Der Beitrag des FSC-Standards zur Biodiversität in Schweden (2013)

Biodiversität in SchwedenÜber die Hälfte von Schwedens bewirtschafteten Wäldern sind nach den FSC-Richtlinien zertifiziert worden. Nachhaltige Waldwirtschaft, wie sie durch FSC-Richtlinien vorausgesetzt wird, berücksichtigt nicht nur die Umwelt, die lokale und waldabhängige Bevölkerung – wie in diesem Fall das Volk der Sami – sie impliziert zusätzlich eine ökonomisch rentable Bewirtschaftung.


Im Folgenden soll dargestellt werden, dass einige Anforderungen des FSC den Erhalt der Biodiversität besser fördern als die schwedische Forstgesetzgebung. Fünf Umweltaspekte wurden identifiziert: Bitotopbäume, Totholz, Schutzgebiete und Schlüssellebensräume im Wald sowie Laubwälder und Waldbrände. Der FSC richtet sich nach zehn Prinzipien, die eine nachhaltige Waldwirtschaft gewährleisten. Der schwedische Waldbewirtschaftungsstandard hingegen bestimmt, welche Regeln FSC-zertifizierte Waldbesitzer befolgen müssen. Die Biodiversitätskonvention der Vereinten Nationen definiert Biodiversität als die Unterschiedlichkeit aller lebenden Organismen aller auf der Erde existierenden Lebensräume. Das beinhaltet sowohl Vielfalt innerhalb einer Art als auch zwischen Arten und Ökosystemen.


Biotopbäume: Biotopbäume sind lebende Bäume oder Baumgruppen, die während eines Kahlschlags zur Erhaltung der auf dieser Fläche lebenden Arten belassen werden. Dies sichert die Existenz von alten und toten Bäumen in der nächsten Generation. Diese bleiben erhalten, bis sie sich eigenständig zersetzen. Als Biotopbäume gelten beispielsweise Bäume mit Höhlen oder sich bereits stellenweise zersetzende Bäume, die auf diese Weise einen neuen Lebensraum für viele verschiedene Lebewesen, wie Käfer und Pilze, bilden. Während die nationale Gesetzgebung nur fordert, dass Biotopbäume bei der Ernte bestehen bleiben, fordert der FSC, dass zehn Biotopbäume pro Hektar erhalten bleiben müssen. Außerdem fordert FSC den Erhalt aller Bäume, die von hohem Wert für die Biodiversität sind. Sie dienen als „Rettungsboote“, d.h. sie dienen als Schutz- und Lebensraum für viele waldabhängige Arten nach der Fällung und bevor die neue Baumgeneration ein geschlossenes Kronendach erreicht. Zu den waldabhängigen Arten gehören epiphytische Flechten, Mykorrhizapilze und Bodentiere wie Laufkäfer und Salamander. Wichtig ist, dass es für diese Arten möglich ist, zum neuen Bestand zu gelangen und sich dort weiterhin zu vermehren. Biotopbäume, unabhängig davon ob Laub- oder Nadelbäume, begünstigen außerdem die Ansiedelung von Lebewesen, die an Störungen im Wald angepasst sind, und eröffnen einen neuen attraktiven Lebensraum für diese Arten. Zudem stellen sie mit ihren Zweigen, Nadeln und Blättern zusätzlichen Schutz für Säugetiere dar.


Verschiedenes Totholz und vielfältige Strukturen im Wald sind Garanten für eine hohe Biodiversität und bieten viele unterschiedliche Lebensräume. Foto von Viktor Golenkovs/MostphotosTotholz: Totholz hat einen vielfältigen Nutzen, es kann als Nahrungsquelle, Lebensraum oder Rückzugsort dienen. Viele waldabhängige Arten, die auf der roten Liste stehen und laut schwedischem Forstgesetz geschützt werden müssen, sind von Totholz abhängig. Grund dafür sind unterschiedliche Anforderungen an den Lebensraum. In bewirtschafteten Wäldern herrscht oftmals ein Mangel an Totholz, da viele alte Bäume vorzeitig geerntet und nicht für den Zerfall im Wald zurückgelassen werden. Einige tote Bäume werden vor der Ernte ebenfalls entfernt. Umgestürzte oder gefällte Nadelbäume über fünf Festmeter pro ha müssen laut der nationalen Gesetzgebung entfernt werden, um Krankheiten und Käferbefall zu verhindern.
Der schwedische FSC Standard besagt, dass das gesamte Totholz, welches älter als ein Jahr ist, im Wald zurückbleiben muss. Ebenfalls muss das gesamte Frischholz, das jünger als ein Jahr ist und von Biotopbäumen stammt, in Schutz- oder „Waldhindernis“-Gebieten zurückgelassen werden. Hohe Baumstümpfe von Fichten bilden einen neuen Lebensraum, besonders wichtig sind sie für die beiden Käferarten Hadreule elongata und Peltis grossa.


