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Mittwoch, 29 Mai 2019
FSC auf Tour bei der interzum in Köln

interzum FSC-Messestand (© FSC Deutschland)© FSC Deutschland

Vier Tage lang drehte sich auf der Weltleitmesse interzum alles um Möbelfertigung und Innenausbau. Die Veranstalter berichten von einem Zuwachs an internationalen Ausstellern und Besuchern. Der FSC-Stand in Halle 4 war gut besucht.


Das Interesse am FSC war groß, der Messestand gut besucht und kaum jemand berichtete, dass FSC für ihn Neuland sei. Während im Jahr 2015 190 Betriebe FSC-zertifiziert waren, stieg die Anzahl 2019 auf über 300. Insgesamt kamen von den 74.000 Besuchern über 55.000 Besucher aus dem Ausland. Und auch die 1.805 Aussteller selbst reisten aus 60 Ländern an. Das zeigt, dass die interzum internationales Interesse weckt, was die Veranstalter als Erfolg sehen.

Die Fragen der Besucher bezogen sich größtenteils darauf, wie die FSC-Zertifizierung in der Praxis abläuft, wie hoch die Kosten sind und ob FSC auch Unternehmen in Ländern zertifiziert, wo FSC eher unbekannt ist. Einigen war auch nicht klar, dass der FSC-Stand direkt von FSC ist und wir kein Holzhändler sind. Auf der Messe hätten die Aussteller und Besucher den FSC nicht missen wollen.

Messestand FSC (© FSC Deutschland)© FSC DeutschlandWas denken die Aussteller über die FSC-Zertifizierung?
Bei einem kleinen Spaziergang durch die Messehalle nahm der FSC die Stimmung der Aussteller gegenüber dem FSC auf. Sie sind in keiner Weise repräsentativ für die Erfahrungen und Meinungen über den FSC, da es sich lediglich um die Meinungen der zitierten Personen handelt. Ziel dieser Umfrage war es lediglich, ein Stimmungsbild der aktuellen Lage zu bekommen.

uvgroup (© FSC Deutschland)© FSC DeutschlandPositiv berichtet Luis Eduardo Ramos von der UV Group Plc über die FSC-Zertifizierung. Die Firma mit Sitz in London fertigt Furniere aus FSC-Holz an. Das Unternehmen existiert seit 65 Jahren und sie sind seit mehr als 10 Jahren FSC-zertifiziert. „Schon lang vor dem Nachhaltigkeits-Hype war der Nachhaltigkeitsgedanke bei uns stark. Daher haben wir uns seit langer Zeit darauf konzentriert, unser Unternehmen von FSC zertifizieren zu lassen und auch unsere Holzlieferanten sind FSC-zertifiziert.“ Herr Ramos kommt aus Südbrasilien und kennt sich aus mit der Praxis der Waldwirtschaft vor Ort: „Illegaler Holzeinschlag ist in Brasilien ein großes Problem. Tag für Tag wird der Regenwald zerstört. Wir wünschen uns, dass sich immer mehr Unternehmen FSC-zertifizieren lassen, damit das Holz nachhaltig und unter sozialen Bedingungen geschlagen wird. […] Das ist auch der Grund, warum wir extra ein Banner mit dem FSC-Logo entworfen haben.“

Das Furnierwerk Laubach wirbt ebenfalls mit dem FSC-Logo auf ihrem Messestand.
Auch für sie war der Hauptgrund für die FSC-Zertifizierung die Nachfrage der Kunden. Doch auch die nachhaltige Herkunft des Holzes spielte für die Entscheidung eine Rolle.

furnierwek Laubach (© FSC Deutschland)© FSC DeutschlandDas Unternehmen Hasil Albizia Nusantara aus Indonesien sieht bislang keine Notwendigkeit, sich von FSC zertifizieren zu lassen. Das Unternehmen liefert hochwertige Holzwerkstoffprodukte von Albasia Falcata-Arten und gemischten Laubholzarten an lokale indonesische und internationale Märkte wie Europa, Singapur, Malaysia, Vietnam, China, Korea, Ägypten und Länder des Mittleren Ostens. „Unser Holz ist V-legal“, erklärt Kartawirya, der Geschäftsführer. V-Legal Dokumente sind indonesische Ausfuhrgenehmigungen, die die Rechtmäßigkeit belegen. Wenn das System zur Sicherung der Holzlegalität, wie im Freiwilligen Partnerschaftsabkommen (VPA) zwischen Indonesien und der EU beschrieben, vollständig funktioniert, wird Indonesien V-Legal Documents als FLEGT-Lizenzen für Holz, das für die EU bestimmt ist, ausstellen. „Unser Holz ist EUTR und CITES-konform, dennoch könnten wir uns vorstellen über eine FSC-Zertifizierung nachzudenken.“

