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Dienstag, 16 November 2021
FSC Generalversammlung 2021 - ein Rückblick

Logo General Assembly 2021_2022 (© FSC International)© FSC International

Die internationale Veranstaltung fand dieses Jahr erstmalig virtuell statt. Kim Carstensen nannte Glaubwürdigkeit, Integrität, Transparenz und Relevanz als Schlüsselelemente für den Erfolg von FSC.


Zur Generalversammlung als höchstes Entscheidungsgremium des Forest Stewardship Council (FSC) kommen mehrere tausend führende Vertreter und Entscheidungsträger von indigenen Völkern, Umweltschützern und Unternehmen sowie viele weitere FSC-Mitglieder zusammen, um über eine verantwortungsvolle Zukunft der Wälder sowie der Menschen und Tiere, die in ihnen leben, zu diskutieren. In der Regel alle drei Jahre stattfindend, wurde der ursprüngliche Termin im Jahr 2020 COVID-19 bedingt jedoch verschoben und auf zwei Termine verteilt. Teil eins fand erstmalig virtuell vom 25. – 29. Oktober statt. Für Teil zwei, eine Präsenz-Veranstaltung in 2022, wird Indonesien Gastgeberland sein.

Glaubwürdigkeit, Integrität und Transparenz
„Unsere Kommunikation, das Vertrauen der Konsumenten und die Art, wie Unternehmen für FSC werben, verhilft uns zu unserem Erfolg. Aber, all das wäre ohne die Aspekte der Glaubwürdigkeit und Integrität nicht möglich“, betonte FSC-Generaldirektor Kim Carstensen in seiner Eingangsrede und nannte in der Folge einige Beispiele. Dazu gehöre proaktives Verhalten und Krisenkommunikation bei Kritik von außen, aber z.B. auch das FSC Blockchain-System als eines von mehreren Instrumenten für ein sicheres Lieferketten-Management. Transparenz sei die dritte Notwendigkeit für Erfolg, so Carstensen. Umgesetzt habe der FSC das etwa durch "FSC on the Map". Die Geoplattform ermöglicht es Nutzern, wichtige Daten wie FSC-zertifizierte Wälder oder Mitglieder und Büros anhand von Karten visuell zu erkunden.
Doch Glaubwürdigkeit, Integrität und Transparenz seien nicht ausreichend, betonte Carstensen weiter: „Wir müssen ein Element hinzufügen, und das ist Relevanz“. Dargestellt durch intern generierte Daten und unabhängige wissenschaftliche Studien sei der FSC bestrebt, Beweise für die Sinnhaftigkeit, Ergebnisse und positive Auswirkungen der FSC-Zertifizierung zu sammeln. So sei in den letzten fünf Jahren etwa die Anzahl der CoC-Zertifikate weltweit im Durchschnitt um 9% gestiegen. Die FSC-Relevanz auf den Märkten führe auch zu einer Steigerung der FSC-zertifizierten Waldfläche auf weltweit knapp 230 Mio. ha.

Neue Mitglieder im internationalen Vorstand
Die für den ersten Tag der Generalversammlung angesetzte Bekanntgebung der Wahlergebnisse des internationalen Vorstands (Board of Directors) ergab sechs neue Besetzungen mit Amtsantritt zum 01.01.2022: Mark Asante Ofori (Southern Social), Marcus Colchester (Northern Social), Lincoln Quevedo (Southern Environmental), Patrick Spencer (Northern Environmental) sowie Stuart Valintine (Southern Economic) und Elston Dzus (Northern Economic). Weitere sechs Mitglieder bleiben noch bis 2023 im Amt (>> zum Board of Directors).

Abstimmung GA (© FSC AC_Geoff Howe)© FSC AC_Geoff HoweÄnderungsanträge in der Debatte: Nachhaltige Intensivierung
Neben den täglich stattfindenden Treffen der drei FSC-Kammern (Umwelt, Soziales und Wirt-schaft), prägten vor allem die Debatten im Rahmen der Änderungsanträge (engl.: Motions) das fünftägige Programm. Änderungsanträge werden im Vorfeld von FSC-Mitgliedern eingereicht, um während der Versammlung diskutiert und erörtert zu werden. Aus Deutschland wurden drei An-träge eingebracht, von denen einer im Oktober zur Abstimmung kommen sollte. Dieser Antrag zum Thema Sustainable Intensification (SI, Nachhaltige Intensivierung)) wurde von Dirk Riestenpatt (Vorsitzender FSC Deutschland) vorgeschlagen, formale Unterstützer des Antrags sind Nina Griesshammer und Volker Diefenbach. Hintergrund von SI ist, dass die Zerstörung der Wälder zwar gestoppt, die Produktion aber dennoch gesteigert werden muss, um eine wachsende Weltbevölkerung mit Materialien aus dem Wald versorgen zu können. Zu den Maßnahmen von SI zählen die Verbesserung der Bewirtschaftung in Waldgebieten, Durchforstung sowie traditionelle Zuchttechniken. Aber auch Genetic Engineering (GE) und gentechnisch modifizierte Organismen (Genetically Modified Organism, GMO) zählen zum Untersuchungsumfang der durch den FSC International eingesetzten SIAG (Sustainable Intensification Advisory Group).

