Technische News


Mittwoch, 16 April 2014
Update: Online Claims Plattform (OCP)soll Verwaltungsaufwand einer FSC-Produktkettenzertifizierung deutlich reduzieren


Die FSC Online Claims Plattform ist nun in die öffentliche Testphase gestartet. Derzeit nehmen über 150 Betriebe daran teil. Der FSC bedankt sich bei allen Unternehmen, die sich bislang an dem Test beteiligen, für ihr Feedback und ihre Anregungen. Die Beiträge und Erfahrungen werden aufmerksam betrachtet und sind u.a. Grundlage für jede weitere Entscheidung zum Thema OCP. FSC lädt alle, die Unternehmen die OCP bisher noch nicht getestet haben, dazu ein dies ebenfalls zu tun.

Der FSC nimmt die Bedenken und Vorbehalte gegen die Umsetzung der OCP, die von verschiedenen Industrien geäußert werden, sehr ernst. FSC möchte hiermit nochmals klarstellen, dass keine Absicht besteht, Zertifikatsinhabern ein System aufzuzwingen. Dies gilt insbesondere für den Fall, wenn eine beträchtliche Anzahl der Zertifikatsinhaber nicht davon überzeigt ist, dass dieses neue System irgendwelche Vorteile für ihr Unternehmen verspricht.
Gleichzeitig ist jedoch auch klar, dass das aktuelle FSC-System in der Produktkettenzertifizierung anfällig ist für die Weitergabe falscher FSC-Produktaussagen in der Verarbeitungskette. Die Integrität des FSC insgesamt steht hier auf dem Spiel, sollte es nicht gelingen dass sich der FSC entsprechend seinem Wachstum weiterentwickeln. Sollten FSC und seine Partner es nicht schaffen die Schwächen des FSC-Systems intern zu minimieren, besteht die Gefahr dass die Integrität des FSC insgesamt beschädigt wird. Damit wären dann möglicherweise auch negative Auswirkungen für Zertifikatsinhaber zu befürchten.

Verwaltungsaufwand reduzieren
Die OCP wurde entworfen und entwickelt, um das Problem ungenauer und unrichtiger Produktaussagen im FSC-System zu adressieren. Während der Entwicklung der OCP wurde offensichtlich, dass für eine Vielzahl zertifizierter Unternehmen die FSC-Produktkettenzertifizierung bereits mit erheblichem Verwaltungsaufwand verbunden ist. Die Einführung der OCP wird so oftmal zunächst als weitere Bürokratisierung bewertet.
FSC beabsichtigt in keinem Fall eine Erhöhung des administrativen Aufwands für zertifizierte Unternehmen durch die OCP. Ziel ist es vielmehr, den Verwaltungsaufwand zu verringern. Derzeit werden Optionen und Möglichkeiten gesucht, wie durch OCP genau diese Entlastung erreicht werden kann, während gleichzeitig die Integrität des FSC-CoC-Systems absichert wird.

Der FSC evaluiert aktuell, inwieweit die OCP wesentliche Teile der COC-Anforderungen automatisch abdecken kann, wenn Unternehmen die OCP vollumfänglich nutzen. Hierdurch sollen Verwaltungs- und Zertifizierungsaufwand erheblich reduziert werden. Gleichzeitig würde so das FSC-System besser gegen unrichtige FSC-Produktaussagen abgesichert und die Verbrauchersicherheit erhöht. Der FSC freut sich über Vorschläge und Ideen hierzu. In den kommenden Monaten wird FSC International einen strukturierten Prozess zur Beteiligung und dem Einbringen von Anregungen zum Thema OCP vorstellen.

Prüfung von Optionen für OCP auf freiwilliger Basis
Mit diesem Update möchte der FSC deutlich machen, dass die Bedenken von Stakeholdern bezüglich OCP sehr sorgfältige geprüft werden. Dies beinhaltet unter anderem auch Fragen zur ursprünglich geplanten verpflichtenden Einführung der Plattform. Aus diesem Grund werden derzeit alle möglichen Optionen für die Einführung der OCP sondiert. Dies beinhaltet sowohl Möglichkeiten einer vollständig oder teilweise freiwilligen Nutzung von OCP, als auch Fragen zur Eingabe und Kontrolle von Produktaussagen. Außerdem werden Möglichkeiten einer risikobasierten Einführung der OCP geprüft. Es ist nicht im Interesse des FSC ein verpflichtendes System einzuführen, das den Wünschen seiner Stakeholder entgegensteht, solange ungenaue und unrichtige Produktaussagen mit anderen Mitteln unterbunden werden können.

Als einen alternativen Lösungsansatz für das Problem unrichtiger Produktaussagen untersucht der FSC derzeit intensiv die Möglichkeiten von Transaktionsprüfungen (engl: transactional auditing). Transaktionen zwischen FSC-zertifizierten Unternehmen, sollen hierbei durch einen direkten Vergleich der Output- und Inputaufzeichnungen sowie der Transaktionen von beiden Handelspartnern überprüft werden. Das würde beispielsweise bedeuten, dass Zertifikatsinhaber mit zusätzlichen Überprüfungen zu jedem ihrer zertifizierten Kunden konfrontiert wären, für den Fall dass FSC-Produktaussagen weitergegeben werden. Dadurch wäre in diesen Fällen keine verpflichtende Nutzung des OCP-Systems notwendig.

Stakeholder erreichen
Der FSC hat aktuell seinen Konsultationsprozess erweitert, um weitere unterschiedliche Stakeholdergruppen zu erreichen. So soll ein realistisches Meinungsbild zwischen Bedenken und gleichzeitig möglichen Lösungen sowie weiteren Anforderungen erzeugt werden. Dieser Prozess wurde durch den Vorstand von FSC international angeregt und in Leben gerufen.

Das erste einer ganzen Reihe von Arbeitstreffen fand am 8. April 2014 mit einer Gruppe Industrievertretern aus Europa und Nordamerika statt. Die Gruppe kam dabei überein, dass derzeit Transaktionen zwischen zertifizierten Unternehmen im Rahmen der FSC Chain of Custody nur begrenzt nachvollziehbar oder überprüfbar sind. Diesen Mangel gilt es nun zeitnah zu korrigieren. Weiter war man darüber einig, dass die OCP eine mögliche Lösung für dieses Problem sein könnte. Dennoch gilt es zunächst wichtige bisher ungelöste Fragen zu klären, bevor OCP auch von Unternehmen eine breite Akzeptanz erwarten kann. Die Arbeitsgruppe wird daran weiter mitarbeiten, um Lösungen für die noch offenen Problemfelder zu finden.

Ein Statement zum Arbeitstreffen wird auf der internationalen FSC-Website in Kürze verfügbar sein (http://ocp-info.fsc.org oder https://ic.fsc.org).
Während der kommenden Monate wird der FSC die Beteiligungsmöglichkeiten zu OCP kontinuierliche ausweiten und dabei wirtschaftliche, soziale und umweltbezogene Interessen einbeziehen, um sicherzustellen dass ein umfassendes Meinungsbild entsteht.

Der FSC freut sich auf einen konstruktiven Dialog mit seinen Stakeholdern, um gemeinsam  an Lösungen und Verbesserungen zu arbeiten.


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