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Freitag, 29 Januar 2021
Russlands Wälder: Großer Impact, große Herausforderung

Wald (© Unsplash (Aurelien Romain))© Unsplash (Aurelien Romain)

Die Bedeutung der russischen Waldwirtschaft ist unumstritten. Doch wo viel Licht da auch viel Schatten. Russland gilt als eines der weltweit risikoreichsten Herkunftsländer für Holz. Mangelnde Durchsetzung von Gesetzen, veraltete Technik und weit verbreitete Korruption bieten die idealen Bedingungen für den illegalen Holzeinschlag. Mit 53 Millionen Hektar FSC-zertifizierten Wäldern, ist Russland weltweit die Nummer eins. Umso wichtiger ist es für den FSC in Russland sicherzustellen, dass das Zertifizierungssystem ein wirksamer Mechanismus ist, um illegalen Holzeinschlag zu verhindern und die gesetzlichen Anforderungen zu erfüllen.


Illegaler Holzeinschlag schadet Russlands Image als Waldland

Besonders im Fernen Osten Russlands ist das Thema Holzeinschlag sehr kritisch, dass bestätigt auch FSC-Direktor Nicolay Shmatkov in einem Interview mit dem Zertifizierungsunternehmen NEPcon. Die dortigen Grenzregionen sind Kerngebiete des kommerziellen, illegalen Holzeinschlags, da hier eine Nachfrage der ausländischen Käufer für hochwertiges Edelholz besteht. 2013 wurden schätzungsweise 80% der Edellaubholzernte in der Region illegal gefällt. Hinzu kommen komplexe Lieferketten im russischen Osten. Lokale und regionale Sägewerke, oft unter Leitung chinesischer Forstunternehmen, verarbeiten die Laubhölzer und exportieren sie anschließend zu über 95% nach China . Dieses Schnitt- und Rundholz aus Russland bildet nachfolgend die Hauptrohstoffquelle der chinesischen Papier- und Holzindustrie. Dabei ist das Illegalitätsrisiko bei diesen Hölzern sehr hoch. Chinesische Forstunternehmen die in Russland tätig sind können in China die illegal geschlagenen Hölzer möglicherweise mit anderen Hölzern z.B. inländischer Herkunft vermischen. Als weltweit größter Holzverarbeiter können chinesische Unternehmen so die Deklaration des russischen Holzes bei Reexporten umgehen. Diese komplexen Verschleierungsmethoden der tatsächlichen Holzherkunft, führten unteranderem dazu, dass Russland als größter Waldbesitzer ganz unten in der 2017 von NEPcon durchgeführten Risikobewertung zu finden ist, mit nur 6 von 100 Punkten.

FSC als Antwort: Der Ausweg und aktuelle Bemühungen

Verbesserte Bemühungen zur Bekämpfung des illegalen Holzeinschlags durch den russischen Staat sowie neue Gesetze und Vorschriften der EU gegen den illegalen Holzhandel, leisten einen Beitrag zur Verbesserung der Situation. Trotzdem ist die Situation noch lange nicht ideal, betont der Direktor von FSC Russland, Nicolay Shmatkov. Die Zahl der FSC-Zertifikate in Russland nahm in den letzten Jahren stark zu und besonders im europäischen Russland zeigt sich eine deutliche Verbesserung der Situation in Bezug auf Legalität. FSC engagiert sich in Russland um sicherzustellen, dass das Zertifizierungssystem ein wirksamer Mechanismus ist, um illegalen Holzeinschlag zu verhindern und dass die gesetzlichen Anforderungen durch die Forstbetriebe erfüllt werden. FSC unterstützt dabei die Ziele der aktuellen Gesetzgebung im Rahmen des Europäischen Holzhandelssicherungsgesetztes und möchte den Import von illegal erzeugten Waldprodukten verhindern. Durch eine Zertifizierung sind Forstunternehmen verpflichtet, die Legalität des Holzes zu prüfen, in offiziellen Dokumenten zu dokumentieren und Gegenüber unabhängigen Dritten vorzuweisen.

Es ist jedoch wichtig, dass nicht nur die Inhaber von FSC-Zertifikaten in Ländern wie Russland und China die Anforderungen an die Legalität der Holzherkunft überprüfen, sondern auch diejenigen, die Forstprodukte aus diesen Märkten beziehen. Dies betrifft auch viele deutsche Unternehmen und besonders dann, wenn die Produkte keine FSC-Zertifizierung haben. Denn durch die Rolle Chinas als wichtigster Verarbeiter von Holz- und Papierprodukten nimmt das Risiko in Verbraucherländern wie Deutschland zu. So steigt, durch Importe der Anteil an illegalen Holzprodukten. In Deutschland sind dabei besonders die hoch verarbeiteten Produkte wie Papier betroffen.

FSC-Digitalkonferenz, am 11. Februar 2021

Die Kontroverse um die russische Holzwirtschaft, deren forstliche Methoden und die dortigen Lieferketten ist Thema bei der nächsten FSC-Digitalkonferenz, am 11. Februar 2021. Mit internationalen Experten soll die Frage diskutiert werden: „Weites Land, reich an Ressourcen, weite Wälder und große Probleme? Was macht die FSC-Zertifizierung in Russland aus?“. Mitmachen und mitdiskutieren ist hierbei ausdrücklich erwünscht. Die Anmeldung und Teilnahme sind kostenlos. Zur Anmeldung und weiteren Informationen gelangen Sie über die folgende Webseite: https://konferenz.fsc-deutschland.de/

Termin: FSC in Russland: 11. Februar 2021 um 16 Uhr CET

Referenten:

  • Nikolaji Shmatkov, Direktor FSC Russland
  • Alexey Yaroshenko, Greenpeace Russland
  • Susanne Winter, PhD, WWF Deutschland
  • Natalia Lukina, Russian Center for Environmental problems and productivity of forests,
  • Mikhail Tarrasov, IKEA (angefragt)
  • Dirk Riestenpatt (Vorsitzender)

Moderation: Maria Grunwald (Deutsche Welle)


Die Veranstaltung gibt es zum Nachschauen auf dem YouTube Kanal des FSC Deutschland.

FACTBOX:

In Russland sind knapp 50% der gesamten Landfläche mit Wald bedeckt, wobei der Staat der alleinige Besitzer der russischen Wälder ist. Nach Angaben der EU gehört Russland mit Zentralafrika und Südostasien zu den Regionen, die gemeinsam 60% des weltweiten Holzhandels ausmachen. Im Jahr 2015 exportierte die Russische Föderation nach europäischer Holzhandelsverordnung (EUTR) regulierte Produkte in 118 Länder und Gebiete mit einem Gesamtvolumen von 41,04 Milliarden kg. Damit war Russland 2015 der zweit größte Exporteur. Bei den gehandelten EUTR-Produkten handelt es sich hauptsächlich um Schnittholz, Papier und Rohholz. Die Mehrheit der in die EU eingeführten Schnitt- und Sperrhölzer landet in Deutschland, während China der wichtigste globale Markt ist. Die Bedeutung der russischen Waldwirtschaft ist damit eindeutig.


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