13 Sep., 2025

Sachsenforst wendet sich von zukunftsweisender Waldwirtschaft ab

FSC Deutschland kritisiert das überstürzte Ende der nachhaltigen Waldzertifizierung – Nur das Biosphärenreservat Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft bleibt FSC-zertifiziert.

Dresden/Freiburg, 12. September 2025 – Mit großem Bedauern und Unverständnis nimmt FSC Deutschland die Entscheidung des Sächsischen Staatsministeriums für Umwelt und Landwirtschaft zur Kenntnis, die FSC-Zertifizierung auf den Staatswaldflächen nahezu vollständig zu beenden. Das 2020 begonnene Modellprojekt zur FSC-Zertifizierung von Teilen des sächsischen Staatswaldes, welches erst Anfang 2024 zu einer Teilzertifizierung geführt hatte, wird weitgehend beendet. Dies teilte der Staatsbetrieb Sachsenforst am 11. September 2025 mit.

Noch 2024 betonte der damalige Land- und Forstminister Wolfram Günther: „Es ist von großer Bedeutung, dass wir mehr Waldflächen besonders nachhaltig bewirtschaften. […] Dabei hilft uns die nachhaltige Bewirtschaftung nach FSC-Standards.“ Diese klare Haltung wird nun einer rein politisch motivierten Kehrtwende geopfert.

Ideologie statt Sachlichkeit

„Hier geht es nicht um sachliche Argumente für bessere Waldwirtschaft, sondern um politische Profilierung auf Kosten des Landes und seiner Menschen“, so Alfred Schumm, Geschäftsführer von FSC Deutschland. „Die Staatsregierung wendet sich von ökologischen und sozialen Innovationen ab, die gemeinsam mit vielen engagierten Gruppen entwickelt wurden.“

Ein fataler Rückschritt nach weniger als zwei Jahren

„Diese Entscheidung ist nicht nachvollziehbar und unverantwortlich“, erklärt Schumm. „Gerade einmal knapp anderthalb Jahre nach der erfolgreichen Zertifizierung Anfang 2024 und obwohl sie nur ein Drittel der Staatswaldfläche umfasste, zieht sich der Freistaat Sachsen überhastet aus einem System zurück, das nachweislich positive Veränderungen im Wald bewirkt hat.“

„Das jüngste Audit hat erneut klare Defizite im sozialen Bereich (u.a. Arbeitsüberlastung wegen zu dünner Personaldecke zum Beispiel aufgrund nicht nachbesetzter Stellen) und bei der Arbeitssicherheit für die Waldarbeiter offengelegt. Die Auditergebnisse sind bei FSC öffentlich und sollten auch dem für die Mitarbeiter:innen im Staatsforst verantwortlichen Minister sowie den Abgeordneten des sächsischen Landtags bekannt sein“, erläutert Schumm. „Minister Georg-Ludwig von Breitenbuch geht hier fahrlässig mit zentralen Warnhinweisen aus dem unabhängigen Qualitäts-Audit um.“[1]

Die Entscheidung macht bereits getätigte Investitionen in nachhaltige Waldwirtschaft zunichte und degradiert die engagierte Arbeit der betroffenen Forstleute.

FSC bewirkt messbare Verbesserungen

Entgegen der Darstellung von Staatbetrieb Sachsenforst zeigen die öffentlich zugänglichen Auditberichte nicht nur Defizite, sondern auch wichtige Fortschritte durch die FSC-Zertifizierung: Verbesserungen bei der Unfallvorbeugung, Qualifizierung von Dienstleistern in Wald, höhere ökologische Standards und ein strukturierter wissenschafts- und erfahrungsbasierter Waldumbau.

FSC-Regeln und Lösungen unterstützen den Waldumbau im Klimawandel. FSC ermöglicht es den Boden- und Wasserhaushalt zu schützen. Darüber hinaus gibt der FSC-Standard ausreichend Spielraum, um mit standortfremden Baumarten zu experimentieren – jedoch mit Augenmaß. Im Zentrum steht dabei der intakte Wald, um das Ökosystem als Ganzes widerstandsfähiger vor Windwurf, Kalamitäten und Klimaerhitzung zumachen.

FSC-Standards sind demokratisch entwickelt

FSC-Standards gelten für alle zertifizierten Waldbesitzenden in Deutschland gleichermaßen. Änderungen entstehen nur im ausgewogenen Dialog zwischen Wirtschafts-, Umwelt- und Sozialinteressen. Dazu gehört auch, dass die Einhaltung der FSC-Standards jährlich durch zugelassene unabhängige Prüfer:innen kontrolliert wird. Einseitige Partikularinteressen können sich hier nicht einfach so durchsetzen.

Verlust für Sachsen und seine Wirtschaft

Mit dem Rückzug verliert Sachsenforst nicht nur an Glaubwürdigkeit in der Waldpolitik, sondern schadet auch der regionalen Wirtschaft. Holzverarbeitende Betriebe verlieren den Zugang zu FSC-zertifiziertem Rohstoff direkt im eigenen Land – ein echter Wettbewerbsnachteil in einem Markt, der zunehmend Nachhaltigkeit fordert. Große global agierende Unternehmen und hochqualitative Handwerksbetriebe sehen die FSC-Zertifizierung als Mindeststandard und Qualitätssiegel für nachhaltige Forstwirtschaft. Das FSC-Zertifikat ist vielfach Zugangsvoraussetzung für die Produktkette.

Verbraucherinnen und Verbraucher vertrauen dem FSC-Siegel, wie nationale und internationale Studien eindrücklich belegen.[2]

Ein rückwärtsgewandtes Signal 

Während andere Regionen weiter auf hohe unabhängige Standards wie FSC setzen und der Klimawandel nachhaltiges Handeln dringlicher denn je macht, sendet Sachsen ein Signal der Rückwärtsgewandtheit. Lediglich die 3.100 Hektar im Biosphärenreservat Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft bleiben noch bis 2028 FSC-zertifiziert.

„Sachsenforst verpasst die Chance, Vorreiter für zukunftsfähige Waldwirtschaft zu werden und dabei am Holzmarkt Bestpreise für die Staatskasse zu erwirtschaften“, wundert sich Schumm.

[1] Vergl. Auditbericht 2024, S. 33: https://fscglobal.my.salesforce-sites.com/servlet/servlet.FileDownload?file=00PUV00000OCw7F2AT

[2] Vergl.: https://www.fsc-deutschland.de/neue-verbraucherstudie-fsc-siegel-ist-vertrauenswuerdig/

 

Lars Hoffmann