„Früher waren wir PEFC, aber die Kunden wollten nur FSC“, erzählt eine Furnierfirma. „Dennoch sind die Kunden nicht bereit, mehr für zertifizierte Produkte zu bezahlen.“ Als Lösung für dieses Problem schlägt das Unternehmen vor, dass der FSC mehr Öffentlichkeitsarbeit machen sollte, um FSC bekannter zu machen. Damit würde der Endverbraucher darauf aufmerksam werden, was die Vorteile von FSC seien und erkennen, dass FSC-zertifizierte Produkte besser sind und man dafür auch mehr zahlt.

Eine Firma aus Spanien, die Holz aus Afrika importiert, erzählt, dass sie nicht FSC-zertifiziert seien, da sie das gleichwertige Zertifikat „Sodefor“ besäßen. „Sodefor ist ein Zertifikat für Holz aus Afrika, das bestätigt, dass das Holz aus legalen Quellen stammt und keine Chemie in den Wäldern verwendet wird.“

Einen Blick in die Zukunft wagt die Firma IPIR aus Italien. Auf ihrer Website bezeichnen sie sich als weltweit führenden Hersteller von Furnieren aus recyceltem Holz. Über die FSC-Zertifizierung sagt sie: „FSC ist 2019 nicht wegzudenken. Kunden erwarten, dass wir FSC-zertifiziert sind. FSC steht für Nachhaltigkeit. Man soll nicht nur an den heutigen Tag denken, sondern auch an die Zukunft und an spätere Generationen.“ Sie benutzen kein FSC-Symbol bei ihrem Messestand. „Es ist selbstverständlich, dass wir FSC-zertifiziert sind.“ Auf die Frage, ob auch schon über ein anderes Zertifizierungssystem nachgedacht wurde, antwortet IPIR „Nein“. Bislang seien sie gut mit FSC gefahren und hätten keinen Bedarf an weiteren Zertifizierungen.

Messeauftritt von Joh Sinnerbrink (© FSC Deutschland)© FSC DeutschlandDas FSC-zertifizierte Unternehmen Joh Sinnerbink GmbH & Co. KG stellt in Deutschland Furniere aus FSC-Holz her. Furniere sind laut Definition 0,5 bis 8 mm dicke Blätter aus Holz, die durch verschiedene Säge- und Schneideverfahren vom Stamm abgetrennt werden.

Auf die Frage, was das Unternehmen von der FSC-Zertifizierung halte, antwortete Herr Sinnerbink: „Wir sind seit 2014 FSC-zertifiziert. Der Aufwand ist zwar groß, dennoch geht es in unserer Branche nicht ohne. Viele Käufer fordern die Zertifizierung von FSC. Wenn wir uns die Mühe schon machen, wollen das auch auf unserem Messestand zeigen.“ Joh Sinnerbink ist eine der wenigen Firmen, die nicht nur das FSC-Label ausstellen, sondern Tier-Bilder aus der ‚Wälder für immer für alle‘-Kampagne, die für FSC-zertifizierte Unternehmen gratis für Werbezwecke zur Verfügung steht.
Eine Hürde an FSC besteht laut dem Unternehmen darin, dass es nicht immer einfach sei, FSC-Holz zu bekommen:„Es gibt auch schon Forstunternehmen, die nehmen wieder Abstand von FSC, weil ihnen die Zertifizierung zu kompliziert und zu teuer ist. Einer dieser Zulieferer belieferte uns mit FSC 100%-Holz. Da wir unser Holz regional von NRW beziehen möchten, müssen wir jetzt echt schauen, wo wir FSC 100% herbekommen.“

