8 Apr., 2025

Missverständnissen entgegenwirken Klarstellungen zum FSC-System

Es gibt immer wieder Missverständnisse bezüglich der FSC-Zertifizierung, die zu Fehldeutungen der Systemintegrität führen. Dieser Artikel klärt einige dieser Punkte und erläutert Maßnahmen, die FSC ergreift, um die Einhaltung seiner Standards sicherzustellen.

Der Forest Stewardship Council (FSC) setzt sich für höchste Standards in der verantwortungsvollen Forstwirtschaft ein und stellt sicher, dass Holz in FSC-zertifizierten Lieferketten stets legalen und ethischen Anforderungen entspricht. Wir verstehen die anhaltenden Bedenken hinsichtlich des illegalen Holzhandels – insbesondere aus sanktionierten Ländern wie Russland – und die Notwendigkeit größtmöglicher Transparenz in globalen Lieferketten. Jedes Zertifizierungssystem birgt das Risiko von Missbrauch und illegalem Handel, vor allem angesichts der komplexen globalen Lieferketten in den Bereichen Holz, Landwirtschaft und Textilien.

Für FSC gibt es zwei zentrale Herausforderungen:

  • Falsche Aussagen über zertifizierte Produkte: Es kann vorkommen, dass ein Zertifikatsinhaber ein Produkt fälschlicherweise als FSC-zertifiziert ausweist – sei es absichtlich oder versehentlich. Solche falschen Angaben können sich negativ auf ganze Lieferketten auswirken. Werden derartige Fälle aufgedeckt, kann die zuständige Zertifizierungsstelle das betroffene Zertifikat sofort aussetzen oder entziehen. Zudem kann FSC Unternehmen sperren, indem Markenlizenzen widerrufen und erneute Zertifizierungen blockiert werden, bis alle erforderlichen Korrekturen durchgeführt sind.
  • Illegaler Holzhandel außerhalb des FSC-Systems: Der Handel mit illegalem Holz außerhalb des FSC-Geltungsbereichs fällt nicht in den Zuständigkeitsbereich der Zertifizierungsstellen, da diese nicht befugt sind, sich mit Geschäften zu befassen, die außerhalb des zertifizierten Bereichs liegen.
  • Sollten Hinweise vorliegen, dass ein Unternehmen gegen die FSC-Richtlinie zur Assoziierung (Policy for Association, PfA) verstößt – z. B. durch den Kauf von russischem Holz außerhalb zertifizierter Lieferketten –, kann FSC eine Untersuchung einleiten.

Umgang mit Risiken in eurasischen Holzlieferketten

FSC ist sich der Gefahr bewusst, dass russisches Birkenholz über Drittländer wie China, die Türkei oder Kasachstan in zertifizierte Lieferketten gelangen könnte. Um dieses Risiko zu minimieren, wurde der Eurasien-Integritätsarbeitsplan (Eurasia integrity workplan) ins Leben gerufen.

Dieser umfasst:

  • Transaktionsprüfungen: Gemeinsam mit Assurance Services International (ASI) führt FSC Überprüfungen von Birkenholzprodukten durch. Seit 2023 wurden über 800 Zertifikatsinhaber in 30 Ländern untersucht. Dabei ergänzen sich die Eurasische Transaktionsprüfung für Birkenholzplatten (Start 2024) und die Transaktionsprüfung für Birkensperrholz (Start 2023 durch ASI) gegenseitig. Vorläufige Ergebnisse wurden bereits veröffentlicht, die Endergebnisse folgen in Kürze.
  • Holzprobenanalysen: Zur Ergänzung der Transaktionsüberprüfungen werden bei bestimmten Zertifikatsinhabern Holzproben entnommen, um die Herkunft des Holzes aus den angegebenen Quellen zu prüfen.
  • Untersuchung risikoreicher Handelswege: ASI analysiert Handelsmuster innerhalb von FSC-zertifizierten Lieferketten und identifiziert potenzielle Problemfälle. Werden absichtlich falsche Angaben zu nicht zertifiziertem Holz festgestellt, wird der Zertifikatsinhaber sofort gesperrt. In Kasachstan ergaben Untersuchungen von ASI, dass russisches Holz unter falschen FSC-Angaben verkauft wurde. Infolgedessen beendeten zwei Unternehmen ihre FSC-Zertifizierung freiwillig, während ein weiteres wegen mangelnder Kooperation ausgeschlossen wurde.
  • Zusätzlich organisiert FSC „Kalibrierungs-Workshops“ für Zertifizierungsstellen, um ein einheitliches Verständnis der Herausforderungen und eine bessere Audit-Qualität zu gewährleisten.

