Aktuelles

Nachrichten und Themen rund um unsere Aktivitäten


Freitag, 17 Dezember 2021
Eine Gratwanderung: Erhalt von Lebensräumen für bedrohte Fledermausarten in Waldgebieten der Appalachen

Fledermaus-Story (© FSC International)© FSC International

Wie Waldbesitzende nachhaltig Holz ernten und gleichzeitig Fledermäusen ein Zuhause bieten können, zeigt eine gemeinsame Studie von Forstbetrieb, Universität und Behörden in Kentucky, USA.


Sobald man aus dem Auto aussteigt und den Wald betritt, fühlt man sich klein. Die Luft vibriert vom Sirren der Insekten und Zwitschern der Vögel, das in der Mittagshitze lauter und leiser wird.

Und dann ist da noch die Farbe des Grüns - tiefes Smaragdgrün, leuchtendes, sonnengelbes Grün und fast alle dazwischenliegenden Schattierungen, die man sich nur vorstellen kann. Wandert der Blick nach oben, ist der Himmel voller Blätter und Äste. Nach unten ist der Boden nicht erkennbar. Die gesamte Umgebung ist lebendig. Sowohl der Waldboden als auch die Baumkronen: Salamander, Käfer, Insekten und Singvögel. Das Bild gleicht dem der tropischen Wälder, doch liegt dieses Szenario tief in den Wäldern der östlichen Appalachen in Kentucky.
Am Eingang zu diesem rund 1300 ha großen Grundstück steht eine verlassene Scheune, deren grau gebleichtes Holz vom Zahn der Zeit gezeichnet ist. Das Areal ist Teil eines insgesamt 47.000 ha großen Areals, dessen Flächen im Jahr 2012 von der Forestland Group gekauft wurden. Als sogenannte „TIMO“ (timber Investment management organization) kauft die Forestland Group Waldland, verwaltet dieses und verpachtet es schließlich. Die Organisation richtet ihr Augenmerk dabei auf die Erhaltung der Wälder, Klimaschutz und ethische Aspekte.
Für Alex Finkral, Forstleiter und Vizepräsident für Naturschutz der Forestland Group, ist es das komplexe Geflecht aus Laub- und Nadelholzarten wie Hickory, Platane, Tulpenpappel und Weißeiche, das die natürlichen Wälder dieser Region zu einem faszinierenden Arbeitsplatz macht. Die Appalachen gelten als einer der größten " Biodiversitätshotspots " in den USA. Mikrohabitate bilden hier einzigartige ökologische Nischen und tragen damit zum Schutz seltener, bedrohter und gefährdeter Arten bei. Alex Finkral beschreibt die „Mikrohabitate wie ein unmögliches Puzzle, dessen wirtschaftliche und ökologische Dimension wir immer wieder zu lösen versuchen.“

Die Lösung des Rätsels liegt dabei nicht nur in der Frage, wie sich ein funktionierender Wald verantwortungsvoll bewirtschaften lässt, sondern die Wälder sind auch ein Forschungsexperiment. Die Forestland Group untersucht, ob es möglich ist, Lebensraumeigenschaften aufzuweisen, die das Wachstum definierter seltener, bedrohter oder gefährdeter Arten fördern und gleichzeitig eine wirtschaftlich rentable Holzernte ermöglichen.

Als wissenschaftlicher Indikator für diese Fragestellung diente ein besonderer Bewohner der Lebensraumgemeinschaft: Die Fledermaus. Genauer gesagt, die Arten der nördlichen Langohrfledermaus und Indiana-Fledermaus. Das Forschungsprojekt umfasst dabei eine einzigartige öffentlich-private Partnerschaft zwischen der Forestland Group, der Universität von Kentucky, sowie staatlichen und bundesstaatlichen Behörden. Gemeinsam möchten sie "ein wenig mehr über Fledermäuse und ihre Vorlieben zu erfahren", soFinkral.

Die Studienergebnisse führten die Beteiligten zu einer leicht umsetzbaren, nachhaltigen Managementlösung. Diese wirkt sich nicht nur positiv auf das künftige Überleben dieser beiden bedrohten Arten aus, sondern befähigt auch die Waldbesitzer, in ihren eigenen Wäldern für Naturschutz zu sorgen.