Waldschutzgebiete: Die freiwilligen Schutzgebiete können zusätzlich zu den offiziellen Regelungen bezüglich des Schutzes von gefährdeten Lebensräumen geschaffen werden. Hierzu dürfen Waldbesitzer diese Gebiete nicht bewirtschaften, lediglich managen, falls es die Biodiversität fördert. Der FSC fordert, dass Waldbesitzer mindestens 5% (Pufferzonen und Schüsselhabitate sind inbegriffen) ihres bewirtschafteten Waldes unbewirtschaftet lassen. Besonders relevant sind Gebiete, die eine hohe Biodiversität haben und eine seltene Landschaft darstellen. Schlüsselhabitate sind äußerst wertvoll zum Schutz der Biodiversität, da sie u.a. eine große strukturelle Variation, unterschiedliche Habitate und ein größeres Artenreichtum bieten. Die Biodiversität nimmt jedoch ab, sobald die Fragmentierung der Habitate zunimmt. Pufferzonen tragen zu einem besseren Mikroklima in den Schlüsselhabitaten bei und sind deshalb ebenfalls sehr wichtig. Eine Vernetzung von Schlüsselhabitaten und Schutzgebieten führt zu einer erhöhten strukturellen Variation und einer besseren Zugänglichkeit zu Lebensräumen.


Laubbäume und -wälder: Laubbäume sind sehr artenreich und viele Arten sind auf Laubbäume angewiesen. Nach Störungen wie Walbränden etablieren sie sich wieder sehr schnell. Waldwirtschaft jedoch bevorzugt Nadelbäume. Die schwedischen Waldgesetze beinhalten keine klaren Richtlinien, die den Anteil von Laubbäumen in Wäldern formulieren. Der FSC fordert, wenn möglich, 10% des Baumvolumens in einem reifen Baumbestand. Auch 5% von mittelfeuchten und feuchten Waldbeständen sollen aus Laubbäumen bestehen. Abgesehen von der natürlichen Verteilung von Fichte, soll das Fichtenvorkommen eines Bestandes weniger als 50% betragen. Die schwedischen Waldgesetze besagen zusätzlich, dass natürlich vorkommende Arten bestehen bleiben sollen und Laubbäume nicht durch andere Arten ersetzt werden dürfen. Der Artenreichtum besonders im Bezug auf Vogelarten ist in gemischten Beständen höher als in reinen Laub- oder Nadelwäldern. Auch das Vorkommen einiger seltener Flechtenarten sowie von Fledermäusen nimmt zu, wenn sich mehr Laubbäume im Bestand befinden. Auch Arten wie der Weißrückenspecht sind längerfristig auf einen gewissen Laubbaum-Anteil angewiesen. Wenn sich zusätzlich Biotopbäume im Bestand befinden, nimmt der Artenreichtum ebenso zu. Auch die Qualität der Bäume, wie beispielsweise Standort, Baumart oder Alter sind äußerst relevant für viele Pilz- und Flechtenarten.


Boreale Nadelwälder – (box) Durchschnittstemperatur: zwischen -5 und 5 Grad Celsius Niederschlag: zwischen 20 und 200 cm pro Jahr, meistens als Schnee Boden: nährstoffarm und sauer Vegetation: hauptsächlich kältetolerante, immergrüne Koniferen mit nadelgleichen Blättern wie Kiefer, Tanne und Fichte Fauna: umfasst Spechte, Falken, Elche, Bären, Wiesel, Luchs, Fuchs, Wolf, Rehe, Hasen, Streifenhörnchen, Spitzmäuse Fledermäuse Lokation: nördliche Teile Europas, Asiens und Nordamerikas (/box) Da boreale Wälder kalt sind und ihre Böden nicht viel Licht von der Sonne erhalten, reicht die Natur ihnen eine helfende Hand, indem sie ihnen gute Katastrophen sendet. Feuer, Fluten, Stürme, Lawinen, alles wirkt erst einmal unheimlich und macht uns Menschen Angst. Diese Naturereignisse sind jedoch in den borealen Wäldern äußerst willkommen. Es werden Nährstoffe freigesetzt, die sonst in den Bäumen gebunden waren, so dass neue Wälder wachsen können. Feuer reißt Löcher in den Wald, damit danach die Sonne weiter vordringen und die Samen, Nährstoffe und Organismen im Boden aktivieren kann. Dadurch werden verschiedene Prozesse auf und im Waldboden angeregt – neue Bäume können in diesen Klimazonen erst wachsen, wenn die alten Platz für sie gemacht haben.  Feuer stimuliert zwar die Regeneration in borealen Wäldern, aber das Ergebnis ist der Verlust von Bäumen, die dazu genutzt werden könnten unsere Häuser zu bauen oder um Produkte herzustellen, die wir jeden Tag brauchen. Die Natur hat uns gelehrt, dass in borealen Wäldern Bäume Platz machen müssen, damit neue Bäume wachsen können, dieser Prozess wird von den dortigen Forstverwaltungen, in Form des sogenannten Kahlschlags (das großflächige Einschlagen von Bäumen) imitiert.Kontrollierte Waldbrände: Brände führen dazu, dass ein Waldmosaik entsteht, d.h. es entwickelt sich eine Reihe unterschiedlicher Entwicklungsstadien der Bäume. Einige Pflanzenarten, wie beispielsweise die Flechtenart Hypocenomyce anthracophila, die aussschließlich auf verbranntem Holz wächst, sind noch immer auf Waldbrände angewiesen, um ihr Überleben zu sichern. Waldbrände führen auch zu mehr Lichteinfall, weniger Konkurrenz und mehr Totholz. Es gibt keine Vorschriften gegenüber kontrollierten Waldbränden im schwedischen Waldgesetz. Der FSC Standard fordert jedoch, dass Waldbesitzer 5% ihres Gebietes, das sie jährlich kahlschlagen, kontrolliert abbrennen, bestenfalls ohne Holz im Voraus zu entnehmen. Große Kiefern mit dicker Rinde und hoher Baumkrone halten Waldbränden oftmals stand, während Fichten sehr schlecht angepasst sind. Laubbäume siedeln sich nur sehr schlecht unter einem geschlossenen Kronendach an und profitieren nach einem Waldbrand von dem höheren Lichteinfall.

