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Eine Kautschukfarm gibt Gummi
Zusammenfassung
Seit über 50 Jahren produziert Grupo Fortaleza in Guatemala hochwertigen Naturkautschuk, der weltweit stark nachgefragt wird. Um eine nachhaltige und sozial verträgliche Lieferkette sicherzustellen, hat sich das Unternehmen für eine FSC-Zertifizierung entschieden. Diese garantiert nicht nur ökologische Standards wie minimalen Pestizideinsatz, Wiederaufforstung und CO2-Kompensation, sondern verbessert auch die Arbeits- und Lebensbedingungen der über 1100 Beschäftigten. Die Mitarbeitenden profitieren von sicheren Arbeitsplätzen, sozialem Zusammenhalt und verbesserten Wohnverhältnissen. Zudem engagiert sich Grupo Fortaleza aktiv für Bildung, kulturelle Projekte und eine familiäre Atmosphäre auf den Plantagen. Der Naturkautschuk, gewonnen aus dem Latex tropischer Gummibäume, findet in vielfältigen nachhaltigen Produkten wie FSC-zertifizierten Kondomen, Yogamatten und Sportbekleidung Verwendung. Grupo Fortaleza strebt kontinuierlich nach weiteren Umweltverbesserungen und plant, sein Ökosystem-Dienstleistungssystem zertifizieren zu lassen, um ökologische Leistungen wie Biodiversität und Wasserressourcen zu fördern. Das Interview mit FSC-Beauftragter Glenda Lee zeigt, wie nachhaltige Produktion und soziale Verantwortung Hand in Hand gehen können.
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Seit mehr als 50 Jahren produzieren kleinbäuerliche Betriebe und Unternehmen in Guatemala hochwertigen Naturkautschuk. Mit der weltweit steigenden Nachfrage wächst das Geschäft und damit auch die Bedeutung sozialer und ökologischer Standards bei der Gewinnung des „weißen Saftes“.
Um eine nachhaltige Lieferkette zu garantieren, hat sich das Kautschukunternehmen Grupo Fortaleza in Guatemala für eine Zertifizierung nach FSC-Standard entschieden. Was sie mit der Zertifizierung erreicht haben und welche Bedeutung dies für die Beschäftigten hat, schildert die FSC-Beauftragte Glenda Lee.
Was zeichnet Naturkautschuk als Material aus und wo kann er verwendet werden?
Aus Latex, dem milchigen Saft aus der Rinde tropischer Gummibäume (lat. hevea brasiliensis), werden Naturkautschuk sowie Naturlatex hergestellt. Aufgrund seiner einzigartigen Stabilität und Haltbarkeit wird Naturkautschuk in der Industrie, wie z.B. in Flugzeug- oder LKW-Reifen, häufiger verwendet als synthetischer Kautschuk. Ein weiterer Vorteil von Naturkautschuk ist, dass es sich um einen nachwachsenden Rohstoff handelt. Aus diesem Grund ist der natürliche Rohstoff bei Unternehmen, die Wert auf Nachhaltigkeit legen, besonders beliebt. Verlässliche Lieferketten werden durch erfahrene und zertifizierte Unternehmen wie Corrie McColl sichergestellt, die den nachhaltigen Kautschuk nach Europa importieren. Der Kautschuk von Grupo Fortaleza wird anschließend von europäischen Verarbeitungsbetrieben bspw. zu FSC-zertifizierten Latexkondomen von Ritex, zu „Ocean Mat“-Yogamatten von Southern Shores oder in der Sportbekleidung des kanadischen Unternehmens Lululemon Athletica verarbeitet
Welche Arbeiten fallen dort an und wie werden diese auf die Arbeiter*innen aufgeteilt? Grupo Fortaleza bewirtschaftet über 9.000 Hektar Plantagengebiet und betreibt zwei eigene Fabriken zur Erstverarbeitung des Rohkautschuks.
Bei Grupo Fortaleza sind derzeit 1140 Arbeiterinnen und Arbeiter beschäftigt. 140 von ihnen arbeiten in der Kautschukfabrik und etwa 1000 auf den Plantagen.
Die 25 beschäftigten Frauen widmen sich hauptsächlich der Anwendung von Fungiziden auf dem Pica-Panel, um zu verhindern, dass die Bäume nach dem Fällen krank werden. Es gibt auch Näherinnen, die Kissenbezüge und Kerne für den lokalen Markt und den Export herstellen. Die meisten angestellten Männer sind für das Fällen der Gummibäume verantwortlich.