Nachhaltige Waldbewirtschaftung

Fledermaus-Story (© FSC International)© FSC InternationalBereits seit 2005 sind die Waldflächen der Forestland Group nach dem FSC-Standard zertifiziert. Dadurch konnte die Organisation ihre Naturschutzbemühungen weiter verstärken und ermöglichen, dass neben einer verantwortungsvollen Bewirtschaftung ein Lebensraum entsteht, in dem die Arten dauerhaft leben können. "Man muss also langfristig denken", erklärt Finkral. "In den Wäldern der Appalachen kann man Jahrzehnte verbringen und trotzdem nur an der Oberfläche kratzen."

Derjenige, der täglich an der Oberfläche dieser üppigen, wilden Wälder kratzt ist Steven Roach, stellvertretender Geschäftsführer bei Advantage Timberland. Er ist seit zehn Jahren für die Holzernte in diesem Gebiet zuständig und arbeitet seit über 20 Jahren in der Waldbewirtschaftung. Roach kennt diesen Wald wie seine Westentasche. Treffsicher findet er die Plätze, an denen Weißwedelhirsche Mineralien vom Boden schlecken und wo Kohleflöze die Felswände des Hügels bilden.

"Ich war schon lange nicht mehr dort oben. Man kann sehen, wie dicht der Wald wird", sagt er, während er geschickt mehreren Reihen dorniger Brombeersträucher ausweicht und den Weg für die hinter ihm Stehenden frei macht. "Lasst euch nicht erwischen", warnt er, "der Strauch lässt nicht gerne los." Roach begleitet eine Gruppe in den abgeernteten Teil des Geländes, vorbei an einem alten Holzsteg bis zu einer Bachüberquerung. "Dieser Bereich auf der Karte ist ein so genannter ganzjähriger Bach", erklärt er. „Wenn sich bei der Holzernte Bäche in der Umgebung befinden, bauen wir Durchlässe ein und decken diese mit Erde ab. Manchmal wird auch Holz oder Stroh darübergelegt, um den Bach zu schützen.“

Die Forestland Group hat hart daran gearbeitet, die Bewirtschaftung und Holzernte nachhaltig zu gestalten. So werden beispielsweise keine Bäume in einem Umkreis von 15 Metern um den Bach herum gefällt und zur Stabilisierung der Böden werden Gebiete mit einer Mischung aus einheimischen Gräsern und Saatgut neu besät.

"Wir gehen sogar über die staatlichen Waldbewirtschaftungsreformen hinaus", sagt er, und ein Hauch von Stolz schwingt in seinem langsamen Kentucky-Dialekt mit, wenn er auf die vom Staat empfohlenen Best-Management-Praktiken verweist.

Nehmen wir zum Beispiel die Rückegassen, die von Schleppern angelegt werden, um Baumstämme nach der Ernte zu laden. Um Erosion und Schäden durch die großen, schweren Maschinen zu verringern und Sedimente aus dem Bach fernzuhalten, legten Roach und sein Team kleine Stämme senkrecht zur Straße in einem Muster aus, das Kord genannt wird.

Finkral gibt zu, dass sie viele dieser Maßnahmen auch ohne FSC-Zertifizierung durchführen würden. "Aber die FSC-Zertifizierung macht alles noch ein bisschen besser. Es macht uns verantwortungsbewusster und sorgt dafür, dass mehr Augen in den Wäldern sind. All das führt letztendlich zu verbesserten Praktiken.

Das Fledermaus-Experiment

Fledermaus-Story (© FSC International)© FSC InternationalFür das Fledermaushabitat-Experiment haben die Forestland Group und ihre Partner drei jeweils 100 ha große Untersuchungsgebiete ausgewiesen. Darauf untersuchen sie drei verschiedene waldbauliche Methoden. Ziel ist, im Wald, neben selektiver Holzernte und Durchforstung, auch Kontrollgebiete und Schutzflächen entstehen zu lassen. Hierfür wird das Kronendach der Schutzflächen auf jeweils einem Hektar ausgelichtet. Dies ermöglicht eine natürliche Verjüngung.

