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Löhne im FSC-Wald – alles fair?
Walddialog rund um Tarife, Verantwortlichkeiten und Kontrolle
Am 11.2. fand der fünfte FSC-Walddialog statt. Organisiert gemeinsam mit dem Bund Deutscher Forstleute (BDF) ging es während der Onlineveranstaltung um Herausforderungen und Lösungsmöglichkeiten einer sozial gerechten Entlohnung und die Frage, ob die von FSC bereits dazu formulierten Anforderungen ausreichend solide sind.
„Sind unsere Regeln gut, sind sie glaubwürdig und kontrollierbar – und sind sie noch zeitgemäß oder haben sich die Ansprüche an die Waldbewirtschaftung aber auch der Gesellschaft verändert?“ Diese Fragen stellte Ines von Keller (BDF), Mitglied der FSC-Sozialkammer zu Beginn der Diskussionsrunde des FSC-Walddialogs, der sich diesmal mit den spezifischen Herausforderungen von Forstbetrieben, forstlichen Dienstleistern und Subunternehmen in Bezug auf Entlohnung auseinandersetzte und Lösungsmöglichkeiten für diejenigen diskutierte, die fair entlohnt werden sollen.
Der aktuelle FSC-Standard fordert bereits jetzt, dass der Forstbetrieb die soziale und wirtschaftliche Situation aller im Forstbetrieb Beschäftigten erhält oder verbessert und greift u.a. mit Indikator 2.4.1 und 2.4.2 bestehendes Recht zu Mindestlohn und Arbeitnehmerentsendegesetz auf. Hendrik Wolters (IG BAU) bezeichnete dies jedoch als „unterste Haltelinie“. Der Mindestlohn könne keine Orientierung bieten, da er das absolute gesetzliche Minimum ist. Jeder Arbeitgeber, der ihn nicht zahlt, mache sich strafbar.
Interviews sind ein gutes Tool
André Conrad, Programmleiter für Waldzertifizierung von der Zertifizierungsstelle GFA Certification GmbH betonte, dass vor allem die Interviews mit den Beschäftigten während der jährlichen Audits am aufschlussreichsten seien, „hier wird in der Regel sehr offen kommuniziert, was gut läuft und was nicht“. Besonders wichtig sei der Austausch mit Beschäftigten von Unternehmern im Privatwald. Obwohl es mitunter schwierig sei, da Mitarbeitende der eingesetzten Unternehmen jahreszeitlich bedingt nicht immer im Wald anzutreffen seien. Hier seien Unterlagen wie sogenannte Lohnunternehmerzertifikate hilfreich. Die Unternehmerzertifikate von RAL Gütegemeinschaft Wald- und Landschaftspflege und Deutschem Forst-Service-Zertifikat (DFSZ) sind nach erfolgreichem Prüfverfahren anhand definierter Kriterien von FSC Deutschland anerkannt. Referent Elmar Stertenbrink, selbständiger Unternehmer und Vorsitzender der RAL bestätigte dies. Ein Schulterschluss von FSC, Forstbetrieben, RAL und DFSZ sei immens wichtig und müsse beibehalten werden.
Sind Löhne in der Forstwirtschaft ein adäquater Indikator?
Michael Schmitt, IG BAU-Fachreferent für den Forst veranschaulichte als Diskussionsgrundlage die Komplexität der tariflichen Strukturen in der Forstwirtschaft. So gibt es zwar eine umfassende, aber nicht alle Akteure der Forstwirtschaft erfassende Tarifstruktur. Schmitt betonte, dass Bemühungen, die Branche der forstlichen Dienstleister tarifpolitisch zu erschließen, bisher nicht erfolgreich gewesen seien, ein Branchenmindestlohn existiere aktuell nicht. „Das heißt“, so der Fachreferent, „von einer ganzheitlichen Tarifbindung in dieser Branche sind wir, wenn man es bundesweit betrachtet, weit entfernt.“ Unter diesen Gesichtspunkten zog Schmitt als Zwischenfazit, dass in deutschen Wäldern grundsätzlich sozialverträglich entlohnt werde, solange tarifgebunden gezahlt werde. Im Bereich der Waldbesitzer, forstlichen Dienstleistungen und Unternehmer, die nicht tarifgebunden sind, könne es anders sein.
„Ja, wir brauchen tarifliche Bindung – aber für alle“
Stimmen aus dem Auditorium stellten vor allem die Frage der Praxistauglichkeit in den Raum. Je mehr Aufträge vergeben würden, desto komplexer werde es. Welcher Tarifvertrag müsse bei wem wann geltend gemacht werden? Löhne seien komplexer gestrickt als nur durch Tarifverträge. Und sei Tarifbindung tatsächlich das Mittel der Wahl oder die gesetzlichen Regelungen nicht einfacher und ausreichend? Ein Vorschlag lautete auch, dass FSC selbst einen angemessenen Mindestlohn vorschreiben solle. Verwiesen wurde auch auf den Aufwand, die Nachweisprüfung müsse sich im Rahmen des Machbaren halten. Auch hier wurde auf bereits gut funktionierende Systeme wie die Lohnunternehmerzertifikate verwiesen. Stertenbrink betonte darüber hinaus, dass Unternehmer, die faire, also höhere Löhne zahlen wollten, in der Regel den Zuschlag für Aufträge nicht mehr erhalten würden. Zu groß sei der Preisdruck durch Wettbewerber, die bereit seien, niedrigere Löhne zu bezahlen. Sein Credo: „Ja, wir brauchen tarifliche Bindung – aber für alle.“
(Faire) Entlohnung im Wald stellte sich im Laufe der zweistündigen Veranstaltung als komplexes Thema dar. Lösungen dafür muss FSC im Rahmen des Revisionsprozesses des deutschen Waldstandards finden. Die Ergebnisse des Walddialogs werden in diese Diskussion mit einfließen. Elmar Seizinger, Leiter des FSC-Waldbereichs schloss die Veranstaltung mit der Erkenntnis: „Wir müssen die Perspektive der Arbeitnehmer im Blick halten. Wir müssen so attraktiv sein als FSC, dass der Forstwirt oder der Beschäftigte auf der Fläche sich freut, wenn der Auditor kommt. Wir müssen Partner sein für diese Akteure, ohne die FSC-Zertifizierung für Forstbetriebe zu gefährden.“
Das Projekt der FSC-Walddialoge wird durch das Bundesamt für Naturschutz (BfN) mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz (BMUV) gefördert.
