5 Aug., 2026

FSC startet öffentliche Konsultation zum deutschen Waldstandard

Erster Entwurf veröffentlicht – Fachwelt und Öffentlichkeit können bis Anfang Oktober Stellung nehmen

Wie soll verantwortungsvolle Waldwirtschaft in Deutschland künftig aussehen? Welche Anforderungen haben sich bewährt, welche müssen weiterentwickelt werden? Diese Fragen möchte FSC Deutschland nicht allein beantworten. Mit der Veröffentlichung des ersten Entwurfs für den überarbeiteten deutschen FSC-Waldstandard startete am 30.07. die erste öffentliche Konsultation. Bis Ende September sind Fachleute und Interessierte eingeladen, den Entwurf zu kommentieren und eigene Vorschläge einzubringen.

Besonders ist dabei der Zeitpunkt: Die erste Konsultation findet bereits während der Erarbeitung des Standards statt. Der veröffentlichte Entwurf ist bewusst kein fertiges Regelwerk, sondern eine Arbeitsfassung. Ziel ist es, Erfahrungen aus der Praxis, wissenschaftliche Erkenntnisse sowie die Perspektiven von Umwelt-, Sozial- und Wirtschaftsakteuren frühzeitig zusammenzuführen – bevor der Standard in die nächste Bearbeitungsphase geht.

„Die Zukunft der FSC-zertifizierten Waldwirtschaft entsteht nicht am Schreibtisch. Wir brauchen die Erfahrungen der Menschen, die täglich mit dem Wald arbeiten, ihn erforschen oder sich für seinen Schutz engagieren. Deshalb laden wir alle Interessierten ein, den neuen Waldstandard aktiv mitzugestalten“, sagt Elmar Seizinger, Leiter Wald bei FSC Deutschland.

Zwölf Themen mit besonderem Handlungsbedarf

Im Mittelpunkt der ersten Konsultation stehen zwölf Themenfelder, die von den Mitgliedern von FSC Deutschland als prioritär identifiziert wurden:

  • Schematische Verjüngungsverfahren & Wiederbewaldung
  • Verjüngung
  • nicht-heimische Baumarten und Herkünfte
  • Feinerschließung, Rückegassenabstände
  • Bodenbearbeitung, Befahrung abseits Rückegassen (Einsatz von Kleinraupen)
  • Unfallverhütungsvorschriften & Arbeitsschutz
  • Entlohnung
  • Qualifikation
  • Nachhaltigkeit und Hiebssatz
  • Naturwaldentwicklungs-Flächen
  • Jagdmanagement
  • Wasser

Einen Einblick geben vier Beispiele:

Nicht-heimische Baumarten

Nicht-heimische Baumarten und Herkünfte können den Waldumbau durch Risikostreuung und bessere Klimaanpassung unterstützen, bergen aber Risiken wie eingeschleppte Schädlinge oder Verdrängung heimischer Arten. Um mehr Flexibilität zu erwirken, wird in Indikator 10.3.3. eine prozentuale Abstufung nach Flächenart für die Einbringung nicht-heimischer Baumarten bei Verjüngungsmaßnahmen vorgeschlagen. In Störungs- und Umbauflächen sollen mehr nicht-heimische Baumarten als bisher eingebracht werden können (40% / 30%). Dafür gelten strengere Zielvorgaben für aktuell stabile, naturnahe Flächen (10%). Auch für die Einbringung nicht-heimischer Herkünfte (Indikator 10.3.3) wird eine Abstufung je nach Art der Fläche vorgeschlagen, um Genfluss-Risiken zwischen Herkünften (heimisch – nicht-heimisch) zu begegnen: für die jeweilige Baumart in Störungsflächen maximal 40%, in Umbauflächen 30%, in naturnahen Flächen 0%.

Jagdmanagement

Hohe Bestände von Schalenwild können die Waldverjüngung und damit den Erfolg des Waldumbaus zu klimaresilienten Laubmischwäldern beeinträchtigen. Wenn Naturverjüngung ausbleibt oder selektiv verbissen wird, leidet die Arten- und Strukturvielfalt des Waldes. Bezog sich der bisherige Indikator lediglich auf die Verjüngung heimischer Baumarten ohne Hilfsmittel, soll jetzt die waldtypische Vegetation und damit auch die Krautschicht beachtet werden. In der Ausgestaltung eines entsprechenden Konzepts hat der Forstbetrieb viele Freiheiten. So soll er selbst die „waldtypische Vegetation“ für sich definieren, die Entwicklung der Vegetation erheben und seine Schadenstoleranz selbst festlegen. Das Ergebnis der entsprechenden Maßnahmen steht im Fokus.

