Gute Neuigkeiten für die Karibus

Waldkaribu im Mittelpunkt einer besonderen Forstpartnerschaft in Kanada

Zusammenfassung

Das Waldkaribu, eine scheue und bedrohte Tierart der borealen Wälder Kanadas, steht im Zentrum eines einzigartigen Schutzprojekts: Im Detour-Waldgebiet in Québec hat sich das „Team Caribou“ gebildet – eine Partnerschaft aus dem FSC-zertifizierten Forstunternehmen RYAM, indigenen Gemeinschaften wie der Abitibiwinni First Nation, NGOs, staatlichen Stellen und Wissenschaftler:innen. Gemeinsam verfolgen sie das Ziel, den Lebensraum der Karibus zu schützen, ohne dabei wirtschaftliche Interessen oder indigene Rechte zu vernachlässigen. Anstoß für das Projekt war ein FSC-Audit 2013, das Mängel im Karibu-Schutz aufzeigte. Statt defensiv zu reagieren, nutzte RYAM dies als Chance für Wandel und schuf mit dem Team Caribou ein Modell für kollaboratives Naturschutzmanagement. Die Gruppe vereint traditionelles indigenes Wissen mit wissenschaftlicher Forschung und setzt konkrete Schutzmaßnahmen um – darunter neue FSC-konforme Forstpläne, Habitatanalysen und mögliche Sperrungen von Forststraßen. Das Projekt zeigt, wie Forstwirtschaft, Artenschutz und indigene Mitbestimmung Hand in Hand gehen können. Es liefert nicht nur Lösungsansätze für den Karibu-Schutz, sondern dient als Vorlage für weitere Regionen Kanadas. Der Erfolg beruht auf Vertrauen, gemeinsamen Zielen und dem Willen, Verantwortung für Natur und Kultur zu übernehmen – im Sinne einer nachhaltigen Zukunft für Mensch und Tier.

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In den borealen Wäldern Kanadas streifen seit Hunderten von Jahren „graue Geister“ umher, schwer fassbare Kreaturen, die vom Menschen ungestörte Waldlandschaften aufsuchen.
Diese „grauen Geister“, die Waldkaribus, sind nicht nur eines der ikonischsten Tiere des Landes, sondern auch Wegweiser in Waldökosystemen. Gesunde Populationen sind ein klares Indiz dafür, dass die Wälder die Artenvielfalt bewahren und eine traditionelle Lebensart der angrenzenden indigenen Gemeinden aufrechterhalten können.

Doch das Waldkaribu ist eine bedrohte Art, deren Bestand über Jahrzehnte hinweg stark zurückgegangen ist, da ihr Lebensraum gestört wurde. Nach Angaben von Environment Canada sind nur 15 von 51 Karibu-Gebieten zu mindestens 65 Prozent ungestört. Dies ist zum großen Teil auf die kumulativen Auswirkungen der Öl-, Bergbau- und Holzindustrie zurückzuführen, die ihren Lebensraum verändert und den Zugang für Raubtiere vergrößert haben.

Zuletzt erlangt die Notlage dieser gefährdeten Art zunehmend an Aufmerksamkeit. Kürzlich unterzeichneten die kanadische Regierung und indigenen Gemeinschaften der Westküste Kanadas ein wegweisendes Abkommen: Schutzgebiete von 550.000 Hektar für essentielle Flächen von sechs Karibuherden und weitere 206.000 Hektar als Provinzpark.
Dennoch sind die Fortschritte langsam und unzureichend. Ein neuer Bericht über die Waldkaribu-Population in Val-d’Or in Quebec bestätigt die Dringlichkeit: nur noch sechs Mitglieder dieser Herde leben. In ganz Kanada wird der Ruf laut, dass Regierungen und Industrie mit Umweltgruppen, Indigenen Völkern und Interessenvertretern zusammenarbeiten müssen, um die Gesundheit und Nachhaltigkeit der Karibus zu schützen.