Gang auf der interzum 2019 (© FSC Deutschland)© FSC DeutschlandDer Haus- und Messebau ist ein weiterer Bereich, in dem der FSC relevant ist. Die Firma Steico aus Feldkirchen berichtet, dass es dem Unternehmen wichtig sei, mit ihrer Arbeit einen Beitrag zu nachhaltiger Waldwirtschaft zu liefern. Das Unternehmen ist FSC- und PEFC-zertifiziert. Den Unterschied beider Zertifikatssysteme sieht Herr Kramer folgendermaßen:“ FSC agiert weltweit und PEFC eher in Europa. Beide stehen für Nachhaltigkeit und wir haben beide Zertifizierungen, weil manche Kunden PEFC fordern und manche FSC.“

In einem ausführlichen Interview gibt mir ein Mitarbeiter der Firma Bühl Auskunft über die Praxis der FSC-Zertifizierung. Die Firma stammt aus der deutschen Stadt Eltmann und spezialisiert sich auf Furniere, Hölzer und Rundhölzer. „Deutschland wird in großem Maße kontrolliert“, sagt er. „Die Bürokratie ist viel zu hoch.“ Dennoch hat sich die Firma erfolgreich der Herausforderung der FSC-Zertifizierung gestellt. „Ich mache das nebenher zu meinem Alltagsgeschäft. Da muss man schon ganz schön viel verkaufen, dass sich der Aufwand finanziell rechnet. Ich weiß von anderen Firmen, dass die jemanden extra eingestellt haben, der dann schaut, dass alles läuft mit den Audits. Bei uns haben wir auch extra noch einen Berater, der bei den Audits dabei ist.“
Als problematisch sieht die Firma auch die Arbeit der Gutachter. Für die FSC- und PEFC-Zertifizierung wird dieselbe Prüfstelle bezogen. Da die Zertifizierungsstelle von FSC suspendiert wurde, folgte ein neues Zertifikat. Und auch im Unternehmen selbst traten Ungereimtheiten mit der Zertifizierungsstelle auf. Die FSC-Zertifizierung ist für das Unternehmen existenziell. „Wenn einem Unternehmen das Zertifikat nicht verlängert oder entzogen wird, kann das schon mal das Genick brechen.“ Herr Bühl bekräftigt, dass mit der FSC-Zertifizierung nicht zu spaßen ist: „Ohne FSC-Zertifizierung würde das von uns 60% weniger Umsatz bedeuten. Und das, obwohl die Kunden keinen Cent mehr zahlen, wenn es FSC ist.“

Die Firma Bühl blickt der FSC-Zertifizierung eher kritisch entgegen, denn wirtschaftlich bringe diese keinerlei Vorteile, während der Aufwand extrem hoch sei. Dennoch sei die Zertifizierung unerlässlich, um sich auf dem Markt behaupten zu können: „Ich würde FSC oder PEFC sofort weglassen, wenn die Kunden das nicht fordern würden.“

Was ist die Meinung von Schreinerbetrieben zur FSC-Zertifizierung?
Ein Schreiner einer kleinen Schreinerei aus der Pfalz erläutert:“ Ich achte persönlich darauf, dass das Holz, das wir für die Möbelanfertigung verwenden aus nachhaltigen, lokalen Quellen stammt. Der Kunde fragt nicht, ob der Tisch dann FSC-zertifiziert ist, aber ich kaufe auch FSC-Holz aus Überzeugung ein, dass dieses besser ist für die Umwelt.“
Ähnliches berichtet auch eine kleine Schreinere aus Belgien. Sie beliefern hauptsächlich Belgien und legen bereits Wert darauf, dass das Holz aus „guten“ Quellen stammt. Das Unternehmen hatte bereits von FSC gehört, wusste jedoch nicht, dass dieses Zertifikat auch für Betriebe aus Belgien gibt.

Fazit:
Zusammenfassend kann gesagt werden, dass besonders in den Bereichen Möbelanfertigung und Innenausbau die FSC-Zertifizierung eine signifikante Rolle spielt. Der Prozess der Zertifizierung wird von den meisten Unternehmen als aufwendig beschrieben, dennoch ist er maßgeblich für den Verkauf der Produkte, da die Mehrheit der Kunden eine Zertifizierung fordert. Im Jahr 2019 ist der Gedanke bei den Unternehmen angekommen, dass das Holz aus legalen und nachhaltig gewirtschafteten Quellen stammen sollte, um einen Teil zum Naturschutz und zum Schutz der Regenwälder beizutragen.


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