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Montag, 10 September 2018
Deutschland im Verpackungswahn – doch es tut sich etwas

Der Markt für grüne, nachhaltige Produkte boomt. Doch umweltbewusste Konsumenten, die einen Beitrag zu einer verantwortungsvolleren Wirtschaft und Gesellschaft leisten wollen, achten nicht nur darauf, woher ihre Produkte stammen oder wie diese hergestellt wurden. Sie richten ihr Augenmerk auch darauf, wie diese verpackt sind. Selbst ressourcen- oder umweltschonend produzierte Artikel werden irgendwann an Glaubwürdigkeit verlieren, wenn sie in umweltschädlichen Materialien wie Plastik oder Aluminium daherkommen. Insbesondere im Hinblick auf die aktuelle Medienberichterstattung zur prekären Lage unserer Weltmeere sind die Themen Verpackung und Vermeidung von Verpackungsabfall unumgänglich. Projekte und Initiativen wie The Ocean CleanUp, die ambitioniert das Ziel verfolgen den Müll aus den Ozeanen zu entfernen, sind zweifelsfrei ein guter Start – um langfristig eine Verbesserung zu erzielen, muss das Problem jedoch an seinem Ursprung bekämpft werden: unter anderem in der Verpackungsindustrie selbst.


Deutschland steht seit Jahren europaweit an der Spitze, wenn es um Verpackungsmüll geht. 2016 belief sich die generierte Abfallmenge auf insgesamt mehr als 18,16 Millionen Tonnen. Da mit über acht Millionen Tonnen nicht, wie vielleicht anzunehmen wäre, Plastik-, sondern Papier- und Pappkartonverpackungen den größten Anteil davon ausmachen, bedarf es gerade in diesem Bereich einiger grundlegender Veränderungen und ökologischer Alternativen. Gerade in der Lebensmittelbranche werden Verpackungen allerdings aus Gründen der Hygiene, Haltbarkeit oder schlichtweg für den Transport zwingend benötigt und sind nicht immer per se eine schlechte Sache.

Inzwischen gibt es eine ganze Reihe nachhaltiger Alternativen zu den bisher verwendeten umweltschädlichen Materialien. So vereint zum Beispiel ein Müslikarton der gruendrucken GmbH eine ganze Menge praktischer und umweltfreundlicher Eigenschaften: Mit lebensmittelbasierten Spezialfarben bedruckt, wird der wiederverschließbare, mineralölfreie Behälter, der ohne die übliche innere Plastikfolie auskommt, zu 100 Prozent aus FSC-zertifizierten Fasern hergestellt. Selbst für die Anwendungsbereiche der bei gruendrucken eingesparten Plastiktüte existiert bereits ein Plan B: Die sogenannten „Nachhälter“ der Marke Grünkunft sehen aus wie Plastik und können ähnlich verwendet werden – werden aber wesentlich energieeffizienter aus Holzabfällen hergestellt. Das i-Tüpfelchen? Auch sie tragen das FSC-Siegel und unterstützen damit eine nachhaltige Bewirtschaftung der Wälder und die Einhaltung sozialer und ökonomischer Standards. Verpackungsinnovationen wie die oben erwähnten bieten Verbrauchern heutzutage eine Wahlmöglichkeit, durch die schlussendlich eine günstige Nachfragesituation für nachhaltige, verantwortungsvoll hergestellte Produkte und die dafür verwendeten Verpackungsmaterialien geschaffen wird. Damit haben Konsumenten durch ihre Kaufentscheidungen für solche „grünen“ Lösungen eine nicht unerhebliche Macht über das zur Verfügung gestellte Produktangebot. Dennoch sehen aber beispielsweise die deutschen Verbraucher überwiegend die Hersteller in der Pflicht Verantwortung zu übernehmen (Pwc, 2018) und Nachhaltigkeit als zunehmend bedeutsames Leitbild auch in die Verpackung ihrer Produkte zu integrieren.

Viele Unternehmen reagieren bereits auf diese Forderung und implementieren beispielsweise Regelwerke bezüglich einer verantwortungsvollen Beschaffung ihrer Verpackungsmaterialen in ihre Beschaffungsrichtlinien. Aldi, Lidl und Co. Haben sich zum Beispiel mittlerweile selbst Ziele auferlegt wie beispielsweise Plastik weitgehend durch Papier und holzbasierte Stoffe zu ersetzen oder beim Rohstoffeinkauf FSC-zertifizierten Produkten den Vorrang zu geben. So sollen Wälder geschont und Abfälle insgesamt reduziert werden. Ein weiterer Mehrwert, den Papierverpackungen mit sich bringen? Es landet kein weiteres Plastik im Meer. Um wirklich einen Unterschied zu machen, sollte aber auch hier immer auf das FSC-Siegel geachtet werden.


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