Bäume in FSC-zertifizierten schwedischen Wäldern
22 Mai, 2025

Schweden: Waldwirtschaft und Rentierzucht in Einklang bringen

FSC und ASI analysieren den Einfluss des FSC-Standards auf den Dialog zwischen Sámi und Forstwirtschaft

In Schweden überschneiden sich die Gebiete der FSC-zertifizierten Waldbewirtschaftung mit jenen der samischen Rentierzucht. Eine Analyse von Assurance Services International (ASI) zeigt: Seit der Überarbeitung des schwedischen FSC-Standards im Jahr 2020 ist die Zahl der dokumentierten Konflikte zurückgegangen – Spannungen bestehen jedoch fort. Während der partizipative Planungsprozess zu besserem Austausch führt, wird er als komplex und ressourcenintensiv beschrieben. ASI empfiehlt FSC unter anderem klarere Schutzregeln und die Förderung vertrauensbildender Dialogformate.

Die Sámi sind ein indigenes Volk mit traditioneller Rentierhaltung, die auf fast der Hälfte der schwedischen Landesfläche betrieben wird. Diese Flächen überschneiden sich mit wirtschaftlich genutzten Wäldern, ein Großteil davon ist nach dem schwedischen FSC-Standard (National Forest Stewardship Standard, kurz NFSS) zertifiziert. Die daraus entstehenden Konflikte betreffen vor allem den Verlust von in Kiefern- und Fichtenwäldern vorkommenden Flechtenstandorten, der Hauptnahrungsquelle der Rentiere. Der schwedische FSC-Standard schreibt die sogenannte FPIC (freie, vorherige und informierte Zustimmung) vor, wenn Rechte indigener Völker betroffen sind uns spielt daher eine zentrale Rolle dabei, die gemeinsame Landnutzung der beiden Parteien zu ermöglichen. Ein zentrales Werkzeug ist außerdem die „partizipative Planung“, ein Dialogverfahren zur Koordinierung der Landnutzung zwischen Rentierzüchtern und FSC-Zertifikatsinhabenden.

Anlass und Ziel der Untersuchung
Anlass der Untersuchung von ASI und FSC war eine Zunahme von Beschwerden und Konflikten seit 2016, in denen samische Interessenvertretende negative Auswirkungen forstwirtschaftlicher Maßnahmen wie Holzeinschlag und Straßenbau auf die Rentierzucht beklagten. Ziel der Untersuchung war, zu bewerten, ob die ab 2020 geltenden Änderungen im schwedischen FSC-Standard den Austausch zwischen beiden Parteien verbessert und zu einer nachhaltigen Verringerung von Konflikten geführt haben.

Methodik
ASI analysierte die ASI-Datenbank für Beschwerden und Vorfälle, öffentlich zugängliche Berichte, Artikel, Blogbeiträge, von Fachleuten begutachtete Forschungsarbeiten und Medienberichte. Außerdem öffentliche Audit-Berichte und die Protokolle eines von FSC Schweden eingerichteten Gremiums zur Überprüfung von Streitfällen zwischen samischen Vertretern und Zertifikatsinhabenden. Zusätzlich führte ASI persönliche Interviews mit Vertretern von acht verschiedenen samischen Dörfern in den Bezirken Norrbotten, Vasterbotten und Jämtland durch. Ebenso befragt wurden Vertreter von fünf Forstbetrieben, zwei Zertifizierungsstellen, Mitglieder von FSC Schweden sowie fünf unabhängige Fachleute für Rentierzucht, samisches Recht und Biodiversität.

Zentrale Ergebnisse

  • Rückgang dokumentierter Konflikte: Die Zahl der Streitfälle ist seit 2020 gesunken, obwohl Bedenken weiterhin öffentlich geäußert werden.
  • Unterschiedliche Perspektiven: Zwischen Sámi und Forstunternehmen bestehen weiterhin Meinungsverschiedenheiten über die Auswirkungen der Forstwirtschaft auf Rentierweiden.
  • Partizipative Planung: Der Austausch wurde verbessert, aber der Prozess ist komplex. Vorschläge umfassen u. a. die frühzeitige Einbindung der Sámi, explizite Schutzkriterien für Weiden und Berücksichtigung langfristiger Landschaftsveränderungen.
  • Ungleiches Kräfteverhältnis: Sámi-Dörfer verfügen über deutlich weniger Ressourcen für die Verfahrensbeteiligung.
  • FPIC-Verweigerung: Die Sámi können ihre Zustimmung verweigern, was teils zur Einschränkung von Abholzungsmaßnahmen führt. Einschläge ohne FPIC bleiben selten, führen jedoch regelmäßig zu öffentlichem Protest.

Empfehlungen von ASI an FSC

  • Einführung von Indikatoren für die Ausweisung wichtiger Gebiete als „High Conservation Values“
  • Klarere Schutzvorgaben bei Konflikten
  • Überarbeitung potenziell widersprüchlicher Regelungen zur FPIC
  • Finanzielle Unterstützung für Sámi-Dörfer, um ihre aktive Teilnahme an Planungsprozessen zu ermöglichen.
  • Förderung vertrauensbildender Dialogformate

Nächste Schritte
FSC prüft, wie der Dialog und die konstruktive Zusammenarbeit zwischen den samischen Rentierzüchtern und den FSC-Zertifikatsinhabenden in Zukunft verbessert werden kann. Einige Initiativen sind bereits im Gange:

  1. Eine Untersuchung der Wirksamkeit der NFSS-Anforderungen in Bezug auf FPIC, um einen konkreteren Beitrag zur Überarbeitung des Standards zu leisten.
  2. Organisation jährlicher Treffen zwischen den großen Waldbesitzenden und dem samischen Rentierzuchtverband, um Herausforderungen und Lernerfahrungen bei der Umsetzung der NFSS-Anforderungen auszutauschen.

Weitere Informationen zu dieser Untersuchung – Zweck, Methodik, Ergebnisse und Empfehlungen – finden Sie in der öffentlichen Zusammenfassung des Untersuchungsberichts.

 

Dieser Artikel basiert auf einem Artikel von FSC International. Lesen Sie hier das Original.

 

 

Franziska Becker