Pufferzonen: Pufferzonen sind schmale Waldstreifen, die erhalten bleiben, um störungssensible Gebiete „abzupuffern“. Sie fungieren als Lebensraum für verschiedenste Tier- und Pflanzenarten in unterschiedlichsten Lebensräumen. Die nationalen Forstgesetze geben allgemein Auskunft über die Notwendigkeit von Pufferzonen. Aus Sicht von FSC sollten diese Überganszonen um alle Lebensräume mit wichtigem Schutzwert entstehen.


NachwachsenLandschaftsplanung: Landschaftsplanung beinhaltet das Planen und Managen von Landschaften, dies wird jedoch nicht von der schwedischen Gesetzgebung abgedeckt. Der FSC Standard fordert, dass Waldbesitzer mit großem Bestand eigenständig einen Landschaftsplan erstellen, bei Besitzern mit kleinem Bestand ist es ausreichend, wenn sie regionale Aktionspläne befolgen. Ebenfalls dürfen keine Plantagen aus Kulturlandschaften entstehen und der Schutz von Waldrändern ist erforderlich, wenn der Wald bewirtschaftet wird.

Wasser- und Bodenschäden: Diese entstehen durch Fahrzeugtransport und Schädigung der Bodenoberfläche durch andere Faktoren. Nationale Waldgesetze besagen, dass Schäden, die durch die Waldbewirtschaftung entstehen, reduziert oder gar vermieden werden müssen, während FSC spezifischere Anforderungen formuliert. Richtlinien müssen schriftlich niedergelegt werden und Schäden, je nach spezifischem Bedürfnis des Bestands, eingegrenzt sowie Konzepte, bezüglich der Schädigung der Wege durch Waldfahrzeuge, entwickelt werden. Besonders der Bau von Waldwegen kann Feuchtgebiete und aquatische Ökosysteme erheblich schädigen. Der schwedische FSC Standard fordert den Schutz von Gewässern, die Wiederherstellung von Zuflüssen und die Entwicklung von Aktionsplänen, um Hindernisse für Zuflüsse zu beseitigen. Diese Anforderungen an die Waldbesitzer ziehen, im Gegensatz zu den nationalen Gesetzen, präzisere Maßnahmen nach sich.


Der schwedische FSC Standard geht über die schwedische Waldgesetzgebung hinaus, besonders klar stellt es sich heraus, wo die nationale Gesetzgebung keine ausreichenden Anforderungen an die Waldbewirtschaftung und den Umweltschutz stellt. Es konnte gezeigt werden, dass der FSC Standard die Artenvielfalt in den Wäldern positiv beeinflusst. Er sollte als Komplementierung zu anderen Schutzmaßnahmen gesehen werden. Der FSC Standard führt die schwedische Forstgesetzgebung in die richtige Richtung. Jedoch müssen weitere Studien durchgeführt werden, um herauszufinden, inwieweit FSC einen positiven Einfluss auf die Biodiversität ausübt. Besonders im Hinblick auf die Waldbesitzer muss berücksichtigt werden, dass diese anderen Problemen ausgesetzt sind, die wenig mit Biodiversitätsschutz zu tun haben. Eine Herausforderung, dem sich sowohl die Gesetzgebung als auch der Standard stellen müssen, ist, wie Umweltschutz auch zur Priorität bei Waldbesitzern wird, um die artenreiche Tier- und Pflanzenwelt dauerhaft zu erhalten oder wieder aufleben zu lassen.


Dieser Artikel basiert auf einer Studie von FSC Schweden. The contribution of FSC-certification to biodiversity in Swedisch forests. (https://se.fsc.org/preview.the-contribution-of-fsc […])


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