Eine einzigartige Partnerschaft entwickelt Lösungen

In Kanada unterstreicht eine föderale Erholungsstrategie die Bedeutung der Waldbewirtschaftung für den Schutz des Karibus. Im Jahr 2013 entdeckte das Forstunternehmen RYAM bei einem jährlichen Routineaudit, dass es die vom Forest Stewardship Council (FSC) festgelegten Anforderungen in Bezug auf den Schutz des Karibu-Habitats nicht erfüllt.
„Als wir den Auditbericht erhielten, gerieten wir nicht in Panik, da wir wissen, dass FSC ein strenger Standard ist und sich die Karibu-Forschung und das Wissen ständig weiterentwickelt“, sagt Marie-Eve Sigouin, Koordinatorin für Waldzertifizierung bei RYAM. „Wir wussten, dass wir langfristig denken müssen, über ein einziges Audit hinaus, und dass wir FSC als einen Weg sehen müssen, mit anderen zusammenzuarbeiten. Also machten wir uns an die Arbeit, unseren Ansatz zu ändern.“

Im Osten Kanadas hat sich daraus eine ungewöhnliche Partnerschaft gebildet, um Lösungen für diese lebenswichtigen Ökosysteme zu entwickeln. Das „Team Caribou“, das von dem globalen Forstunternehmen Rayonier Advanced Materials (RYAM – ehemals Tembec) ins Leben gerufen wurde, vereint verschiedene Interessengruppen, die gemeinsam, den Lebensraum der Waldkaribus im Detour-Waldgebiet in Quebec schützen möchten.
Als ein Unternehmen, das für seine Rohstoffe stark in die Natur investiert, hat RYAM schon lange verstanden, wie wichtig es ist, Partnerschaften mit denjenigen zu bilden, die in den Wäldern und deren Umgebung, in denen es tätig ist, leben und arbeiten. Die neuen Anforderungen der föderalen Erholungsstrategie gaben einen weiteren Anstoß für Veränderungen und leiteten RYAMs gemeinschaftlichen Ansatz für den Karibu-Plan.
RYAM gründete das Team Caribou. Verschiedenste Interessensgruppen sind darin eingebunden. Darunter die indigene Gemeinschaft von Pikogan (auch bekannt als die First Nation of Abitibiwinni), für die das Karibu ein symbolisches und historisch geerntetes Tier ist. Auch die Canadian Parks and Wilderness Society (SNAP Québec), die den Schutz des Karibu-Habitats mit der Bewirtschaftung und Wiederherstellung der Wälder in Einklang bringt, sowie das Québecer Ministerium für Wälder, Wildtiere und Parks sind vertreten.

Das Team Caribou bildete sich schnell aufgrund des Gefühls eines gemeinsamen Ziels und vertiefte sein kollektives Wissen durch die Einbeziehung traditioneller Perspektiven vom Großen Rat der Kreen (Eeyou Istchee) und wissenschaftlicher Erkenntnisse von der Université du Québec en Abitibi-Témiscamingue und anderen.
Der erste Erfolg der Gruppe kam 2015, als sie schnell das notwendige Mosaik an Änderungen zusammenstellte, um die neuen FSC- und Bundesanforderungen zu erfüllen – aber das sollte nicht ihre einzige Herausforderung bleiben.

Die neue Mission: Lebensraum für Karibus weiter schützen

In nur zwei Jahren erarbeitete das Team einen neuen Plan, um den Lebensraum der Karibus zu schützen und dabei die Rechte der indigenen Völker zu respektieren und die wirtschaftlichen Interessen der Industrie auszugleichen.

„Wir haben Verbindungen zwischen Menscheen geschaffen, die sich sonst nicht gemeinsam mit diesem Thema auseinandergesetzt hätten, was unser Verständnis für die Art und ihren Lebensraum weiter vertieft hat.“

Nachhaltiger Einfluss auf die Region

Das Team Caribou ist ein leuchtendes Beispiel dafür, wie positive Veränderungen von einer engagierten Gruppe ausgehen, die eine Vision teilt, in gutem Glauben verhandelt und der die Autonomie gegeben wird, Veränderungen zu bewirken.

Ein Jahr nach dem Forum wirkt der Geist des Team Caribou weiter, was zum großen Teil der Führung und dem aktiven Engagement der Abitibiwinni First Nation Community zu verdanken ist. Die Zusammenarbeit setzt Elemente des Schutzplans fort – zuletzt eine Analyse möglicher Straßensperrungen, die den Lebensraum der Karibus in diesem Gebiet wiederherstellen würden.
Im Detour-Waldgebiet gibt es nun einen Entwurf, dem andere folgen können, so dass alle kanadischen Karibuherden von denjenigen, die das Land verwalten, besser unterstützt werden können.