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Mittwoch, 26 September 2018
Deutschlands Waldbesitzer des Jahres ist FSC-zertifiziert

Morgenstimmung Kiefer und Beerenkarut – Naturschutz und Waldumbau prägen den Wald von Lutz Freytag. (© Freytag)© Freytag

Privatwaldbesitzer Lutz Freytag wurde beim ersten Deutschen Waldpreis als Waldbesitzer des Jahres ausgezeichnet.


330 Hektar Wald nennt Lutz Freytag sein eigen. Er ist stolz auf diesen Wald mit seinem schwierigen historischen Erbe. Seit 2005 bewirtschaftet Freytag, der hauptberuflich bei Bundesforst arbeitet, seinen Wald bei Hohenleipisch im Süden Brandenburgs. Zur FSC-Zertifizierung ist er dann über andere Förster und Waldeigentümer gekommen, die sich in der Gruppe Mittelbrandenburg zusammengeschlossen hatten, um ihren Wald gemeinsam zertifizieren zu lassen und den damit verbundenen Zertifizierungsaufwand bei jedem einzelnen zu reduzieren. Mit dem Thema FSC und Zertifizierung war er auch durch seine Arbeit beim Bundesforst vertraut, wo er einige Jahre für das Thema verantwortlich zeichnete. „Das Thema FSC-zertifizierte Holzerzeugung hatte für mich einfach seinen Reiz, vor allem auch, weil in meinem Betrieb der Naturschutz ohnehin eine zentrale Rolle spielt“, erläutert Lutz Freytag.

Intensive Forstwirtschaft ist in vielen Bereichen seines Waldes auf absehbare Zeit nicht möglich. Die Luftwaffe des Dritten Reiches hatte hier in den 1930er Jahren eine Munitionsfabrik mit vielen Hallen, Straßen und Bunkeranlagen zur Lagerung errichtet. Anschließend nutzte die Sowjetarmee das Gelände weiter zur Lagerung von Spezialmunition und zeitweise auch für Nuklearwaffen. Bis zum Abzug der Sowjets 1992 war das Gelände Sperrzone. Zurück blieben zahlreiche Bunker, Munitionsreste und jede Menge Schrott in der Landschaft. Im Jahr 2004 wurde die Liegenschaft als Naturschutzgebiet mit einer Kernzone von 90 ha ohne forstliche Nutzung ausgewiesen.

Trotz der Risiken und Einschränkungen, die der Wald mit sich brachte, erwarb Lutz Freytag ihn und begann ihn nach seinen Vorstellungen zu bewirtschaften. Dabei nutzt er die historische Bürde dieses Landstücks, um etwas Positives Neues für die Umwelt zu schaffen. „Aber ganz von allein wird ein Industriegebiet nicht zum Urwald,“ erklärt Lutz Freytag. Dafür richtete er einen so genannten Kompensationsflächenpool ein: Für seine Beiträge zum Naturschutz erhält der Waldbesitzer keine öffentlichen Fördergelder sondern Unternehmen wie die Deutsche Bahn AG zahlen für seine Naturschutzleistungen, um damit Naturverluste durch ihre Bauprojekte zu kompensieren. Der Schrott ist inzwischen weitgehend entsorgt und heute fühlen sich seltene oder bedrohte Arten, wie Auerhuhn, Wildkatze, Seeadler, Wölfe und Fledermäuse heimisch.

Die Wiederansiedlung des Auerwildes ist ein zentrales Naturschutzprojekt (© Sebastian Hennigs - www.hennigs-photography.de)© Sebastian Hennigs - www.hennigs-photography.deViele wertvolle Biotope können nur durch ihre Nutzung erhalten werden: Seit einigen Tagen sind Schafe und Ziegen vor Ort und freuen sich in diesem trockenen Sommer über die reichlich vorhandenen junge Bäume. „Mit dieser ungewöhnlichen Art der Beweidung bewahren wir ein kleines Mosaik aus Heide- und Grasflächen, das den Wald durchzieht, vor der Verbuschung,“ sagt Lutz Freytag und will mit dieser historischen Nutzungsform den Lebensraum seltener Arten erhalten, allen vor allem dem Auerwild. „Das ist naturnäher als der Einsatz von Maschinen und irgendwie sind mir die Tiere auch viel sympathischer.“

Die Waldflächen waren bisher von Kiefern-Reinbeständen geprägt. Nur vereinzelt zeugen uralte Traubeneichen noch von den lichten Eichenwäldern, die früher wohl auch „Waldweide“ für Nutztiere war. Hier setzt Lutz Freytag auf einen engagierten Waldumbau durch Naturverjüngung, hin zum naturnahen Mischwald. Die Naturverjüngung der alten Mutterbäume kann jetzt durch Nutzung von Nadelholz gefördert werden und die jungen Eichen wachsen dank einer aktiven Jagd unter den Kiefern nach. So entsteht ein artenreicher Mischwald, der auch für den Klimawandel gut gerüstet ist. „Im vergangenen Jahrzehnt haben wir einmal Holz geerntet und dadurch Platz für die lichtbedürftigen jungen Eichen geschaffen. Es ist schön, die Erfolge der nachhaltigen Nutzung jetzt wachsen zu sehen“, erläutert Freytag.

Schülergruppe bei der Heidepflege – Offenhalten der Heideflächen erhält den Lebensraum für seltene Arten. (© Freytag)© FreytagMit etwas Bedauern schildert er, dass sein FSC-Zertifikat beim Verkauf des Holzes bisher keine Rolle spielt. „Für die Kosten der Dokumentation, der Bewirtschaftungsbeschränkungen und des Zertifizierungsaufwands gibt es keinen Aufschlag beim Holzpreis. Das ist bei Biogemüse ganz selbstverständlich aber bei Holz bisher nicht durchsetzbar. Wohl auch aus diesem Grund haben viele private Waldeigentümer das Zertifikat in den letzten Jahren abgegeben, Das Zertifikat muss gerade für für den Kleinprivatwald viel attraktiver werden, um den FSC auch bei den Bürgerinnen und Bürgern weiter zu etablieren.“ Trotzdem glaubt er, dass die FSC-Zertifizierung für seinen Wald die richtige Entscheidung war: „Einerseits war sicher auch Idealismus mit dabei, dass ich mich mit meinem Wald der FSC-Zertifizierung angeschlossen habe. Andererseits schwang damals auch die Hoffnung mit, dass ich die Investition in die Zertifizierung vielleicht irgendwann mal wieder durch bessere Preise zurückbekomme. Auch wenn sich diese Hoffnung bisher leider nicht erfüllt hat, bin ich davon überzeugt, dass sich nur dann etwas verändert, wenn man selber mitmacht und sich einbringt. Ich hoffe, dass der Gesamtbetrieb den Mehraufwand der Zertifizierung weiterhin ermöglicht, ohne dass mehr Holz geerntet werden muss, als für den Naturhaushalt gut ist“. Für den Förster aus Leidenschaft ist die Auszeichnung zum Waldbesitzer des Jahres auch deshalb etwas Besonderes, weil der Preis in diesem Jahr erstmals durch die Fachmedien des Deutschen Landwirtschaftsverlages vergeben wurde. Nach der Vorauswahl von drei Finalisten durch eine 20köpfige Jury folgte eine öffentliche Internetabstimmung, die Lutz Freytag dann für sich entscheiden konnte.


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