2025 feierten viele FSC-zertifizierte Fostbetriebe und Unternehmen ihr 25-jähriges Jubiläum. Im Bild: Elmar Seizinger, FSC Deutschland (rechts), und Freiburgs Bürgermeisterin Christine Buchheit. © FSC Deutschland
FSC 2025: Schlüsseljahr für Governance, Standards und Beteiligung
2025 stand bei FSC im Zeichen zentraler Reformen, national und international. Neue Führung, umfassende Revisionsprozesse und starke Signale aus der Praxis zeigen: Transparenz, Beteiligung und Innovationskraft prägen den Kurs. Die Entwicklungen setzen Maßstäbe für nachhaltige Waldwirtschaft weltweit.
„Unser Erfolg wird daran gemessen, wie es uns gelingt, widerstreitende Interessen in produktive, glaubhafte Lösungen für Wald und Menschen zu überführen – in Deutschland und weltweit.“ Mit diesen Worten startete Alfred Schumm im Jahr 2025 als Geschäftsführer von FSC Deutschland. Ein klares Signal zum Aufbruch, wie der Vorstand im März betonte, mit dem Ziel, sich als FSC Deutschland konsequent auf zukunftsfähige Governance-Strukturen, moderne Standards, technische Innovation und internationale Vernetzung zu konzentrieren. Worte, für die das Jahr 2025 und die darin angestoßenen FSC-Prozesse wie geschaffen waren.
Hierzulande feierten zahlreiche Forstbetriebe und Unternehmen in der Wald-Produktkette ihr 25. Jahr der Zertifizierung. Die Entscheidung, mit FSC zu arbeiten, war damals nicht selten von Ausgrenzungen im Umfeld vieler Branchen geprägt. Die damals mutigen Pioniere bestätigen, dass der gemeinsame Weg erfolgreich gewesen ist. Die Botschaft: Transformation ist wichtig und Innovation lohnt sich. Nach den Feierlichkeiten zeigte sich Schumm beeindruckt: „Zu sehen, dass die FSC-Prinzipien und Kriterien schon seit über 25 Jahren hier in Deutschland sehr erfolgreich umgesetzt werden, macht großen Mut und zeigt uns wirtschaftlich erfolgreiche ökologische und soziale Unternehmensvorbilder. Ein Austritt aus der FSC-Zertifizierung, wie kürzlich in Sachsen, ist natürlich schmerzlich und wir sind gefordert, immer wieder deutlich den Mehrwert einer strengen und robusten FSC-Zertifizierung für sozial- und umweltverantwortliches Waldmanagement herauszuarbeiten. Unsere Partner sind uns hierfür Ansporn und Beispiel.“
Vereinfachung, weniger Bürokratie und mehr Klarheit für die Praxis
Ein Instrument, um jenen Weg erfolgreich weiter zu gehen, sind bei FSC die Revisionen: Standards werden regelmäßig überprüft und bei Bedarf an neue Erkenntnisse und Technologien angepasst sowie für die Nutzer optimiert. Zu jeder Revision gehört bei FSC die Möglichkeit aller Stakeholder, sich mit ihren Erfahrungen und Kenntnissen zu beteiligen. Öffentliche Konsultationen über die FSC-Konsultationsplattform sind hierfür ein wichtiger Baustein. „Wir brauchen unbedingt Rückmeldungen aus der Praxis, nur so können wir Standards schaffen, die im Alltag wirklich funktionieren“, erklärt Margarete Wacker, Leiterin Marktbereich bei FSC Deutschland, den Beteiligungsprozess. 2025 wurden gleich mehrere FSC-Revisionen auf den Weg gebracht oder dabei zentrale Prozesse angestoßen.
Revision deutscher FSC-Waldstandard
Seit Juni 2025 befindet sich der deutsche FSC-Waldstandard in der Revisionsphase. Alle fünf Jahre wird das Regelwerk überprüft und wo nötig aktualisiert. Neben dem Vorstand ist der Richtlinienausschuss hier zentrales FSC-Gremium. Er setzt sich aus je zwei Vertretenden der drei FSC-Kammern – Umwelt, Wirtschaft und Soziales – zusammen. Der Standard soll für alle Forstbetriebe leichter umsetzbar werden. Das betrifft vor allem die Frage des Nachweises bestimmter Anforderungen sowie differenziertere Regelungen für unterschiedliche Besitzarten und Betriebsgrößen. „Der Revisionsprozess ist eine echte Chance. Ziel ist es, gegenüber Forstbetrieben und engagierten Akteuren aus Umwelt- und Sozialorganisationen glaubwürdig zu bleiben. Der FSC-Standard hat immer schon die Benchmark für Waldmanagement gesetzt und sollte das auch zukünftig leisten. Nur ein Standard, der umsetzbar und zugleich inhaltlich bei den wichtigen Themen anspruchsvoll ist, wird auch akzeptiert“, so Elmar Seizinger, Leiter Waldbereich bei FSC Deutschland. Deswegen sind neben intensiver Abstimmung innerhalb der Mitgliedschaft zwei öffentliche Konsultationen sowie ein Praxistest geplant. Ende 2027 soll der Revisionsprozess abgeschlossen sein.
