Armut und Waldzertifizierung

Autoren: H.J. van Hensbergen, K. Bengtsson, M-I. Miranda, I. Dumas
Jahr: 2011
Veröffentlichung: Forest Iniative
Link zur Studie (English): https://www.fsc-deutschland.de/preview.fsc-und-arm […]

Zusammenfassung von FSC Deutschland:
Die Autoren beschreiben, wie durch die Verbesserung von Management und Governance die Sicherstellung einer gerechteren Verteilung der Vorteile der Wälder gelingt. Forstzertifizierung ist potenziell ein wichtiges Instrument, um viele Millionen Menschen aus der Armut zu befreien.
Dieses Papier untersucht, wie die Forstzertifizierung, insbesondere nach den Prinzipien und Kriterien des Forest Stewardship Council (FSC), zur Armutsbekämpfung beigetragen hat, und diskutiert, was getan werden kann, um ihre Wirkung zu erhöhen. Was die Autoren unter Armut verstehen, basiert zunächst fast ausschließlich auf monetären Erwägungen. In Entwicklungsländern gelten die Ärmsten als diejenigen, die von weniger als einem Dollar pro Tag leben; in den entwickelten Ländern sind die Armen diejenigen, die von weniger als 50% des Medianeinkommens leben. Das Denken über Armut umfasst jedoch zunehmend Ideen, die sich auf die Erfüllung menschlicher Bedürfnisse und Wünsche beziehen. Die Autoren verwenden eine mehrdimensionale Definition von Armut.
Sie haben den Umgang des FSC mit den verschiedenen Elementen der Armut analysiert, und welche Auswirkungen sie wahrscheinlich haben:

Der Existenzbedarf (z.B. Nahrungsmittelmenge und -qualität) ist der wichtigste Schwerpunkt des FSC. Der Schwerpunkt liegt jedoch auf der Beschaffung von Informationen durch soziale Folgenabschätzungen; es gibt keine spezifische Anforderung an die Manager, auf diese Informationen zu reagieren. Die Kriterien umfassen auch das Recht auf Zugang zu Land und traditionellen Ressourcen, den Schutz der Ressourcenbasis, das Recht der Arbeitnehmer, sich zu organisieren und über Löhne und Bedingungen zu verhandeln, sowie eine angemessene Entschädigung für die Nutzung des Wissens der indigenen Völker.
Der Bedarf an Selbstverwirklichung (z.B. Bildung, Medien) wird relativ wenig beachtet, obwohl auf Bildung und Landrechte Bezug genommen wird. Der Zugang zu Medien, Straßen und Verkehr sowie zu Märkten wird nicht erwähnt, obwohl es sich hierbei umentscheidende Fragen zur Armutsbekämpfung handelt.
In Bezug auf die Risikoexposition (z.B. Ernteausfall und Ernährungssicherheit, Verlust von Arbeitsplätzen) geht der FSC gut mit dem Risiko des Verlustes von Arbeitsplätzen und arbeitsbedingten Gefahren um. Kulturversagen und Ernährungssicherheit werden zögerlich angegangen, während Korruption, ein allgegenwärtiges Problem im Forstsektor der Entwicklungsländer, nur aus rechtlicher Sicht behandelt wird.
Die soziale Eingliederung (z.B. Beteiligung an der Entscheidungsfindung, Kulturgut, Geschlechtergerechtigkeit) ist ein Bereich, in dem erwartet werden kann, dass die FSC-Regeln einen großen positiven Einfluss haben. Mehrere Kriterien umfassen das Recht auf Konsultation, Beteiligung an der Entscheidungsfindung, und die Gerechtigkeit wird gefördert. Die Landnutzungszuweisung wird allerdings nur im Falle der indigenen Bevölkerung angemessen behandelt.
Zertifizierte Forstunternehmen sind verpflichtet, mit Mitarbeitern und lokalen Gemeinschaften zusammenzuarbeiten, um ihre Anliegen und Bedürfnisse zu ermitteln und konkrete Ziele für einen Sozialmanagementplan zu vereinbaren. Theoretisch könnte dies alle Armutsbedürfnisse abdecken. Die Autoren dieser Studie haben allerdings eine Umfrage gemacht, um diese Hypothese zu testen.
Die Auswirkungen der Armutsbekämpfung deuten darauf hin, dass sich die Forstzertifizierung positiv auf die Armut ausgewirkt hat. Fehlende Ausgangs- und Vergleichsdaten erschweren es jedoch, einerseits das Ausmaß dieser Auswirkungen zu bestimmen sowie andererseits genau die Folgen zu benennen, welche direkt auf die Forstzertifizierung zurückzuführen sind. Die Existenz der Forstzertifizierung hat die Forstwirtschaft in den letzten 15 Jahren verändert, und viele der Auswirkungen sind in den Wäldern spürbar.
36 Forstleute aus Entwicklungsländern wurden in einer Studie nach den Konsequenzen von Änderungen der Forstpraktiken aufgrund des Drucks der Forstzertifizierung in ihren Ländern, Unternehmen oder Organisationen befragt. Sie wurden gefragt, ob die Forstzertifizierung zu einer Verbesserung der Lebensgrundlagen und Beschäftigungsmöglichkeiten für arme Menschen und Arbeitnehmer sowie zur Achtung der lokalen Gemeinschaften und indigenen Völker beigetragen habe. Die meisten Menschen waren sich einig: Von 180 Wiederholungen waren nur vier negativ.
Die Autoren schreiben, dass eine Reihe von Studien belegen, wie Forstzertifizierung Menschen, die unter Armut leiden, Vorteile gebracht hat. Beobachte Verbesserungen sind z.B.:

