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Montag, 26 Juli 2021
"Förster des Jahres" - Titelgewinn für den Gruppenleiter der FSC-Gruppe "Franken"

Christian Bartsch - © Daniel Purkert

Der Deutsche Waldpreis 2021 des DLV Verlags, verleiht Christian Bartsch den Titel „Förster des Jahres“.


Der Revierleiter des FSC-zertifizierten Waldes der Stadt Eltmann engagiert sich unter anderem als Gruppenleiter der FSC-Gruppe „Franken“, der Waldbesitzende mit einer Gesamtfläche von über 6000 Hektar Wald angehören. Im Interview mit dem FSC berichtet Bartsch von seinen Erfahrungen mit der FSC-Zertifizierung, den ökologischen Besonderheiten seines Waldes und seinem Ziel, der Forstbranche in Deutschland ein Gehör zu verschaffen und zu zeigen, dass sich Holznutzung und Naturschutz nicht ausschließen.

Langjährige Erfahrungen mit dem FSC

Christian Bartsch ist überzeugter Unterstützer der FSC-Zertifizierung und bewertet seine Erfahrungen mit dem FSC als überwiegend positiv. Durch die Zertifizierung profitiere er von einer gewissen Selbstkontrolle – beispielsweise dann, wenn es um Dinge wie die Einhaltung der Rückegassen oder der Fälltechniken geht, so Bartsch. Einen weiteren Vorteil der Zertifizierung sieht er im regen Austausch mit anderen Försterinnen und Förstern FSC-zertifizierter Wälder. Gemeinsam entwickeln sie Strategien, um Holz kollektiv heimatnah vermarkten zu können. Zudem helfe die Zertifizierung, Transparenz gegenüber Bürgerinnen und Bürgern sowie der Politik zu schaffen. Bartsch betont aber auch, dass er die FSC-Zertifizierung aus rein idealistischen Gründen umsetzt, denn finanziell konnte sein Betrieb davon bislang nicht ausreichend profitieren. Im Rahmen der Bundeswaldprämie, bei der jeder FSC-zertifizierte Hektar Wald mit 120 Euro gefördert wird, habe sich die FSC-Zertifizierung nun jedoch erstmalig auch aus finanzieller Sicht gelohnt.

Ein Ort für Biotopbäume und Tothölzer

In seinem Revier betreut Christian Bartsch 42 verschiedene Baumarten wovon einige wegen des geringen Niederschlags in Deutschland eher selten vorkommen. Neben diesen seltenen Baumarten zeichnet sich sein Wald durch einen hohen Anteil an Totholz und Biotopbäumen aus, was eindeutig die Biodiversität begünstigt und Bartsch bei der Erreichung seiner ökologischen Ziele hilft. Mittlerweile gibt es in Bartschs Revier etwa 2000 Biotopbäume und 500 Tothölzer, welche dauerhaft markiert, mit GPS eingemessen und aus der Nutzung genommen werden. Auf der Seite der Gesetzgebung plädiert er für eine bundesweite Regelung zur dauerhaften Sicherung von ausgewiesenen Biotopbäumen, wie es beispielsweise in Thüringen der Fall ist. Außerdem spricht er sich für eine Erhöhung der derzeitigen Deckelung bei der öffentlichen Förderung aus, um die Arbeit mit Biotopbäumen besser in den Wirtschaftswald integrieren zu können.

Wie die Forstbranche dem Klimawandel entgegenwirken kann

Der Klimawandel und insbesondere die Frage, wie die Forstbranche den damit verbundenen Herausforderungen begegnen kann, spielt für Christian Bartsch eine wichtige Rolle. Sein Ziel sei es: „mit Verstand zu wirtschaften und einen klimatoleranten Wald zu schaffen, den wir unseren Kindern mal guten Gewissens übergeben können.“ Im Steigerwald betreut er einen naturnahen Buchenwald, dessen Erhalt ihm sehr am Herzen liegt, da naturnahe Buchenwälder bedrohte Ökosysteme sind, die es in Deutschland auf nur noch auf 5 Prozent der gesamten Waldfläche gibt. Von der Trockenheit der letzten Jahre ist Bartschs Revier wie viele andere stark betroffen. So sei beispielsweise der Fichtenanteil in seinem Wald von 11 auf 3 - 4 Prozent gesunken. Um dem entgegenzuwirken, spricht Bartsch sich dafür aus, neue Ansätze in der Waldbewirtschaftung auszuprobieren und klimatolerante Baumarten zu fördern. Wenn es, insbesondere in FSC-Wäldern, mehr Spielraum bezüglich des festgelegten Prozentsatzes nicht-heimischer Baumarten gäbe, hätten viele Forstbetriebe mehr Freiheiten, verlichtete Stellen wieder zu bepflanzen, so Bartsch. Auch in der finanziellen Förderung von Ökosystemleistungen, die derzeit auch beim FSC diskutiert wird, sehe Bartsch eine gute Möglichkeit, die Forstbetriebe zu unterstützen, die sich für den Erhalt naturnaher Wälder einsetzen.

„Man sollte den Menschen zeigen, dass wir in der Forstwirtschaft gewillt sind, gut zu wirtschaften und in Sachen Naturschutz an einem Strang ziehen.“ - Christian Bartsch

Das ausführliche Interview mit Christian Bartsch lesen Sie hier.


© Forest Stewardship Council® · FSC® F000213