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Dienstag, 25 September 2018
Illegales Tropenholz auf Segelschulschiff „Gorch Fock“

Das Segelschulschiff Gorch Fock – Wird bei der Instandsetzung illegales Tropenholz verbaut? (© www.hamburg-fotos-bilder.de / pixelio.de)© www.hamburg-fotos-bilder.de / pixelio.de

Beschaffungsbehörden ignorieren bestehende Vorschriften


WWF Deutschland und die ARD Sendung Report Mainz (Sendung vom 25.09.2018) haben bei Recherchen herausgefunden, dass bei der seit 2015 laufenden Sanierung des Segelschulschiffs „Gorch Fock“ wahrscheinlich illegal geschlagenes Holz aus Myanmar verbaut wurde. Wie es ausgerechnet bei dem einstigen Stolz und Aushängeschild der Deutschen Marine dazu kommen konnte, ist schwer nachvollziehbar, gilt doch bereits seit 2007 ein für Bundesbehörden bindender Erlass für die Beschaffung von Holzprodukten. Dieser fordert eindeutig die Beschaffung von Holz aus zertifizierter nachhaltiger Waldwirtschaft. Für den Schiffsbau gibt es gleichwertige FSC-zertifizierte Alternativen zum Teakholz aus Myanmar.

„Weiß ist das Schiff, das wir lieben, weiß die Segel, die sich bläh'n“… so rosig wie im Refrain des bekannten Gorch Fock-Liedes besungen, ist es jetzt offensichtlich nicht um die Überholung des Segelschulschiffes bestellt. Die Beschaffung von Teakholz aus Myanmar, welches mit hoher Wahrscheinlichkeit aus illegalem Einschlag in Naturwäldern stammt, birgt nun ein erneutes Imageproblem für das einstige Aushängeschild der Deutschen Marine.

„Die Beschaffungsregeln der Bundesregierung für Holz sind klar und wurden aus gutem Grund verabschiedet“, so Dr. Uwe Sayer, Geschäftsführer von FSC Deutschland. „Sollten sich die Vorwürfe von WWF Deutschland und ARD als richtig herausstellen, ist der Vorgang schlichtweg skandalös.

Zertifizierungssysteme wie der FSC arbeiten seit Jahren darauf hin, Holzimporte nicht nur legal, sondern auch nachhaltiger zu machen. Sowohl die Bundesregierung sowie der gesamte Verbraucherschutz in Deutschland fordern den privaten Handel und die Industrie dazu auf, ihre Holzbeschaffung umzustellen. Dass sich nun öffentliche Behörden ausgerechnet bei einem Prestigeobjekt wie der „Gorch Fock“ darüber hinwegsetzen, wirft den gesamten Bereich um Jahre zurück und zeigt auf erschreckende Weise, wie wenig ernst wir dieses Thema in Deutschland nehmen.“ Der Fall zeugt aus Sicht des promovierten Ökologen Sayer von Ignoranz gegenüber dem Wert intakter und bedrohter Wälder: „Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, messen die Aufsichtsbehörden hier offensichtlich mit zweierlei Maß. Jeder kleine Holzhändler oder Bootsbauer würde von den Behörden in so einem Fall – völlig zu Recht – mit Sanktionen und Strafen konfrontiert. Das betroffene Holz wäre bis zur endgültigen Klärung beschlagnahmt.“

Bereits seit 2007 gelten für den Bund und die nachgeordneten Behörden klare Regeln für die Beschaffung von Holzprodukten. Dort ist klar geregelt, dass der Bund zur Förderung nachhaltiger zertifizierter Forstwirtschaft FSC-zertifiziertes Holz beschafft oder zumindest gleichwertig anerkannte Nachweise für Legalität und nachhaltige Forstwirtschaft erbringt. Der Erlass verlangt also nicht nur die Legalität für den Einkauf von Holz, sondern geht drüber hinaus und fordert auch den Kauf von zertifiziertem Holz, welches z.B. mit FSC-Zertifikat einen positiven Beitrag zum Erhalt des Waldökosystems und zu nachhaltiger Entwicklung leistet. Ausgerechnet bei einem Prestigeobjekt wie der „Gorch Fock“ wurden nun diese Regeln – gemäß den Berichten von Report Mainz und WWF Deutschland – von den zuständigen Stellen möglicherweise fahrlässig ignoriert. Dabei wären geeignete Alternativen am Markt vorhanden, wie der Leiter Marktbereich beim FSC Deutschland, Ulrich Malessa, unterstreicht: „Für den Schiffsbau gelten hohe Anforderungen an das Holz. Dies rechtfertigt jedoch nicht den Kauf von Hölzern aus unsicheren oder illegalen Quellen. Es gibt Alternativen mit FSC-Zertifikat zum Teakholz aus Myanmar. Indien etwa verfügt über nachhaltig bewirtschaftete, FSC-zertifizierte Wälder mit Teak und auch alternative Holzarten wie Salomon Padouk mit FSC, die sich in den letzten Jahren für den Bootsbau etabliert haben.“

WWF-Holzexperte Johannes Zahnen, der selber die Arbeit des ARD-Team unterstützt hatte, zeigt sich von den Untersuchungsergebnissen entsetzt: „Im Fall der Gorch Fock haben gleich zwei staatliche Behörden versagt. Das Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) ist entweder überfordert oder schert sich nicht um geltendes Recht. Nach geltendem Erlass für die Beschaffung des Bundes hätte hier nur Holz mit Zertifikat – aus Sicht des WWF am besten FSC – beschafft werden dürfen. Entsprechende Holzqualitäten mit FSC-Zertifikat müssten aus entsprechend alten Plantagen beschafft werden oder man muss nach Alternativhölzern Ausschau halten. So gibt es z.B. interessante Versuche mit Robinie im Bootsbau [Quelle: https://wp2.textour-freiburg.de/projekt/]. Dieses Tropenholz hätte nie eingeführt werden dürfen, die für Importkontrollen zuständige Bundesanstalt für Landwirtschaft (BLE) hätte dies spätestens stoppen müssen. In Myanmar werden die letzten natürlichen Tropenwälder von einem kriminellen Regime geplündert und deutsche Behörden drücken beide Augen zu.“ Zahnen fordert nun von den Behörden rasches Handeln: „Für das nicht legale und nicht nachhaltige Holz muss eine alternative Nutzung gesucht werden.“

FSC Deutschland fordert nun, den Fall grundlegend zu analysieren und falls erforderlich zügig und konsequent zu korrigieren, sollten sich die Vorwürfe bewahrheiten. Zudem muss sichergestellt sein, dass derartige Beschaffungsvorgänge sich in Zukunft nicht wiederholen, der Staat seiner Sorgfaltspflicht uneingeschränkt nachkommt und die eigenen Erlasse richtig anwendet.


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