Ein „Picador“ (Plantagenarbeiter, der den Gummibaum anritzt, damit das Latex herausfließen kann) ist je nach Hanglage für etwa 500 bis 600 Bäume verantwortlich.
Inwiefern trägt die FSC-Zertifizierung hier zu guten Arbeitsbedingungen bei? Wie ist die Atmosphäre unter den Beschäftigten bei Grupo Fortaleza?
Sowohl auf den Farmen als auch in den Betrieben herrscht eine freundliche Atmosphäre und jeder kennt jeden. Es ist Teil der Tradition, dass die erfahreneren Mitarbeitende ihr Wissen an neue oder jüngere Mitarbeitende weitergeben. Da die Arbeit auf den Kautschukplantagen körperlich nicht sehr anstrengend ist, können Mitarbeitende oft bis ins hohe Alter dort arbeiten und haben ein gesichertes Einkommen. Auf einer der Plantagen arbeitet sogar ein über 60-jähriger Mann. Zurzeit darf er allerdings aufgrund der Covid-19-Beschränkungen nicht arbeiten.
Welche Unterstützung bietet Grupo Fortaleza den Arbeiter*innen im Gegensatz zu nicht-zertifizierten Unternehmen auch außerhalb der Arbeit?
Auf nicht-zertifizierten Plantagen leben mehrere Familien in Häusern ohne abgetrennte Räume. Hier bei uns haben die Farmen Verbesserungen an den Häusern vorgenommen. Trennwände in den Häusern ermöglichen mehr Privatsphäre und auch die sanitären Anlagen sind abgetrennt vom Wohnbereich. Zudem werden diese hier auch regelmäßig gesäubert. Für die Abfälle in den Betrieben haben wir extra Klärgruben gebaut.
Die Arbeitnehmer:innen haben die Möglichkeit, mit ihren Familien direkt bei Grupo Fortaleza in den Fincas zu leben. Einige Familien haben sich auch in der Nähe ihres Arbeitsplatzes eine eigene Unterkunft gebaut. Wir kümmern uns um das Wohlergehen unserer Mitarbeitenden und deren Familien.
Bildung wird bei uns als wertvolles Gut angesehen. Arbeiter:innen und deren Familien haben Zugang zu Bildungseinrichtungen. Und schon jungen Schüler:innen wird der Stellenwert von Bildung vermittelt, indem das Unternehmen Schüler:innen mit guten Noten besonders ehrt.
Die Grupo Fortaleza organisiert regelmäßig kulturelle und gemeinschaftliche Projekte und Feiern. Diese stärken das Zusammengehörigkeitsgefühl der Arbeitnehmenden und sorgt für einen guten Ausgleich zur Arbeit.
Inwiefern setzt sich Grupo Fortaleza für Umweltschutz ein und welche Rolle spielt die FSC-Zertifizierung in diesem Zusammenhang? Kautschukplantagen stehen immer wieder in der Kritik, dabei geht es oft um die Schädigung der Waldökosysteme.
Grupo Fortaleza verpflichtet sich gemäß den FSC-Standards zu einem lediglich minimalen Einsatz von Pestiziden sowie zu Ruhezeiten für Gummibäume und Wiederaufforstung. Wir gehen allerdings noch einen Schritt weiter: Freiwillig werden jährlich die CO2-Emissionen aus allen Arbeitsprozessen gemessen, genau dokumentiert und dann kompensiert, so dass wir klimaneutral und kohlenstoffpositiv für das von den Bäumen aus der Atmosphäre gebundene CO2 arbeiten. Obwohl Grupo Fortaleza im Vergleich zu vielen Kautschukfarmen bereits nachhaltiger und sozial verantwortlich handelt, sucht unsere Unternehmensleitung ständig nach weiteren Möglichkeiten, noch mehr für die Umwelt zu tun. Deshalb registriert sie sich für das nächste Jahr sogar, um ihr Ökosystem-Dienstleistungssystem nach den FSC-Richtlinien überprüfen zu lassen. Dies wird ein entscheidender Vorteil sein, wenn es darum geht, Ökosystemleistungen wie Biodiversität, Kohlenstoff und Wasser aufzuwerten und dies somit aktiv kommunizieren zu können.
