in den Mittelpunkt stellen. Ich möchte dazu beitragen, den Dialog zwischen den Akteuren zu stärken und Lösungen zu entwickeln, die in der Praxis auch funktionieren.
Faire Löhne und sichere Arbeitsbedingungen sind klassische Gewerkschaftsthemen – was kann das FSC-Zertifizierungssystem leisten, was ein Tarifvertrag allein nicht schafft?
Tarifverträge sind ein zentrales Instrument, um faire Löhne und gute Arbeitsbedingungen zu sichern – aber sie wirken in der Regel nicht flächendeckend. Die Forstwirtschaft umfasst viele Betriebe und Beschäftigte, die nicht tarifgebunden sind. FSC setzt genau dort an: Es definiert soziale Mindeststandards entlang der gesamten Wertschöpfungskette, vom Wald bis zum fertigen Produkt. Das schafft Verbindlichkeit und Transparenz auch dort, wo Tarifrecht nicht greift.
Entscheidend ist dabei die Verknüpfung: FSC verbindet soziale Anforderungen mit ökologischen Standards. Das macht deutlich, dass Nachhaltigkeit nur funktioniert, wenn Umwelt- und Arbeitsbedingungen zusammen gedacht werden. Gleichzeitig muss die Umsetzung praxistauglich bleiben. Zertifizierung darf nicht zur zusätzlichen Belastung werden – sie muss Betriebe unterstützen und für Beschäftigte echte Verbesserungen bringen.
Stellen Sie sich vor, Sie verlassen in fünf Jahren den Vorstand der Sozialkammer: Woran würden Sie in fünf Jahren erkennen, dass sich wirklich etwas verändert hat?
Allein durch mein Zutun würde ich mir nicht anmaßen, dass sich in fünf Jahren die Welt grundlegend verändert. Mir geht es vielmehr darum, gezielt Impulse zu setzen, für mehr Sicherheit und gute Bezahlung der Menschen im Wald und entlang der gesamten Lieferkette.
Konkret bedeutet das für mich: Beschäftigte im Wald müssen sich darauf verlassen können, dass ihre Qualifizierung sie bestmöglich auf die Herausforderungen des Klimawandels und die veränderten Arbeitsbedingungen vorbereitet. Gleichzeitig brauchen wir Löhne, die anerkennen und wertschätzen, wie komplex und verantwortungsvoll die Arbeit im und mit dem Wald ist.
Eine zentrale Rolle spielt dabei die Fachkräfteausbildung. In den kommenden fünf Jahren möchte ich mich dafür einsetzen, dass die Ausbildung deutlich gestärkt wird, sowohl quantitativ als auch in ihren Rahmenbedingungen. Dieses Ziel verfolge ich in meiner Funktion als Gewerkschafter ebenso wie in meiner Rolle im Vorstand der Sozialkammer. Denn nur mit gut ausgebildeten Fachkräften können wir die klimabedingten Herausforderungen erfolgreich bewältigen.
Für das FSC-System wäre es für mich ein entscheidendes Signal, wenn Zertifizierung von allen Beteiligten – Waldbesitzenden wie Beschäftigten – als sinnvoll, praktikabel und unterstützend wahrgenommen wird. Wenn es gelingt, Spannungen abzubauen, Vertrauen zu stärken und gleichzeitig die Standards auf hohem Niveau zu sichern, wäre das ein echter Fortschritt.
Ein letzter Punkt ist mir besonders wichtig: Die anstehende öffentliche Konsultation zur Revision des FSC-Waldstandards bietet eine große Chance. Ich kann nur dazu ermutigen, sich aktiv zu beteiligen, damit die Standards künftig praxistauglicher werden und von allen Akteuren besser umgesetzt werden können.
