Autor: Nora Polleis (FSC Deutschland) | 30.06.2022

Wirkungen der FSC-Zertifizierung auf den Wald in Deutschland

BfN-gefördertes Projekt stellt Unterschiede zum nicht-FSC-zertifizierten Wald vor

Mit einem Anteil von 13 % an der Gesamtwaldfläche sind circa 1,4 Millionen Hektar Waldfläche in Deutschland FSC-zertifiziert. In diesen Wäldern gelten demokratisch entwickelte Standards, die deutlich über die gesetzlichen Vorgaben hinausgehen und jährlich vor Ort unter aktiver Einbindung der Öffentlichkeit überprüft werden. Mit zunehmender Bedeutung der FSC-Zertifizierung in deutschen Wäldern stellt sich die Frage, welchen Unterschied der FSC im Vergleich zu nicht-zertifizieren oder anderweitig zertifizierten Flächen im Wald macht. Zur Beantwortung dieser Frage hat FSC Deutschland im Rahmen des vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) geförderten Projektes „FSC-Wirkungen“ diese Unterschiede mit empirischen Methoden herausgearbeitet. Im Rahmen des Projekts wurden FSC-Zertifizierungsberichte evaluiert, FSC-zertifizierte Forstbetriebe befragt, ausgewählte Stakeholder interviewt und der Deutsche FSC-Standard mit der Landesgesetzgebung am Beispiel Niedersachsen verglichen.

FSC-Förster:innen-Umfrage: Deutliche Verbesserungen in den Bereichen Arbeitssicherheit, Biodiversität und Boden- und Gewässerschutz

Im Rahmen der FSC-Zertifizierung müssen Forstbetriebe ihre betrieblichen Konzepte und Abläufe unter Umständen anpassen, um die erforderlichen Nachweise zur Einhaltung des FSC-Standards erbringen zu können. Je umfangreicher ein betriebliches Konzept für die FSC-Zertifizierung konkretisiert oder angepasst werden muss, desto stärker ist die Wirkung der FSC-Zertifizierung auf den Forstbetrieb. Eine im Herbst 2021 durchgeführte Umfrage unter den Forstbetriebsleiter:innen der zertifizierten Forstbetriebe ergab, dass die FSC-Zertifizierung vor allem in den Punkten Arbeitssicherheit, Biodiversität, Boden- und Gewässerschutz (inkl. Einschränkung von Befahrung), Stakeholderbeteiligung und Jagdliches Management Anpassungen in betrieblichen Konzepten und Abläufen bewirkt hat. Die Förster:innen gaben an, dass der Anteil von Naturwaldentwicklungsflächen durch den FSC-Standard erhöht wurde. Zudem wurden Pflanzenschutzmittel und Biozide in einem Drittel der Betriebe deutlich seltener eingesetzt. In 22 Betrieben führte die FSC-Zertifizierung zur Weiterentwicklung eines Biotop- und Totholzkonzeptes.

 

Auch soziale Auswirkungen wurden wahrgenommen: Die Zahl der Arbeitsunfälle ist bei 91 % der FSC-Forstbetriebe seit Beginn der FSC-Zertifizierung gesunken. In 41 % der Betriebe hat die FSC-Zertifizierung dazu geführt, dass vermehrt ECC-Motorsägen-Prüfungen absolviert wurden. Außerdem ist der Frauenanteil seit der FSC-Erstzertifizierung in den Forstbetrieben deutlich angestiegen. Die Zusammenarbeit mit Stakeholdern und Interessengruppen hat sich für 86 % der Forstbetriebe durch die FSC-Zertifizierung verbessert.

Verstöße gegen FSC-Vorgaben 2014 und 2020: Arbeitssicherheit, Boden- und Gewässerschutz & Jagdliches Management bleiben relevant

Während der jährlichen Überwachungsaudits werden die von der Zertifizierungsstelle festgestellten Abweichungen in den Auditberichten schriftlich festgehalten. Werden die Abweichungen nicht durch Korrekturmaßnahmen geschlossen, verliert der Forstbetrieb mittelfristig das Zertifikat. Um die Entwicklung der Verstöße gegen FSC-Vorgaben zu untersuchen, wurden die festgestellten Abweichungen des Jahres 2014 den Abweichungen des Jahres 2020 vergleichend gegenübergestellt.