Doch welchen dieser Lebensraum mit unterschiedlichem Nahrungsangebot und Licht- bzw. Wärmeverhältnissen würden die Fledermäuse wählen? Hierfür ist der Fledermaus-Experte Mike Lacki in das Forschungsprojekt eingebunden.

Mike Lacki beugt sich über seine Ausrüstung: eine Waage, Handschuhe und eine Laterne liegen auf einem umgedrehten Katzenklo, "anstelle eines Tisches", wie er sagt. Mit Taschenlampen in der Hand warten die Forscher gespannt auf ihren ersten Fledermausfang der Nacht. "Können wir ein paar Netzkontrollierende holen? Mal sehen, ob du etwas für mich hast. Ich will einen Ruf hören!" Lacki hat Nebelnetze, feinmaschige schwarze Netze, quer über den Weg gespannt.

Die Szene spielt sich im FSC-zertifizierten Robinson Forest ab, einem riesigen, fast 15.000 Hektar großen Wassereinzugsgebiet, das von der Universität von Kentucky verwaltet wird. Obwohl der Wald für verschiedenste Forschungsprojekte der Forstwirtschaft, Geologie und Archäologie genutzt wird, ist es immer noch ein sehr wilder Ort. Kürzlich fraß ein Bär das Schild zum Außengelände, und Forschende sollten sich nicht zu weit vom Weg entfernen, da in dieser Gegend häufig giftige kupferköpfige Schlangen vorkommen.

Seit 40 Jahren erforscht Lacki verschiedenste Fledermausarten und passte seine eigenen Angewohnheiten an die Spezies an: "Ich gehe nie vor ein Uhr morgens ins Bett", erklärt er. "Manchmal bin ich sogar bis zwei Uhr nachts wach und stehe um halb sieben wieder auf.

Lacki war Professor für Forst- und Wildtierkunde an der Universität von Kentucky und ist jetzt im Ruhestand und emeritierter Professor. Den größten Teil seiner Karriere verbrachte er damit, sich mit der Ökologie und Naturgeschichte der insektenfressenden Fledermäuse Nordamerikas zu befassen. Er hat mit Fledermauskolonien auf dem ganzen Kontinent gearbeitet, von der Westküste bis hin zum Staat New York..

Lacki, der sich selbst als "Halloween-Typ" bezeichnet, hat sich schon immer für Fledermäuse interessiert. Zunächst einmal begeistert ihn, dass sie fliegen können. "Als Kind habe ich sie nachts am Himmel beobachtet und war fasziniert von ihrer Wendigkeit", erklärt er.

Faszinierend findet er auch ihre Echoortungsfähigkeiten. Fledermäuse orientieren sich mit Hilfe von Dopplerverschiebungsmustern. Sie nutzen diese um Bewegung, Geschwindigkeit und Richtung einzuordnen. Nicht nur einzelne Insekten, sondern auch ganze Gemeinschaften identifizieren sie über Echoortung. Im Laufe seiner Karriere erkannte Lacki, wie viel Kommunikation zwischen Fledermäusen stattfindet, wie sie sich gegenseitig dabei helfen, herauszufinden, wo es Nahrung gibt und wo sich andere Schlafplätze befinden.

"Wenn ich darüber nachdenke, was sie alles im Vergleich zum Menschen können, dann fasziniert mich das." Lacki weiß, dass Fledermäuse einen schlechten Ruf haben, wenn es um Tollwut (nur sehr wenige Menschen stecken sich an), Pandemieverursacher (nicht eindeutig) und die ganze Vampirgeschichte (es gibt keine Vampirfledermäuse in Europa) geht.

Aber er sagt, dass diese "weithin missverstandene Tiergruppe" eine wichtige Rolle in natürlichen Ökosystemen spielt. Fledermäuse bestäuben Pflanzen und sind eine solide Quelle für die natürliche Insektenbekämpfung. Ihr Kot, der so genannte Guano, sammelt sich auf dem Boden von Höhlen an und bildet ein ganzes Ökosystem.

