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Stellungnahme
von FSC Deutschland zur ARD-Dokumentation „Verschollen – Schmutzige Geschäfte mit dem Klimaschutz“, Ausstrahlung am 12.11.2025 um 21:45 Uhr.
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Die ARD-Dokumentation „Verschollen – Schmutzige Geschäfte mit dem Klimaschutz“ vom 12. November 2025 zeigt neben dem Hauptthema der zweifelhaften Herkunft von „Grünem Stahl“ auch Konflikte im Zusammenhang mit zertifizierten Plantagen in Brasilien. Die gezeigten Bilder aus der Region um Minas Gerais sind erschütternd. Die erhobenen Vorwürfe widersprechen den Grundwerten, für die FSC steht.
Das Wohlergehen der Menschen vor Ort und der Schutz der Umwelt sind für FSC, unsere Mitglieder und Partner nicht verhandelbar.
Unser Vorgehen: FSC Deutschland nimmt die Vorwürfe sehr ernst. FSC hat für solche Verstöße klare Regeln und Sanktionsmechanismen. Sollte sich bestätigen, dass FSC-zertifizierte Betriebe Menschen den Zugang zu Wasser eingeschränkt haben, dass Menschen aus ihren angestammten Dörfern vertrieben wurden oder dass naturnahe Savannenökosysteme durch diese Betriebe in Plantagen umgewandelt wurden, werden wir die FSC-Verfahren zur Lösung der Missstände einsetzen (siehe u. a.: https://connect.fsc.org/participate/complaints) und die Ergebnisse veröffentlichen.
Was bereits unternommen wurde:
Der im Film genannte Stahlkonzern Aperam ist FSC bekannt. 2024 führte die unabhängige Akkreditierungsstelle ASI (Assurance Services International) in Minas Gerais eine Überprüfung aufgrund von FSC Stakeholder-Beschwerden durch. ASI überwacht im Auftrag von FSC weltweit die Zertifizierungsstellen, die Zertifikate nach unserem Standard vergeben, um die korrekte Umsetzung der FSC-Standards sicherzustellen.
Im Zentrum der Untersuchung stand die Arbeit der Zertifizierungsstelle, die die Zertifikate an das Unternehmen ausgestellt hatte. Die ASI-Prüfer bestätigten Versäumnisse beim Umgang mit Beschwerden lokaler Gemeinschaften wegen eingeschränkten Zugangs zu Wasser. Die Zertifizierungsstelle musste nachbessern und Eingaben von Bewohner:innen nun umfassend nachverfolgen.
FSC prüft zudem, ob zusätzliche Maßnahmen gegenüber Aperam erforderlich sind.
Der ASI-Bericht ist hier öffentlich zugänglich:
https://www.asi-assurance.org/ASIAssessmentDetail?number=A-20230246974
Was wissen wir über die weiteren genannten Unternehmen? Zu ArcelorMittal liegen FSC bisher keine Beschwerden vor. FSC hat eine Überprüfung der im Film geschilderten Punkte eingeleitet, und mit Hilfe von Expert:innen vor Ort versuchen wir, herauszufinden, wer für welche Handlungen verantwortlich ist.
Der im Film genannte Stahlkonzern Gerdau ist nicht FSC-zertifiziert.
Wie geht es weiter: Wir werden auf unserer Website www.fsc-deutschland.de über den Stand der Untersuchungen und Maßnahmen informieren. Prüfberichte von FSC-Kontrollen in Forst-/Plantagenbetrieben können über die FSC-Zertifikatsdatenbank eingesehen werden (https://search.fsc.org/). Berichte von Untersuchungen seitens FSC International oder ASI können dann auf den jeweiligen Webseiten eingesehen werden.
Warum zertifiziert FSC Plantagen?
Plantagen können niemals den Reichtum, die Stabilität und die Schönheit natürlicher Wälder ersetzen – das ist uns bewusst. Monokulturen haben große ökologische Nachteile, der Wasserverbrauch von Eukalyptus ist hoch, und wirtschaftliche Interessen können im Konflikt mit den Bedürfnissen lokaler Gemeinschaften stehen.
Dennoch zertifiziert FSC verantwortungsvoll geführte Plantagen, um sicherzustellen, dass auch hier verbindliche Mindeststandards gelten. Ohne diese Zertifizierungen würde der globale Holzbedarf noch destruktiver gedeckt werden – auf Kosten weiterer Wälder, ökologisch wertvoller Gebiete und der Menschenrechte.
Zentrale Anforderungen des FSC-Standards für Plantagen in Brasilien:
- Schutz von Wasserressourcen: Natürliche Wasserläufe, Gewässer, Uferzonen und deren Vernetzung müssen geschützt oder wiederhergestellt werden.
- Strenge Grenzen für Landumwandlung: Die Umwandlung von Steppen und Wäldern in Plantagen ist nur auf maximal 5 % der Managementeinheit und insgesamt auf maximal 1.000 Hektar erlaubt – und nur, wenn dies zu klaren, substanziellen und langfristigen Schutzvorteilen führt. Gebiete mit hohen Schutzwerten (High Conservation Value Areas) dürfen nicht beeinträchtigt werden.
- Schutz der biologischen Vielfalt: Die kontinuierliche Existenz einheimischer Arten muss erhalten bleiben, der Verlust biologischer Vielfalt muss verhindert werden.
- Klärung von Landnutzungsrechten: Die rechtlichen Grundlagen des bewirtschafteten Gebiets müssen eindeutig geklärt sein. Konflikte über gesetzliche oder gewohnheitsrechtliche Ansprüche müssen durch kulturell angemessene Mechanismen systematisch identifiziert, verhindert und beigelegt werden.
- Achtung der Menschenrechte: Die Menschenrechte der lokalen Bevölkerung sind einzuhalten. Insbesondere indigene Gemeinschaften müssen nach den durch die UN definierten Standards des FPIC (Free, Prior and Informed Consent, auf Deutsch: freie, vorherige und informierte Zustimmung) in Entscheidungen eingebunden werden.
Was nicht im Geltungsbereich der Waldzertifizierung liegt
Die im Film erwähnte Eukalyptus-Holzkohle für die Herstellung von Stahl ist nicht FSC-zertifiziert. Was mit dem Holz nach dem Verkauf aus der Plantage geschieht, liegt außerhalb des Geltungs- und Einflussbereichs der FSC-Waldzertifizierung.
Unser Anspruch: Transparenz und konsequente Kontrolle
Die Dokumentation zeigt: Selbst bei zertifizierten Betrieben kann es zum Bruch von Regeln kommen. Deshalb hat FSC Kontroll- und Beschwerdemechanismen etabliert. FSC wird die aufgeworfenen Punkte gewissenhaft bearbeiten und die Ergebnisse transparent kommunizieren.
Oft ermöglicht erst die FSC-Zertifizierung den Menschen die Möglichkeit, jenseits staatlicher Institutionen selbst Einfluss auf Prozesse in ihrem Umfeld zu nehmen und bei großen Landbesitzern und Unternehmen die eigenen Interessen und die ihrer Gemeinden durchzusetzen.
