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Dienstag, 19 Oktober 2021
Rückblick: FSC-Exkursion auf Störungsflächen

Waldexkursion Hessen (© Pflueger-Grone)© Pflueger-Grone

Rund 30 Mitglieder und FSC-Waldbesitzende nahmen an der Exkursion bei Hessenforst teil.


In den letzten Jahren und hier vor allem in Folge der Dürresommer 2018 und 2019 sind große Kahlflächen in Deutschlands Wäldern entstanden. Auch FSC-Betriebe waren/sind hiervon betroffen. FSC-zertifizierte Waldbesitzer sind mit Einschränkungen konfrontiert die sich aus der FSC-Zertifizierung ergeben. Diese betreffen auch die Wiederbewaldung. In einer Umfrage unter zertifizierten Forstbetrieben im Sommer 2020 wurde abgefragt ob und wenn ja bei welchen Regelungen unmittelbarer Änderungsbedarf besteht. Mehr als die Hälfte der Befragten sahen unmittelbaren Handlungsbedarf bei den Regelungen zu nicht-heimischen Baumarten (hier vor allem die Begrenzung auf einzel-horstweise Einbringung). Etwa ein Drittel der Befragten wünschten sich eine Lockerung bei der Begrenzung der Befahrung abseits der Rückegassen. Gewünscht wurde hier vor allem die Freilegung des Mineralbodens mit Kleinraupen als Vorbereitung für Pflanzung oder Saat. Im Rahmen einer Exkursion auf Störungsflächen konnten diese Themen jetzt erstmals wieder vor Ort diskutiert werden. Hessenforst stellte die Herausforderungen im Rahmen der Wiederbewaldung am 29. September 2021 interessierten Mitgliedern und FSC-Waldbesitzern gegenüber vor.

Durch die Nordwestdeutsche Forstliche Versuchsanstalt/deren Leiter Herrn Böckmann wurde allgemein eingeführt in die Thematik Klimaveränderung und Baumartenwahl. Er machte deutlich, dass nur sehr wenige der derzeit von Hessenforst definierten Waldentwicklungstypen, bei einem Szenario einer Erwärmung um 4,5 °C noch geplant werden können. Für die Wiederbegründung auf den Freiflächen vor Ort bietet sich v.a. die Eiche an. Am ersten Exkursionspunkt wurde die Frage der Eichen-Einbringung diskutiert. Der Forstbetrieb wünscht die Befahrung abseits der Erschließungslinien mit kleinen Raupen um Mineralboden abzuziehen und die flächige Eichen-Pflanzung vorzubereiten. Der FSC-Standard lässt diese Befahrung vor dem Hintergrund des Bodenschutzes nicht zu. Daraus folgt aktuell, dass die Freilegung des Mineralbodens nur von der Gasse mit Bagger und entsprechenden Anbaugeräten möglich ist. Am zweiten Exkursionsbild wurde gezeigt, wie sich eine vergleichbare Fläche nach dem Sturm Kyrill (2007) ohne Pflanzung in der Sukzession, nämlich zu einer Fichtendickung entwickelt hat.
Im Rahmen eines sehr intensiven Austauschs wurde diskutiert, ob der FSC von seinen strengen Regeln beim Thema Befahrung unter bestimmten Voraussetzungen abweichen sollte. Einigkeit wurde nicht erzielt, die Positionen aber sehr deutlich. FSC Deutschland wird die Fragen nach einer Öffnung der Regelungen zu Befahrung und Baumartenwahl auf Kalamitätsflächen weiter diskutieren und kurz- und mittelfristige Entscheidungen zu den Themen treffen.


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