Aktuelles

Nachrichten und Themen rund um unsere Aktivitäten


Mittwoch, 10 Oktober 2018
Der Ruf nach der Gießkanne setzt einen faschen Impuls

Nasslager verhindern, dass Holz von Buchdruckern befallen wird (© Rainer Sturm /pixelio.de)© Rainer Sturm /pixelio.de

Kommentar: Zur Forderungen nach finanzieller Unterstützung für Waldbesitzer nach dem Sommer 2018


Die deutschen Landwirte haben Finanzhilfen für die Ausfälle aufgrund des trockenen Sommers gefordert und von der Politik zugesagt bekommen. Jetzt stimmt also die Forstwirtschaft mit ein und malt dem zuständigen Ministerium die eigene Bedürftigkeit in allen Facetten aus.

Ohne Frage haben auch die Waldbesitzer aktuell große Probleme und sind mit den extremen Auswirkungen der Witterung der letzten Monate konfrontiert. Im Wesentlichen bauen vielerorts die Trockenschäden und Kalamitäten des Sommers 2018 auf den Auswirkungen von heftigen Stürmen im Frühjahr auf. Auch viele Kulturen vertrocknen und sorgen zusätzlich für eine schwierige Situation in den Forstbetrieben.

Was nun aber verwundert ist, die Forderung nach pauschaler Unterstützung für Waldbesitzer nach dem Gießkannenprinzip. Ist es denn gerecht, den einen Waldbesitzer, der entgegen der Empfehlungen des ihn beratenden Försters in den letzten Jahren noch großflächig nicht-standortgerechte Fichten gepflanzt hat, gleich zu behandeln mit einem naturnah wirtschaftenden Forstbetrieb? Ersterer ist nach dem Motto „einmal Fichte geht noch“ ein hohes, selbst gewähltes Risiko eingegangen, letzterer hat mit der Aussicht auf weniger Ertrag auf Sicherheit und Stabilität gesetzt.

Handeln Forstbetriebe risikominierend und betriebswirtschaftlich nachhaltig, wenn sie in großem Stil nicht-heimische Baumarten einbringen oder ist die maßvolle Einbringung hinsichtlich Mischungsform und Umfang nicht besser geeignet, Stabilität zu waren? Sollten nicht besonders diejenigen Forstbetriebe belohnt werden, die aufgrund konsequenter Jagd die natürliche und damit widerstandsfähige Verjüngung heimischer Baumarten gewährleisten? Wie ist mit denjenigen Forstbetrieben umzugehen, die schon seit Jahren keine Pflanzenschutzmittel anwenden, ihren Betrieb krisenfest gemacht und z.B. Nasslager etabliert und Logistik optimiert haben?

Finanzielle Unterstützung wird letztlich aus Steuermitteln und damit dem Vermögen aller Bürgerinnen und Bürger dieses Landes gewährt. Diese Unterstützung sollte dann aber auch im Interesse der Gesellschaft sein. Holzproduktion ist ohne Zweifel ein gesellschaftliches Interesse, die Menschen im Land wollen aber weit mehr vom Wald. Staatliche Unterstützung zur Erhaltung des Waldes und seiner gesellschaftlichen Leistungen sind in Notsituationen gerechtfertigt. Eine Förderung für deutsche Waldbesitzer sollte gerade deshalb sehr gezielt zum Einsatz kommen. Vor allem gilt es diejenigen zu unterstützen, die einen Waldbau betreiben, der sich an der Baumartenzusammensetzung, Dynamik und Struktur natürlicher Waldgesellschaften orientiert, kahlschlagsfrei wirtschaften, die Biotop- und Totholz vorhalten/anreichern, die eine schonende Waldnutzung mit extensiver Erschließung umsetzen, auf Pestizide verzichten und damit eine stabilisierende Waldbewirtschaftung betreiben, die besonders dem Gemeinwohl dient. Allgemein sollten Förderrichtlinien dringend und konsequent an die bisherige und zukünftige Art der Bewirtschaftung gekoppelt werden. Das gilt für Land- wie Forstwirtschaft. Kompliziert wäre das nicht, weil der Nachweis einer solchen Bewirtschaftung mit Weitblick leicht zu erbringen ist – auch das gilt für Land- und Forstwirtschaft gleichermaßen. Bei der Erarbeitung von Förderinstrumenten sollten dabei neben Land- und Forstwirtschaft und deren Lobbyverbänden auch Umwelt- und Sozialverbände ernsthaft mit eingebunden werden.


© Forest Stewardship Council® · FSC® F000213