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Freitag, 10 Januar 2014
Stellungnahme: FSC im Nationalpark Eifel

FSC Deutschland äußert sich zu Vorwürfen der ARD-Sendung plusminus vom 8.1.2014.


Es sind Bilder, die betroffen machen: Große Kahlschlagsflächen in einem FSC-zertifizierten Nationalparkwald waren am 8. Januar 2014 bei der ARD Sendung plusminus zu sehen. Eine Fläche, auf der vor wenigen Monaten noch Wald stand, ist nun kahl, einzig Baumstümpfe und Äste sind verblieben.  Diese Bilder haben bei vielen Menschen und auch Freundinnen und Freunden des FSC Fragen aufgeworfen.      

Klar ist: mit den im Beitrag gegebenen Informationen sind solche „Waldbilder“ mit dem Deutschen FSC- Standard nicht zu vereinbaren. Leider wurden dem Zuschauer durch die plusminus-Redaktion wichtige Informationen vorenthalten. Daher möchten wir Ihnen hier noch weitere Hintergründe zu den gezeigten Maßnahmen im Nationalpark Eifel liefern, welche der ARD ebenfalls vorlagen.

Bei dem gezeigten Kahlschlag handelt es sich um eine absolute Sondersituation, die unmittelbar mit den Bestimmungen und Zielsetzungen des Nationalparks Eifel zusammenhängt. Wie in jedem anerkannten Nationalpark werden Entwicklungsmaßnahmen im Rahmen eines Nationalparkplans bzw. einer Nationalparkverordnung detailliert dargelegt. Ziel eines Nationalparkplans ist es, einen höheren Natürlichkeitsgrad sowie andere ökologische Ziele zu erreichen. In Prozessschutzzonen soll die Natur wieder zu ihrem ursprünglichen Erscheinungsbild geführt werden. Aspekte einer forstwirtschaftlichen Bewirtschaftung treten in diesem Bereich hinter Anforderungen des Naturschutzes in den Hintergrund. So kommt es immer wieder vor, dass von Seiten des Naturschutzes massive Eingriffe in die Waldgesellschaft gefordert werden, um Ziele des Naturschutzes zu erreichen. Die im Beitrag gezeigte Praxis zeigt eine seltene Ausnahmesituation für den Forstbetrieb und die FSC-Zertifizierung.

Konkret handelt es sich bei der gezeigten Fläche um ein feuchtes Bachtal in Hanglage mit windwurfgefährdeten Fichten. Ein natürliches Waldbild in dieser Situation wäre von Birke, Weide und Erle geprägt. Fichten kommen an derartigen Standorten nicht als natürliche Baumart vor und stehen hier einer naturnahen Waldökologie sowie einer Entwicklung in diese Richtung im Wege. Vielmehr geht von solchen Monokulturen ohne menschliches Eingreifen, wie es im Nationalpark angestrebt wird, eine Gefahr für angrenzende Forste (z.B. durch Borkenkäfer) aus. Daher wurde in der Nationalparkverordnung eine Entnahme dieser dort nicht heimischen Fichtenmonokultur, in Abstimmung mit Naturschutzverbänden, der örtlichen Biostation und den zuständigen Naturschutzbehörden, vorgesehen.

In dem Beitrag wird weiter behauptet, dass ein Buchenmischwald an Stelle der Fichtenmonokultur das Ziel der massiven Umbaumaßnahme ist. Diese Aussage entspricht hier nicht der Realität, vielmehr ist unter diesen Verhältnissen ein Mischwald mit Birken, Weiden und Erlen zu erwarten. Die gezeigten Bilder von Buchen unter ausgedünnten Fichten sind hier irreführend und würden nicht zum Ziel der Etablierung eines natürlichen Waldes beitragen.

Der Zusammenhang zum FSC-Zertifikat des Landesbetriebes Wald und Holz NRW wirkt im Beitrag von plusminus konstruiert. Bei der gezeigten Maßnahme handelt es sich um einen Umbau des Waldes weg von der künstlich angelegten plantagenartigen Monokultur hin zu einer naturnahen Waldgesellschaft. Diese besitzt einen höheren ökologischen Wert und wird künftig komplett aus der Bewirtschaftung genommen. Ausschließlich vor dem Hintergrund der durch den Naturschutz geforderten Notwendigkeiten, die in jedem Einzelfall gegenüber dem Zertifizierer nachgewiesen werden müssen,  sieht der Deutsche FSC-Standard eine Ausnahme vom generellen Kahlschlagsverbot für Flächen, die größer als 0,3 Hektar sind, vor.

Daher weist der FSC Deutschland die im Beitrag der ARD-Sendung plusminus am 8. Januar 2014 erhobenen Vorwürfe gegen die FSC-Zertifizierung für eine verantwortungsvolle Forstwirtschaft als unrichtig und grob vereinfachend zurück. Die Sicht von weiteren Experten, wie zum Beispiel von Mitarbeitern der anerkannten Naturschutzverbände oder der betroffenen Nationalparkfachleute,  haben leider keinen Einzug in den Beitrag gefunden. Dem Zuschauer wird hier die Möglichkeit einer eigenen Meinungsbildung vorenthalten.

Für weitere Hintergrundinformationen wenden Sie sich gerne an die Geschäftsstelle des FSC Deutschland.


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