Revision FSC-Chain-of-Custody-Standards
Seit 2022 läuft die Überarbeitung der FSC Chain-of-Custody (COC)-Standards. Auslöser sind u.a. die bisherigen Regeln, die sich noch stark an linearen Produktionswegen orientieren, während Rücknahme, Wiederverwendung und Recycling in der Holzbranche längst Alltag sind. Künftig sollen daher Kreislaufmodelle, Leasing und Rücknahmesysteme klar geregelt sein. „Die bisherige COC-Logik stößt an ihre Grenzen, wenn Produkte zurück in den Kreislauf gelangen“, so Margarete Wacker, Leiterin FSC-Marktservices. „Jetzt schaffen wir Lösungen, ohne dass Betriebe ihre Zertifizierung gefährden.“ Auch wiedergewonnenes Holz, Pre-Consumer-Recyclingmaterial sowie Naturkautschuk- und Textilrezyklate sollen stärker einbezogen werden. Gleichzeitig verfolgt die Revision ein deutliches Ziel: Vereinfachung, weniger Bürokratie und klarere, praxisnahe Anforderungen. „Indem wir alle relevanten Standards gemeinsam überarbeiten, gibt es nur eine Umstellungsphase. Unser Anspruch ist mehr Klarheit – und ein System, das im Alltag funktioniert“, so Wacker. Neu ist zudem ein risikobasierter Ansatz, der Audit- und Nachweispflichten stärker an die tatsächliche Risikolage eines Betriebs anpasst. Die öffentliche Konsultation läuft noch bis 25. Januar 2026.
Revision FSC-Prinzipen und -Kriterien
Bis Ende November lief die öffentliche Konsultation zu den FSC-Prinzipien und -Kriterien sowie den internationalen generischen Indikatoren, zusammengefasst: PCI. Sie sind weltweit Grundpfeiler von FSC und müssen in jedem nationalen Waldstandard verankert sein. Messbare Kriterien ermöglichen die Einhaltung der Standards. Ziel ist, die PCI anwenderfreundlicher, ergebnisorientierter und risikobasierter zu gestalten. Dazu zählen vereinfachte Strukturen, Stärkung der sozialen Verantwortung sowie noch stärkere Berücksichtigung des Klimawandels und damit Anpassung an veränderte ökologische Bedingungen und Schutz der Artenvielfalt. Die Überarbeitung befindet sich aktuell in der Konzeptphase, die Details festlegt, die in den Jahren 2026 und 2027 entwickelt werden sollen. Die endgültigen PCI werden voraussichtlich Ende 2028 auf der internationalen FSC General Assembly verabschiedet. Sie sind dann auch der neue Rahmen für zukünftige Anpassungen nationaler Waldstandards.
FSC-Aussichten und Trends
„Revisionen inklusive der Konsultationen sind Prozesse, die auf die eingangs genannten Ziele einzahlen. Transparenz und paritätische Beteiligung sind Grundpfeiler des Forest Stewardship Council. Diese gilt es, im Jahr 2026 weiter zu führen“, so Alfred Schumm. Sie seien wichtige Bausteine für die Integrität des Systems. „Die aktuelle FSC-Consumer Study 2025 hat ein sehr hohes Maß an Vertrauen in FSC ergeben, und das wollen wir uns erhalten.“ Nur wenn alle Prozesse entlang der FSC-Produktkette nachvollziehbar und sicher vor Betrug und Missbrauch seien, bleibe FSC glaubwürdig. Instrumente, die die Umsetzung der Europäischen Richtlinie für Entwaldungsfreie Lieferketten (EUDR) erleichtern, seien ein Beispiel dafür. 2026 wird FSC das Programm ‚Trace‘ einführen: mittels moderner Blockchain-Technologie ermöglicht Trace die sichere Aufzeichnung verifizierter Transaktionen und Lieferantendaten und damit die nahtlose Überprüfung der Konformität aller Materialien in jedem Abschnitt der Lieferkette. Die ersten Unternehmen haben in einer Pilotphase bereits 2025 an FSC-Trace teilgenommen. National gesehen gelte es 2026, den im Vorjahr begonnen Weg weiter zu gehen, betont der FSC-Geschäftsführer: „Das heißt, die Strategie zu schärfen, die Zusammenarbeit mit Mitgliedern und Partnern zu stärken und FSC als nachhaltigstes Waldzertifizierungssystem immer weiter zu entwickeln.“
Dieser Artikel erschien in der Jahresschlussausgabe des Holz-Zentralblatts am 19. Dezember 2025, (151. Jahrgang, Nr.51/52), Seite 774
Text: Annika Burger, FSC Deutschland
