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Mittwoch, 12 August 2020
Betrugsbekämpfung im FSC-System: Die Transaktionsverifizierung

FSC Papier Stapelflagge (© FSC Deutschland)© FSC Deutschland

Das Vorgehen, die betroffenen Lieferketten und von den bisherigen Erfolgen


FSC-Produkte werden von vielen namhaften Einzelhändlern sowie Marken nachgefragt. In der Regel ist die Nachfrage nach diesen Produkten größer als das Angebot, welches zu einem Zeitpunkt verfügbar ist. Und das ist auch gut so. Nachhaltigkeit kommt so über Marktnachfrage in die Regale beim Handel und verändert Forstwirtschaft dauerhaft. Diese Entwicklung hält nach wie vor an. Das bestätigen auch die konstant wachsenden Marktzahlen des FSC-Systems.

Andererseits führt diese Situation auch zu Begehrlichkeiten und windige Akteure werden mitunter zum Missbrauch verleitet. Denn wenn ein Anbieter ohne die nötigen Aufwendungen für die Beschaffung von FSC-zertifizierten Rohmaterialien FSC-Produkte möglich macht, dann führt dies zu Extra-Profiten und Marktvorteilen.

Eine der relevantesten Betrugsarten in diesem Zusammenhang ist die folgende: Der Anbieter mit Zertifikat verkauft FSC-Produkte, hat aber dafür keine FSC-Materialien beschafft. Damit der Auditor das bei der Überwachung nicht entdeckt, wird eine Rechnung mit FSC-Aussage an den Käufer geschickt und die FSC-Aussage in der Rechnungskopie bei der eigenen Buchhaltung wieder gelöscht oder unkenntlich gemacht. Der Auditor hat keine Chance, den Fehler zu entdecken, denn er kann sich nicht die Rechnung anschauen, die an den Kunden geschickt wurde.

Transaktionsverifizierung als effiziente Gegenmaßnahme

In Situationen, in denen der FSC feststellt, dass es zu solchen Betrugsfällen kommt, ist die Gegenmaßnahme: die sogenannte Verifizierung der Transaktionen. Dabei werden die Verkaufsdokumente beim Käufer mit jenen beim Verkäufer abgeglichen. Kommt es zu Abweichungen, werden Unterlagen und Erklärungen angefordert oder es finden vor Ort Überprüfungen statt. Bei diesem Prozess werden die Dokumente für legitime FSC-Aussagen in Verkaufsdokumenten von unabhängigen Prüfern verifiziert, deshalb der Name Transaktionsverifizierung.

Dieses Vorgehen führte seit 2017 zur Überprüfung zahlreicher Lieferketten. Lieferketten mit besonderem Risiko für Betrug sind laut FSC-Webseite die folgenden: Bambus, Holzkohle in Europa, Paulownia, Eichen-Fußboden, Callophyllum-Sperrholz und-Furniere, Eukalyptus-Rundholz auf der Spanischen Halbinsel, Holzarten aus dem peruanischen und brasilianischem Amazonasgebiet sowie seit kurzem Okoumé-Produkte.

Auch Eukalyptus aus Portugal und Spanien, sowie Amazonas Arten aus Peru und Brasilien sind Teil der systematischen Überprüfung. Kürzlich leitete der FSC im April dieses Jahres eine Verifizierung aller Verkäufe von FSC-Waldzertifikaten in China ein.

Der FSC hat seit März dieses Jahres festgelegt, welche Folgen es hat, wenn ein Zertifikatsinhaber mit falschen FSC-Aussagen entdeckt wird: Das Zertifikat kann stillgelegt oder beendet werden. Es wird eine Schwarze Liste eingeführt, die öffentlich einsehbar ist. Unternehmen können „blockiert“ werden und bekommen erst nach Leistung von Wiedergutmachung des Schadens einen erneuten Zugang zum FSC-System. Das Dokument, welches den Umgang und die Folgen mit falschen FSC-Aussagen darlegt ist HIER (ADVICE-40-004-18) zu finden.

Erfolge der Transaktionsverifizierung

Seit Einführung der Schwarzen Liste ist über die Zertifikatdatenbank abrufbar, wie viele Zertifikate blockiert sind – Stand zum 11. August 2020: 45 Unternehmen in 32 Zertifikaten.

Abfrage von „beendeten und blockierten“ Zertifikaten (Stand:12.08.2020) – unter info.fsc.orgDer FSC hat auch über einzelne Fälle berichtet: Erst im Juli wurde der niederländische Holzhändler Houthandel Houtvisie aus Bergambacht aus dem FSC-System entfernt. Hier wurde durch die Transaktionsverifizierung festgestellt, dass Houtvisie innerhalb kurzer Zeit mehrmals falsche FSC-Aussagen an Kunden weitergegeben hatte. Houtvisie war Mitglied einer COC-Gruppe. Ein weiterer Erfolg durch die Einführung von Transaktionsverifizierung konnte im Bereich der Holzkohle erreicht werden. Die Überprüfungen führten zu einem signifikanten Rückgang von Fehldeklaration der Holzarten. Weitere Berichte und Artikel zum Thema sind hier öffentlich zugänglich erreichbar.

Bei Paulowniaholz-Produkten wurde in Folge der Untersuchungen zur Transaktionsverifizierung zu Anfang des Jahres bei Snowboards, der dem Wert nach relevantesten Verwendung von Paulownia, eine Marktbereinigung vorgenommen.

Zur Holzkohle in Europa erfolgte kürzlich die Aufforderung, die Daten für die FSC-Transaktionen in 2019 einzureichen. Zu Okoumé-Produkten wird diese gegen Ende August erfolgen. Die Auswertung wird etwas Zeit in Anspruch nehmen. FSC Deutschland wird weiter über die Ergebnisse berichten.


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