Gefordert: Mandat mit klar formulierten Zielen und Grenzen
Im Antrag gefordert wurde die Einstellung der Arbeit der Advisory Group und eine Fortführung der Themenstränge im Rahmen der ohnehin durch die Independent Network Partners zu erbringenden Leistungen. „Der Einsatz von GE und GMO ist laut FSC Regularien untersagt, bevor also weiter Ressourcen in diesbezügliche Prozesse investiert werden, sollte eine Rückkopplung mit der Mitgliedschaft erfolgen und ein Mandat mit klar formulierten Zielen und Grenzen eingeholt werden“, so Dirk Riestenpatt. Das Ziel von SI sei auch nach diversen Diskussionen, Workshops und Webinaren nicht klar. Insbesondere die Arbeit an den Themen GE und GMO innerhalb und außerhalb von FSC zertifizierten Flächen bedarf eines klaren Mandats aus der Mitgliedschaft. In diesem Zusammenhang seien auch Fragen zu den zu erwartenden „shared values“, also der übereinstimmend wahrgenommenen Werte, die durch die Arbeit an diesen Themen erzeugt werden sollen, nicht beantwortet worden.“Das Thema SI wird auch in Zukunft weiter in der Diskussion bleiben, denn „leider ist es FSC International nicht gelungen, die Inhalte verständlich zu vermitteln, sodass wir den Antrag erstmal zurückgezogen haben, auf dieser Basis hätten wir keine Mehrheit in den Kammern erhalten“, so Dirk Riestenpatt im Anschluss an die Generalversammlung.

Vielfalt relevanter Themen
Die täglich stattfindenden Nebenveranstaltungen spiegelten die Vielfalt der Themen wider, die den FSC weltweit aktuell beschäftigen:
Im Fokus Umwelt standen Themen wie Ökosystemleistungen, Biodiversitätsstrategien und klimagerechte Waldwirtschaft.
Aus dem sozialen Blickwinkel heraus wurden gemeinsam mit dem FSC Permanent Indigenous Peoples Committee (PIPC) und der FSC Indigenous Foundation (FSC-IF) Rechte Indigener Lebensgemeinschaften diskutiert, darüber hinaus Nutzungsumwandlung von Wäldern und soziale Wiedergutmachung betrachtet, genauso wie spezielle Programme zu diesem Thema vorgestellt. Etwa das der Gemeinschafts- und Familienwaldförderung (Community and Family Forests Program, CFFP) oder der sogenannten Fokus-Wälder (Focus Forrests), dessen Ziel ist, nachhaltige Bewirtschaftung in Wäldern mit bedeutenden sozialen und ökologischen Werten in Einklang zu bringen.
In Sachen Integrität stand ein breites Band an Inhalten bereit. Vorgestellt wurden unter anderem „FSC on the map“ (siehe Beitrag oben) und sowie die aktuellen Ergebnisse einer Verbraucherstudie zum Thema FSC. Diskutiert wurde auch die Rolle der Akkreditierungsanstalt ASI (Assurance Services International) bei der Sicherstellung einer qualitativ hochwertigen FSC-Zertifizierung.
Auch Technische Aspekte durften nicht fehlen. So ging es um die Schaffung einer einheitlichen Lagedarstellung FSC zertifizierter Wälder in einer Onlinekarte, aber auch Möglichkeiten des Fernaudits. Gentechnik ist in FSC-zertifizierten Betrieben und Produkten verboten, kann jedoch auf Forschungsflächen genehmigt werden. >> Zur Programmübersicht (engl.)

Gelungene Veranstaltung und gute Zusammenarbeit
Als virtuelle Veranstaltung stand die Versammlung vor den üblichen Herausforderungen terminlicher Dichte und Überlagerungen. Dirk Riestenpatt lobte jedoch die „gute organisatorische, inhaltliche und technische Vorbereitung“, auch der vorangegangene Mitgliederaustausch über die Motions sei so gut wie nie zuvor gewesen.


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