Öko-Zertifizierungsprotokolle als Mechanismen zur Förderung nachhaltiger Umweltpraktiken in telecoupled systems

Autoren: Ramon Felipe Bicudo da Silva, Mateus Batistella, Roberto Palmieric, Yue Dou und James D.A. Millington
Jahr: 2019
Veröffentlichung: Forest Policy and Economics; Vol. 105 Pag. 52-63

Link zur Studie (English): https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/ […]

Zusammenfassung von FSC Deutschland:
In dieser Studie wird anhand der FSC-Zertifizierung in Brasilien untersucht, wie globale, sozioökonomische Systeme durch Ströme von zertifizierten Forstprodukten verbunden sind. Die Studie analysiert auch, ob und wie diese Verbindungen die Einhaltung von Umweltrecht in ländlichen Gegenden fördern. Die Studie fokussiert dabei Eukalyptus-Plantagen in Paraíba Valley, São Paulo State, Brazil, von wo aus Zellulose exportiert wird. Die empfangenden Regionen sind China und Europa als größte Importeure der letzten zehn Jahre.
Die Studie untersucht Interaktionen zwischen FSC-zertifizierten Unternehmen und brasilianischen Waldgesetzen, speziell den Brasilianischen Forest Code (FC). Die Regeneration von natürlichen Waldelementen wird durch die Analyse von Waldbedeckung über eine Zeitachse in verschiedenen Arten von ländlichen Grundstücken, mit und ohne Eukalyptusplantagen, untersucht. Laut der Studie leistet die FSC-Zertifizierung einen positiven Beitrag zur Regeneration von natürlichen Waldelementen und bei der Einhaltung von gesetzlichen Regelungen durch den FSC. Der Forest Code schreibt vor, dass mindestens 20% der Waldfläche aus heimischen Baumarten bestehen müssen. Diese Regel gilt entsprechend auch für Plantagenbewirtschaftung. Die Voraussetzung von FSC, die Waldbesitzer müssen den Forest Code einhalten, führt dazu, dass die FSC-zertifizierten Regionen die höchste Konformität mit dem Forest Code erreichen. Viele FSC-zertifizierte Grundstücke gehen über die 20% rechtlich geforderten heimischen Waldanteile hinaus. Wichtig für die Bewertung ist, dass die Auswirkungen der Zertifizierung, die durch die Analyse der einheimischen Waldbedeckung beobachtet werden (also dem Potenzial des FSC zur Verbesserung der Erhaltung der biologischen Vielfalt), nicht durch die Anwendung neuer Schutzregeln, sondern einfach durch die Stärkung der Rolle der staatlichen Normen erfolgt.
Darüber hinaus zeigt die Studie, durch Anwendung des sogenannten ´telecoupling framework´, dass die FSC-zertifizierten Plantagen möglicherweise auch eine positive Wirkung auf den umliegenden atlantischen Regenwald haben. Dies ist selbst für die Autoren eine überraschende Beobachtung, weil diese Wälder nicht direkt an die beobachteten Plantagen grenzen. Die Autoren vermuten, dass durch die zertifizierten Plantagen eine verbesserte Verbindung von Schutzgebieten in der Landschaft entsteht. Die Biodiversität von angrenzenden Wäldern kann davon profitieren. Die Autoren beschreiben dies als ´spill-over´-Effekt der FSC-Zertifizierung von Plantagen.
Die Studie veranschaulicht, wie private und staatliche Anstrengungen sich nicht gegenseitig ausschließen, sondern ergänzen, indem sie die Durchsetzung bestehender Regeln (z.B. Forest Code) verbessern, wenn dies durch staatliches Handeln nicht ausreichend erreicht werden kann. Außerdem wird gezeigt, dass sowohl durch das Angebot als auch durch die Nachfrage nach nachhaltigen Produkten die Relevanz von Zertifizierung generell gesteigert wird. Der Marktzugang, der durch Lieferkettenvereinbarungen gewährt wird, motiviert Landbesitzer und ländliche Erzeuger stark, höhere Standards für die Einhaltung der Gesetze anzustreben. Insbesondere die Vereinbarungen und Überprüfung durch Dritte sind Schlüsselfaktoren, um bestehende staatliche Lücken bei der systematischen Überwachung gesetzlicher Anforderungen in bestimmten Länderkontexten wie in Brasilien zu schließen.


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