Der FSC-Vorstand mit neuem Gesicht für die Sozialkammer: Simon Horstmann; IG-BAU (im Bild ganz rechts) © FSC Deutschland
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Innovationen, Waldpraxis und Vereinsentwicklung
FSC Deutschland traf sich zur Vollversammlung in Leipzig
Im Rahmen der jährlichen Vollversammlung brachte FSC Deutschland Mitglieder und Interessenvertreter aus Waldwirtschaft, Verarbeitung und Handel sowie Umweltschutz und Gewerkschaft in Leuna und Leipzig zusammen. Im Mittelpunkt standen aktuelle Entwicklungen im holzbasierten Ersatz fossiler Rohstoffe, Praxiseinblicke in das Waldmanagement Leipzigs sowie strategische Weichenstellungen für den Verein inklusive einer Neuwahl im Vorstand. IG BAU-Mitglied Simon Horstmann folgt Prof. Peter Poschen als einer der zwei Sozialkammer-Vertreter.
Den Auftakt bildete am Dienstag ein Besuch bei UPM Biochemicals im Chemiepark Leuna. Das Unternehmen ist neuestes Mitglied bei FSC Deutschland und bot den Teilnehmenden Einblicke in die industrielle Verarbeitung von holzbasierten Rohstoffen zu innovativen Polymerstoffen, darunter Bioplastik. Der Besuch verdeutlichte die wachsende Bedeutung nachwachsender Rohstoffe für eine nachhaltige industrielle Wertschöpfung und zeigte, wie Holz als Ausgangsstoff neue Anwendungen jenseits klassischer Nutzungspfade erschließt. Der Ersatz von fossilen Rohstoffen wie Erdöl steht im Zentrum der Produktion in Leuna.
Waldmanagement im urbanen Raum
Am Nachmittag folgte eine Exkursion in den Stadtwald Leipzig. Seit 2006 FSC-zertifiziert, gehört er mit einer Waldfläche von 2.100 Hektar zu den wichtigsten Erholungsräumen in Leipzig und Umgebung. Einen großen Teil bildet der Leipziger Auwald. Er zählt aufgrund seines Artenreichtums und vielfältiger Struktur zu den wertvollsten Biotopen im Stadtgebiet und ist Bestandteil des europäischen NATURA 2000 Schutzgebietssystems, was die europaweite Bedeutung hervorhebt. Vor Ort begrüßte Rüdiger Dittmar, Leiter des Leipziger Amtes für Stadtgrün und Gewässer die Teilnehmenden und betonte: „Der Leipziger Stadt- und Auwald zeigt beispielhaft, wie Naturschutz, Klimaanpassung, Naturerfahrung und Erholung in einer Großstadt ineinandergreifen. Unser Ziel ist es, den Stadtwald so zu entwickeln, dass er seine vielfältigen Funktionen als wertvolles Ökosystem in der Stadt auch zukünftig erfüllen kann.“
Ein engagiertes Team rund um Michael Bittner, Abteilungsleiter Stadtforsten, erläuterte im Laufe der Exkursion die Spezifika des aktuellen Leipziger Waldmanagements, darunter Femelnutzung und potentielle Nutzung von Forstraupen, Wiedervernässung und die Besonderheiten des Leipziger Auwaldes. Auch die integrierte Forsteinrichtung, Baumartenwahl sowie Jagdmanagement im urbanen Raum waren Themen.
Strategische Ausrichtung und aktives Mitwirken
Am Mittwoch stand die jährliche Vollversammlung des Vereins für verantwortungsvolle Waldwirtschaft e.V., FSC Deutschland im Neuen Rathaus Leipzig im Fokus. Die Organisation informierte über den aktuellen Stand der Revision des deutschen FSC-Waldstandards. Zudem stellte sie zentrale Pilotprojekte als Grundlage für die strategische Ausrichtung des Vereins vor. Gemeinsam mit allen Mitgliedern wurden sie weiter ausgearbeitet. „Wir setzen unsere Pilotprojekte bewusst als agile, fokussierte Initiativen ein, um schnell zu greifbaren Ergebnissen zu kommen. Das World-Café-Format war dabei genau die richtige Entscheidung: Durch die aktive Einbindung unserer Mitglieder und den strukturierten Kurzdialog haben wir auf der Versammlung direkten, wertvollen Input auf Augenhöhe erhalten. Auf dieser Grundlage schärfen wir unsere Arbeit gezielt nach – mit dem klaren Ziel, unsere Wirksamkeit spürbar zu steigern“, erläuterte Nina Griesshammer, Vorstandsvertreterin der Umweltkammer.