Entlohnung

Die Arbeitsverhältnisse in der Waldbranche sind Komplex. Es gibt Arbeitnehmer, Entsendearbeitnehmer und Leiharbeiter. Gleiches gilt für die Arbeitgeberseite, bestehend aus Forstbetrieben, forstlichen Dienstleistenden und Subunternehmen – mit variablen Löhnen und Lohnstrukturen. Ein stark überarbeiteter Indikator 2.4.1 soll zukünftig sehr konkret nicht tarifgebundene Forstbetriebe adressieren. Beschäftigte sollen mindestens nach dem mit der Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL) für den Forstbereich vereinbarten Lohntarifvertrag entlohnt werden. Entgeltgruppe und – stufe sind für bestimmte Tätigkeitsbereiche genannt und sorgen so für angemessene Entlohnung sowie notwendige Klarheit für Arbeitgeber und Arbeitnehmer.

Bodenbearbeitung & Befahrung abseits Rückegassen

Zum Redaktionsschluss lag noch kein Vorschlag für eine Neuformulierung vor. Von Seiten vieler Waldbesitzer wird gefordert, auch im aktuellen Kalamitätsfall und bei der Kulturpflege ehemaliger Kalamitätsflächen den Einsatz von Kleinraupen in beschränktem Maße zuzulassen. Laut aktuellem FSC-Standard ist die Befahrung abseits von Rückegassen mit der Kleinraupe und damit die Möglichkeit der Freilegung des Mineralbodens und entsprechender Befahrung jedoch nur erlaubt, wenn eine dichte Rohhumusauflage die Verjüngung heimischer Baumarten verhindert und zusätzliche Auflagen erfüllt werden.

Mit den vorgeschlagenen Änderungen reagiert FSC auf aktuelle Herausforderungen der Waldwirtschaft ebenso wie auf Erfahrungen aus der Anwendung des bestehenden Standards. Ziel ist es, Anforderungen gezielt weiterzuentwickeln und dort anzupassen, wo fachlicher oder praktischer Verbesserungsbedarf besteht.

Ein Standard, der einfacher anwendbar wird

Neben den inhaltlichen Änderungen verfolgt die Revision ein weiteres Ziel: Der FSC-Waldstandard soll klarer, verständlicher und anwenderfreundlicher werden.

„Wir konzentrieren uns auf die Themen, bei denen tatsächlich Überarbeitungsbedarf besteht. Gleichzeitig wollen wir den Standard einfacher und praxisnäher gestalten“, erläutert Seizinger. Rückmeldungen aus der Konsultation sollen dazu beitragen, Anforderungen verständlicher zu formulieren, Doppelungen abzubauen und die Anwendung im Arbeitsalltag zu erleichtern.

Alle eingehenden Kommentare werden ausgewertet und fließen in die Überarbeitung des Entwurfs ein. Die nächste Fassung wird Anfang 2027 in einer zweiten öffentlichen Konsultation vorgestellt. Grundlage bleiben dabei die verbindlichen internationalen Vorgaben von FSC.

Jetzt beteiligen

An der Konsultation können sich Waldbesitzende, Beschäftigte, forstliche Dienstleistungsunternehmen, Zertifizierungsstellen, Umwelt- und Sozialorganisationen, Wissenschaft sowie alle weiteren Interessierten beteiligen.

Die Teilnahme erfolgt nach kostenfreier Registrierung über die internationale Konsultationsplattform consultation-platform.fsc.org . Ergänzende Informationen zur Revision sowie Hintergrundmaterialien stellt FSC Deutschland auf seiner Website bereit (www.fsc-deutschland.de/wald)

Hintergrund

Der deutsche FSC-Waldstandard wird regelmäßig überprüft, um ihn bei Bedarf an aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse, internationale FSC-Vorgaben, gesellschaftliche Erwartungen und die Erfahrungen aus der Praxis anzupassen.

So geht es weiter

Nach Ablauf der Konsultation werden die Kommentare ausgewertet,anonymisiert und gruppiert beantwortet. Auf unserer Homepage werden wir für Sie eine Zusammenfassung der Konsultationsergebnisse bereitstellen. Ab Herbst wird dann der Fokus auf der Vereinfachung des Standards für Anwender:innen liegen. Ziel sind einfachere Indikatoren und Nachweismethoden, durch einen geringeren zeitlichen und finanziellen Aufwand.

Weitere Informationen sowie bei der Konsultation unterstützende Dokuemente finden Sie auf unserer Internetseite ⇒ Revision FSC-Waldstandard

Annika Burger