Kanonen, Keime und Bäume bestimmen die Anzahl und Verteilung von Gorillas und Schimpansen in Westäquatorialafrika.

Autoren der Studie: Samantha Strindberg et al.
Jahr: 2018
Veröffentlichung: Science Advances Vol. 4, no. 4, eaar2964

Link zur Studie (Englisch): https://advances.sciencemag.org/content/4/4/eaar2964

Zusammenfassung von FSC Deutschland
Um Menschenaffen effektiv zu erhalten/bewahren/schützen, benötigen wir zuverlässige Schätzungen ihrer Verbreitung, Dichte und der Häufigkeit ihres Vorkommens sowie ein Verständnis der Faktoren, die ihre Populationsökologie räumlich und zeitlich bestimmen. Alle Menschenaffen sind durch nationale Gesetze und internationale Abkommen geschützt, aber Wilderei in Kombination mit Krankheiten wie z.B. Ebola hat katastrophale Auswirkungen für die Populationen von Menschaffen.
Die meisten Gorillas wurden im Rahmen der Untersuchung in Schutzgebieten und in umliegenden FSC-Konzessionen im Nord-Kongo gefunden. Durch den Einsatz von Wildhütern unterscheiden sich die FSC-Konzessionen von umliegenden Gebieten deutlich. In diesen nicht zertifizierten Schutzgebieten werden nur auf 3,7% der Fläche Wildhüter eingesetzt. 21,4% der gesamten Gorillapopulationen leben in FSC-zertifizierten Konzessionen.
Im Unterschied zu Gorillas haben Schimpansen andere Lebensräume. Häufig leben sie in Sumpfwäldern und in den Bergen von Äquatorialguinea, vom zentralen Gabun bis zum Süd-Kongo. Im Rahmen der Studie konnten 19,3% der Schimpansen in Schutzgebieten nachgewiesen werden und 14,1% in FSC-zertifizierten Konzessionen.
Interessanterweise korreliert die Gorilladichte positiv mit der Anwesenheit von Wildhütern. Bei Abwesenheit von Wildhütern sind Gorillas deutlich weiter von den Straßen entfernt, während die Dichte deutlich ansteigt, sobald sich Wildhüter in diesem Gebiet befinden. Wenn Wildhüter aktiv sind, ist die Gorilladichte am Straßenrand hoch, was die Vorliebe der Gorillas für die reichlich vorhandenen Kräuter widerspiegelt, die in leichten Lücken wachsen. Die Kräuterwiesen entstehen durch das Entfernen oder die Störung des Vordachs entlang der Straßen und für die Lagerung von Straßenholz. Eine entsprechend signifikante Veränderung konnte bei Schimpansen Populationen vermerkt werden. Dies könnte auf die Fähigkeit zurückzuführen sein, dass Schimpansen sich erfolgreicher vor Wilderern verbergen.
Die Autoren zeigen, dass Menschenaffen von der Anwesenheit der Wildhüter profitieren, wobei die positiven Auswirkungen auf Gorillas größer sind als auf Schimpansen. Der Einsatz von Wildhütern in FSC-zertifizierten Konzessionen leistet damit einen positiven Beitrag. Gleichzeitig üben die Autoren auch generelle Kritik an der Art der Holznutzung in Westäquatorialafrika. Insbesondere die Entwaldungsraten sind in den Naturschutzlandschaften, vor allem in den Schutzgebieten, niedriger als außerhalb. Dennoch befindet sich der größte Lebensraum von Menschenaffen in Konzessionsgebieten, die wiederholt abgeholzt werden, mit vergleichsweise kurzen Rotationszeiten von oft nur 30 bis 40 Jahren. Mit diesen Rotationszeiten ist die Regeneration von Baumarten, auf welche die Menschenaffen angewiesen sind, erschwert. Bereits in der der dritten Rotation wurde die Waldstruktur und -zusammensetzung radikal verändert. Empirische Daten haben gezeigt, dass Schimpansen in Wäldern, in denen abgeholzt aber nicht gejagt wird, viel seltener vorkommen als in Wäldern, in denen weder abgeholzt noch gejagt wird.
Häufig werden die Bedingungen, unter denen Menschenaffen sich entwickeln können, nur in gut verwalteten Schutzgebieten und in FSC-zertifizierten Konzessionen erfüllt, in denen nur wenige oder gar keine Menschen leben. Etwa drei Viertel von der gesamten Population von Gorillas und Schimpansen fallen in keine dieser Kategorien, und obwohl Äquatorialguinea, Zentralafrikanische Republik und Angola Schutzgebiete haben, gibt es derzeit keine FSC-zertifizierten Konzessionen mit speziellen Maßnahmen bezogen auf die Menschenaffen.
Die Autoren empfehlen daher eine artangepasste Waldnutzung in Konzessionen mit Blick auf Menschenaffen. Negative Effekte von Holzeinschlag könnten auf diese Weise vermieden werden (z.B. durch die konsequente Anwendung eines differenzierten Ansatzes der Bewertung von besonders schützenswerten Waldgebieten (High Conservation Value). Dies ist in FSC-zertifizierten Wäldern bereits eine praktizierte Methode zur Herleitung von Managementplänen. Dieser Ansatz fördert beispielsweise die Aufforstung entlang zeitlicher Gassen, die für den Holzeinschlag genutzt werden. Wenn die Forstbetriebe beim Aufforsten (Baum-) Arten verwenden, die für den Menschenaffen wichtig sind, dann trägt dies wesentlich zum Schutz dieser Schlüsselarten in Westäquatorialafrika bei.


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