Neuwahl im Vorstand
Im Anschluss fand die Mitgliedervollversammlung des Vereins für verantwortungsvolle Waldwirtschaft e.V. statt. Dabei kam es auch zu personellen Veränderungen: Prof. Peter Poschen, Vertreter der Sozialkammer, legt sein Amt aus persönlichen Gründen nieder. Zu seinem Nachfolger wurde Simon Horstmann gewählt, IG BAU Kampagnenleiter WALD KLIMA SCHUTZ. Im Anschluss an die Wahl sagte er: „Ich freue mich sehr über die Wahl und bedanke mich für das große Vertrauen, das mir damit entgegengebracht wird. Ich freue mich auf die Zusammenarbeit im Vorstand, wo ich mich für gute Arbeits- und Beschäftigungsbedingungen im zertifizierten Wald einsetzen möchte. Der Wald steht vor großen Herausforderungen und es gilt seine vielfältigen Funktionen in Zukunft zu erhalten. Doch das funktioniert nur, wenn wir die Menschen im Blick behalten, die diese großen Aufgaben und Herausforderungen erfüllen sollen. Deshalb werde ich mich insbesondere für die Fachkräftesicherung, attraktive Arbeitsbedingungen und faire Entlohnung sowie für mehr Gesundheit und Sicherheit bei der Waldarbeit unter den Bedingungen des Klimawandels einsetzen. Denn Arbeit muss fair, sicher, gesund und gut bezahlt sein! Die Arbeit im FSC-System und der Sozialkammer spielt für mich persönlich eine wichtige Rolle, um die notwendige Fachkräftesicherung im Wald zu unterstützen. Ein weiteres zentrales Anliegen ist mir die Stärkung der IG BAU innerhalb des FSC-Systems“
Axel Freude gratulierte als zweiter Vertreter der Sozialkammer im Namen der gesamten FSC-Vorstandschaft und dankte dem scheidenden Vorstandskollegen Prof. Peter Poschen: „Uns wird seine internationale Ausrichtung und seine Forschungserfahrung fehlen. Prof. Poschen ist in schwierigen Zeiten bereit gewesen, für den Vorstand der Sozialkammer zu kandidieren. In den letzten zwei Jahren stellte er mit großem Engagement seine berufliche Erfahrung, seine Netzwerke, seine Persönlichkeit sowie seine analytischen Qualitäten in den Dienst des FSC und trug sehr erfolgreich zur Weiterentwicklung des Vereins bei. Nun freuen wir uns auf Simon Horstmann, der den Vorstand weiter verjüngt und neben seinen Kontakten, Kompetenz zu allen Fragen rund um Arbeitsausführung und Beschäftigungsverhältnisse in der Forstwirtschaft mitbringt.“
Im Rahmen der Beschlüsse über die Aufnahme neuer Mitglieder wurde auch UPM Biochemicals von den Anwesenden bestätigt. Christian Spark, Senior Manager Wood Sourcing bei UPM Next Generation Renewables kommentierte: „Nachhaltigkeitszertifizierungen sind für unser Unternehmen unverzichtbar, da sie einen transparenten Nachweis dafür liefern, dass unsere Rohstoffe verantwortungsbewusst beschafft werden. Zertifizierungssysteme wie FSC gewährleisten die Integrität unserer Holzrohstoffe, wodurch wir Vertrauen bei unseren Kunden aufbauen und nachhaltige Wertschöpfungsketten fördern können.“
Weichen für künftige Ausrichtung gemeinsam gestellt
Im Anschluss an die Veranstaltung zog Alfred Schumm, Geschäftsführer von FSC Deutschland ein positives Resümee: „Ziel der diesjährigen Vollversammlung war es, dass Geschäftsstelle, Vorstand und Mitglieder enger aktiv zusammenarbeiten, um FSC gemeinsam weiter zu entwickeln. Das ist uns gelungen. Gemeinsam haben wir die entscheidenden Weichen für die zukünftige Ausrichtung unserer Organisation gestellt. FSC Deutschland wird sich künftig noch stärker darauf konzentrieren, eine unabhängige, verlässliche und praxisnahe Zertifizierung zu bieten, die Waldbesitzende und Unternehmen entlang der Lieferkette konkret unterstützt. Beispielsweise haben wir den FSC-Wald-Bonus eingeführt, der die Kosten für die FSC-Erstzertifizierung für Waldbesitzende stark reduziert und es dadurch ermöglicht, die FSC-Zertifizierung auszuprobieren. Unser Anspruch ist es, den Mehrwert der Zertifizierung klar herauszustellen: als glaubwürdiges Instrument, das Orientierung gibt und Wettbewerbsvorteile schafft.“