Fledermäuse dienen auch als Indikatoren für die biologische Vielfalt, da sie besonders empfindlich auf Pestizide und andere Umweltstressoren reagieren. "Der Verlust von Fledermäusen", erklärt Lacki, "ist für uns ein Indikator dafür, dass etwas im Ökosystem nicht stimmt.“

Und bedauerlicherweise stimmt tatsächlich etwas nicht. Seit 2006 sind Lacki und andere in seinem Fachgebiet im "Notfallmodus", um die verheerenden Auswirkungen des Weißnasensyndroms zu bekämpfen. Dabei handelt es sich um eine Krankheit, bei der ein Pilz auf der Nase von Fledermäusen wächst, die ihren Winterschlaf halten. Dadurch wachen sie zu früh auf und der kalte Winter raubt ihnen die Lebensenergie.

Die Krankheit hat zu einem massiven und dramatischen Absterben von Fledermauskolonien in den Überwinterungsgebieten im ganzen Land geführt und schätzungsweise 6,7 Millionen Fledermäuse das Leben gekostet. Die Folgen sind gravierend, vor allem für die Nördlichen Langohren , deren Bestand im Nordosten um bis zu 90 Prozent zurückgegangen ist.

Eine Eigenschaft der Fledermäuse jedoch macht Hoffnung: Sie sind sehr anpassungsfähig. Die Schneisen, die die Holzfäller im Wald hinterlassen sind wie eine Schnellstraße für Fledermäuse an deren Straßenrand die Nördliche Langohrfledermaus nistet.
Die gruppenweise Bewirtschaftung der Schutzflächen bietet den Fledermäusen Öffnungen und Löcher in den Baumkronen. Sie eigenen sich hervorragend für die Nahrungssuche, vor allem für Rauhhautfledermäuse, die sich weniger auf die Echoortung als vielmehr auf die Geräusche ihrer Beute verlassen.

Rauhhautfledermäuse, wie das Nördliche Langohr und die Indiana-Fledermaus, picken gerne Insekten von herabgefallenen Blättern auf dem Waldboden. Die Forscher der University of Kentucky änderten daher die Verteilung der Bodenvegetation in den behandelten Gebieten und schufen eine Mischung aus schattentoleranten und lichtliebenden Arten, so dass die Fledermäuse nachts Nahrungsangebote in näherer Umgebung finden.

Das Stehenlassen großer Bäume schafft ein Rückzugsgebiet, in dem Fledermäuse nächtigen und ihre Jungen aufziehen. Große hohle Bäume mit dicker, schuppiger Rinde sind sichere Orte für den Tagesschlaf. Fledermäuse können sogar ihre eigene Körperwärme regulieren, indem sie auf einem Baum auf- und absteigen, um mehr oder weniger Sonnenlicht zu bekommen.

Diese aktiven Bewirtschaftungsmaßnahmen ahmen die natürlichen Störungen nach und schaffen dadurch Lebensräume für Fledermäuse. "Das ist wie bei Mutter Natur, nur ein bisschen besser organisiert", sagt Finkral.

Leichte Flugrouten und vereinfachter Zugang zu Nahrung bedeuten gesunde Fledermäuse und hilft ihnen, effizienter zu fressen und ihr Körpergewicht zu erhöhen. Auch das Weißnasensyndrom wird dadurch verringert, da sich die Arten ausbreiten können. Sie müssen sich nicht mehr so stark zusammenrotten, wodurch die Ausbreitung der Krankheit gefördert wird.

Nach etwa anderthalb Stunden Überwachung geht die erste Fledermaus ins Netz. Mit einer kleinen Tüte in der Hand, in der sich etwas bewegt, stellt Lacki fest: "Sie ist entweder schwanger oder hat gerade entbunden.“ Er untersucht die Fledermaus und sagt: "Auf jeden Fall säugt sie."

