FSC-Zertifizierung im Kanadischen Borealwald: Eine Studie zu Partnerschaften zwischen Forstunternehmen und der indigenen Bevölkerung

Autoren der Studie: Sara Teitelbaum
Jahr: 2009
Veröffentlichung: Rainforest Alliance

Link zur Studie (EN): https://ca.fsc.org/preview.impacts-of-fsc-certific […]

Zusammenfassung von FSC Deutschland:
Im Juni 2009 machten die kanadischen Wälder mehr als ein Fünftel der zertifizierten Wälder auf der Welt aus, die den Standards des Forest Stewardship Council (FSC) entsprechen. Kanadas boreale Wälder sind sehr groß und bedecken fast vier Millionen Quadratkilometer. Sie erstrecken sich vom Yukon im Nordwesten bis nach Neufundland im Osten und sind überwiegend in öffentlichem Besitz. Die Wälder sind dominiert von Nadelbäumen (verschiedene Arten von Fichte, Tanne, Lärche und Kiefer) und Laubhölzern (verschiedene Erlen-, Birken- und Pappenarten). Die kurzen Vegetationsperioden (kalte Temperaturen) und die nährstoffarmen Böden, die die dortigen Ökosysteme ausmachen, führen zu langsam wachsenden, aber qualitativ hochwertigen Bäumen.
FSC gilt weiterhin als der vielversprechendste Zertifizierungsstandard zur Förderung der Interessen der indigenen Bevölkerungen. Schätzungen zufolge leben etwa 2,5 Millionen Menschen im borealen Wald Kanadas, von denen fast 1 Million zur indigenen Bevölkerung zählt. Die indigene Bevölkerung hat oft eine besonders starke Verbindung zum Wald. Die Studie beschreibt ein Projekt der Rainforest Alliance, das sich mit der Rolle des FSC bei der Förderung von Partnerschaften zwischen Forstunternehmen und der indigenen Bevölkerung befasst.
Die Studie kommt zum Ergebnis, dass FSC ein auf Kriterien und Indikatoren basierendes Prinzip verfolgt, das die Rechte von Indigenen berücksichtigt. Diese Kriterien und Indikatoren verlangen von den Unternehmen den Nachweis, die Interessen der indigenen Bevölkerung an den Wäldern zu respektieren. Im Falle des kanadischen Waldstandards beinhaltet dies zudem Beratung, wirtschaftliche Entwicklung, Kapazitätsaufbau und Schutz der indigenen Werte.
Die Analyse von drei Forstunternehmen ergab, dass der FSC-Zertifizierungsprozess einen konkreten positiven Einfluss auf ihre Unternehmenspraxis gegenüber der indigenen Bevölkerung hat. Während sich alle drei Unternehmen zuvor für die Zusammenarbeit mit der indigenen Bevölkerung eingesetzt hatten, gab es bestimmte Bereiche, in denen der Zertifizierungsprozess in der Lage war, die Unternehmenspraxis zu verbessern und weitere Maßnahmen einzuleiten. Als Beispiele führen die Autoren auf, dass der FSC dazu beigetragen hat, finanzielle Ressourcen für die Gemeinschaften der Aborigines zu mobilisieren und zudem zu formalen Verträgen zwischen Forstunternehmen und Aborigines geführt hat. Darüber hinaus hat die FSC-Zertifizierung bestehende Konsultationsprozesse verbessert. Die jährlich wiederkehrenden Überwachungssaudits haben ermöglicht, Probleme zwischen Forstunternehmen zu erkennen und jährlich zu monitoren. Insgesamt hat FSC dazu beigetragen, ein stärkeres Bewusstsein für die Rechte von Indigenen in entsprechenden Forstunternehmen zu schaffen.
Zudem ergibt die Studie, dass Forstunternehmen anerkennen, wie sehr sie von der Zusammenarbeit mit indigenen Bevölkerungsgruppen profitieren können. Aufgrund der wachsenden Bevölkerung sind indigene Völker nicht nur eine neue Arbeitsressource, sondern die Forstunternehmen gewinnen auch mehr Erkenntnisse über den Forstsektor und erlangen zunehmend politischen Einfluss.


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