Strenge Maßnahmen zur Integritätssicherung

FSC verfügt über robuste Verfahren, um Risiken im Zusammenhang mit illegalem Holzhandel proaktiv zu erkennen und zu verhindern. Akkreditierte Zertifizierungsstellen spielen eine entscheidende Rolle bei der Verwaltung des Zertifizierungsprozesses und sind für die Durchführung gründlicher jährlicher Audits der Zertifikatsinhaber verantwortlich, um die Einhaltung der FSC-Standards zu gewährleisten.

Zusätzlich zu den FSC-Standards haben wir eine Reihe von Mechanismen entwickelt, die verhindern sollen, dass illegal geschlagenes Holz in zertifizierte Lieferketten gelangt.

Dazu gehören:

  • Technologiegestützte Tools: FSC führt digitale Aufzeichnungs- und Rückverfolgbarkeitssysteme ein, um die Transparenz innerhalb der zertifizierten Lieferketten zu erhöhen. Diese Tools gewährleisten eine höhere Rechenschaftspflicht und helfen, die Herkunft des Holzes zu überprüfen.
  • Überwachung und Untersuchung der Lieferkette: FSC und ASI untersuchen Diskrepanzen in den gehandelten zertifizierten Mengen. ASI führt darüber hinaus zusammen mit den Zertifizierungsstellen auch unangekündigte Überprüfungen bei Zertifikatsinhabern durch, um Vorwürfen von Fehlverhalten nachzugehen.
  • Spezielle Prüfanforderungen für Hochrisikosorten: Basierend auf den Erkenntnissen der ASI aus verschiedenen Transaktionsüberprüfungen und Untersuchungen hat FSC spezielle Bewertungsanforderungen für die Prüfung der Lieferketten von Hochrisikoarten wie Mango, Dalbergia und Paulownia eingeführt. Diese zusätzlichen Maßnahmen gewährleisten strengere Kontrollen bei Arten, die für illegalen Handel und Missbrauch der Zertifizierung anfällig sind.
  • FSC-Richtlinie zur Assoziierung: Die Richtlinie zur Assoziierung ermöglicht es FSC, sich von zertifizierten Unternehmen zu trennen, die in inakzeptable Aktivitäten wie Abholzung, illegalen Holzeinschlag oder Menschenrechtsverletzungen verwickelt sind. Im Fall von WOB Timber beispielsweise leitete FSC auf der Grundlage eines deutschen Gerichtsurteils ein Verfahren gegen das Unternehmen wegen illegalen Handels mit Teakholz aus Myanmar ein. Der FSC-Vorstand beschloss, Bedingungen für die Aufrechterhaltung der Assoziierung mit WOB Timber festzulegen. Unter anderem musste ein Compliance-Audit erfolgen, andernfalls wäre ein Ausschluss aus dem FSC-System die Folge gewesen.

Ausblick

FSC setzt sich weiterhin für ein Höchstmaß an Integrität bei der Waldzertifizierung ein. Im Zusammenhang mit diesen Bemühungen sind mehrere wichtige Maßnahmen im Gange:

  • Die Umsetzung des Eurasien-Integritätsarbeitsplans schreitet voran. Weitere Updates zu Transaktionsprüfungen und Kalibrierungsworkshops werden folgen.
  • Eine überarbeitete Version des wichtigsten FSC-Standards für Zertifizierungsstellen (FSC-STD-20-001) befindet sich in der Endphase der Vorbereitung. Diese soll die Kontrolle über Zertifikatsinhaber – insbesondere in Hochrisiko-Lieferketten – weiter verbessern.
  • ASI hat seine normativen Anforderungen in Bezug auf unangekündigte Vor-Ort-Besuche verschärft und plant für 2025 zusätzliche unangekündigte Überprüfungen.

Wir ermutigen alle Interessengruppen, jeden Hinweis auf illegalen Holzhandel zu melden – sei es durch eine Beschwerde bei FSC, eine Meldung an ASI oder einen Hinweis auf einen Verstoß gegen die FSC-Richtlinie zur Assoziierung.

 

Dieser Beitrag basiert auf einem Artikel von FSC International. Lesen Sie hier das Original.

 

Franziska Becker