Biodiversität und Ökosystemleistungen in Tropenwäldern: die Rolle der Waldzuweisungen im Dja-Gebiet, Kamerun

Autor: Simon Lhoest
Jahr: 2020
Veröffentlichung: Universität Lüttich, Fakultät Gembloux Agro-Bio Tech

Link zur Studie (in englischer Sprache):
https://orbi.uliege.be/bitstream/2268/247466/1/PhD%20LHOEST%20Simon.pdf


Inhalt

In dieser Dissertationsarbeit von Simon Lhoest, Universität Lüttich, Belgien wird in Kamerun der Erhaltungswert der tropischen Wälder, die Versorgung mit Ökosystemleitungen und deren Nutzung durch die lokale Bevölkerung untersucht. Die Studie vergleicht dabei zwischen drei verschiedenen Waldnutzungsformen: Schutzgebiet, FSC-zertifiziertem Konzessionswald und Gemeindewald (engl. Community forest).


Kernergebnisse

Der Fokus zur Evaluierung des Erhaltungswertes liegt auf dem Vorkommen der seltensten, regionalen Arten einiger Säugetiere und Mistkäfer. Die Ergebnisse zeigen, dass beide Gruppen besonders durch die Nähe zu menschlichen Siedlungen und Aktivitäten beeinflusst werden. Das Schutzgebiet hat dadurch den größten Erhaltungswert. Darüber hinaus kann allerdings eine Einschlagskonzession wichtige Pufferfunktionen übernehmen. In den Peripherien der Schutzgebiete können angrenzende bewirtschaftete Konzessionswälder eine Ausweitung einiger zentraler Funktionen des Schutzgebietes bedeuten, wenn diese verantwortungsvoll bewirtschaftet werden. So zeigte das FSC-zertifizierte Waldgebiet in seinen naturbelassenen Bereichen ein höheres Vorkommen der bedrohten Arten. Deshalb legen die Ergebnisse der Studie nahe, neben der Ausweisung großer Schutzgebiete auch weitergehende integrierte Schutzkonzepte, wie z.B. die FSC-Zertifizierung angrenzender Konzessionswäldern, als Naturschutzinitiative zu fördern.
Um die Versorgung mit Ökosystemleistungen zu untersuchen wurde zwischen deren wahrgenommener Bedeutung und wahrgenommener Häufigkeit unterschieden. Die durchgeführten Interviews zeigen, dass die lokale Bevölkerung die tierischen und pflanzlichen Nahrungsmittel als die wichtigste (93%) Ökosystemleistungen wahrnehmen. Deutlich wird außerdem, dass die kulturellen Ökosystemleistungen wie das kulturelle Erbe und die spirituellen Erfahrungen für die lokale Bevölkerung in den Wäldern Kameruns eine hohe Bedeutung (68%) haben. Alle bedeutsamen Ökosystemleistungen gelten gleichzeitig auch als ausreichend vorhanden mit der Ausnahme des Buschfleischs.

Die Betrachtung der der unterschiedlichen Waldgebiete wurde mit einem ausgeglichenen Potential für die Bereitstellung von Ökosystemleistungen eingeschätzt. Diverse Studien beschreiben eine vergleichbare Waldbedeckung als Haupteinflussfaktor für bereitstellende Leistungen wie Nahrungsmittel und regulierende Leistungen wie Klima, Luft- und Wasserqualität. Die Ergebnisse der Studie zeigen somit, dass durch eine FSC-zertifizierte Konzession in den tropischen Wäldern Kameruns keine Beeinträchtigung für die Versorgung mit regulierenden und bereitstellenden Ökosystemleistungen besteht.
Demgegenüber stellt die Betrachtung der Waldgebiete in dieser Arbeit klar, dass die Nutzung der Ökosystemleistungen durch die lokale Bevölkerung beeinträchtigt ist. Dies gilt besonders für das ausgewiesene Schutzgebiet, aber auch für die FSC-zertifizierte Konzession, da hier Zugangsbeschränkungen gelten, die sowohl die Jagd als auch die Begehung der Wälder für kulturelle und spirituelle Zwecke betreffen. Während spirituelle Zwecke durch eine subjektive Wahrnehmung gelenkt werden, wird für Buschfleisch eine nachhaltige Nutzung häufig Überschritten. Hierbei erklärt die Studie den unmittelbaren Zusammenhang zwischen der Bevölkerungsstruktur, der Waldbestockung und der Zugänglichkeit durch die Waldzuweisungen als korrelierende Faktoren. Dies zeigt, dass allein eine FSC-Zertifizierung keinen verringerten Nutzen von Ökosystemleistungen für die Bevölkerung bedeutet, sondern dass andere lokale Gegebenheiten ebenfalls relevant sind.


Schlussfolgerungen des Autors

In Anbetracht dieser Erkenntnisse schlussfolgert der Autor, dass eine Integration der lokalen Gemeinschaft und eine verbesserte politische Legitimität zu einer nachhaltigeren Managementstrategie der tropischen Wälder Kameruns beitragen. Auch wenn eine Zertifizierung nach FSC Richtlinien, die Zugangsrechte und Nutzung einiger speziellen Ökosystemleistungen wie Buschfleisch und Spiritualität einschränkt, so sieht die Studie besonders in einer partizipatorischen Verwaltung und Kooperation mit NGOs wie dem FSC eine langfristige Strategie, um durch solche Multi-Stakeholder-Modelle die Bedeutung der tropischen Wälder nachhaltig abzusichern.


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