  • Marktzugang
  • Gesundheit und Sicherheit
  • Einkommen und wirtschaftliche Möglichkeiten
  • Infrastrukturentwicklung
  • Konsultation

Empfehlungen aus dieser Studie:
Armut ist kein explizites Ziel von FSC-Zertifizierung, von daher sind die Ergebnisse bei jedem Forstbetrieb anders und schwer zu bewerten. Die Autoren stimmen dem FSC zu, dass der Fokus zurzeit auf der Erschaffung von Rahmenbedingen für ein günstiges Umfeld liegt, statt direkte Unterstützung an z.B. Bildung oder Strom zu bieten. Ein Rahmenregelwerk für jedes Land würde allerdings dazu beitragen, dass die Maßnahmen angemessen und wirksam sind. Das Armut Bekämpfung effektiv sein kann, brauchen diese fünf Indikatoren vorhanden sein:

  • Ein Rechtsrahmen, der forstabhängigen Menschen den Zugang zu den erforderlichen Waldressourcen ermöglicht.
  • Ein Forstmanagementsystem, das dafür Sorge trägt, dass wertvolle Waldressourcen auch bei forstabhängigen Menschen ankommen.
  • Ein effektives Ernte- und Verarbeitungssystem, das den Wert der Ressourcen maximiert und gleichzeitig die Wertverluste minimiert.
  • Ein Marktsystem, das für Produkte aller Art von Waldbesitzern zugänglich ist und einen Informationsfluss von Markt in den Wald ermöglicht, damit die Produzenten den Wert ihrer Produkte optimieren können.
  • Ein Marktsystem, das einen fairen Preis für die Forstprodukte auf der Grundlage der tatsächlichen Kosten einer nachhaltigen Produktion bezahlt.

Die Unterstützung bei der Umsetzung einer nachhaltigen Waldbewirtschaftung und -zertifizierung sollte mit der Unterstützung aller Aspekte des Forstbetriebs einhergehen. Viele Projekte, bei denen die Zertifizierung im Mittelpunkt stand, sind aufgrund von Marktzugangsversagen gescheitert. Wo Unterstützung geleistet wird, muss sie lange genug andauern, um den Erfolg zu sichern, basierend auf einem tragfähigen Geschäftsplan mit definierten Leistungszielen.


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