© S. Lechner / FSC Deutschland
Niedersachsen startet FSC-Pilotprozess
FSC Deutschland begrüßt Entscheidung
Fünf Jahre Erfahrungen mit FSC-Zertifizierung im Landeswald – Pilotprozess verbindet Praxis, Wissenschaft und unabhängige Überprüfung
FSC Deutschland begrüßt die Entscheidung der Niedersächsischen Landesforsten, die FSC-Zertifizierung in einem fünfjährigen Pilotprozess zu erproben. Die Forstämter Lauterberg und Rotenburg sowie der niedersächsische Teil des Nationalparks Harz sollen künftig nach den Anforderungen des Forest Stewardship Council (FSC) bewirtschaftet und zertifiziert werden.
Wertvolle Ergänzung
„Wir freuen uns sehr über diese Entscheidung. Niedersachsen verfügt mit LÖWE+ bereits über ein anspruchsvolles Konzept für die naturnahe Bewirtschaftung des Landeswaldes. Die FSC-Zertifizierung kann daran anknüpfen. Wir haben viele Rückmeldungen von Industriepartnern und zertifizierten Verarbeitungsbetrieben in Niedersachsen und den angrenzenden Bundesländern. Hier gibt es großen Bedarf nach mehr FSC zertifiziertem Holz. Das sind ideale Voraussetzungen, damit der Landesbetrieb sich auch wirtschaftlich noch gewinnbringender aufstellen kann“, sagt Alfred Schumm, Geschäftsführer von FSC Deutschland.
Der fünfjährige Pilotprozess soll wissenschaftlich begleitet werden. Im Fokus stehen unter anderem Auswirkungen auf Naturschutz, Waldbewirtschaftung, Arbeitssicherheit, Holzvermarktung und betriebliche Abläufe. Neben der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt sollen für sozialwissenschaftliche Fragen und Aspekte des Arbeitsschutzes weitere unabhängige Institutionen eingebunden werden. Auch die Landesunfallkasse Niedersachsen und die Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG) sollen den Prozess begleiten.
Erfahrungen gemeinsam auswerten
Niedersachsens Forstministerin Miriam Staudte sieht in der Pilotierung ebenfalls die Chance, belastbare Erkenntnisse zu gewinnen: „Mit dem Pilotprozess schaffen wir nun eine belastbare Grundlage, um die Auswirkungen und den besonderen Nutzen der Zertifizierung für die Landesforsten fundiert zu bewerten.“
„Genau dieser offene und wissenschaftlich begleitete Ansatz ist aus unserer Sicht der richtige Weg“, so Schumm. „Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit mit den Niedersächsischen Landesforsten und darauf, die Erfahrungen aus dem Pilotprozess gemeinsam auszuwerten, und bei der Umsetzung anspruchsvoller ökologischer und sozial gerechter Waldbewirtschaftung voneinander zu lernen.“
Nach der Bildung der Zertifizierungsgruppe wird ein unabhängiges Zertifizierungsunternehmen die bisherige Bewirtschaftungspraxis überprüfen. Werden Anpassungsbedarfe festgestellt, sollen diese unter anderem durch Schulungen und Optimierung betrieblicher Abläufe umgesetzt werden.
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Hintergrund: FSC und LÖWE+ – unterschiedliche Ansätze, gemeinsame Ziele Mit LÖWE+ verfügt Niedersachsen bereits über ein anspruchsvolles Programm für eine nachhaltige und ökologisch ausgerichtete Waldbewirtschaftung. Der FSC-Standard setzt darüber hinaus zusätzliche Leitplanken. Eine Wirkungsstudie von FSC Deutschland hat den FSC-Standard mit den gesetzlichen Vorgaben und LÖWE+ verglichen. Bei 35 Kriterien zeigte sich: Insbesondere bei Arbeitssicherheit, Stakeholderbeteiligung, waldbaulichen Maßnahmen sowie beim Schutz von Umweltgütern ergänzen die FSC-Anforderungen LÖWE+ und die gesetzlichen Vorgaben. Ein wesentlicher Unterschied sind die sozialen Anforderungen: Sie sind im FSC-Standard fest verankert. Gleichzeitig konkretisiert FSC waldbauliche Maßnahmen, etwa durch konkretere Vorgaben zu Befahrung, nicht-heimischen Baumarten, Kahlschlag sowie Arten- und Biotopschutz. Die Arbeitssicherheit ist dabei ein wichtiger Bestandteil des FSC-Standards und wird im Rahmen der regelmäßigen unabhängigen Kontrollen überprüft. Die Wirkungsstudie zeigt, dass in 91 Prozent der untersuchten FSC-zertifizierten Forstbetriebe die Zahl der Arbeitsunfälle seit Beginn der Zertifizierung zurückgegangen ist. Die Erfahrungen langjährig FSC-zertifizierter Landesforsten, unter anderem in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg, bieten zusätzliche Vergleichsmöglichkeiten. Der niedersächsische Pilotprozess schafft nun die Möglichkeit, diese Erfahrungen unter den spezifischen Bedingungen der Niedersächsischen Landesforsten über mehrere Jahre wissenschaftlich zu begleiten. |
