Ein kritischer Vergleich von konventionellem, zertifiziertem und gemeinde-basierten Management tropischer Wälder für Holz in Bezug auf ökologische, ökonomische und soziale Variablen (2018)

Autoren: Burivalova, Hua, Koh, Garcia, Putz
Jahr: 2017
Veröffentlichung: A journal of the Society for Conservation Biology

Link zur Studie: https://onlinelibrary.wiley.com/doi/full/10.1111/c […]

Zusammenfassung von FSC Deutschland:
Tropische Wälder sind essentiell für die weltweite Artenvielfalt. Gleichzeitig bietet der Wald Lebensgrundlage für viele Menschen, die abhängig von Wäldern sind. In dieser Studie werden Umweltwirkungen sowie die sozialen und ökonomischen Effekte der FSC-Zertifizierung und gemeindebasierter Forstwirtschaft (community-based forest management) thematisiert. Die Studie ist eine Synthese von mehreren Studien (Meta-Studie). In Bezug auf soziale Indikatoren zeigt das Management nach FSC-Regeln bei 53% der Variablen Verbesserungen im Vergleich zu konventionellem Management. Mit der Zertifizierung sind oft bessere Lebens- und Arbeitsbedingungen der Mitarbeiter verbunden, einschließlich besserer Wohn- und Gesundheitsversorgung, besserer Arbeitsverträge und Krankenversicherungen sowie einer wahrgenommenen höheren Kaufkraft der Arbeitnehmer. Darüber hinaus kann ein größeres Wohlbefinden der Nachbargemeinden durch verbesserte Infrastruktur, Schulen und Gesundheitseinrichtungen durch Zertifizierung beobachtet werden. Eine Zertifizierung führt allerdings nicht zu direkten ökonomischen Vorteilen der lokalen Bevölkerung.
Bei 76% der Umweltindikatoren schneiden das FSC-System oder das RIL Management (RIL = reduced impact logging – Verringerung der Auswirkungen des Holzeinschlags) besser ab als konventionelles Management. Zertifizierte Managementpraktiken wie RIL führten deutlich zu weniger Bodenstörungen und einer geringeren Dichte an Rückegassen. Dieser Vorteil ergibt sich hauptsächlich aus einer besseren Planung, wird aber manchmal auch durch niedrigere Holzernteintensitäten beeinflusst. Vergleiche auf der Grundlage der Intensität zeigten, dass RIL nicht immer zusätzliche Vorteile in Form von reduzierten Kollateralschäden oder kurzfristigen Kohlenstoffemissionen bietet.
Im Vergleich zu konventionell geschlagenen Wäldern behalten die RIL-Flächen angeblich mehr Pflanzen- und Tierarten und einen höherer Artenreichtum, auch wenn die Holzintensität berücksichtigt wird. Dieser Effekt tritt zusätzlich zu der Feststellung auf, dass zertifizierte Wälder weniger Entwaldung erleiden als konventionell geschlagene Wälder. Auf diese Weise ergeben sich positive Auswirkungen auch beim Holzeinschlag auf die Biodiversität.
Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass die Zertifizierung wahrscheinlich mit sozialen und ökologischen Vorteilen verbunden ist, wodurch sich eine Förderung von Waldzertifizierung rechtfertigen lässt, obwohl diese Art der Bewirtschaftung oft weniger profitabel ist als konventionelles Management. Am wichtigsten ist, dass die Entwaldungsraten in zertifizierten Gebieten reduziert werden. Durch den Einsatz von RIL-Praktiken und generell geringeren Extraktionsintensitäten ist die Zertifizierung auch mit weniger schädlichen Auswirkungen auf die Biodiversität verbunden. Die Zertifizierung scheint auch mit einem verbesserten Wohlbefinden der zertifizierten Gemeinschaften und der Gemeinden in der Nähe von zertifizierten Industriekonzessionen verbunden zu sein.


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