Funktioniert Waldzertifizierung wirklich?

Autoren: Zuzuna Burivalova, Shreya Dasgupta
Jahr: 2017
Veröffentlichung: Mongabay Series: Conservation Letters

Link (EN): news.mongabay.com/2017/09/does-forest-certification-really-work/

Zusammenfassung FSC Deutschland
Für diese Studie wurden 40, teilweise methodisch voneinander abweichende, wissenschaftliche Studien analysiert. Zwischen 2012 und 2017 wurden ca. 50 Mio. Hektar durch den FSC zertifiziert. Der größte Anteil der FSC-zertifizierten Wälder befinden sich in Europa und Nordamerika, der übrige Teil in den Tropen. In der Studie wird die Frage aufgeworfen, ob ein Rückgang der Entwaldungsrate durch die Zertifizierung ausgelöst, oder ob der Rückgang durch andere Faktoren verursacht wird. Diese wären beispielsweise eine Änderung der Durchführung der Holzentnahme durch die Zertifizierung, durch eine ohnehin schon abgelegene Lage des Waldes oder durch schon bereits vorhandene nachhaltigere Holzentnahmeverfahren. Herausforderungen dieser Studie ist die Diversität der schon vorhandenen Studien und deren unterschiedliche methodische Vorgehensweise. Außerdem charakterisieren sich die Untersuchungsgebiete durch große Unterschiede und fehlende Langzeitstudien zu diesem Thema.

Es wurden Studien analysiert, die zwei unterschiedliche Typen des Waldmanagements in den Tropen untersuchen: Auf der einen Seite zertifizierte und auf der anderen Seite nicht-zertifizierte, konventionell bewirtschaftete Wälder. Zusätzlich wurden Studien miteinbezogen, die Effekte beim Management von Wäldern durch „reduced impact logging (RIL)“ mit dem konventionellen Management vergleichen. Durch die Studien wurde versucht heraus zu finden, ob die Zertifizierung oder RIL besser, gleich gut oder schlechter ist als konventionelles Waldmanagement.
In Bezug auf den Einfluss des Waldmanagement auf die Umwelt konnte festgestellt werden, dass sich in den meisten Fällen FSC-Zertifizierung bzw. RIL auf diese positiver als konventionelle Bewirtschaftung auswirkt. Holzentnahme kann den Kronenschlussgrad verändern, durch neue Infrastruktur und Holzentnahme können umliegende Bereiche geschädigt und somit illegales Jagen und Fällen erleichtert und das Ökosystem Wald gestört werden. Wird die Störungsrate niedriger, so kann auch der Biodiversitätsverlust verlangsamt werden. Die positiven Auswirkungen von nicht-konventionell bewirtschafteten Wäldern kann auch daher stammen, dass Holzerntetechniken unter FSC verbessert wurden, der Waldzustand bereits zuvor nicht schlecht war oder aber weil verantwortungsvolle Waldverwalter eher eine FSC-Zertifizierung anstreben. Einige Studien haben schwache bis keine Unterschiede entdeckt. Zum Thema der illegalen Jagd oder anderen Straftaten wurden nur wenige bis keine Studien gefunden.
In Bezug auf den sozialen Aspekt konnte nicht festgestellt werden, ob sich eine Zertifizierung positiv auf den Wald auswirkt. Das liegt jedoch hauptsächlich an der geringen Menge gefundener Studien. Zertifizierte Konzessionen haben jedoch besseren Zugang zu Wasser, Elektrizität und Unterkunft sowie zu medizinischer Versorgung. Sowohl in zertifizierten wie auch in nicht zertifizierten Wäldern, werden Männer als Arbeitskräfte Frauen vorgezogen. Auch der Umgang mit Wanderfeldbau, der Jagd und dem Sammeln von Nicht-Holz-Produkten weist kaum einen Unterschied zwischen den Waldbewirtschaftungsmethoden auf. In zertifizierten Wäldern ist die Kommunikation zwischen den Gemeinschaften besser, doch ob die die Probleme letztendlich auch gelöst werden, konnte keine Studie aufzeigen. Eine Zertifizierung kann auch Konflikte auslösen, da Regeln und Gesetze strikter verfolgt werden.
In Bezug auf die Profitabilität für Holzernteunternehmen wurde herausgefunden, dass Zertifizierungen bis dato noch keinen erhöhten Profit vorweisen konnten. Der Preis zertifizierter und nicht-zertifizierter Produkten schwankt je nach Produkttyp, -art und Zeitpunkt. Auch ist die Lukrativität von der Menge des zu exportierenden Rohstoffes abhängig, was sich jedoch längerfristig positiv verändern kann. Die Überschwemmung von billigem, illegal geschlagenem Holz steht in Konkurrenz mit dem teureren zertifizierten Holz. Gleichzeitig muss beachtet werden, dass der Besitz eines FSC-Zertifikats teuer ist, was den Profit ebenfalls mindert. Darunter fällt u.a. der Erwerb von neuem Equipment, das Training von Arbeitskräften und das Einrichten eines neuen Monitoringsystems.


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