Das Tier zappelt, streckt ihre Zunge heraus, um Insekten zu fangen, während die Kamera unter ihr klickt. "Da sie aus dem Winterschlaf kommt, ist sie, falls vom Pilz befallen, wahrscheinlich etwas geschwächt bezüglich ihrer Physiologie und des Stoffwechsels.. Aber sie wird trotzdem versuchen, ihre Jungen aufzuziehen.“ Im Gegensatz zu anderen kleinen Säugetieren, erklärt Lacki, haben diese Fledermäuse keine großen Würfe, sondern produzieren nur ein oder zwei Nachkommen pro Jahr. "Bei diesen Reproduktionsraten, dauert es viel länger, bis sich ihre Population wieder erholt.“

Lacki breitet vorsichtig die hauchdünnen Flügel der Fledermaus aus. Sie haben eine so zarte Struktur wie Pergament. Die Käfer kreisen wie verrückt um seine Stirnlampe. Eine Riesenlibelle setzt sich auf seine Wange und bleibt dort sitzen. Er ignoriert sie völlig, um sich auf die Fledermaus zu konzentrieren. Seine Augen leuchten vor Staunen. "Mit dem angepassten Waldmanagement können wir hoffentlich Bedingungen schaffen, die es den betroffenen jungen Weibchen ermöglichen, die sommerliche Paarungszeit zu überleben und sich langsam zu erholen", sagt Lacki.
Lange kann er das Weibchen nicht mehr halten, sie kreischt. "Du bist frei", sagt er, als er sie loslässt.

Forstsektor als bedeutender Wirtschaftsfaktor

Fledermaus-Story (© FSC International)© FSC InternationalAuf den Nebenstraßen von Hazard, Kentucky, stehen verlassene Geschäfte, Wohnwagen und Kohleaufbereitungsanlagen. Die Kohleförderung, einst ein wichtiger Wirtschaftsfaktor in dieser Region, ist im letzten Jahr auf den niedrigsten Stand seit 1965 gefallen. Der Forstsektor hingegen bleibt stabil und leistet einen wirtschaftlichen Beitrag in Höhe von fast 14 Milliarden Dollar und schafft schätzungsweise 53.000 Arbeitsplätze.

Jeff Stringer, Vorsitzender der Abteilung für Forstwirtschaft und natürliche Ressourcen an der Universität von Kentucky, steht inmitten eines Stapels Weißeichenstangen. Hier befindet sich ein altes Sägewerk am Rande des Robinson Forest, das heute das Holzverwertungszentrum der Universität von Kentucky ist. Dieses gehört zu einer Gruppe von FSC-zertifizierten Wäldern, die Stringer verwaltet. Die hochwertigen Weißeichenstämme werden für Furniere oder Fassdauben für die Reifung des legendären Kentucky Bourbon verwendet. Qualitativ minderwertige Stämme können zu Querschwellen für Eisenbahnschienen verarbeitet werden. "Für jede Baumart gibt es unterschiedliche Verwendungszwecke. Und auch innerhalb eines Baumes gibt es verschiedene Produkttypen.“

Stringer ist ein Pragmatiker: Er kennt das Land und seine Bewohner gut und weiß, dass die Holzfäller auch weiterhin Holz schlagen werden. Aber im Hinblick auf die Waldbewirtschaftung und die Erhaltung des Lebensraums will er gerne einen Kompromiss mit ihnen finden. Stringer ist davon überzeugt, dass das möglich ist.
"In manchen Gegenden, wie zum Beispiel im westlichen Kentucky, ist Land eher eine Handelsware. Man kauft, man verkauft, man macht Geld", sagt Stringer. "Hier im Robinson Forest ist das Land dein Hinterhof, die Menschen haben eine viel tiefere emotionale Bindung."
Mehr als 75 Prozent der privaten Wälder des Landes sind im Besitz von Kleinwaldbesitzern, deren Parzellen vor allem im Südosten des Landes verstreut liegen.

Wie kann man also die 430.000 Waldbesitzer in Kentucky davon überzeugen, die biologische Vielfalt zu berücksichtigen? Genau hier setzen die Ergebnisse der Studie an.

Biologische Vielfalt mit FSC-Zertifizierung

Fledermaus-Story (© FSC International)© FSC InternationalDie gleichen Praktiken, die von der Forestland Group in großem Maßstab durchführt werden, können auch in sehr kleinem Maßstab von einem Familienwald oder von kleinen Waldbesitzern angewendet werden. "Das Schöne in Kentucky ist, dass Landbesitzer durchschnittlich 100 Hektar Wald verwalten. Jeder dieser Grundbesitzer kann kleine Öffnungen für lichtliebende Vegetation einrichten und damit seinen Beitrag für das Ökosystem leisten."

