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Wie kann nachhaltiges Waldmanagement der Waldbrandgefahr vorbeugen?
FSC-Standard setzt auf waldbauliche Maßnahmen für mehr Resilienz
Die hohen Temperaturen und extreme Trockenheit der letzten Wochen haben die Waldbrandgefahr stark erhöht. Während viele südeuropäische Länder wie Frankreich, Spanien oder Portugal seit Wochen gegen die Feuer kämpfen, sind nun auch in Deutschland wieder vermehrt Waldbrände ausgebrochen. Kurzfristig kommt es vor allem auf umsichtiges Verhalten im und am Wald an. Langfristig kann auch die Art des Waldmanagements dazu beitragen, die Widerstandsfähigkeit von Wäldern gegenüber Waldbränden zu stärken. Der Forest Stewardship Council (FSC) setzt dabei unter anderem auf Misch- und Laubholzbestände, den Erhalt von Bodenbedeckung und bodenschonende Bewirtschaftung.
Warum sind Misch- und Laubholzbestände bei Waldbrandgefahr günstig?
Die Waldstruktur kann beeinflussen, wie stark ein Wald austrocknet. Entscheidend ist dabei unter anderem das Waldinnenklima. Es wird durch die Verdunstung (Evaporation) von der Blattoberfläche bzw. vom Waldboden sowie durch die Transpiration der Blätter bestimmt. Mit zunehmender Sonneneinstrahlung, trockener Luft und stärkerer Luftströmung steigt die Verdunstung insgesamt.
Besonders anfällig für Austrocknung sind Nadelreinbestände und Wälder mit großen Kahlflächen. „In FSC-zertifizierten Wäldern sind Kahlschläge verboten und Nadelreinbestände müssen zu Misch- beziehungsweise Laubholzbeständen umgebaut werden. Das sind wichtige Voraussetzungen, um die Resilienz des Waldes zu stärken“, wie Elmar Seizinger, Leiter der Abteilung Wald bei FSC Deutschland erklärt.
Wie kann der Waldboden vor Austrocknung geschützt werden?
Auch die Bodenbedeckung spielt eine wichtige Rolle für den Wasserhaushalt des Waldes. Um Arten, die von Biotop- und Totholz abhängen, einen dauerhaften Lebensraum zu erhalten oder zu schaffen, sieht der FSC-Standard eine betriebliche Biotop- und Totholzstrategie für die gesamte Holzbodenfläche vor. Totholz steht jedoch in Zusammenhang mit Waldbränden in der Kritik: es trockne bei großer Hitze aus und biete so Brennmaterial im Falle eines Feuers. Liegendes Totholz, also eine Bedeckung des Bodens, wirkt aber auch in hohem Maße dessen Austrocknung durch Verdunstung und einem schnellen Wasserabfluss entgegen, denn Ast- und Kronenmaterial sowie die Humusauflage speichern die Feuchtigkeit. Diese wird in bewirtschafteten Wäldern darüber hinaus durch Entwässerungssysteme beeinflusst. Oberirdische Grabensysteme, die Wasser aus den Wäldern ableiten, sind weit verbreitet, von FSC jedoch nicht erlaubt. Dieser Abtransport von Wasser wirkt negativ auf die Vitalität von Bäumen, verhindert auch die Grundwasserneubildung und wirkt sich negativ auf den Erhalt von Feuchtgebieten im Wald und deren Biodiversität aus.
Warum ist bodenschonende Waldbewirtschaftung wichtig?
„Auch die Befahrung von Waldboden hat negative Auswirkungen auf die Wasserspeicherung im Boden und wird in FSC-Betrieben minimiert und auf Rückegassen konzentriert – die Befahrung abseits von Rückegassen ist untersagt“, erläutert Elmar Seizinger.
So greifen verschiedene Elemente nachhaltiger Waldbewirtschaftung ineinander: Misch- und Laubholzbestände, der Erhalt von Bodenbedeckung, der Schutz des Wasserhaushalts und eine bodenschonende Bewirtschaftung können dazu beitragen, die Belastbarkeit von Wäldern zu stärken und ihre Austrocknung zu begrenzen.
Wie berücksichtig der neue Standard-Entwurf das Thema Waldbrand?
Der aktuelle erste Entwurf des FSC-Waldstandards 4.0* berücksichtigt das Thema nochmal verstärkt. Vorgeschlagen wird unter Prinzip 10 ein neuer, eigener Indikator zum Thema Brandschutz. Darüber hinaus berücksichtigen weitere Optimierungen der waldbaulichen Vorgaben die Resilienz des Waldes gegenüber Waldbrand. So wird neben den oben bereits genannten Maßnahmen nun unter Prinzip 6 ein neuer Indikator zum Wasserrückhalt im Wald diskutiert. Kleinkahlschläge für die Holzentnahme und Verjüngung von Lichtbaumarten sollen weiter begrenzt und die vorgesehenen Flächen kleiner gefasst werden. Gleichzeitig sollen zusätzliche Regeln zur Holznutzung dafür sorgen, dass auch kleine Freiflächen ausreichend beschattet bleiben.
Was können Waldbesuchende gegen Waldbrände tun?
Unabhängig vom Waldmanagement lässt sich ein großer Teil der Waldbrandgefahr durch umsichtiges Verhalten reduzieren. Bei hoher Waldbrandgefahr darf kein offenes Feuer im Wald entfacht, kein Grill angeheizt und auch keine Zigarette geraucht werden. Autos sollten nur auf festem Untergrund geparkt werden.
Entdeckte Brände sollten sofort über die 112 gemeldet werden.
* Der deutsche FSC-Waldstandard befindet sich seit Mai 2025 in der Revision und aktuell bis Anfang Oktober in der ersten öffentlichen Konsultationsphase. Weitere Informationen inklusive Möglichkeit zur Einsicht der Entwurfsversion sind abrufbar unter https://www.fsc-deutschland.de/wald/standards-und-dokumente/revision-fsc-waldstandard/
