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Freitag, 27 Juli 2018
Schutz des Gepards mit FSC-Holzkohle und -Brennholz

Gepard (© Shutterstock)© Shutterstock

Bushblok – so nennt sich das Brennholz, das aus den Sträuchern der namibischen Savanne gewonnen wird. Flammenco – so heißt eine Holzkohle, die in Deutschland erhältlich ist und auch aus Namibia stammt. Die Entfernung des Busches spielt eine wichtige Rolle bei der Rettung des Gepards, der vom Aussterben bedroht ist.


Bushblok ist eine Erfindung des „Cheetah Conservation Fund“ (CCF), eine gemeinnützige Stiftung, die sich für das Überleben des Gepards und den Erhalt der Natur in Zentralnamibia einsetzt. Flammenco wiederum ist eine Eigenmarke des deutschen Grillkohlehändlers DHG mit Sitz in Kempen.
Die Existenz des Gepards ist stark gefährdet: Weltweit sank die Zahl von ca.100.000 Tieren im Jahre 1900 auf heute weniger als 7.500 Exemplare. Davon lebt ein Drittel in Namibia, größtenteils auf Nutztierfarmen. Allerdings hat sich dort allein in den 80er Jahren die Anzahl der Geparde halbiert, da die Bauern während einer Dürreperiode zunehmend Jagd auf die Wildtiere machten, um ihre Farmtiere zu beschützen.

Rinderfarm in Namibia (© FSC Africa / Janette Bennett)© FSC Africa / Janette BennettDie Savanne verbuscht
Heutzutage gilt jedoch das sogenannte „bush encroachment“, die zunehmende Dichte von Büschen und Bäumen in Zentralnamibia, als größtes Problem. Durch Überweidung, das Unterdrücken natürlicher Brände und das Töten von Pflanzenfressern wie Elefanten oder Rhinozerossen greift der Mensch massiv in das natürliche Gleichgewicht von Namibias Landschaft ein. Infolgedessen verbuscht die Savanne immer weiter und erschwert so dem Geparden seine Jagd. Davon sind rund 26 Millionen Hektar Land betroffen, was fast einem Drittel der Fläche Namibias entspricht. Doch nicht nur die Existenz des Gepards wird dadurch bedroht, sondern auch das Überleben vieler lokaler Dorfgemeinschaften. Schließlich sind fast drei Viertel der namibischen Bevölkerung auf die Landwirtschaft angewiesen, die einen der wichtigsten Wirtschaftszweige des Landes darstellt.

Bushblok-Pakete (© FSC Africa / Janette Bennett)© FSC Africa / Janette BennettDie „zündende“ Idee zur Wiederherstellung des Lebensraums
„Wir haben nach einem Konzept gesucht, wie man die Büsche als Rohstoffquelle nutzen und gleichzeitig das Ökosystem wiederherstellen kann. Dabei kamen wir zu dem Schluss, dass die Verarbeitung der Büsche und Bäume zu Feuerholzbriketts hier die ökonomisch attraktivste Lösung für uns ist“, sagt CCF Manager Dr. Bruce Brewer. Holzkohlehersteller hingegen ernten oft nur ausgewachsene Bäume und lassen kleinere Büsche stehen, was nicht zur für den Erhalt der Lebensräume notwendigen Öffnung der Savanne beiträgt. „Wir haben uns als Nutzer des gesamten Baumes positioniert, aber wir achteten darauf, andere damit nicht zu Kahlschlägen zu motivieren“, ergänzt Brewer.

FSC-Zertifizierung
Die FSC-Zertifizierung für das Unternehmen, die seit 2006 besteht, stellte sich als nächster logischer Schritt heraus. „Die Kriterien und regelmäßigen Kontrollen stellen sicher, dass wir beim Produktionsprozess detailliert auf eine nachhaltige Holzgewinnung achten“, sagt Brewer.
„Wir versuchen eine Vorbildrolle einzunehmen, indem wir eine Lösung anbieten, die allen Seiten Vorteile bringt. Zum Beispiel werden durch die Wiederherstellung einer produktiven Savanne sowohl der Erhalt der Artenvielfalt, als auch die verbesserten Lebensbedingungen der lokalen Bevölkerung gewährleistet. So vereint das Produkt wirtschaftliche Aspekte, Artenschutz sowie soziale Komponenten“, erklärt CCF Ökologe und Waldaufseher Matti Tweshingilwa Nghikembua. Er unterstreicht, dass die FSC-Zertifizierung eine breite Plattform bietet, um dieses nachhaltige Modellprojekt zu bewerben. „Wir befassen uns mit dem Verbraucherbewusstsein und glauben daran, dass wir mit FSC durch unsere Arbeit noch mehr Endverbraucher direkt erreichen können.“

Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt
Ein zusätzlicher Vorteil besteht in der Schaffung neuer Arbeitsplätze in einer Region mit hoher Arbeitslosigkeit. Bushblok beschäftigt aktuell insgesamt 30 Mitarbeiter und hofft, bald noch mehr Menschen einstellen zu können. Derzeit produziert die Fabrik jährlich etwa 500 Tonnen Briketts. Allein die Zahl an Arbeitsplätzen, die durch die Rohstoffernte geschaffen werden könnten, wird auf über 100 geschätzt.

Erste Erfolge
Seit Beginn der Erntearbeiten sind laut CCF bereits verschiedene Tier- und Grasarten in die namibische Savanne zurückgekehrt. Außerdem hat sich die Freilegung der Savanne positiv auf den Tourismus ausgewirkt, denn gerade offene Flächen sind attraktiver für Touristen, die Wildtiere beobachten wollen. Dies zeigt sich ebenfalls an der Popularität des CCF Zentrums, das sich jährlich über etwa 10.000 Besucher freut.
Bei einem weiteren Projekt zum Schutz der Savannen geht es um Wasserquellen und die Bodenfeuchtigkeit. Aufgrund der hohen Dichte des Buschwerks wird viel Feuchtigkeit aus dem Boden gesaugt, sodass einige Wasserquellen versiegt sind. Der CCF arbeitet nun mit einer Universität zusammen, um die Bodenfeuchtigkeit zu überprüfen und hierfür an langfristigen Lösungen zu arbeiten.
Doch zurück zum Gepard: Die Bestände in Namibia haben sich erfreulicherweise seit geraumer Zeit stabilisiert, was laut CCF der Zusammenarbeit von Regierungsinstitutionen und lokalen Gemeinschaften zu verdanken ist. Um den Geparden zu retten, müssen alle Beteiligten miteinbezogen werden, die sich mit ihm den Lebensraum teilen. Dazu gehört auch der Mensch, wie CCF Direktorin Laurie Marker eindrücklich betont und dies macht der FSC hier möglich.

Flammenco-Holzkohle aus Namibia – Ein Holzkohlesack der Marke Flammenco. (© DHG)© DHGAuch Holzkohle aus Namibia unterstützt die Entbuschung
Doch nicht nur die Holzkohlebriketts leisten Wichtiges. Der FSC-zertifizierte Grillkohlehändler DHG bezieht einen großen Teil seiner Flammenco-Grillkohle aus Namibia und leistet damit einen Beitrag, um der Verbuschung entgegenzuwirken. Auch mit der Mitgliedschaft in der National Charcoal Association (NCA) setzt sich das Unternehmen dafür ein, dass von Landwirten und Produzenten strenge Holzkohlestandards auf der Basis von FSC-Standards eingehalten werden, die Verbesserungen im ökologischen, ökonomischen und sozialen Bereich erwirken sollen.
Mehr Informationen finden Sie hier.

Die Politik interessiert sich für Namibia
Dieses Jahr stellte außerdem die Bundestagsfraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN eine „kleine Anfrage“ zur Holzkohleproduktion in Namibia. Gerade mit Blick auf Entwicklungshilfe und die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) wird hier die Frage gestellt, wie die Holzkohleproduktion in Namibia nachhaltiger gestaltet werden kann. Beispielsweise soll laut Bundesregierung in Kooperation von GIZ und FSC ein nationaler namibischer FSC-Standard ausgearbeitet und das Pilotprojekt einer FSC-Gruppenzertifizierung durchgeführt werden.
Die Themen rund um Namibia, Holz und Nachhaltigkeit sind also topaktuell und der FSC nimmt eine zentrale Rolle dabei ein, Fortschritte zu erzielen.
Die Antwort der Bundesregierung ist hier zu finden.


© Forest Stewardship Council® · FSC® F000213