Dabei fällt auf, dass in beiden Jahren eine ähnlich große Anzahl an Abweichungen festgestellt wurde. Durch den Flächenzuwachs FSC-zertifizierter Waldfläche in Deutschland war die geprüfte Waldfläche im Jahr 2020 allerdings 2,3-mal größer als die geprüfte Waldfläche im Jahr 2014. Die absolute Anzahl ausgeschriebener Abweichungen pro Hektar Waldfläche hat sich daher deutlich verringert. In beiden Jahren wurden die meisten Abweichungen in der Kategorie Arbeitssicherheit festgestellt, gefolgt von der Kategorien Boden- und Gewässerschutz. Da die FSC-Vorgaben zur Arbeitssicherheit größtenteils den grundlegenden gesetzlichen Anforderungen für Waldarbeiten entsprechen und auch bei externen Forstdienstleistern überprüft werden, ist anzunehmen, dass Abweichungen von UVV-Vorgaben auch in nicht-zertifizierten Wäldern maßgeblich sind. Die nach wie vor anhaltend hohe Zahl an Abweichungen in diesem Bereich unterstreicht daher die Relevanz jährlicher Überprüfungen durch Zertifizierungssysteme. Auch Jagdliches Management findet sich in beiden Jahren unter den fünf Kategorien mit der größten Anzahl an Abweichungen. Hier zeigt sich deutlich die Notwendigkeit eines Monitoring- und Kontrollsystems zur Reduzierung von Verbissdruck, wie der FSC-Standard es vorgibt. 

FSC-Standard strenger als Landesgesetzgebung und LÖWE+ in Niedersachsen

Zentrale Fragestellung zur Beurteilung von Zertifizierungssystemen ist, inwieweit die Vorgaben über die gesetzlichen Anforderungen hinausgehen und bei welchen Themen dies der Fall ist. In Deutschland erfolgt die Rahmengesetzgebung für den Forstsektor auf Bundesebene, wobei die politisch wesentlichen Ausgestaltungsrechte bei den Ländern liegen und in den Landeswaldgesetzen festgelegt sind. Daher wurde der FSC-Standard den geltenden Vorgaben in einem Bundesland vergleichend gegenübergestellt. Ausgewählt wurde Niedersachsen, da das Land hat mit dem für die Landesforsten geltenden LÖWE+-Programm eine eigene ehrgeizige Waldbaurichtlinie definiert hat, in der auch ökologische Aspekte berücksichtigt werden. Für den Vergleich wurden 35 Kriterien mit Bezug zu aktuellen forstpolitischen Brennpunktthemen ausgewählt. Die Ergebnisse zeigen, dass die Vorgaben des Deutschen FSC-Standard besonders in den Bereichen Arbeitssicherheit, Stakeholderbeteiligung, waldbauliche Maßnahmen sowie dem Schutz von Umweltgütern über die gesetzlichen Regelungen und die Vorgaben des LÖWE+ Programms hinausgehen. Im Vergleich zur Gesetzgebung macht FSC konkretere Vorgaben bei waldbaulichen Maßnahmen in Bezug auf Befahrung, nicht-heimische Baumarten, Kahlschlag und konkretere Vorgaben zum Art- und Biotopschutz. Soziale Aspekte, die im FSC-Standard fest verankert sind und über die Gesetzgebung hinausgehen, finden sich im rein waldbaulichen Programm LÖWE+ nicht.

Fazit

Zusammenfassend konnte im Rahmen des Projekts gezeigt werden, dass der FSC-Standard bei relevanten Themen im Wald in Deutschland einen klaren Unterschied zu nicht-FSC zertifizierter Forstwirtschaft macht. Viele der untersuchten Themen stehen seit vielen Jahren im Fokus ökologischer und forstpolitischer Debatten. Es zeigt sich, dass der Deutsche FSC-Standard genau an diesen Fragestellungen ansetzt und die beabsichtigten Wirkungen bei der Bewirtschaftung von Wald in Deutschland entfaltet.

Das Projekt „FSC-Wirkungen“ wurde finanziert durch das BfN mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz (BMUV).
Der Bericht gibt die Auffassung und Meinung von FSC Deutschland wieder und muss nicht mit
der Auffassung des Zuwendungsgebers übereinstimmen.

Alle Ergebnisse des Projekts „FSC-Wirkungen“ sind in der gleichnamigen Broschüre zusammengefasst, die bei der Geschäftsstelle des FSC Deutschland angefordert werden kann.

Die Studie hier als Download

 

PDF | 2 MB

Wirkungen FSC-Zertifizierung im Deutschen Wald

Broschüre zur umfangreichen Studie über Wirkungen der FSC-Zertifizierung in Deutschland.

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