Wenn Sie FSC-zertifiziert sind, besteht für kleine Landbesitzer ein weiterer wirtschaftlicher Anreiz darin, dass sie hochwertiges Schnittholz und Zellstoffprodukte auf dem Markt für FSC-zertifiziertes Holz verkaufen können. Das ist nicht nur gut für die Wälder, sondern auch gut für die Fledermäuse. Maschinen werden nicht willkürlich gefahren oder Hubschrauber kreisen nicht über die Wälder und versprühen Herbizide", erklärt Stringer.

Stringer sagt, dass die FSC-Audits Sicherheiten bieten. "Wir hatten Landbesitzer, die keine Holzernte durchführen wollten, bevor sie nicht FSC-zertifiziert waren. Die Zertifizierung gab ihnen die Gewissheit, dass der Betrieb über technisches Fachwissen verfügt und hilft, ihre Nachhaltigkeitsziele zu erreichen.

Wenn es um Investitionen geht kann es schwierig sein, einen Mischwald aus östlichen Laubhölzern gegenüber der Anpflanzung von Bäumen in Reihen zu verkaufen, räumt Finkral ein: "Die Leute gehen hinaus in dieses Durcheinander aus Artenvielfalt, Standortunregelmäßigkeiten, felsigen, dünnen Böden und tiefen, fruchtbaren Böden und fragen sich, was um alles in der Welt hier los ist.,“

Hinzu kommt die Komplexität der Zeit: Östliche Laubhölzer brauchen Jahrzehnte, um ihre Reife zu erreichen. Entscheidungen, die heute getroffen werden, schaffen die Voraussetzungen dafür, dass Nachhaltigkeit über lange Zeiträume hinweg entsteht. Finkral ist der Meinung, dass sich dies gut als Teil eines diversifizierten Anlageportfolios eignet. Denn wenn der Aktienmarkt an Wert verliert, tun Wälder das nicht - sie gewinnen weiter an Wert. Die FSC-Zertifizierung der Forestland Group trägt zur Beruhigung der Anleger bei. Finkral: "Für viele Investoren sind Investitionen in Wälder sehr riskant und beängstigend. FSC fungiert als kleines Beruhigungsmittel - alles wird gut."
Die Forestland Group gibt an, dass sie die Erkenntnisse aus der Fledermaus-Forschung auch in der Praxis erfolgreich umsetzt. Die Ergebnisse der Studie wurden in das interne Waldinformationsportal integriert, die Datenbank für alle Liegenschaften der Forestland Group. Forstverwalter wie Steven verfügen damit auch in anderen Bundesstaaten über zuverlässige Instrumente, mit denen sie das Vorkommen seltener, bedrohter und gefährdeter Arten wie Fledermäuse ermitteln können. Waldbewirtschaftende können den Schutz dieser Arten durch die Ausweisung von Schutzzonen priorisieren und sich dabei an den Indikatoren für die biologische Vielfalt orientieren, die Teil des amerikanischen FSC-Standards sind.

Weitere zehn Jahre Fledermausstudie

Fledermaus-Story (© FSC International)© FSC InternationalDie Fledermausstudie selbst wird fortgesetzt und Mike Lacki freut sich darauf, in zehn Jahren zurückzukehren, um zu prüfen, wie sich die Altersvielfalt des Waldes weiter auf die Fledermäuse ausgewirkt hat. Obwohl er mittlerweile im Ruhestand ist, wird er es trotzdem tun - wie ein Detektiv, der zurückkommt, um einen weiteren Fall zu lösen. Denn er kann, wie viele andere, der Faszination, die diese geheimnisvollen Wesen umgibt, einfach nicht widerstehen.

Fledermäuse gibt es weltweit auf allen Kontinenten außer der Antarktis. Obwohl es schätzungsweise weltweit etwa 1.200 Fledermausarten gibt, ist laut Lacki nur etwa ein Viertel davon erforscht:
"Es gibt so viel mehr über Fledermäuse, was wir einfach nicht wissen.“


© Forest Stewardship Council® · FSC® F000213